Castrop-Rauxel [] ist eine große kreisangehörige Stadt im Kreis Recklinghausen im Regierungsbezirk Münster in Nordrhein-Westfalen. Die Ruhrgebietsstadt wird im Regionalverband Ruhr (RVR) durch den Kreis Recklinghausen vertreten und ist Teil der Metropolregion Rhein-Ruhr. In der Landesplanung Nordrhein-Westfalens ist Castrop-Rauxel als Mittelzentrum eingestuft.

Castrop-Rauxel war im 19. und 20. Jahrhundert stark durch den Bergbau geprägt. Im Zuge der Industrialisierung entstanden die Zechen Erin, Graf Schwerin, Ickern und Victor. Die Schließung der Zeche Erin im Jahr 1983 bedeutete das Ende des Bergbaus in Castrop-Rauxel. An diese Tradition erinnern Industriedenkmale wie der Förderturm der Zeche Erin und ihr Hammerkopfturm; das frühere Motto Industriestadt im Grünen wurde entsprechend in Europastadt im Grünen geändert.

Geographie Räumliche Lage Castrop-Rauxel liegt im Emscherland, dem nördlichen Teil des Ruhrgebiets, und gehört als Stadt im Kreis Recklinghausen zur Metropolregion Rhein-Ruhr. Rhein-Herne-Kanal und Emscher verlaufen durch die nördlichen Stadtteile Pöppinghausen, Habinghorst, Henrichenburg und Ickern, wobei das traditionell vestische Henrichenburg durch die hier südlich des Kanals verlaufende Emscher vom sich südlich anschließenden Habinghorst getrennt wird.

Stadtgebiet mini|hochkant=1.5|Karte des Deutschen Reiches (Maßstab 1:100.000) des heutigen Castrop-Rauxeler Gebietes Ende des 19. Jahrhunderts; Henrichenburg kam erst 1975 hinzu mini|Altstadt Castrop mit dem Förderturm der Zeche Erin mini|Der Stadtkern von Castrop, von Südwesten aus gesehen mini|hochkant|Erinturm im Erinpark

Das Stadtgebiet von Castrop-Rauxel hat eine Fläche von insgesamt 51,66 km². Die Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung beträgt 11,8 km und die West-Ost-Ausdehnung 9,3 km. Den höchsten Punkt der Stadt markiert die Halde Schwerin mit 147 m über NN, den niedrigsten die Pöppinghauser Straße neben Haus Nr. 264 mit 50,2 m über NN. Die mittlere Höhenlage beträgt 98,6 m über NN.

Die Stadt gliedert sich in 15 Stadtteile, von Nord nach Süd und innerhalb einer Zeile von West(südwest) nach Ost(nordost) sind das:Geodatenviewer der Stadt Castrop-Rauxel Henrichenburg (mit Becklem im äußersten Norden) Pöppinghausen, Habinghorst, Ickern Bladenhorst, Rauxel, Deininghausen Behringhausen, Castrop, Dingen Obercastrop, Schwerin Bövinghausen, Merklinde, Frohlinde Abgesehen vom jüngeren Stadtteil Schwerin, der den Süden der Gemarkungen Castrops und Rauxels einnimmt, entsprechen die heutigen Stadtteile exakt den seit 1975 unveränderten Gemarkungen.

Flächennutzung Die Gesamtfläche des Stadtgebietes gliedert sich in verschiedene Nutzungsarten (Stand 31. Dezember 2010):

Flächen in m² Anteil Gebäude- und Freifläche 16.384.832 31,7 % Betriebsfläche 1.497.843 2,9 % Erholungsfläche 2.835.924 5,5 % Verkehrsfläche 6.191.789 12,0 % Landwirtschaftliche Fläche 14.116.843 27,3 % Waldflächen 7.938.248 15,4 % Wasserfläche 1.941.522 3,8 % Flächen anderer Nutzung 758.372 1,5 % Gesamtfläche 51.665.373 100,0 %

Einwohnerzahlen Die Stadtteile bilden in der Regel gleichzeitig einen statistischen Bezirk; bei Henrichenburg (Trennlinie ist die B 235), Ickern (A 2, weiter südöstlich die Emscher) und Rauxel (A 42) sind es je zwei. Folgende Einwohnerzahlen entfallen auf die statistischen Bezirke (Stand: 31. Dezember 2012):, Stadt Castrop-Rauxel (PDF; 60 kB). Statistischer Bezirk Ein-wohner2012-12-31 Flächein km²regionalplaner.de: EWpro km² Behringhausen 1.810 1,723 1150 Bladenhorst 1.172 4,489 261 Bövinghausen 2.274 1,000 2274 Castrop 8.416 2,78 3019 Deininghausen 1.897 2,919 650 Dingen 921 1,811 509 Frohlinde 3.426 2,583 1326 Habinghorst 8.934 4,197 2129 Henrichenburg Ost 3.902 3,052 1279 Henrichenburg West 1.561 4,323 361 Ickern Nord 3.798 2,784 1364 Ickern Süd 11.863 4,475 2651 Merklinde 1.063 1,664 639 Obercastrop 6.212 2,557 2429 Pöppinghausen 793 3,529 225 Rauxel Nord 4.504 1,766 2550 Rauxel Süd 6.304 3,252 1938 Schwerin 6.471 2,583 2505 Stadt Castrop-Rauxel 75.321 51,495 1463mini|hochkant=2|zentriert|Statistische Bezirke der Stadt Castrop-Rauxel

Die Einwohnerdichten sind Zahlen über gesamte statistische Bezirke; ginge z. B. Henrichenburg Ost nach Norden nur bis zur Autobahn A 2, also ohne das fast unbesiedelte Borghagen, betrüge die Einwohnerdichte um 6.000 Einwohner pro Quadratkilometer.

Nachbargemeinden und Nachbarstädte Folgende Städte grenzen an die Stadt Castrop-Rauxel – im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Recklinghausen, Datteln, Waltrop (alle Kreis Recklinghausen), Dortmund, Bochum und Herne.

Naturschutzgebiete Beerenbruch Habinghorst Langeloh Pöppinghauser Wald Schlaan Tongrube Lessmöllmann Wagenbruchquellen

Geschichte mini|Der Marktplatz von Castrop-Rauxel mini|Altes Castrop-Rauxeler Rathaus mini|hochkant|Teil des Castrop-Rauxeler Rathauses

Auf dem Gelände der späteren Zeche Erin in Castrop befand sich eine germanische Siedlung, die vom Ende des 1. bis zum 5. Jahrhundert enge wirtschaftliche Beziehungen zum Römischen Reich hatte.

Mittelalter und Frühe Neuzeit Karl der Große legte in den Sachsenkriegen entlang der Straßen Verpflegungslager und Reichshöfe an und nutzte die Römerstraße bei seinem Marsch in Richtung Norden. Die Reichshöfe entwickelten sich zu Ortschaften, in diesem Fall wurde aus Castorp (Dorf am Speicher) Castrop.

834 wurde die Villa Castrop erstmals urkundlich erwähnt.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 109. Castrop gehörte zur Grafschaft Mark, die ab 1391 ein Teil der Grafschaft Kleve wurde. Kleve bestand seit etwa 1020 als Grafschaft und wurde 1417 zum Herzogtum erhoben. Im Jahre 1484 stellte Herzog Johann II. von Cleve den Bürgern von Castrop einen Freiheitsbrief aus: die Anerkennung ihres Ortes als Minderstadt (auch „Freiheit“ genannt).

Im Jahre 1609 starb das Herrschergeschlecht des Hauses Mark im Mannesstamm aus, und die Grafschaft Mark gelangte zusammen mit dem Herzogtum Kleve und der Grafschaft Ravensberg zunächst provisorisch und 1666 beim Erbvergleich dann definitiv an den Markgrafen von Brandenburg.

19. Jahrhundert 1830 wurde in Castrop eine Poststation eröffnet.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 110. 1847 erhielt Castrop durch die Fertigstellung der Köln-Mindener Eisenbahn mit einem Bahnhof in Castrop Anschluss an das Eisenbahnnetz. 1867 nahm das erste Steinkohlebergwerk auf dem Gebiet der heutigen Stadt Castrop-Rauxel die Förderung auf: die Zeche Erin.

20. Jahrhundert 1902 entstand aus der Titularstadt Castrop und zwei weiteren Gemeinden die Stadt Castrop. Am 1. April 1926 wurde die Stadt Castrop-Rauxel aus Teilen der Stadt Castrop und des Amtes Rauxel gebildet.Gesetz über die Neuregelung der kommunalen Grenzen im rheinisch-westfälischen Industriebezirke. Vom 26. Februar 1926 (Preuß. Gesetzsammlung Nr. 9, S. 53 ff.; vgl. § 21) Digitalisat Sie gehörte zunächst zum Landkreis Dortmund, bevor sie am 1. April 1928 kreisfrei wurde.Gesetz über die weitere Neuregelung der kommunalen Grenzen im westfälischen Industriebezirk. Vom 22. März 1928 (Preuß. Gesetzsammlung Nr. 7, S. 17 ff.; vgl. § 4) Digitalisat

Beim Novemberpogrom 1938 setzten SA-Mitglieder aus Herne die Castroper Synagoge von 1845 in Brand. Sie wurde einen Tag später abgerissen, die Abbruchkosten musste die jüdischen Gemeinde übernehmen. Dabei wurden Schaufensterscheiben und Inneneinrichtungen jüdischer Geschäfte demoliert, etwa zehn jüdische Einwohner verhaftet und ins KZ Sachsenhausen deportiert. Die übrigen jüdischen Bewohner wurden zunächst in „Judenhäusern“ untergebracht und im Laufe des Jahres 1942 über die Sammelstelle Dortmund ins besetzte Osteuropa deportiert. Heute erinnern eine Gedenktafel und die Pflastergestaltung am Simon-Cohen-Platz an die Synagoge. Seit November 2010 wurden in der Altstadt Castrops etwa 65 „Stolpersteine“ zur Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes verlegt.

Während des Luftkriegs war Castrop-Rauxel fünfmal Ziel größerer alliierter Luftangriffe auf das Ruhrgebiet und 30 Mal das Ziel kleinerer Angriffe, bei denen insgesamt 398 Menschen ums Leben kamen und 721 Häuser völlig zerstört wurden. Abgerufen am 8. Dezember 2022. Zum ersten Mal wurde Castrop-Rauxel am 4. Juni 1940 von Bomben getroffen. Hauptsächlich die großen Industriegebiete wie die Zechen und Chemiewerke wurden schwer getroffen, konnten allerdings meist bereits nach kurzer Zeit den Betrieb wieder aufnehmen. Es fielen jedoch auch zahlreiche Bomben auf Wohngebiete. Der erste Großangriff war am 13. Juni 1943, als 403 Bomber 832,4 Tonnen Bomben über der Stadt abwarfen. Weitere Großangriffe erfolgten am 24. Mai 1944 und am 11. September 1944. Am 7. März 1945 war Castrop-Rauxel wieder Ziel schwerer amerikanischer Luftangriffe. So wurden die Rütgerswerke und die Gesellschaft für Teerverwertung schwer getroffen. Am 13. März erfolgte ein weiterer schwerer Angriff auf die Zeche Erin, die nach dem Angriff für ein paar Tage die Förderung einstellen musste. Nur zwei Tage darauf, am 15. März, wurden die Rütgerswerke erneut Ziel amerikanischer Luftangriffe. Insgesamt wurde Castrop-Rauxel zu 24 % zerstört, was im Vergleich zu anderen Ruhrgebietsstädten ein vergleichsweise geringer Zerstörungsgrad war.Erich Keyser: Westfälisches Städtebuch. Stuttgart 1954.

Am 1. April 1945 trafen sich der Castroper Oberbürgermeister Anton und die höchsten Beamten und Angestellten und diskutierten den Führerbefehl, bei Anrücken des Feindes alle Brücken, Versorgungsleitungen und Produktionsbetriebe zu zerstören. Es wurde einstimmig beschlossen, diesen Befehl zu ignorieren. Der Ortskommandant der Deutschen Streitkräfte verkündete vor dem Oberbürgermeister um 17 Uhr: „Castrop ist nun Kampfgebiet!“ Am 2. April erreichten die Amerikaner Castrop-Rauxel im Norden, wobei Pöppinghausen als erster Stadtteil in amerikanische Hände fiel. Die Deutschen hatten sich bereits hinter den Kanal zurückgezogen und die Kanalbrücke Bladenhorst, die Schemhofbrücke an der Wartburgstraße sowie die Brücke an der Hebewerkstraße und sämtliche Emscherbrücken gesprengt. Nachdem sich der Kreisleiter Nieper abgesetzt hatte, wurde auch der Volkssturm am 4. April entwaffnet und aufgelöst.

Erstmals waren die Amerikaner wieder auf schweren Widerstand gestoßen, denn für den relativ kleinen Frontabschnitt war Castrop gut besetzt und wurde schwer verteidigt. Bereits Ende 1944 wurde in Castrop begonnen, Panzersperren, Ein-Mann-Schützenlöcher sowie auf Betonsockeln installierte Flak vom Kaliber 8,8 cm und 2 cm zu befestigen. Auf deutscher Seite standen das 2. und das 23. Regiment der 2. Fallschirmjäger-Division sowie ein Bataillon der Heerespolizei mit Sturmgeschützen den gut ausgerüsteten amerikanischen Truppen des 289. Regiments der 26. US-Infanterie-Division gegenüber. Nach Kampfberichten der 26. US-Infanterie-Division war der Widerstand in Castrop-Rauxel zäher als im Ardennenbogen und im Kessel von Colmar. Am 8. April nahmen amerikanische Truppen endgültig die Altstadt sowie Beringhausen ein. Der letzte verbissene Widerstand fand am 9. April im Bereich Merklinde statt. Diese Verteidiger zogen sich allerdings in Richtung Merklinde zurück.