Westerland (dänisch: Vesterland, nordfriesisch: Wäästerlön oder Weesterlön) ist ein Ortsteil der Gemeinde Sylt im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein und Hauptort der Nordseeinsel Sylt. Von 1905 bis 2008 besaß Westerland das Stadtrecht. Westerland liegt rund 74 Kilometer westlich von Flensburg, 134 Kilometer nordwestlich von Kiel und 186 Kilometer nordwestlich von Hamburg.

Geschichte Bis zur Bestimmung als Seebad 1855 mini|links|Dorfstraße in Westerland, Postkarte (um 1900) mini|Strand von Westerland mini|Der Westerländer Strand in Richtung Süden (Sommer 2017) mini|Reste einer alten Holzbuhne am Strand von Westerland 2020. Die jüngeren Stahl- und Stahlbetonbuhnen sind, da wirkungslos, zum Schutz der Badegäste weitgehend entfernt worden mini|Musikmuschel auf der Strandpromenade mini|St. Nicolai mini|Rathaus und Casino Die ehemals selbstständige Stadt Westerland ist nach Hörnum der jüngste Ort auf Sylt. Nachdem bei der Allerheiligenflut am 1. November 1436 der Ort Eidum vollständig zerstört wurde, gründeten die Überlebenden auf den Heideflächen nordöstlich der alten Siedlung einen neuen Ort. Der Name Westerland leitet sich wohl von einer alten Tinnumer Flurbezeichnung ab, auf der diese neue Siedlung entstand: Es handelte sich um das Land westlich des Dorfes, also das Wester-Land. Das heutige Alt-Westerland wurde 1462 erstmals urkundlich erwähnt.

Nachdem die ehemaligen Eidumer noch 200 Jahre lang ihre zwischen den Dünen stehende Kirche benutzt hatten, die noch 1648 auf Johannes Mejers Karte eingezeichnet ist, begannen sie 1635 am Ostrand ihres neuen Dorfes mit dem Bau einer eigenen Kirche, der heutigen Dorfkirche St. Niels, die wie die Eidumer Kirche Nikolaus von Myra, dem Heiligen der Seefahrer, geweiht war. Das Inventar und die Glocke stammen aus der alten Eidumer Kirche.

Westerland bestand 1778 lediglich aus 124 Häusern und war so arm, dass kein einziger Landbesitzer sich von seinem Land ernähren konnte, weil das fruchtbare Marschland entweder von der See weggespült wurde oder von den Dünen versandete, wie das Kirchenkollegium an den Herzog schrieb, verbunden mit der Bitte, eine Kollekte zur Renovierung der inzwischen baufälligen Kirche zu genehmigen.Peter Schmidt-Eppendorfer: Sylt. Memoiren einer Insel. Dokumente, Chroniken, Berichte aus 1001 Jahren, Husum 1977, S. 74–75

Das Seebad vor dem Bau des Hindenburgdamms Im Jahr 1855 erhielt der Ort das Prädikat eines Seebades. Die rund 500 Einwohner beherbergten in der ersten Saison 98 Gäste. Bald galt Westerland als das fortschrittlichste Bad, da im sogenannten Familienbad Männer und Frauen gemeinsam baden durften. Das erste neu erbaute Hotel des Ortes war die im Jahr 1858 eröffnete Dünenhalle, später Hotel Union an der Deckerstraße. Dieses Haus überlebte die Zeiten, bis es im Jahr 2002 abgerissen wurde. Hauptort der Insel wurde Westerland erst mit der Anerkennung als Seebad; bis dahin war über Jahrhunderte Keitum der Hauptort Sylts; dort befand sich zum Beispiel noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts die einzige Apotheke der Insel. Durch seine zentrale Lage am Schnittpunkt aller Verkehrsachsen und aufgrund seiner Strandnähe festigte sich in den vergangenen 150 Jahren Westerlands insulare Vormachtstellung. 1905 erhielt Westerland schließlich das Stadtrecht. mini|Gedenkstein Westerland ‚50 jahre Seebad‘ aus dem Jahr 1905 Durch die vielen katholischen Kurgäste sah man sich veranlasst, 1896 ein katholisches Gotteshaus, die Herz-Jesu-Kirche, zu bauen. Diesem folgte 1957 ein größerer Bau, die Christophoruskirche. Die alte Kirche wurde daraufhin von der Stadt Westerland abgerissen. Wegen mangelhafter Bauqualität wurde allerdings bereits in den 1990er Jahren entschieden, auch den größeren Bau wieder abzureißen und an gleicher Stelle durch einen weiteren Neubau zu ersetzen, der am Palmsonntag des Jahres 1999 eingeweiht wurde.

Als die kleine Dorfkirche St. Niels für die schnell wachsende Bevölkerung und die vielen Gäste nicht mehr ausreichte, errichtete man im Jahr 1908 zusätzlich die Stadtkirche St. Nikolai.

Deutsch oder dänisch? Westerland gehörte bis zum Deutsch-Dänischen Krieg 1864 zum Herzogtum Schleswig, welches als Lehen zu Dänemark gehörte. Historisch befinden sich Ort und Insel in den friesisch besiedelten Uthlanden. Bei der Volksabstimmung 1920 über die nationale Zugehörigkeit der Region stimmten in Westerland 1217 Einwohner für Deutschland, 132 für Dänemark.Det midlerstidige ministerium for sønderjydske anlieggender: Afstemmingen i Sønderjylland, København 1920, S. 29 Westerland und die Insel Sylt verblieben somit bei Deutschland.

Seit dem Bau des Hindenburgdamms In den 1920er Jahren war Westerland auf dem Weg, ein mondänes Seebad zu werden. In der Zeit des Nationalsozialismus gehörte Westerland, das bis dahin als judenfreundlich gegolten hatte, zu den Strandbädern, die 1934 Juden die Aufnahme und Beherbergung verweigerten. Damit verlor es einen Großteil seines vorherigen Publikums.

1949 folgte schließlich die Anerkennung als Seeheilbad. Dem Bauboom, der die Stadt in den 1960er Jahren erfasste, fielen viele alte Villen und Logierhäuser neuen Apartmentbauten zum Opfer. Zwischen 1951 und 1964 war mit dem ehemaligen SS-Gruppenführer Heinz Reinefarth einer der Befehlshaber bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes Bürgermeister von Westerland.Deutsche und Polen: Heinz Reinefarth, Der Henker von Warschau. Bei: Rundfunk Berlin-Brandenburg

Das Stadtbild veränderte sich in den 1960er Jahren entscheidend. Ausgelöst durch den Boom des Tourismus entstanden große Apartmentblocks und Hotels. Am auffälligsten war hier das Kurzentrum Westerland, das zwischen 1966 und 1969 gebaut wurde. Die drei Apartmentblocks überragen auch 2023 noch alle anderen Gebäude. An einem weiteren Großbau, dem geplanten Ferienzentrum Atlantis, das in 25 Stockwerken ein Kurmittelhaus, 750 Apartments und 1200 Tiefgaragenplätze umfassen sollte, entzündete sich ein langanhaltender Streit. Das Gebäude wurde schließlich vom Innenministerium in Kiel gestoppt, die weitere Stadtentwicklung setzte nicht mehr ausschließlich auf moderne Apartmentblocks.Wolf Gütschow, Volker Frenzel: Sylt - die großen Jahrzehnte, Medien-Verlag Schubert, ISBN 3-929229-96-X, S. 72

1988 verfasste die aus Berlin stammende Band Die Ärzte ein Lied über Westerland, das bis heute zu ihren größten Hits zählt.

Per Bürgerentscheid wurde am 25. Mai 2008 der Zusammenschluss mit der Gemeinde Sylt-Ost zum 1. Januar 2009 beschlossen.. In: shz.de Seit dem 1. Januar 2009 bilden diese beiden Gemeinden gemeinsam mit Rantum die neue Gemeinde Sylt.StBA: Gebietsänderungen am 01.01.2009

Bevölkerungsentwicklung mini|Reisende im Wind – Bildhauer Martin Wolke 1755: 490 Einwohner 1804: 437 Einwohner 1905: 2.292 Einwohner 1934: 3.614 Einwohner 1939: 6.209 Einwohner 1946: 10.957 Einwohner (Deutlich erkennbar die hohe Zahl an Flüchtlingsfamilien) 1961: 8.507 Einwohner 1968: 11.020 Einwohner (hier wurden noch alle Zweitwohnungsbesitzer mit erfasst) 1979: 9.525 Einwohner (ab hier ohne Zweitwohnungsbesitzer) 2006: 8.973 Einwohner 2007: 9.072 EinwohnerOrte, Städte, Gemeinden im Landkreis Nordfriesland

Politik mini|hochkant|Wilhelmine – Plastik der Bildhauerin Ursula Hensel-Krüger Bürgermeister (1905–2008) 1905–1908 Bürgermeister Kindler 1908–1915 Bürgermeister Martin Frommhold 1915–1920 verwaltete Stadtsekretär Kapp das Amt des Bürgermeisters 1920–1933 Bürgermeister Kapp 1933–1934 Bürgermeister Findeisen 1934–1938 Bürgermeister und Kurdirektor Schuldt 1938–1939 Komm. Bürgermeister NSDAP-Ortsgruppenleiter Jacobsen 1939–1940 Bürgermeister Fiedler 1940–1942 Bürgermeister Freiherr Traugott v. Heintze 1942–1943 Bürgermeister Bergmann 1943–1944 Komm. Bürgermeister Oberinspektor Schmidt 1944 Komm. Bürgermeister Böhm 1944 Komm. Bürgermeister Ortsgruppenleiter Jacobsen 1945 Bürgermeister Kapp 1945 Komm. Bürgermeister Momsen 1946–1951 Bürgermeister Andreas Nielsen 1951 Bürgermeister Lobsien 1951–1964 Heinz Reinefarth, GB/BHE 1964–1976 Ernst Schilling CDU 1976–1991 Volker Hoppe, CDU 1991–2008 Petra Reiber, parteilos (2009–2015 Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt)

Wappen miniatur|Westerländer Flagge Blasonierung: „In Silber über blau-silbernen Wellen ein roter Leuchtturm mit goldener Laterne, von dem nach rechts und links drei rote, goldschimmernde Strahlenbündel ausgehen. Das Mauerwerk unterhalb der Laterne ist belegt mit einem geteilten Schild: oben Silber ohne Bild, unten Blau, darin ein silberner Hering.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]

Kultur und Sehenswürdigkeiten Allgemeines mini|hochkant|Friedhof der Heimatlosen mini|Heinrich von Stephan Büste Westerland Westerland hat mit dem „Friedhof der Heimatlosen“ einen besonderen Friedhof für die namenlos angetriebenen toten Seeleute mit einem zentralen Mal, einem mächtigen Findling, der von der rumänischen Königin Elisabeth zu Wied 1888 gestiftet wurde und mit einem Gedicht des Kirchenlieddichters und Hofpredigers Rudolf Kögel versehen ist. Am 11. Juni 1896 fand die Enthüllung eines Denkmals für Heinrich von Stephan nach Entwurf des Bildhauers Hugo Berwald statt.

Bekannt ist Westerland auch für seine lange Promenade entlang des Weststrandes: Sie ist über sechs Kilometer lang und besteht seit über 100 Jahren. Auf dieser Promenade finden in der Saison abends regelmäßig Kurkonzerte in der sogenannten „Musikmuschel“ statt. Das im Jahr 2004 eröffnete Sylt Aquarium bietet den Besuchern Einblicke in die Unterwasserwelt der Meere. Seit 2001 steht das Skulpturenensemble des Künstlers Martin Wolke Die Reisenden Riesen im Wind auf dem Bahnhofsvorplatz von Westerland.

Westerland ist Austragungsort des Windsurf World Cup Sylt, der bereits seit über Jahren durchgeführt wird.

Historische und herausragende Bauwerke mini|Katholische St.-Christophorus-Kirche Evangelische Kirche St. Niels, 1634 erbaut Die alte Dorfkirche von Westerland wurde 1637 eingeweiht und birgt eine Reihe wertvoller Kunstwerke. Der Turm entstand 1875. Kurhaus Westerland, erbaut 1897 Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurden dort Vergnügungsstätten, Bars und Spielsäle eingerichtet. Heute beherbergt das Bauwerk das Rathaus und das Spielkasino. Evangelische Kirche St. Nicolai erbaut ab 1906 Der Bau der 1908 eingeweihten neuromanischen Stadtkirche wurde notwendig, weil die alte Dorfkirche St. Niels zu klein geworden war. Westerländer Roland, von 1917/18 Staldkirken, seit 1952 Die dänische Kirche befindet sich in einem Friesenhof von 1780. Katholische Kirche St. Christophorus Die 1999 errichtete Kirche ist ein bemerkenswerter Bau der Postmoderne.

Wirtschaft und Infrastruktur Die Wirtschaft Westerlands ist sehr stark auf den Tourismus der Insel ausgerichtet. Im Jahr 2002 war Westerland hinter Sankt Peter-Ording zweitwichtigster Ort für den Tourismus in Schleswig-Holstein: 96.120 Gäste, davon 271 (0,28 Prozent) aus dem Ausland, buchten 819.935 Übernachtungen. Die Stadt verfügte über 9.159 Gästebetten. Im Süden der Stadt befindet sich ein Campingplatz.

Für die Insel Sylt bildet Westerland ein Zentrum für die Versorgung; Einzelhandel und Dienstleister versorgen Einwohner und Gäste der gesamten Insel.

Die Reederei Adler-Schiffe hat ihren Sitz in Westerland.

Verkehr mini|Bahnhofsgebäude mini|Zug der NOB im Bahnhof Westerland Auf Sylt ist wie auf allen nordfriesischen Inseln Autoverkehr gestattet. Es gibt in Westerland ein gut ausgebautes Straßennetz und genügend (zum Teil gebührenpflichtige) Parkplätze. In den 1970er und 1980er Jahren wurde in Westerland ein Nachtfahrverbot in einigen Straßen des „Kurzentrums“ eingeführt, für dessen Umsetzung nachts einige Straßen ab 22:00 Uhr mit einer Schranke verschlossen wurden, sodass kein Autoverkehr mehr möglich war. Das Nachtfahrverbot wurde 1998 wieder aufgehoben und die Schranken abgebaut.

Schienenverkehr