mini|hochkant=1.5|Karte des Allgäus (grün) ohne Landkreise und Grenzen:• Tore ins Allgäu (orange)• Teilbereiche des Allgäus (weiß)• Benachbarte Regionen (grau) mini|hochkant=1.5|Lage des Allgäus im Süden von Oberschwaben mini|Der Grünten, „Wächter des Allgäus“ mini|Allgäuer Voralpenlandschaft mini|Typische Allgäuer Voralpenlandschaft: Siggenhauser Weiher bei Amtzell mini|Hopfen am See als Beispiel für einen vom Tourismus geprägten Ort mini|Allgäuer Bauernhaus in Christazhofen, Lkr. Ravensburg Das Allgäu ist eine mit den Alpen im Zusammenhang stehende Landschaft in DeutschlandWalter Jahn: Das Allgäu. Materialien und Anleitungen zu analytischen und synoptischen Raumbetrachtung. Blutenburg-Verlag, München 1979, S. 4. mit kulturellen und sprachlichen Eigenheiten. Häufig wird das Allgäu auch als Region wahrgenommen. Es lässt sich geografisch schwierig eingrenzen, besteht aber in allen Fällen aus dem südlichsten Teil des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben. Neben dem alpinen Allgäu gehören auch geringe Teile des Voralpenraums zum Allgäu. So bilden der bayerische Landkreis Oberallgäu und die südlichen Teile des Landkreises Ostallgäu den Kern des Allgäus. Teile des baden-württembergischen Landkreises Ravensburg zusammen mit Teilen des bayerischen Landkreises Lindau gehören als Westallgäu dazu. Das ursprüngliche Allgäu erstreckt sich als schmaler Streifen südlich von Kempten zwischen Scheidegg, Oberstaufen über Immenstadt, Sonthofen und Oberstdorf nach Bad Hindelang. Der westlichste Teil des Allgäus gehört zu Baden-Württemberg, das sogenannte Württembergische Allgäu. Hierzu gehören die Orte Kißlegg, Wangen, Leutkirch, Argenbühl und Isny, die auch dem Westallgäu zugeordnet werden.

Während das Allgäu zu Deutschland gehört, liegen die Allgäuer Alpen als südliche Grenze des Allgäus etwa zur Hälfte auf österreichischem Gebiet. Seit den 1970er Jahren wird der Name „Allgäu“ sukzessive für eine Vermarktung verwendet, womit nicht in der Region gelegene Orte als „im Allgäu“ verortet beworben werden. Insgesamt aber verschob sich die vermarktete Grenze des Allgäus als Tor zum Allgäu um 2005 von Kaufbeuren nach Buchloe.Reinhard Baumann: Dreigeteiltes Allgäu – Die Integration einer historisch gewachsenen Landschaft. In: Carl A. Hoffmann, Rolf Kießling (Hrsg.): Die Integration in den modernen Staat. Ostschwaben, Oberschwaben und Vorarlberg im 19. Jahrhundert. UVK Verlag, Konstanz 2007, ISBN 978-3-89669-627-4, S. 179. Teilweise wird das Allgäu als geografische Teilregion Oberschwabens gesehen.

Etymologie Nach einer Theorie steckt im Vorderglied des Namens Allgäu althochdeutsch alb „Berg, Bergwiese“; das Hinterglied ist mittelhochdeutschen göu „Gau, Landschaft, Gegend“, wobei die Etymologie von Gau, Gäu unsicher ist (siehe Gau#Etymologie). Eine andere These geht davon aus, dass mit gäu nicht der Gau gemeint ist, sondern dass die zweite Silbe von Ge-Äu kommt, also für mehrere Auen steht (analog wie mehrere Berge ein Gebirge bilden).Alfred Weitnauer: Bei uns im Allgäu. 5., neubearb. Aufl., Verlag für Heimatpflege, Kempten 1965, S. 38. In diesem Fall wäre die Bedeutung etwa bergige Landschaft mit viel Wasser und Wiesen bzw. Auen.

Allgovia bzw. Algovia ist die latinisierte Form des Wortes Allgäu.

Neuere Namensschöpfungen sind die Landkreise Oberallgäu, Ostallgäu und Unterallgäu, deren Benennung aus verwaltungstechnischen und touristischen Gründen erfolgte.

Geographie Ausdehnung und Abgrenzung des Allgäus mini|Heutige Tourismusdefinition der Urlaubsregion Allgäu mini|Allgäuer Voralpenlandschaft in der Nähe von Oberstaufen. Im Hintergrund das Tal von Weißach und die Vorarlberger Berge. Das Allgäu wird teilweise als Landschaft Oberschwabens gesehen und hat keine streng definierte geografische Begrenzung, oft geht es fließend in die benachbarten Landschaften über. Die Bedeutung des Wortes Allgäu unterliegt einer Wandlung bis in die Gegenwart.

Identitätsstiftung Wissenschaftliche Untersuchungen des Begriffs Allgäu zeigten auf, dass die Landschaft Allgäu kein identitätsstiftender Raum ist und dass jede Identitätsstiftung stets durch staatliche Verwaltungsgliederungen geprägt ist, beispielsweise durch die Benennung von Landkreisen (Landkreis Unterallgäu im Jahr 1972) oder Städten (Wangen im Allgäu im Jahr 1936). Gesellschaftlich sahen sich bis in das 20. Jahrhundert hinein die Stadtbewohner nicht als Allgäuer, dies war ausschließlich auf die ärmlichen Menschen in der ländlich-bäuerlichen Landschaft bezogen.Reinhard Baumann: Dreigeteiltes Allgäu – Die Integration einer historisch gewachsenen Landschaft. In: Carl A. Hoffmann, Rolf Kießling (Hrsg.): Die Integration in den modernen Staat. Ostschwaben, Oberschwaben und Vorarlberg im 19. Jahrhundert. UVK Verlag, Konstanz 2007, ISBN 978-3-89669-627-4, S. 179–183.

Als identitätsstiftend für das Allgäu gilt die Milch- und Käsewirtschaft: Diese war traditionell im Süden mit der Grünlandwirtschaft vorzufinden, da die lehmig-kiesigen Böden dort für den Anbau nicht ertragreich genug waren. Ertragreiche Böden für den Anbau von Getreide gab es um Memmingen (auch bekannt als die Kornkammer Oberschwabens), Wangen und Ravensburg – Orte, die erst seit dem 20. Jahrhundert dem Allgäu durch Landkreis- und Ortsbenennungen nach einer Phase der Eingewöhnung hinzugerechnet werden. In diesen ehemaligen Reichsstädten gab es durch den Getreideanbau, besseren Verkehrsanbindung und der klimabedingten einfacheren Lebensbedingungen auch mehr Reichtum als in den vergleichsweise armen Reichsstädten wie in Kempten oder dem Grenzfall Kaufbeuren.

Als weiterer Faktor für die Identitätsstiftung gilt der Tourismus, insbesondere in Form des Alpinismus. So wird die Landschaft Allgäu wegen der Berglandschaft aufgesucht. Eine erste Ausbreitung dieses Gebiets kam mit der Eisenbahn ab 1853 (Oberstaufen) sowie ab 1888 (Oberstdorf): Es konnten mehr Touristen in die Landschaft gelangen. Die Reisezeiten wurden im Vergleich zu vorigen, eher der wohlhabenden Schicht vorbehaltenen Transportmitteln mit der Kutsche oder auf dem Pferd, deutlich verkürzt. Da es in den alpinen Kernorten kaum Beherbergungsmöglichkeiten gab, wurden Beherbergungen außerhalb des Kerngebiets aufgesucht. Dieses Potenzial wurde in den touristischen Gebieten erkannt, als Hausbesitzer anfingen, Gästezimmer zu vermieten. Eine weitere Entwicklungsstufe war die Spezialisierung einzelner Orte als Kurort im späten 19. Jahrhundert bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Anlockung von Gästen, da ansonsten in flachen Landschaften vor dem alpinen Allgäu wenig geboten wurde. Ab den 1950ern entwickelten sich als Spezialisierung Einrichtungen wie Saunen und Bäder im zunehmenden Gesundheitstourismus mit Hotels, um auch Gäste außerhalb des Alpinismus anzusprechen, aber von diesem Gästestrom zu profitieren. Dieses Konzept übernahmen dann auch Orte außerhalb der Kernzone. Um hiervon zu profitieren, übernahmen im Laufe der Jahrzehnte immer mehr Gemeinden die Zugehörigkeit zum Allgäu, obwohl sie sich davor noch in touristischen Netzwerken wie der Oberschwäbischen Barockstraße oder Mühlenstraße Oberschwaben organisiert und entsprechende Postkarten herausgegeben hatten.

Historische Entwicklung mini|Darstellung des auf Verwaltungsebene geschaffenen Archidiakonats Allgäu als Teil des Bistums Konstanz vor der Reformationszeit. Es geht weit hinaus in den Westen bis nach Überlingen am Bodensee.

Das Urallgäu bezeichnet den Bereich des ehemaligen Alpgaues. Es war auch gleichzeitig die geringste Ausdehnung des Landschaftsbegriffs mit den Grenzorten Scheidegg, Lindenberg, Wolfertshofen im Westen, Wiederhofen und Niedersonthofen im Norden, Humminfurt, Greggenhofen und Hindelang im Osten sowie Oberstdorf im Süden.Crämer, Karte 2. Das Ur-Allgäu. Die größte Ausdehnung erfuhr der Name Allgäu nach dem Bauernkrieg Anfang des 16. Jahrhunderts, als das gesamte Oberschwaben als Allgäu tituliert wurde und Städte wie Ulm, Laupheim und Ehingen als nördliche Grenze des Allgäus angesehen wurden.Sebastian Münster: Cosmographia Universalis. Heinrich Petri, Basel 1550.Petermanns Geographische Mitteilungen. Band 99, 1955, S. 25. Im Westen wurde zu jener Zeit das Linzgau mit Pfullendorf und Überlingen zum Allgäu gezählt.Karte über die Archidiaconate und Decanate oder Landcapitel des Bischtums Constanz vor der Reformationszeit nach P. Neugarts Angaben 1871. In: Freiburger Diözesan-Archiv. Band 6 (1871).

Heute wird das Allgäu überwiegend als die Region angesehen, die die Allgäu GmbH als Gesellschaft für Tourismus und Wirtschaftsstandort einschließt. Hierbei wird vor allem im Süden der Landkreis Oberallgäu und Landkreis Lindau (Bodensee), der Norden durch den Landkreis Unterallgäu in Bayern und Teile des Landkreises Ravensburg in Baden-Württemberg, der Osten durch den Landkreis Ostallgäu und der Westen durch Teile des Landkreises Lindau und Ravensburg als Grenze angesehen. Meist wird aus Gründen einer angenommenen touristischen Attraktivitätssteigerung mit Bezeichnung Allgäu die Zugehörigkeit recht großzügig ausgelegt.Crämer, S. 124. Das Allgäu stellt gegenwärtig mehr eine Marke für ein großes Gebiet als für eine kompakte gebirgige Landschaft dar.

Versuche einer Abgrenzung Im Süden ist die Landschaft durch den Hauptkamm der Allgäuer Alpen relativ eindeutig abgegrenzt. Nach Osten stellt der Flusslauf des Lech im Wesentlichen die Grenze dar, wobei im südlichen Landkreis Ostallgäu (Alt-Landkreis Füssen) der Bereich etwas nach Osten zu den Ammergauer Alpen hin ausgedehnt ist.

Gelegentlich herrscht Uneinigkeit darüber, welche Orte im Randbereich noch zum Allgäu zu zählen sind. Allerdings war der Begriff des Allgäus im Laufe der Geschichte nie statisch, sondern unterlag Wandlungen.

mini|Immenstadt, Rauhenzell im Allgäu

Moderne Landkreise seit 1972/1973: „Unterallgäu“ Mit der Gebietsreform von 1972/73 entstanden die Landkreise Ostallgäu (ehemals Landkreise Kaufbeuren, Marktoberdorf und Füssen), Oberallgäu (ehemals Landkreise Kempten (Allgäu) und Sonthofen) und Unterallgäu (ehemals Landkreise Memmingen und Mindelheim sowie Teile der Landkreise Illertissen, Krumbach (Schwaben) und Kaufbeuren). Die Ausdehnung des Unterallgäus ist aber nicht mit dem Landkreis Unterallgäu gleichzusetzen. Im historischen Sinn wird das Unterland als der Bereich zwischen Immenstadt und Dietmannsried gemeint, der Landkreis reicht jedoch weit in das mittelschwäbische Gebiet hinein. So liegen nur etwa 2 Prozent des Landkreisgebiets auf Allgäuer Gebiet. Der Begriff Unterallgäu ist erst mit der Schaffung des neuen Landkreises Unterallgäu für diese Region erfunden worden.

Die Städte Memmingen, Mindelheim sowie der Markt Ottobeuren werden erst seit einigen Jahrzehnten über die sogenannte Heuschreckengrenze durch den Heimatpfleger Alfred Weitnauer dem Allgäu zugerechnet. Er plädierte für die Zugehörigkeit, während in der älteren Literatur und bei Allgäuforscher Otto Merkt davon nicht die Rede ist. Die früher zum Illergau, dann zu Oberschwaben gehörenden Orte bezeichnen sich vor allem aus touristischen Gründen mit dem Titel im Allgäu. Diese Zugehörigkeit kann an den für Oberschwaben typischen Bauwerken (z. B. Bauernhöfen) und der Sprache gesehen werden.Josef Hofmiller: Versuche. 2., erw. Auflage. Hrsg.: Hulda Hofmiller. Karl Rauch Verlag, Leipzig 1937; Memminger Zeitung. 27. Januar 2009, S. 30: Dialekt stiftet Identität.Göppinger Akademische Beiträge. Hrsg. Ulrich Müller, Franz Hundsnurscher, K. Werner Jauss, Nr. 77 Die Landschaftsnamen Allgäu und Oberschwaben in geographischer und historischer Sicht. Von Günther Bradler. Verlag Alfred Kummerle, Göppingen 1973.