mini|hochkant=1.2|Michelangelo Buonarroti: Statue des Mose (1513–1515), Teil des Juliusgrabmals in San Pietro in Vincoli, Rom

Mose oder MosesDie dem hebräischen Namen angehängte griechisch-lateinische Nominativendung s wird im Englischen weiterhin verwendet. Im Deutschen bestand seit der Lutherbibel (vgl. 2. Buch Mose 3) eine konfessionelle Differenz: katholisch Moses, evangelisch Mose; heute gilt allgemein Mose, siehe Schreibweise biblischer Namen im Deutschen. Die griechische Deklination des Namens ist in Exodus 3 nachvollziehbar. (; ; Mūsā) ist die Zentralfigur in den Erzählungen des Pentateuchs. Nach biblischer Überlieferung führte der Prophet Mose () als von Gott Beauftragter das Volk der Israeliten auf einer 40 Jahre währenden Wanderung aus der ägyptischen Sklaverei in das kanaanäische Land.

Bis in die Zeit der Aufklärung galt Mose als Verfasser der Bücher des Pentateuchs (die Bücher Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium, wegen der angenommenen Verfasserschaft auch als 1. bis 5. Buch Mose bezeichnet) sowie des Psalms 90. Unabhängig von der Frage, ob Mose überhaupt als historische Persönlichkeit zu betrachten ist, schließt ihn die heutige Bibelwissenschaft als tatsächlichen Verfasser biblischer Bücher aus. Der biblischen Erzählung zufolge war Mose verheiratet und hatte zwei Kinder mit seiner Frau Zippora.

Die Mosegeschichte Die Erzählungen um Mose sind im Alten Testament eng mit den Traditionen des Auszugs aus Ägypten, der Gesetzgebung während der Wanderung durch die Wüste und des Aufenthalts der Israeliten in Kadesch-Barnea verbunden. Sie sind über weite Teile der Bücher Mose verstreut und gehören nach der traditionellen Urkundenhypothese verschiedenen Überlieferungsschichten an, die vorwiegend zwischen dem 10. und dem 6. Jahrhundert v. Chr. datiert werden.

mini|Auffindung des Mose (Wandmalerei aus der Synagoge von Dura Europos)

Geburt, Aussetzung und Errettung mini|Sébastien Bourdon: Auffindung des Mose (um 1650; National Gallery of Art) mini|Lawrence Alma-Tadema: The finding of Mose (1904; Privatsammlung)

Stammfolge

, , , , , , , , Die Erzählung der Geburt des Mose befindet sich in , der keine Personennamen enthält und Moses Eltern dem Stamm Levi zurechnet. Der Stammbaum des Mose wird in angegeben. Dieser Passus wird der priesterschriftlichen Redaktion zugerechnetVgl. Neue Jerusalemer Bibel, Herder, Freiburg im Breisgau, 1985, zu Ex 6,2–7.7. und nennt Amram als Vater, dessen Tante„Cousine“ nach der Septuaginta, vgl.: Jochebed als Mutter und Aaron als Bruder des Mose (6,20; vgl. ), die Schwester der beiden hieß Mirjam.Num 26,59: Die Frau Amrams hieß Jochebed; sie war die Tochter Levis, die dem Levi noch in Ägypten geboren wurde. Sie gebar dem Amram die Söhne Aaron und Mose sowie deren Schwester Mirjam. Der Erzählung in Ex 2,1–10 zufolge sei Mose nach seiner Geburt am Ufer des Nils ausgesetzt worden, die Tochter des Pharao habe ihn gefunden und eine hebräische Frau – die leibliche Mutter des Kindes – als Amme bestellen lassen. Nach der Stillzeit habe die Tochter des Pharao das Kind als Sohn angenommen und ihm den Namen Mose gegeben. Die Tochter des Pharao trägt in der Bibel keinen Namen, in apokryphischen Schriften, Chroniken und Geschichtsschreibungen erhielt sie jedoch verschiedene Namen. Im Buch der Jubiläen und bei Flavius Josephus heißt sie Thermuthis, bei Artapanos von Alexandria Merris oder Maris (je nach Transliteration) und bei Michael dem Syrer wird sie Maris genannt.https://www.encyclopedia.com/religion/encyclopedias-almanacs-transcripts-and-maps/artapanus

Im biblischen Bericht von der Geburt des Mose ist das gleiche Motiv der Aussetzung und Errettung des „Heldenkindes“, „Königskindes“ oder jedenfalls „Schicksalskindes“ erkannt worden, das in allen Mythologien des Altertums mit je anderen Merkmalen vorkommt und dessen bekannteste Beispiele die Kindheitsgeschichten von Romulus und Remus, Ödipus, Sargon von Akkad und Kyros II. sind. Die Aussetzung des Kindes, die in diesen Mythen oft mit einem kultischen Vergehen oder mit einem Unheilsorakel in Verbindung steht, ist im Fall von Mose in den Rahmen der vom Pharao angeordneten Tötung der männlichen Kinder der Israeliten eingefügt und stellt einen Versuch dar, das Kind zu retten – wie es auch in anderen Legenden des antiken Nahen Ostens der Fall ist.Donald B. Redford, The literary motif of the exposed child (cf. Ex. ii. 1–10), Numen, 14, 1967, 209–228 (zit. in: J. K. Hoffmeier, Ancient Israel in Egypt, S. 136). Von einem Unheilsorakel in Verbindung mit der Geburt des Mose berichten jedoch das Targum Pseudo JonathanTgPsJon zu Ex 1–6. Englische Übersetzung durch J. W. Etheridge: http://www.targum.info/pj/pjex1-6.htm. und – davon wahrscheinlich abhängig – Flavius Josephus (Ant II, 205Ant 201–237 (en).).

Von mehreren Exegeten ist die Auffassung vertreten worden, dass die aus neuassyrischen Texten (um das 8. Jahrhundert vor Chr.) bekannte Legende von Sargon von Akkad die Vorlage oder die „nächste Parallele“ von Ex 2,1–10 sei.Vgl. M. Noth, Das zweite Buch Mose. Exodus, Das Alte Testament Deutsch 5, 1958; John Van Seters, The Life of Moses, Philadelphia: 1994 (zit. in: J. K. Hoffmeier, Ancient Israel in Egypt, S. 137); W. H. Schmidt, Exodus …, S. 34; E. Otto, Mose und das Gesetz, in: ders. (Hrsg.), Mose, S. 50 ff. Die Ähnlichkeiten sind vor allem darin gesehen worden, dass in beiden Fällen das Kind in einem wasserdichten Röhrichtkästchen im Fluss gefunden wird und dass der Retter es adoptiert (Zeilen 5–9):

Andere Autoren haben Analogien mit einer aus späten Texten der griechisch-römischen Zeit bekannten Version der Horuslegende gesehen, nach der Horus gemäß dem Osirismythos durch seine Mutter Isis geschützt vor Seth in Chemmis aufgezogen wird, oder haben für eine frühe Entstehung des Kerns der Erzählung in ägyptischem Kontext plädiert, die ihren Niederschlag in der Verwendung von ägyptischen Wörtern in der Perikope der Geburt Moses – insbesondere in , tēbath – „Kästchen“, äg.: dbʒt; , gōmæ – „Schilfrohr“, „Binse“, äg.: ḳmʒ bzw. ḳmy; , sūph, – „Schilf“ (vgl. „Schilfmeer“), äg.: twfy; , ye᾿ōr – der ägyptische Name für „Nil“, jtrw. – und nicht in der Entlehnung von Motiven der ägyptischen Mythologie haben.J. K. Hoffmeier, Ancient Israel in Egypt, S. 138–140.

Der Name Mose Die in der Geburtserzählung vorgenommene volksetymologische Namensableitung, die sich auf die hebräische Wurzel mšh („ziehen“Vgl. Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen – ) bezieht, ist fehlerhaft. So versuchten antike Autoren den Namen Mose mit der altägyptischen Entsprechung mu-wedja („Wasser-unversehrt“) in Verbindung zu bringen. Aus historischer Sicht sind jene Hypothesen jedoch unbelegt.

Nach neueren Untersuchungen ist der Name Mose mit der altägyptischen Wurzel *mesi/mesa/mesms-s-B3 („gebären“) verwandt, die in zahlreichen Personennamen oft in Verbindung mit einem Gottesnamen belegt ist, beispielsweise steht Ramses II. (Rˁ msj sw – Ra-mesi-su) für Ramses oder Ramose („Re ist der, der ihn geboren hat“ bzw. „der von Re geborene“), Thutmosis (Ḏḥwtj msj sw – Djehuti mes, „Thot ist der, der ihn geboren hat“).Manfred Görg: Mose – Name und Namensträger. Versuch einer historischen Annäherung, S. 24 ff. In: Eckart Otto (Hrsg.): Mose. Ägypten und das Alte Testament. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2000, S. 17–42; Herbert Donner: Geschichte des Volkes Israel 4.1. S. 125–126. Dem ägyptischen Priester Manetho (3. Jhd. v. Chr.) zufolge wollte Mose seinen Personennamen absichtlich nicht mit dem Namen der verehrten Gottheit verbinden („der von [...] geborene“), damit der Gottesname aus Ehrfurcht nicht ausgesprochen werde.

Eines der Probleme, die sich aus dieser Erklärung ergeben, ist die masoretische Schreibung des Namens Mose mit dem Zischlaut š (Schin) statt s (Samech). Letzterer wird sonst für die Umschreibung des ägyptischen Lautes š im Tanach regelmäßig verwendet.Zum Beispiel in der Schreibung des Namens (Pi-)Ramesse mit , Raʿamsēs in u. v. a. Einige Autoren haben anhand dieser Schreibung, die unter anderem analog zu der keilschriftlichen Umschreibung von „Ramses“ ist, einen frühen „Eingang“ des Namens Mose in die hebräische Tradition vermutet. Nach anderen könnte aber die spätere Deutung nach dem hebräischen mšh („ziehen“) in Ex 2,10 für diese Schreibung Rechnung tragen.Görg: Mose – Name und Namensträger, S. 32–37. Dort zitiert: E. A. Knauf: Midian. In: Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins, 1988.

Flucht nach Midian und Sendung mini|Dirk Bouts: Moses und der brennende Dornbusch (1450–1475)

In wird von der Flucht Moses nach Midian erzählt, die er wegen der Tötung eines ägyptischen Aufsehers ergreifen musste, der einen Hebräer geschlagen (oder erschlagen) hatte. Im Exil habe ihm „der Priester von Midian“, dessen Name laut Vers 2,18 Reguel, zufolge hingegen Jitro lautete, seine Tochter Zippora zur Frau gegeben. Im Buch Numeri wird eine kuschitische Ehefrau Mosis erwähnt; ob sie mit Zippora identisch ist, bleibt unklar.

In der Episode vom brennenden Dornenbusch am Berg Horeb, dem „Berg Gottes“, berichtet – von der Offenbarung JHWHs an Mose und dem Auftrag, nach Ägypten zurückzukehren und das Volk Israel von der Knechtschaft zu befreien. JHWH habe sich auf dem Horeb als „der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“ zu erkennen gegeben () und Mose damit beauftragt, „die Ältesten Israels“ zu versammeln, um die Befreiung aus Ägypten und den Auszug in das „Land der Kanaaniter“ zu verkündigen (). Mose tritt damit als Verkünder des Namens vom Gott JHWH auf. In der Vergangenheit hatte JHWH nie seinen Namen genannt (–). An den Pharao soll Mose die Forderung stellen, die Hebräer drei Tage lang in der Wüste dem eigenen Gott opfern zu lassen.

Dieser erste Bericht von der Berufung wurde in der älteren Forschung als eine Mischung aus jahwistischen und elohistischen Quellen betrachtet. Der Priesterschrift werden in dieser Lesart die Wiederholungen der Offenbarungsgeschichte JHWHs und der Sendung des Mose zugeordnet, die losgelöst vom Gottesberg und von Midian in und – enthalten sind.Vgl. Neue Jerusalemer Bibel, Herder, Freiburg im Breisgau, 1985, zu Ex 3,1–4.31.

Das Motiv der Flucht ins fremde Land und der verheißungsvollen Rückkehr hat in vielen Legenden des Nahen Ostens eine Entsprechung und wurde vielfach auch auf die Biographie etlicher historischer Persönlichkeiten des 2. und des 1. Jahrtausends angewandt (z. B. Hattusili, Assurhaddon, Nabonid u. a.). Eines der bekanntesten Beispiele, in dem enge Parallelen mit der Geschichte von Mose gesehen worden sind, ist die ägyptische Geschichte von Sinuhe, in der der Protagonist aus Furcht vor dem neuen Pharao in die Fremde flieht, bei Beduinen Gastfreundschaft findet, die Tochter eines syrischen Herrschers heiratet und abschließend nach Ägypten zurückkehrt.Vgl. James Karl Hoffmeier: Ancient Israel in Egypt. S. 143 f.

Auszug aus Ägypten und Wanderung durch die Wüste

Die Aufforderung des Mose, die Israeliten in die Wüste ziehen zu lassen, damit sie „ein Fest feiern können“, habe der Pharao abgelehnt, bis die letzte der wegen dieser Ablehnung über Ägypten gesandten Plagen – der Tod aller ägyptischen Erstgeborenen – gekommen sei (–; ). Der darauffolgende Bericht in vom Aufbruch der Israeliten bricht mit der Ausführung der Vorschriften für das Passafest und anderer Gesetze (–) ab und wird in wieder aufgenommen. Es folgen die Erzählungen des Meerwunders am Schilfmeer in , die die Wüstenwanderung (–) einleiten; die Einsetzung durch Mose von „Richtern“ über die Stämme Israels () und – in – – die vorwiegend aus der Priesterschrift stammenden Ausführungen um den Bundesschluss am Berg Sinai () mit der Erteilung der Zehn Gebote (; vgl. ) und der sonstigen Auflistung der Gesetze.

mini|Mose und die Zehn Gebote, Bleistiftzeichnung von Carl Gottlieb Peschel auf Papier