300px|mini|Ungefähre Lage Oberschwabens mini|300px|Alemannia sive Suevia Superior (Alemannien oder Oberschwaben) um 1645 im Atlas Maior(nicht genordete Karte – Norden ist rechts) Als Oberschwaben oder Schwäbisches Oberland wird die ungefähr ein Dreieck bildende Landschaft zwischen der Donau, dem Bodensee und dem Lech bezeichnet. Heute wird als Ostgrenze eher die Iller mit der Landesgrenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern angesehen.Brockhaus Enzyklopädie. 19. Auflage. Band 16, 1991, S. 72. Das historische Oberschwaben war im Mittelalter ein wesentlicher Bestandteil des 911 gegründeten und zum ostfränkischen Reich gehörenden Herzogtums Schwaben. Nach dessen politischem Zerfall zum Ende der Stauferzeit 1283 gehörten große Gebiete Oberschwabens bis zu ihrem endgültigen rechtlichen Zerfall Anfang des 19. Jahrhunderts zu Vorderösterreich. Deswegen wurde dieser Teil Vorderösterreichs als Schwäbisch-ÖsterreichFranz Quarthal: Als Schwaben von Österreich aus regiert wurde. Zur Geschichte der habsburgischen Besitzungen in Südwestdeutschland. In: Schönes Schwaben. 10/11, Heft 6, 1996, S. 34–39. bezeichnet. Schwäbisch-Österreich wurde nicht vom ehemals vorderösterreich-elsässischen Ensisheim regiert, sondern war direkt der Regierung in Innsbruck unterstellt.

Geografie mini|Topografische Karte von Oberschwaben mit dem Allgäu Oberschwaben liegt im Südosten Baden-Württembergs und im südwestlichen Bayern. Es ist ein Hügelland, das vor allem für Landwirtschaft genutzt wird; im Schussenbecken herrschen Hopfengärten und Obstbau, in den anderen Gebieten Milchwirtschaft und Getreideanbau vor.

Oberschwaben liegt auf der sogenannten Donau-Iller-Lech-Platte, die auch Oberschwäbische Hochebene genannt wird, und darüber hinaus auf den angrenzenden Naturräumlichen Großregionen. Als Ostgrenze Oberschwabens gilt der Lech, im Norden gilt die Schwäbische Alb als Grenze.

Teilbereiche Oberschwabens Oberschwaben wird in der Literatur meist in vier verschiedene Bereiche eingeteilt.

Westschwaben Als Westschwaben wird in der Literatur meist der Bereich westlich der Iller, nördlich des Allgäus und südlich der Schwäbischen Alb bezeichnet. Heute wird vor allem dieser Teil von der Bevölkerung als Oberschwaben gesehen.

Mittelschwaben Im Osten grenzt Mittelschwaben an die Stauden, den südlichen Teil des Naturparks Augsburg-Westliche Wälder – die Mindel bildet die Grenze. Im Norden grenzt Mittelschwaben an das Donauried und im Westen bildet die Iller die Grenze zu Westschwaben. Im Süden grenzt Mittelschwaben an das Allgäu, die Endmoränen der Würmeiszeit bilden die naturräumliche Grenze. Mittelschwaben umfasst nach den Landschaftssteckbriefen des BfN folgende Teillandschaften der naturräumlichen Großregion Donau-Iller-Lech-Platte: Untere- und Obere Iller-Lech-Schotterplatte sowie den bayerischen Teil der Unteren Felder des Unteren Illertals;

Süd-Nord: Bad Grönenbach–Memmingen–Illertissen–Neu-Ulm West-Ost: Bereich zwischen Aitrach–Memmingen–Mindelheim–Bad Wörishofen

Berücksichtigt man die oben beschriebene landschaftliche Begrenzung und die geografische Begrenzung von Norden nach Süden und von Westen nach Osten, könnte man vereinfachend sagen, dass Mittelschwaben den Bereich der Landkreise Unterallgäu, Neu-Ulm und Günzburg sowie einen Teil des Landkreises Augsburg und die kreisfreie Stadt Memmingen umfasst. Der Begriff Mittelschwaben wurde im 19. Jahrhundert erfunden, um die oberschwäbischen Gebiete, die dem Königreich Württemberg zugeschlagen wurden, von denen, die an das Königreich Bayern fielen, zu unterscheiden. Viele Gemeinden werden der einen oder anderen Region zugeordnet. So ist vor allem die Abgrenzung Allgäu-Mittelschwaben umstritten. Gerade der Bereich Allgäu wird derzeit immer weiter nach Norden hinausgeschoben, was historisch gesehen als falsch einzustufen ist (z. B. Memmingen, Babenhausen, Mindelheim, Bad Wörishofen etc.). Dies geschieht meist durch die positive Assoziation mit dem Begriff Allgäu. Wenige Gemeinden gehören aufgrund der Geschichte aber auch beiden Regionen an.

Ostschwaben Als Ostschwaben wird in der Literatur meist der Bereich des heutigen bayerischen Bezirks Schwaben genannt. Dieser überlappt sich jedoch mit Mittelschwaben. In mancher Literatur wird auch Mittel- mit Ostschwaben gleichgesetzt.

Allgäu

Das Allgäu ist die Region Oberschwabens, die den südlichen Teil südlich der Donau-Iller-Lech-Platte des Alpenvorlands bildet.Günther Bradler: Die Landschaftsnamen Allgäu und Oberschwaben in geographischer und historischer Sicht. (= Göppinger Akademische Beiträge. Nr. 77). Verlag Alfred Kummerle, Göppingen 1973, ISBN 3-87452-203-2. Innerhalb der Bevölkerung herrscht zunehmend die Meinung, dass das Allgäu keine Teilregion Oberschwabens ist, was auch häufiges Thema von Diskussionen ist.

Städte mini|Ansicht von Ravensburg Oberschwaben ist eine Region der ehemaligen Freien Reichsstädte und Fürstenstädte. Die meisten Stadtgründungen fanden in der Welfenzeit bis Ende des 12. Jahrhunderts statt. Ähnlich hohe Gründungszahlen wurden erst wieder zur Zeit der Industrialisierung erreicht, als viele Märkte zu Städten erhoben wurden.

Ehemalige freie Reichsstädte in Oberschwaben Augsburg, Bad Buchau, Biberach an der Riß, Donauwörth, Buchhorn (heute zu Friedrichshafen), Konstanz, Isny, Kaufbeuren, Kempten, Leutkirch, Lindau, Pfullendorf, Memmingen, Ravensburg, Überlingen, Ulm, Wangen.

Die sonstigen Städte sind Aulendorf, Bad Saulgau, Bad Schussenried, Bad Waldsee, Bad Wurzach, Burgau, Dietenheim, Ehingen (Donau), Erbach (Donau), Günzburg, Ichenhausen, Illertissen, Immenstadt, Krumbach, Laupheim, Leipheim , Mengen, Meßkirch, Mindelheim, Munderkingen, Neu-Ulm, Ochsenhausen, Riedlingen, Scheer, Senden, Sigmaringen, Schwabmünchen, Tettnang, Thannhausen, Vöhringen, Weingarten, Weißenhorn, Wertingen. Jüdische Gemeinden Im Gegensatz zu Altwürttemberg, wo 1498 entsprechend dem Testament des Grafen Eberhard im Bart die Ausschließung aller Juden erfolgte und auch zu Altbayern, wo es eine ähnliche Entwicklung gab, konnte sich in Oberschwaben eine größere Zahl jüdischer Gemeinden z. B. in Bad Buchau, Binswangen, Ichenhausen, Kappel, Krumbach und Laupheim halten.

Geschichte Römisches Reich mini|Die Basilika in Weingarten Der römische Feldherr Drusus zog im Jahr 15 v. Chr. mit einem Heer über den Brenner und flankierend über den Reschenpass in das Gebiet nördlich der Alpen und eroberte auch Teile von Oberschwaben. Im gleichen Jahr eroberte sein Bruder Tiberius, der spätere römische Kaiser, das Gebiet weiter westlich und erreichte über das Rheintal den Bodensee, wo sich das Gebiet der Vindeliker befand. Diese wurden u. a. in einer Seeschlacht unterworfen, wobei eine der Inseln im See den Römern als Basis diente. In den Jahren 16 bis 14 v. Chr. wurden die heutigen Graubünden und Vorarlberg sowie die Gebiete Südbayerns und Oberschwabens zwischen Donau und Inn sowie der Nordteil Tirols zur Provinz Raetia zusammengefasst.

Ab dem 4. Jahrhundert wurde im Rahmen der Reichsreform durch Kaiser Diokletian die Provinz Raetia Teil der Diözese Italia und in die beiden Teilprovinzen Raetia prima (Curiensis) und Raetia secunda (Vindelica) aufgeteilt. Die unter einen Dux gestellten Teilprovinzen wurden nun von Statthaltern niederen Ranges, so genannten Praesides, verwaltet, die in Curia (Chur) und Augusta Vindelicorum (Augsburg) ihren Amtssitz hatten. Oberschwaben wurde Teil der Raetia Secunda. Mit dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft trennten sich die Schicksale der beiden Provinzteile.

Vom Frankenreich zur Neuzeit mini|Klosterkirche in Ottobeuren Oberschwaben und das Bodenseegebiet einschließlich des zuvor zu Churrätien gehörenden Vorarlbergs wurden Teil des Königreichs der Alamannen, zunächst als Herzogtum Alamannien, später als „regnum Sueviae“ („Königreich Schwaben“, für jüngere Königssöhne). Es bestand nur kurz, bevor es durch den fränkischen König Chlodwig I. dem Frankenreich einverleibt wurde. Im Ostfrankenreich wurde das Gebiet Teil des mächtigen Herzogtums Schwaben.

Um die Oberherrschaft über dieses Gebiet konkurrierten viele mächtige Adelsgeschlechter, zunächst die Salier, später unter anderem die Staufer und die Welfen, deren Stammhaus sich in Oberschwaben befindet. Die welfischen Stammlande in Oberschwaben fielen später durch Erbvertrag an den Staufer Friedrich Barbarossa.

Nach dem Untergang der Staufer-Dynastie und der Auflösung des Herzogtums Schwaben zerfiel Oberschwaben in eine Vielzahl kleiner, meist reichsunmittelbarer Territorien (Ritterschaften, Reichsstädte, Grafschaften, Fürstentümer, Reichsabteien, Landvogtei Schwaben). Zu den größten Herrschaften gehörten die Habsburger (Vorderösterreich), die Grafen von Montfort sowie die Reichsklöster Weingarten und Salem.

Oberschwaben als zentraler Schauplatz des Deutschen Bauernkriegs 1524/25 mini|Gemeinsame Fahne der oberschwäbischen Bauern, wie sie in der Landesordnung der Christlichen Vereinigung festgelegt wurde

Die Geschichte Oberschwabens wird vom Mittelalter bis in die Neuzeit neben dem Adel und den Klöstern maßgeblich von den bürgerlichen und bäuerlichen Untertanen in Stadt und Dorf mitgestaltet, die vielfach höchst selbstbewusst und streitbar sich gegen feudale Bedrückung zur Wehr setzten, Freiheitsrechte und kommunale Autonomie einforderten. Die Erhebung des gemeinen Mannes in Stadt und Land im Deutschen Bauernkrieg 1524/25 hatte in Oberschwaben ihr wichtigstes Kraftzentrum. Zu Beginn des Jahres 1525 gründeten sich in der Region Oberschwaben mit dem Baltringer Haufen, dem Seehaufen und dem Allgäuer Haufen drei Bauernhaufen, die sich auf der ersten Tagung des Memminger Bauernparlaments am 7. März zur Christlichen Vereinigung (auch Oberschwäbische Eidgenossenschaft genannt) in einem Bündnis zusammenschlossen. Auf der zweiten Sitzung Mitte des Monats verfassten sie die Zwölf Artikel von Memmingen, die nach der Magna Carta von 1215 als eine der ersten niedergeschriebenen Forderungen nach Menschen- und Freiheitsrechten in Europa gelten. Mit der ebenfalls verabschiedeten Bundesordnung, ein früher republikanisch orientierter Verfassungsentwurf, wurde das Bauernparlament zur ersten Verfassunggebenden Versammlung auf deutschem Boden.

mini|Aufstellung vor Weingarten. Ganz links das Heer des Schwäbischen Bundes mit rot-weißem Georgskreuz als Fahne, in der Bildmitte die Haufen des Bauernheeres mit zwei Kanonen. Mittig oben das Kloster Weingarten. Rechts zu Pferde die Vermittlerdelegation aus Ravensburg kommend.

Ende März begann der Schwäbische Bund mit der Niederschlagung der Revolte. Am 4. April 1525 kam es zur ersten großen Schlacht bei Leipheim, in der der auf gewaltlosen Widerstand setzende Baltringer Haufen auf brutale Weise niedergeschlagen wurde, wobei zwischen 1000 und 4000 Personen ihr Leben verloren. Entgegen der Beistandspflicht der Christlichen Vereinigung kamen Seehaufen und Allgäuer nicht zur Hilfe.Elmar L. Kuhn: Der Seehaufen. In: Elmar L. Kuhn, Peter Blickle (Hrsg.): Der Bauernkrieg in Oberschwaben. Tübingen 2000, S. 97–139 (S. 7 in PDF-Fassung). Die Stadt Leipheim musste ein Strafgeld zahlen; die Hauptmänner des Haufens wurden hingerichtet.