mini|Historischer Stadtkern von Friedrichstadt Friedrichstadt (; ; , Frieestadt, Friechstadt; ) ist eine Stadt zwischen den Flüssen Eider und Treene im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Der Luftkurort bildet mit dem Amt Nordsee-Treene eine Verwaltungsgemeinschaft, das Amt führt die Geschäfte der Stadt.

Friedrichstadt wurde 1621 durch den gottorfschen Herzog Friedrich III. gegründet und ist heute ein hochrangiges Kulturdenkmal. Herzog Friedrich III. zielte auf die Errichtung einer Handelsmetropole, holte dazu niederländische Bürger, besonders die verfolgten Remonstranten, an den Ort, wo die Stadt planmäßig angelegt wurde, und gewährte ihnen Religionsfreiheit.Robert Bohn: Geschichte Schleswig-Holsteins, 2. Aufl., Verlag C. H. Beck, München 2015, S. 75 f. Infolge dieser Maßnahme siedelten sich auch andere Religionsflüchtlinge in Friedrichstadt an, so dass der Ort als „Stadt der Toleranz“ galt. Heute sind noch fünf Religionsgemeinschaften aktiv.

Die Bauten der niederländischen Backsteinrenaissance und Grachten prägen das Stadtbild des heute vor allem vom Tourismus lebenden „Holländerstädtchens“.Holländerstadt Friedrichstadt auf oppida.de, abgerufen am 27. September 2022. Die Planstadt hat keine weiteren Ortsteile.

Geografie Lage mini|Der Westen Friedrichstadts von oben Friedrichstadt liegt in der Eider-Treene-Niederung an der Mündung des Nebenflusses Treene in die Eider. Bewohnbar wurde die in der Marsch gelegene Fläche erst 1573, nachdem Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf hier die Treene hatte durchdämmen lassen, so dass sie ihrem ursprünglichen Bett nicht mehr folgen konnte. Unter der Stadt befinden sich anderthalb Meter aufgeschütteter Kleiboden, der auf tieferen Klei- und Moorschichten ruht. mini|Zentrale Gracht Mittelburggraben von Osten Die Siedlungsfläche ist nördlich durch den breiten Unterlauf der Treene begrenzt und südlich durch die Eider. Die Verbindungen zwischen beiden begrenzen die Altstadt nach Osten und Westen. Sie sind untereinander durch zwei Grachten verbunden. Der Mittelburggraben in der Mitte führt am Nordrand des Marktplatzes vorbei, der Fürstenburggraben bildet einen Winkel im Südwesten und Süden der Altstadt.

Seit den 1960er Jahren trennt ein Deich mit einer Schleuse und zwei Sielanlagen Friedrichstadt von der Eider. Anstelle des historischen Deichs direkt vor der Altstadt verläuft heute die B 202, und die historischen Sielen am Rand der Altstadt gibt es nicht mehr. Die Eider ist bis hinauf zur Wehranlage und Schleuse Nordfeld ein Gezeitengewässer, die Tideeider. Das 1973 eingeweihte Eidersperrwerk wird nur bei Sturmfluten geschlossen, lässt aber die normalen Gezeitenströme durch.

Zwei Sielzüge mit drei, ursprünglich vier Sielen verbinden die Treene mit der Eider und entwässern das Gebiet um den Zusammenfluss. Die Innenstadt liegt daher auf einer künstlichen Insel. Im Süden begrenzt die Eider das Stadtgebiet, im Norden die Treene. Die Ost- und Westgrenze der Innenstadt werden jeweils durch den Oster- und Westersielzug gebildet. Durch die Innenstadt selbst fließen zwei Kanäle, die die Sielzüge miteinander verbinden: der Mittelburggraben und der Fürstenburggraben.

Der Westersielzug ist mit etwa 30 Metern Breite und vier bis fünf Metern Wassertiefe der größere der beiden Hauptkanäle und bildet zusammen mit dem südlich der „Eiderschleuse“ anschließenden Neuen Hafen den Haupt-Mündungsarm der Treene. Die sogenannte Eiderschleuse umfasst außer der eigentlichen Schleuse ein Sielbauwerk mit drei Sielen. Der Ostersielzug ist im Schnitt nur etwa zehn Meter breit und zwei bis drei Meter tief. Er wird durch die sogenannte „Spülschleuse“ in die Eider entwässert (eine wortwörtliche Übersetzung von Spuisluis, des niederländischen Wortes für Siel). Die übrigen Kanäle in der Stadt sind noch kleiner. Wenn bei anhaltendem Sturmhochwasser der Wasserstand in der Eider auch bei Ebbe zu hoch ist, um zu sielen, kann das Binnenwasser der Treene bedrohliche Höhen erreichen. Darum gibt es an den oberen Enden von Ostersielzug, Mittelburggraben und Fürstenburggraben Stemmtore, mit denen die Altstadt gegen Hochwasser aus dem Binnenland geschützt werden kann.

Nachbarorte Nahegelegene größere Städte sind Husum im Norden, Tönning im Westen und Heide im Süden sowie Schleswig, Rendsburg und Kiel im Osten. Nachbargemeinden sind Koldenbüttel im Westen und Norden, Seeth und Drage im Osten, alle im Kreis Nordfriesland gelegen. Auf der anderen Eiderseite schließt sich im Süden die auch über die Eisenbahnbrücke Friedrichstadt erreichbare Dithmarscher Gemeinde Sankt Annen an. Östlich der Stadt liegt die historische Landschaft Stapelholm.

Geschichte Ehrgeizige Gründungspläne 1620/1624 mini|Alte Stadtansicht mit Gracht mini|Ehemaliges Gemeindehaus der Remonstranten, die Friedrichstadt zu einer Stadt des Welthandels machen sollten Ursächlich für die Gründung der Stadt war der ehrgeizige Plan von Herzog Friedrich III. von Schleswig-Gottorf, sein kleines Territorium zum Mittelpunkt einer Handelslinie von Spanien über Russland nach Ostindien aufzuwerten. Um einen starken Handelshafen an der Nordseeküste zu etablieren, bot er Niederländern, den damals führenden Wasserbauern und Händlern Europas, namentlich den in ihrer Heimat verfolgten Remonstranten wie Johannes Narssius,Johann Lorenz Mosheim, Institutes of Ecclesiastical History: ancient and modern (1832 translation by James Murdock), S. 507; Google Books. Willem van Dam und seinem Bruder Peter aus Amersfoort, Religionsfreiheit in einer Exulantensiedlung mit niederländischer Amtssprache innerhalb seines Herrschaftsgebiets an. Er folgte damit dem Beispiel seines Onkels und Konkurrenten Christian IV., König von Dänemark und Herzog von Schleswig und Holstein, der 1617 Glückstadt an der Elbe aus ähnlichen Beweggründen und mit ähnlichen Methoden gegründet hatte.

Friedrich III. setzte sich gegen Widerstände aus dem nahegelegenen Tönning, wo Händler die neue Konkurrenz fürchteten, und seiner Mutter Augusta durch, die entschieden dagegen war, andere als lutherische Religionsgemeinschaften in das Land zu lassen. Er erließ 1620 zwei Oktroys, die den Remonstranten Land, Religionsfreiheit, wirtschaftliche Privilegien, Niederländisch als Amtssprache und eine Verwaltung nach dem Vorbild von Amsterdam und Leiden zusicherten.

Am 24. September 1621 wurde mit dem ersten Hausbau der Planstadt begonnen. auf 400-jahre-friedrichstadt.de Dieses Haus war für den mennonitischen Bauherrn Willem van den Hove bestimmt, der den Herzog vor Ort vertrat und maßgeblich an der frühen Stadtentwicklung beteiligt war. So holte van den Hove ab 1623 weitere finanzkräftige Mennoniten in die Stadt. 1622 ließ der Herzog auf eigene Rechnung zehn weitere Häuser durch den niederländischen Deichgrafen Hendrich Rautenstein aus Stapelholm bauen, die dieser nach „holländischer Manier“ errichten sollte. Bis 1625 war die gesamte südliche Stadthälfte fertiggestellt, die sogenannte Vorderstadt, in der sich auch der Marktplatz befindet.

Friedrich III. versuchte auch, spanische Juden (Sepharden) für Friedrichstadt zu gewinnen, da diese als besonders gebildet und geschäftstüchtig galten. Doch die Spanier, die Friedrichstadt als niederländische Konkurrenz ansahen, verhinderten das ebenso wie den von Friedrich geplanten Salzhandel. So zogen erst 1675 deutsche Juden (Aschkenasen) nach Friedrichstadt. Sie bildeten zeitweise die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft.

Aufgrund der gewährten Privilegien siedelten sich in der Gründungsphase der Stadt viele weitere Bürger verschiedener Konfessionen an. Zu ihrer Bedeutung und Geschichte siehe Abschnitt Religion.

17./18. Jahrhundert: Krieg und niederländische Dominanz mini|Bis ins 18. Jahrhundert gelang es immer wieder, einflussreiche holländische Händler anzuwerben. Die Hausmarke dieses Hauses zeigt das Stadtwappen Amsterdams; es gehörte dem Bruder des dortigen Bürgermeisters. mini|Dänischsprachiger Ortsplan aus dem 18. Jh. Durch den Dreißigjährigen Krieg, der seit 1626 auch Südschleswig und Holstein stark in Mitleidenschaft zog, entwickelte sich die Siedlung nur langsam. Seit 1630 konnten die Remonstranten ihren Glauben zudem auch wieder in ihrer Heimat ausüben, so dass viele dorthin zurückkehrten. Der erwartete wirtschaftliche Aufschwung blieb daher aus.

So erhielt der prachtvoll ausgebaute Speicher des Kaufmanns und zeitweiligen Statthalters Friedrichs, Adolph van Wael, zwar den Namen Alte Münze, das ursprünglich zugesagte Münzprivileg ging jedoch nie an die Stadt. 1633 erhielt Friedrichstadt allerdings das Stadtrecht. Trotz schlechter wirtschaftlicher Entwicklung warb Friedrich III. weiter um Neubürger.

Zentral auf dem Weg nach Eiderstedt gelegen, nahmen in den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts immer wieder verschiedene Truppen die Stadt ein. Albrecht von Wallenstein plante, Friedrichstadt als Kriegshafen einzurichten, obwohl er seine angestrebte Kriegsflotte nie aufbaute.

Im Jahre 1643 wurden nach Gerüchten, dass die Schweden anrückten, die Siele geöffnet und das gesamte Friedrichstädter Umland unter Wasser gesetzt. Nachdem der dänische König 1715 die Gottorfsche Festung Tönning geschleift hatte, entstanden kurzfristig Pläne, in Friedrichstadt eine neue aufzubauen.

Lange blieben die Niederländer die dominierende Bevölkerungsgruppe, was sich an Ratsprotokollen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf Niederländisch zeigt. Von ihrer andauernden Bedeutung für Friedrichstadt zeugt auch der überraschend harte Winter 1824, als viele Schiffe unvorhergesehen in Friedrichstadt überwintern mussten. Von ihnen hatten 80 Prozent niederländische Heimathäfen.

Ein prominenter Flüchtling war der spätere französische „Bürgerkönig“ Ludwig Philipp, der 1796 auf der Flucht vor der Französischen Revolution einige Monate unter dem Decknamen „De Vries“ als Hauslehrer in der Stadt arbeitete und im Obergeschoss des Neberhauses lebte.

19. Jahrhundert: Schleswig-Holsteinischer Krieg, Preußen mini|Große Brücke im Jahr 1895 Die in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch den aufkommenden Nationalismus ausgelösten Konflikte sollten in der Stadt der religiösen Toleranz zu einer Tragödie führen. Bis zum Herbst 1850 hatte der Schleswig-Holsteinische Krieg um das Herzogtum Schleswig den Südwesten des Landes verschont. Nach der Schlacht von Idstedt am 25. Juli 1850 war der Krieg praktisch entschieden, und die verbliebenen schleswig-holsteinischen Truppenverbände zogen sich nach Holstein zurück. Vom 29. September bis zum 4. Oktober 1850 versuchten sie jedoch in einer letzten Kraftanstrengung, die mit dänischen Truppen belegte Stadt zurückzuerobern. Durch die Bombardierung der Stadt kamen 31 Einwohner ums Leben oder wurden verletzt, 53 dänische Soldaten fielen, 285 Häuser wurden zerstört, darunter das Rathaus und die Remonstrantenkirche. Auch das Stadtarchiv brannte nieder.

Im Zweiten Schleswig-Holsteinischen Krieg 1864 wurde Friedrichstadt kampflos besetzt. Das gesamte Herzogtum kam unter preußisch-österreichische Verwaltung (Kondominium bis zum preuß.-österreich. Krieg 1866) und wurde 1867 Teil der einheitlichen Provinz Schleswig-Holstein. Im selben Jahr wurde ein Amtsgericht eingerichtet, das bis 1975 bestand. Zu diesem Zeitpunkt wurde Friedrichstadt der Region Stapelholm zugeordnet. Ein Relikt aus dieser Zeit ist die Bauernglocke, welche typisch für alle Stapelholmer Orte ist. Sie steht jetzt auf dem Platz vor der Jugendherberge.