Die Große Kreisstadt Brand-Erbisdorf ist eine Bergstadt im Landkreis Mittelsachsen in Sachsen.
Geographie Brand-Erbisdorf liegt im nordwestlichen Teil des Osterzgebirges zwischen den Tälern des Münzbaches und der Großen Striegis, beides Nebenflüsse der Freiberger Mulde, etwa 5 km südlich der Kreisstadt Freiberg. Die Umgebung ist durch den Bergbau und ehemalige Bergbauanlagen, wie zum Beispiel Abraumhalden und Kunstteiche, geprägt. Das Stadtzentrum liegt bei etwa , der tiefste Punkt liegt im Tal der Großen Striegis bei etwa und der höchste Punkt bei südlich von Langenau. Die Stadt grenzt im Norden an Freiberg, im Osten an Weißenborn, im Südosten an Lichtenberg, im Süden an Großhartmannsdorf, im Südwesten an Eppendorf und im Westen an Oederan.
Stadtgliederung Die Stadt gliedert sich folgendermaßen:
Hauptgebiet Brand-Erbisdorf die ehemals eigenständige Bergstadt Brand im Norden (Fläche: 1,31 km²) die ehemals eigenständige Gemeinde Erbisdorf im Süden mit den Gemeindeteilen Mönchenfrei, Niederfrei und Zugspitze (Fläche: 10,54 km²)
Zwei Ortschaften gemäß Sächsischer Gemeindeordnung mit den Stadtteilen St. Michaelis mit Linda und Himmelsfürst Langenau mit Gränitz und Oberreichenbach
Geschichte mini|links|Ansicht des Rathauses 1905 links|mini|Historische Kunstpostkarte
Die Ersterwähnung des Dorfes Erbisdorf als ErlwinesbercErnst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, Band I, S. 245, ISBN 3-05-003728-8 datiert vom Jahre 1209. Es ist anzunehmen, dass das Dorf im Zuge der Rodungen und Besiedlungen in der Mitte des 12. Jahrhunderts entstand. Der Name nach dem Personennamen Erlwin stammt wahrscheinlich aus dem Harzer Bergbaugebiet.Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber und Faber, Leipzig 2007, S. 47
In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts begann in Erbisdorf der Silberbergbau, der zum Freiberger Bergbaurevier als Brander Grubenfeld zählt. Auf dem benachbarten Berg Brand entstand eine bergmännische Streusiedlung, die Herzog Georg der Bärtige im Jahre 1515 zum Bergflecken erhob. 1620 erhielt Brand Marktrecht und 1834 Stadtrecht. Brand und Erbisdorf lagen bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Freiberg.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 72 f. 1856 wurde die Stadt Brand Sitz des Gerichtsamts Brand, zu dem auch Erbisdorf gehörte. Ab 1875 unterstanden beide Orte der Amtshauptmannschaft Freiberg. Mit der Eröffnung der Bahnstrecken Berthelsdorf–Großhartmannsdorf und Brand–Langenau erhielten beide Orte im Jahr 1890 Bahnanschluss.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts endete die lange Tradition des Silberbergbaus um Brand, wo ein Viertel der gesamten Silberausbeute Sachsens gewonnen wurde. Lediglich nach 1945 erfolgte in geringerem Umfang eine Wiederbelebung des Bergbaus, der aber um 1968 endgültig stillgelegt wurde. An Stelle des Bergbaus erfolgte nach 1900 verstärkt die Ansiedlung von Industriebetrieben, von denen die Erzgebirgische Holzindustrie und die Elite-Werke die bekanntesten waren.
Am 1. April 1912 kam es zur Zwangsvereinigung von Brand und Erbisdorf, da sich die Räte in jahrelangen Verhandlungen nicht zu einem freiwilligen Zusammenschluss einigen konnten. Grund dafür war vor allem die wirtschaftliche Entwicklung, denn die Stadtfluren von Brand, die praktisch nur die Stadtbebauung umfassten, waren im Süden und Osten von Erbisdorf begrenzt.
1952 wurde Brand-Erbisdorf Kreisstadt des Kreises Brand-Erbisdorf im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt). Dieser Status ging 1994 verloren, als der inzwischen sächsische Landkreis Brand-Erbisdorf aufgelöst und dem Landkreis Freiberg zugeordnet wurde. Seither ist die Stadt Große Kreisstadt. Am 1. Oktober 1993 wurde St. Michaelis mit seinen Ortsteilen Himmelsfürst und Linda eingemeindet. Die Gemeinde Langenau mit ihren Ortsteilen Gränitz und Oberreichenbach wurde am 1. April 2002 eingemeindet. Seit 2008 gehört Brand-Erbisdorf dem Landkreis Mittelsachsen an. mini|hochkant=0.6|Zum Gedenken der Opfer aller Gewaltherrschaften
Gedenkstätten Gedenkstein „Zum Gedenken der Opfer aller Gewaltherrschaften“ an der Sonnenwirbelhalde Grabstätten auf dem Ortsfriedhof am Kirchweg für antifaschistische Widerstandskämpfer
Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung BrandDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 1. April 1912 Zusammenschluss mit Erbisdorf zu Brand-Erbisdorf Erbisdorf 1. April 1912 Zusammenschluss mit Brand zu Brand-Erbisdorf Gränitz 15. Januar 1970 Eingemeindung nach Langenau Gränitz, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Gränitz LangenauStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. April 2002 LindaGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches BundesamtVerzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach St. Michaelis Linda, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Linda Niederfrei mit Mönchenfrei, Gutsbezirk (Forstrevier) 13. Oktober 1948 Niederlangenau 1. Juli 1905 Zusammenschluss mit Oberlangenau zu Langenau Niederlangenau, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Langenau Oberlangenau 1. Juli 1905 Zusammenschluss mit Niederlangenau zu Langenau Oberlangenau, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Langenau Oberreichenbach 1. Januar 1993 Eingemeindung nach Langenau St. Michaelis 1. Oktober 1993 Eingemeindung nach Brand-Erbisdorf
Einwohnerentwicklung Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des jeweiligen Jahres, Gebietsstand 2010: 1982 bis 1990 1982 – 13.848 1983 – 14.010 1984 – 14.062 1985 – 14.014 1986 – 14.055 1987 – 13.971 1988 – 14.033 1989 – 13.825 1990 – 13.4051991 bis 1999 1991 – 13.141 1992 – 13.239 1993 – 13.084 1994 – 13.073 1995 – 13.097 1996 – 13.182 1997 – 13.219 1998 – 12.804 1999 – 12.5872000 bis 2008 2000 – 12.331 2001 – 12.050 2002 – 11.761 2003 – 11.521 2004 – 11.406 2005 – 11.213 2006 – 11.087 2007 – 10.949 2008 – 10.8362009 bis 2018 2009 – 10.711 2010 – 10.544 2012 – 10.076 2013 – 9.932 2014 – 9.844 2015 – 9.785 2016 – 9.640 2017 – 9.544 2018 – 9.4522019 bis 2024 2019 – 9.337 2020 – 9.145 2021 – 9.059 2022 – 9.017 2023 – 8.915 2024 – 8.797 Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
Politik Stadtrat Aus der Hauptsatzung: Der Stadtrat ist die Vertretung der Bürger der Großen Kreisstadt Brand-Erbisdorf und das Hauptorgan der Stadt. Der Stadtrat entscheidet über alle Angelegenheiten, die ihm durch das Gesetz zugewiesen sind und nicht zum Aufgabengebiet des Oberbürgermeisters gehören. Der Stadtrat überwacht die Ausführung seiner Beschlüsse und sorgt für die Beseitigung von Missständen in der Stadtverwaltung.
Der Stadtrat besteht aus 22 Stadträten und dem parteilosen Oberbürgermeister.
Bei der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 wurden lediglich 18 Sitze vergeben, da teilweise die Listen der angetretenen Parteien erschöpft waren.
+letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU737,21043,1830,8Freie Wähler633,0624,3521,5Bürgerinnen für Brand-Erbisdorf315,6314,829,5Linke17,2315,1416,9SPD17,1–2,6–3,2UWG––––210,8Haus/Grund––––13,8FWV–––––3,7Wahlbeteiligung62,3 %55,7 %41,7 %
Oberbürgermeister Am 4. Februar 2007 wurde der als Einzelbewerber angetretene stellvertretende Direktor des Chemnitzer Naturkundemuseums Martin Antonow mit 51,0 % der Wählerstimmen als Oberbürgermeister gewählt. Er trat am 27. Februar die Amtsnachfolge von Volker Zweig an. Am 28. Februar 2021 wurde Antonow mit 45,9 % für eine weitere Amtszeit gewählt.Ergebnis Bürgermeisterwahl am 28. Februar 2021 +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2021Martin AntonowDr. Antonow45,9201465,1200751,0
Städtepartnerschaften Dillingen an der Donau, Bayern Jirkov (Görkau), Tschechien Langenau, Baden-Württemberg
Seit dem 1. November 2004 ist die Stadt Mitglied im Regionalmanagement ErzgebirgeHomepage des Regionalmanagements Erzgebirge, abgerufen am 16. März 2015, einer Regionalinitiative des Erzgebirgskreises und weiterer zehn Kommunen des Erzgebirges.
Sehenswürdigkeiten
Ev.-Lutherische Stadtkirche: Im Kern stammt die Kirche aus der Zeit um 1300. Der Westturm entstand 1598. Die Pfarrkirche wurde nach einem Brand 1624 im gotischen Stil erneuert. Weitere innere wie äußere Umgestaltungen erfolgten 1836 (Saal, Turm) und 1930 (Chorraum). Die Kirche beherbergt unter anderem eine 1585 gefertigte, lebensgroße Bergmannsfigur und eine Oehme-Orgel aus dem Jahr 1774. „Bartholomäusschacht“: Die Bergbauschauanlage zeigt frühneuzeitliche Bergbau- und Fördertechnik. Museum Huthaus Einigkeit: Im „Huthaus Einigkeit“ befindet sich das Stadtmuseum, welches über die Stadt- und Montanhistorie von Brand-Erbisdorf informiert. Buttermilchtor: Das 1821 erbaute Buttermilchtor war Teil eines Kunstgrabensystems.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Erzgebirgische Holzindustrie-Fabrik (1921) Die Stadt entwickelt den Tourismus, durch sie führt die Silberstraße. Östlich der Stadt am Rande des Freiwaldes liegt der Erzengler Teich, der als Freibad dient.
Außerdem: seit 1914 die Elite Motorenwerke, später Opel bzw. VEB und jetzt Industriepark bis 1994 wurde in Brand-Erbisdorf der „Hansa-Keks“ hergestellt NARVA – Leuchtmittelherstellung, Press- und Schmiedewerk, Ostdeutsche Zweigniederlassung der Unglehrt Baugesellschaft
Verkehr Durch die Stadt verläuft die Bundesstraße 101, über die man in nördlicher Richtung Freiberg (5 km) sowie in südlicher Richtung Annaberg-Buchholz (etwa 50 km) erreicht. Dresden (41 km) erreicht man über Freiberg (B 173) und Chemnitz über Oberschöna (B 173). Über die Bundesautobahn 4, Abfahrt Siebenlehn, erreicht man die Stadt in etwa einer halben Stunde.
Brand-Erbisdorf besitzt einen Güterbahnhof an der Nebenbahn von Berthelsdorf. Die 1890 eröffnete Strecke führte bis 1973 weiter nach Großhartmannsdorf. Die im Bahnhof Brand-Erbisdorf abzweigende Bahnstrecke nach Langenau wurde bis 1997 betrieben. An ihr besaß Brand-Erbisdorf noch einen Haltepunkt. Der Personenverkehr von Freiberg wurde 1998 endgültig eingestellt (Siehe auch: Bahnstrecke Berthelsdorf–Großhartmannsdorf, Bahnstrecke Brand-Erbisdorf–Langenau, Bahnhof Brand-Erbisdorf).
Bildung mini|Bernhard-von-Cotta-Gymnasium Allgemeinbildende Schulen Grundschule Brand-Erbisdorf Oberschule Brand-Erbisdorf Gymnasium Bernhard-von-Cotta
Förderschulen Förderschulzentrum „Clemens Winkler“ Brand-Erbisdorf Sonderpädagogisches Zentrum Sonnenland
Weitere Bildungseinrichtungen PTZ Brand-Erbisdorf Akademie für Wirtschaft und Verwaltung GmbH Fort- und Berufsbildungsakademie GmbH Berufsausbildungs-Förderverein Ländliche Erwachsenenbildung im Freistaat Sachsen e. V. Fachschule für Technik und Verkehr Unterrichts-Studio Pirna Bildungswerk Erzgebirgische Wirtschaft
Bürgermeister (Auswahl)
Walter Zwingenberger: von 1909 bis 1915 Josef Stadler: 1945 Harald Locher: bis 1991 Peter Fritsch: von 1991 bis 1999 Volkmar Krauß: 1999 Volker Zweig: ab 2000 Martin Antonow: seit 2007
Persönlichkeiten Sebastian Gottfried Starcke (1668–1710), Orientalist, Hebraist und Bibliothekar Johann Friedrich Frisch (1715–1778), evangelischer Theologe Gotthelf Leberecht Berthold (1796–1851), Schauspieler und Sänger Carl Gotthelf Kind (1801–1873), Bergbautechniker Julius Braun (1808–1874), Rittergutsbesitzer in Niederlangenau und Politiker, MdL Friedrich Hermann Lessing (1811–1887), Mediziner Ernst Kaltofen (1841–1922), Holzschnitzer und Bildhauer, geboren in Langenau Richard Arwed Pfeifer (1877–1957), Mediziner und Hirnforscher