mini|Blick auf Auggen und das Rheintal mini|hochkant|evangelische Kreuz-Kirche

Auggen ist eine Gemeinde im Markgräflerland im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Baden-Württemberg (Deutschland).

Geografie Lage Auggen liegt im südwestlichen Baden-Württemberg nahe der französischen Grenze. Die nächsten Großstädte sind Freiburg im Breisgau und Basel.

Nachbargemeinden Nachbarstädte und -gemeinden sind Müllheim im Markgräflerland, Schliengen und Neuenburg am Rhein.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Auggen gehören das Dorf Auggen, der Weiler Hach, der Zinken Zizingen, die Siedlung Karl Richtberg und der Wohnplatz Schotterwerk. Im Gemeindegebiet liegen die abgegangenen Ortschaften Au, Geigenhoven, Gutnau und Wegersheim.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2. S. 143–144

Geschichte Auggen mini|Gemarkungen Auggen und Vögisheim 1881 Im Jahre 752 wurde erstmals ein Ort Anghoma urkundlich erwähnt und dieser wurde als Auggen interpretiertHomepage der Gemeinde Auggen; abgerufen am 14. September 2021 was aber zweifelhaft ist.Siehe Klugermann 2021, S. 8–9 Die früheste unstrittige Urkunde die Auggen in der Form Ovchein nennt, ist eine Güterübertragung des Grafen Ulrich von Lenzburg im Jahre 1036 n. Chr. an das Chorherrenstift St. Michael Beromünster. Archäologische Fundstücke die der Michelsberger Kultur zugeordnet wurden, lassen jedoch bereits eine deutlich frühere Besiedelung vermuten.Siehe Klugermann 2021, S. 7 Eine römische Villa rustica aus dem 1. Jahrhundert nach ChristusDorothee Philipp: Radar geht Römervilla auf den Grund. In: Badische Zeitung vom 6. März 2013; abgerufen am 15. September 2021 wurde bereits in den 1980er Jahren in der Rheinebene (Gewanne Schlossacker und Grün) gefunden, aber erst 2004 und 2012 genauer untersucht. Man klassifizierte das 75 Meter breite Bauwerk als „repräsentative römische Axialhofvilla“ und die Denkmalschutzbehörde erklärte das Gelände zum Grabungsschutzgebiet.Siehe Klugermann 2021, S. 8 Eine im Gewann Steinacker vermutete keltische ViereckschanzeWinfried Zwernemann: Spätkeltische Viereckschanze bei Auggen/Markgräflerland. Fundstellen der Mittel- und Spät-Latène-Zeit aus der Umgebung von Mauchen, Grißheim, Niedereggenen und Neuenburg. In: Das Markgräflerland, Jg. NF 10(41).1979, Heft 1/2, S. 58–63 UB Freiburg hat es aber wohl nicht gegeben.Siehe Klugermann 2021, S. 7

Im Mittelalter sind eine Vielzahl von Klöstern und Adelsfamilien als Grundbesitzer in Auggen bezeugt. Im Hochmittelalter gab es in Auggen zwei Niederungsburgen (Burg Auggen (Schlösslegarten) und Burg Auggen (Stadtweg)), wobei den jeweiligen Burgherren in grundherrschaftlicher und jurisdictioneller Beziehung je die Hälfte des Dorfes gehörte. Burgherren waren einerseits die Grafen von Freiburg-Badenweiler als Oberherren und die Familie der Sermenzer (eine Seitenlinie der Herren von Neuenfels) als Dienstmannen und andererseits die Markgrafen von Baden-Hachberg als Oberherren und die Herren von Oughein als Dienstmannen. Diesem Adelsgeschlecht entstammt auch der Minnesänger Brunwart von Augheim. Diese beiden festen Häuser wurden 1272/73 im Neuenburger Krieg zerstört. Danach treten die Grafen von Freiburg nicht mehr als Ortsherrschaft auf. Die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg errichteten wieder eine Burg, die zunächst an die Herren von Staufen und dann an jene von Neuenfels als Lehen vergeben wurde. Um 1540 fiel das Lehen an die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg zurückBei der Erbteilung im Haus Baden-Hauchberg fiel 1306 Auggen an die neue Seitenlinie. zu deren Landgrafschaft Sausenburg (später Oberamt Rötteln) die beiden vereinten Dorfhälften fortan gehörten.

Auggen teilte geschichtlich damit das Schicksal des Oberamts Rötteln und kam 1503 zur Markgrafschaft Baden und bei der Teilung zur Markgrafschaft Baden-Durlach. Zwei Ereignisse im Raum Auggen sind hervorzuheben. 1727 zerstörte ein großer Brand den größten Teil des unteren Dorfes. Hierzu gibt es den Bericht des damaligen Pfarrers Hölzlein.Johann Lorenz Hölzlein: Weinende Augen In dem Mit Feuer gestrafften Auggen, Basel 1728 UB Erlangen-Nürnberg 1796 gehörte Auggen zum Aufmarschgebiet vor der Schlacht bei Schliengen.Gottlieb Bernhard Fecht: Predigt, gehalten zu Auggen den 23. Trinit. 1796 nach dem Treffen bei Schliengen und Kandern am 20. Oct. 1796. In: Predigten und deren geschichtliche Veranlassung, Karlsruhe 1824, S. 2–10 Google Digitalisat

Durch das Organisations-Reskript vom 26. November 1809 wurde das bisherige Oberamt Rötteln aufgelöstBeilage Lit. A: zum Organisations-Rescript vom 26. November 1809. In: Großherzoglich Regierungsblatt Nr. L vom 9. Dezember 1809, S. 403–414; hier S. 404; die neue Organisation sollte gemäß Organisations-Rescript spätestens per 23. April 1810 umgesetzt sein und Auggen wurde dem neuen Bezirksamt Müllheim zugeteilt. Mit der Auflösung des Landkreises Müllheim 1973, wurde Auggen Mitglied des Gemeindeverwaltungsverbands Müllheim-Badenweiler.

Einwohnerentwicklung Jahr 1660 1742 1830 1933 1950 1961 1970 1991 1995 2005 2010 2015 2020 Einwohner 630 1139 1232 1215 1531 1521 1649 2100 2132 2457 2479 2681 2810

(Karl) Richtberg-Siedlung mini|Ehemalige Zeppelin-Wartungshalle, heute Sägehalle und technisches Kulturdenkmal Die westlich der Rheintalbahn und südlich der K 4946 gegenüber Müllheims Gewerbegebiet westlich B 3, zwischen Müllheim im Osten und Neuenburg im Westen auf Auggener Gemarkung gelegene Siedlung wurde 1922 vom Neuenburger Unternehmen Gebrüder Himmelsbach gegründet: Es brauchte als ehemals weltgrößte Konservierungsfirma einen Ausweich- und Erweiterungsstandort vor allem für die Eisenbahnholzschwellen- und Holzleitungsmasten-Produktion, nachdem am ursprünglichen Standort Güterbahnhof Neuenburg Neubauten entstanden. Als Firmenadresse wurde Neuenburg beibehalten. Der Entwurf für das repräsentative Verwaltungsgebäude und die zugehörige Wohnsiedlung stammt vom Karlsruher Architekten Professor Karl Caesar.30 Jahre "Technisches Kulturdenkmal". In: badische-zeitung.de, Lokales, Neuenburg, 30. Dezember 2011 (30. Dezember 2011)

Die Sägehalle erhielt 1981 das Prädikat Technisches Kulturdenkmal: sie ist Teil einer ehemaligen Zeppelin-Wartungshalle, welche am ursprünglichen Standort, dem Flugplatz Baden-Oos, versteigert, in Einzelteile zerlegt und auf dem Schienenweg ins Markgräflerland transportiert wurde. Bei Baden-Baden war sie 1910 von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN) als Eisenfachwerkhalle westlich des Bahnhofes Baden-Baden-Oos für die Deutsche Luftschifffahrt AG (DELAG) als erste deutsche Luftschiff-Passagierstation errichtet worden. Sie musste 1920 nach dem Ersten Weltkrieg gemäß den Auflagen des Versailler Vertrages von 1919 demontiert werden. Im Mai 2012 fanden in der Sägehalle Dreharbeiten zum Film Die Holzbaronin statt, wozu auch lokale Komparsen angeheuert wurden.Nadine Zeller: "Und wir drehen. Ton ab." In: Badische Zeitung 11. Mai 2012; abgerufen am 24. Dezember 2022

Bis 2012 wurde in der „Sägehalle“ von der Firma Karl Richtberg GmbH & Co. KG eine Holzsägerei betrieben; der Gewerbebetrieb besitzt einen Gleisanschluss zur Eisenbahnstrecke Müllheim-Mulhouse. Die Firma sah sich aufgrund veränderter Marktbedingungen gezwungen, im dritten Quartal des Jahres 2012 die Sägerei einzustellen und sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren: die Herstellung von Holzbahnschwellen. Zwei Drittel der Produktion werden derzeit exportiert.Badische-zeitung.de, 8. Juni 2012, Volker Münch: badische-zeitung.de, Richtberg gibt das Sägewerk auf

Anfang März 2009 konnte eine größere Katastrophe verhindert werden, als sich bei einem Brand ein Tank mit 62.000 Litern Schweröl zu entzünden drohte, das der Imprägnierung der Holz-Eisenbahnschwellen diente.Badische-zeitung.de, 3. März 2009, Alexander Anlicker: An einer größeren Katastrophe vorbei

2022 wurde bekannt, dass die 2015 gegründete Karl Richtberg Schwellenwerk GmbHEin Unternehmen der französischen Baret-Group das Imprägnierwerk schließen wird, womit 100 Jahre nach der Gründung des ursprünglichen Werkes die Herstellung von Bahnschwellen in Auggen endet.Savanna Cosma: Die Auggener Firma Richtberg stellt keine Holzschwellen für Bahngleise mehr her. In: Badische Zeitung vom 31. August 2022

Zugunglück Am Abend des 2. April 2020 ereignete sich in Auggen ein Zugunglück mit einem toten Triebfahrzeugführer und zwei schwer sowie acht leicht verletzten LKW-Fahrern der rollenden Landstraße. Die Gesamtschadenshöhe wurde von der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung auf 5,462 Mio. Euro geschätzt. Der Güterzug fuhr auf einen 140 Tonnen schweren Betonblock, der von einer Brücke herabgestürzt war, die im Zuge des Ausbaus der Rheintalbahn am folgenden Wochenende hätte abgerissen werden sollen. Wegen der COVID-19-Pandemie war der Zug mit nur zehn Lastwagen beladen. Kurz vor dem Unglück hatten noch ein anderer Güterzug, ein Regionalexpress und ein ICE die Unglücksstelle passiert. Für wenige Minuten nach dem Unglück stand auf dem Fahrplan die Durchfahrt eines weiteren ICE, der jedoch durch die beteiligten Fahrdienstleiter rechtzeitig angehalten werden konnte. Die Strecke blieb bis zum 8. April gesperrt.

Politik Gemeinderat Die Kommunalwahl vom 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis: Partei / Liste Stimmenanteil Sitze (Ergebnis 2019)Freie Liste Auggen71,7 %9–Auggen miteinander28,3 %3– Freie Wähler Auggen – – (28,0 %, 3 Sitze) CDU/Freie Bürger – – (27,5 %, 3 Sitze) FDP/Freie Bürgerliste – – (22,6 %, 3 Sitze) Grün-Rote Liste Auggen – – (22,0 %, 3 Sitze) Wahlbeteiligung 63,1 % (61,6 %)

Bürgermeister mini|Rathaus Auggen Im Juli 2013 wurde Fritz Deutschmann mit 87 % der Stimmen für eine zweite Amtszeit bestätigt. Am 11. Juli 2021 wurde Ulli Waldkirch im ersten Wahlgang mit 55 % der Stimmen zum Nachfolger des nicht mehr kandidierenden Fritz Deutschmann gewählt und trat sein Amt am 14. September 2021 an.Alexander Huber, Martin Pfefferle: Erster Wahlgang. Ulli Waldkirch ist neuer Bürgermeister von Auggen. Badische Zeitung vom 11. Juli 2021; abgerufen am 15. September 2021

Verwaltungsverband Auggen ist Mitglied im Gemeindeverwaltungsverband Müllheim-Badenweiler, der Aufgaben der Unteren Verwaltungsbehörde wahrnimmt. Außer Müllheim und Badenweiler sind noch die Gemeinden Sulzburg und Buggingen Mitglieder des Verbands.

Gemeindepartnerschaft Châteauneuf-du-Pape im Département Vaucluse (Frankreich) ist Partnergemeinde von Auggen.Siehe Günter Hofmann: Die Städtepartnerschaft — Jumelage Châteauneuf-du-Pape und Auggen. In: Das Markgräflerland, Jg. 2004, Band 1, S. 24–30 UB Freiburg

Neben der Gemeindepartnerschaft ist Auggen mit der Gemeinde Schellerhau im Erzgebirge, Sachsen freundschaftlich verbunden.Partnerschaft mit Schellerhau. Website der Gemeinde Auggen. Abgerufen am 1. September 2012.

Wappen Blasonierung: „In gespaltenem Schild vorn in Gold (Gelb) eine grüne Traube mit zwei grünen Blättern an schwarzem Stiel. Hinten in Rot eine gestürzte goldene (gelbe) Pflugschar unter zwei zueinandergekehrten silbernen (weißen) Rebmessern mit schwarzen Griffen.“Wappen von Auggen auf der Homepage der Gemeinde.

Wirtschaft und Infrastruktur Weinbau Heute lebt das im westlichen Schwarzwald gelegene Dorf vor allem vom Tourismus und Weinanbau: Die Gemeinde Auggen ist insbesondere durch ihre Weinlage Schäf bekannt geworden. Auggener Schäf wird zu den besten Gutedel-Weinen des Markgräfler Landes gerechnet. Die Winzergenossenschaft AuggenSiehe auch Dorothee Philipp: 80 Jahre Auggener Winzergenossenschaft. In: Das Markgräflerland, Jg. 2004, Band 1, S. 15–23 UB Freiburg baut den größten Teil der Auggener Weine an und ist ein bedeutender lokaler Wirtschaftsfaktor.

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