Bad Gottleuba-Berggießhübel ist eine Stadt mit rund 5700 Einwohnern im sächsischen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge unweit von Dresden. Sie entstand im Zuge der Gemeindegebietsreform von 1999 durch den Zusammenschluss der Städte Bad Gottleuba und Berggießhübel sowie der Gemeinden Langenhennersdorf und Bahratal. Die Stadt ist seit Januar 2000 Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Bad Gottleuba-Berggießhübel. Die Gemeindeteile Bad Gottleuba (Moorheilbad) und Berggießhübel (Kneippkurort) haben den Status eines staatlich anerkannten Kurorts.

Geografie Geografische Lage Das knapp 90 Quadratkilometer große Gemeindegebiet von Bad Gottleuba-Berggießhübel liegt etwa 45 Kilometer südöstlich vom Zentrum der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Es umfasst weite Teile des mittleren Gottleubatales sowie Teile der Einzugsgebiete von Bahra, Seidewitz und Bahre. Damit befindet sich die Stadt im Elbtalschiefergebirge, einer Übergangszone zwischen den nordöstlichen Ausläufern des Osterzgebirges und den südwestlichen Ausläufern des Elbsandsteingebirges. Der zentrale Teil um die an der Gottleuba gelegenen Städte Bad Gottleuba und Berggießhübel weist Höhenlagen zwischen 300 und auf. Der tiefste Gemeindepunkt liegt im Gottleubatal bei , der höchste ist mit die an der Grenze zu Tschechien gelegene Oelsener Höhe.

Geologie Die Lage der Stadt im Übergangsgebiet zwischen Osterzgebirge und Elbsandsteingebirge und im Bereich der Mittelsächsischen Störung lässt auf einen komplizierten Aufbau des Gesteinsuntergrundes schließen. Im südwestlichen Teil findet sich bis zu einer Linie nördlich von Hartmannsbach und Hellendorf der „Freiberger Graue Gneis“, das Charaktergestein des Osterzgebirges. Daran schließt sich bis zu einer Linie nördlich von Berggießhübel und Bahra der schmale Streifen des Elbtalschiefergebirges mit seinen altpaläozoischen (kambroordovizischen) Gesteinsgruppen, darunter ein turmalinführender Granit (aus dem Tremadocium), grünschieferfazielle Phyllite (aus dem Tremadocium, teilweise mylonitisiert), Quarzite, Konglomerate, Marmore und Kalksteine an. Am unmittelbaren Übergang zum Erzgebirgsgneis ist der Granit in Form einer widerstandsfähigen Kette von Härtlingsbergen (u. a. Hüttenleite, Tannenbusch, Helleberg) ausgeformt. Zwischen Berggießhübel, Markersbach und Bahra bewirkte das Eindringen von Granit in die Kalksteine der metamorphen Zone des Paläozoikums das Entstehen der Berggießhübeler Magneteisenerzlager. Nördlich von Berggießhübel sowie östlich der Bahra treten die Gesteine des Elbtalschiefergebirges mit der Sandsteindecke der Elbtalkreidezone in Kontakt.

Gemeindegliederung Bad Gottleuba-Berggießhübel erstreckt sich im Süden von der tschechischen Grenze und dem Ortsteil Oelsen über die südöstlichen Dörfer Markersbach und Hellendorf, die südwestlichen Hartmannsbach, Breitenau, Börnersdorf und Hennersbach bis hin zu Bad Gottleuba und Berggießhübel im Zentrum und Zwiesel, Bahra und Langenhennersdorf im Norden.(in Klammern: Vorwahl)

Bad Gottleuba (035023) Bahra (035032) Berggießhübel (035023) Breitenau (035054) Börnersdorf (035025) Forsthaus (035032) Hellendorf (035023) Hennersbach (035025) Langenhennersdorf (035032) Markersbach (035023) Oelsen (035023) Zwiesel (035023)

Geschichte mini|Blick in das Gottleubatal und auf Bad Gottleuba. Im Hintergrund sieht man Hartmannsbach

Die Besiedlung der Region wurde seit 1140 von den böhmischen Königen betrieben. Ein wesentlicher Grund dafür war die Lage an den Handelsstraßen, die zum Beispiel von Halle (Saale) über Gottleuba nach Aussig (Ústí nad Labem) führten (Kulmer Steig, Königsweg, Salzstraße).

Im Auftrag der herrschenden böhmischen Herzöge und Könige wurde die Entwicklung der Region wesentlich von Adelsfamilien auf Liebstadt, Weesenstein und Dohna sowie Pirna geprägt. Sie setzten Lokatoren ein, die ihrerseits Siedler anwarben und die Besiedlung der Region organisierten. Die Namen dieser Lokatoren spiegeln sich noch heute in den Namen der Dörfer in der Region wider. Die Dörfer sind allesamt mit Waldhufen ausgestattete Reihendörfer. Die Siedler kamen aus Thüringen, Hessen und Franken, im oberen Osterzgebirge waren es auch deutschstämmige Kolonisten aus Nordböhmen.

Ungefähr 1240 begann in der Region eine zweite Siedlungsperiode. Durch König Wenzel von Böhmen (1230–1253) wurde die Kolonisation in erster Linie wegen der Erzfunde im Erzgebirge vorangetrieben. 1241 fanden deutsche Bauern aus dem Egerland unter dem Mückenberg (in der Nähe des heutigen Zinnwald-Georgenfeld) Zinnkristalle. Der Fund war von solcher Bedeutung, dass der Zinnpreis auf dem Weltmarkt auf die Hälfte sank.

Im Spätmittelalter wechselte die Zugehörigkeit der Orte mehrfach zwischen dem böhmischen Königreich und der Mark Meißen.

Oelsen 1429 zogen die Hussiten durch die Regionen und zerstörten Oelsen. Es wurde erst Ende des 15. Jahrhunderts wieder aufgebaut. In der Zeit dazwischen war urkundlich nur vom „wüsten Dorf“ die Rede.

mini|Die Kirche in Oelsen mini|Kopfteil einer vorreformatorischen Betsäule in Oelsen mini|Steinkreuz und Wegweisersäule nahe der Oelsener Höhe mini|Häuser im Oelsengrund vor dem Abriss mini|Gasthof in Klein-Liebenau mini|Luftbild von Oelsen

Die erste urkundliche Erwähnung betrifft Oelsen. Bereits 1169 wurde in einem Schriftstück die Zueignung eines bei diesem Dorf gelegenen Waldes (silva iuxta Olesnice) vom Przemysl Herzog Vladislav II. (1158–1173) an die Johanniter beurkundet. Der ursprünglich tschechische Name bedeutet „Erlenbusch“ (tschechisch: olešná). Die Gründung Oelsens gilt als eine der ältesten kolonisatorischen Tätigkeiten der Johanniter im östlichen Erzgebirge.

1459 wurde die Grenzziehung zwischen Böhmen und Sachsen durch einen Vertrag zwischen dem böhmischen König und den sächsischen Herrschern Kurfürst Friedrich und Herzog Wilhelm neu geregelt (Vertrag von Eger). Damit kamen zum Beispiel Lauenstein, Königstein, Dippoldiswalde und auch Gottleuba mit Oelsen nach Sachsen. Dieser Grenzverlauf ist heute noch im Wesentlichen gültig.

1517 erwarb die Ritterfamilie von Bünau, ein weit verzweigtes Rittergeschlecht zum Beispiel auf Liebstadt oder Weesenstein, das Rittergut und Dorf Oelsen. Damit gehörte Oelsen zur Herrschaft Lauenstein.

Die Kirche zu Oelsen, erstmals 1358 in einer Urkunde der Erzdiözese Prag erwähnt, wurde um 1620 mit wertvollen Sandsteinreliefs von Lorenz Hornung ausgestattet.

Nach 245-jährigem Besitz verkauften die Bünaus 1762 Oelsen an bürgerliche Eigentümer. Im sechsten Koalitionskrieg wurde 1813 Oelsen in die erbitterten Kämpfe zwischen Russen und Franzosen verwickelt. Es kam zu erheblichen Schäden; zehn Bauerngüter wurden ruiniert, drei brannten völlig nieder, die Felder konnten nicht bestellt werden, die Bevölkerung litt unter Hunger und Krankheiten.

1921 wurde für Oelsen die Versorgung mit elektrischem Strom aufgenommen.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurden wegen der Räumung der großen Konzentrationslager etwa 150 KZ-Häftlinge in Oelsen untergebracht. Nach dem Krieg kamen in Oelsen viele Heimatvertriebene aus dem Sudetenland und aus Schlesien unter. Die Einwohnerzahl stieg deshalb 1945 auf fast das Doppelte der Vorkriegszahl.

In den folgenden Jahren wurde die Infrastruktur des Ortes schrittweise verbessert: Busanbindung ab 1956, Straßenbau 1965/1966 im Zuge des Baues der Talsperre Gottleuba.

Am 1. Januar 1996 wurde Oelsen in die Stadt Bad Gottleuba eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996

Einwohnerentwicklung Oelsen 1547/51: 46 1834: 302 1871: 319 1890: 322 1910: 336 1925: 340 1939: 338 1946: 465 1957: 384

Oelsengrund Der Abriss der Häuser erfolgte im Zusammenhang mit dem Bau der Talsperre, da sie sich in deren Wassereinzugsgebiet befanden.

Kleinliebenau Kleinliebenau war ein Ortsteil direkt an der Grenze, er wurde im Rahmen des Talsperrenbaues als Wassereinzugsgebiet abgerissen.

Markersbach und Hellendorf Die Gründung des Waldhufendorfes Markersbach (Marquardi villa) könnte ebenfalls auf die Johanniter zurückgehen, ist aber nicht eindeutig belegt. Der Name wurde 1363 erstmals urkundlich erwähnt und stammt wahrscheinlich von einem Herrschergeschlecht (Markwart(inger) oder Marquart) ab, das sich besonders um die Einführung deutscher Kultur in Böhmen verdient gemacht hatte. Das Waldhufendorf Hellendorf (Heldisdorf) wurde 1379 erstmals erwähnt. Beide Orte sind böhmischen Ursprungs und liegen im Tal der Bahra.

Im Mittelalter waren hier die Hammerwerke Kleppisch und Cratza angesiedelt, die das um Berggießhübel geförderte Eisenerz verarbeiteten.

Die kleine Dorfkirche von Markersbach besitzt eine kulturhistorisch wertvolle mechanische Schleifladenorgel von Christian Gottfried und Wilhelm Leberecht Herbrig aus dem Jahr 1842.

Wie Oelsen litten die Bewohner beider Orte während des Napoleonischen Krieges 1813 ebenfalls unter Not und Elend, Zerstörungen und Plünderungen. Beide Orte erhielten im 19. Jahrhundert eine Schule (1837 und 1858). 1927 wurde die neue Schule in Markersbach eingeweiht.

Die in den 1960er-Jahren errichteten Rückhaltebecken Buschbach und Mordgrundbach dienen der Verhütung von Überschwemmungen, wie sie hier in den Jahren 1897 und 1958 aufgetreten waren.

Am 1. Januar 1970 wurden beide Orte zur Gemeinde Bahratal zusammengelegt.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt 1976 wurde der Grenzübergang nach Petrovice (Peterswald) wieder eröffnet.

In der sächsischen Gemeindegebietsreform vom 1. Januar 1999 wurde Bahratal in die Stadt Bad Gottleuba-Berggießhübel eingegliedert.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999

Einwohnerentwicklung+ in Markersbach 1447/51: 49 1834: 387 1871: 444 1890: 481 1910: 462 1925: 454 1939: 533 1946: 727 1957: 645+ in Hellendorf 1447/51: 32 1834: 314 1871: 348 1890: 378 1910: 401 1925: 386 1939: 446 1946: 679 1957: 579

Hartmannsbach mini|Hammergut Haselberg

Hartmannsbach ist im Sinne der politischen Gliederung der Gemeinde kein Ortsteil von Bad Gottleuba-Berggießhübel. Es gehört zu Bad Gottleuba, kann aber historisch gesondert betrachtet werden.

Der Ort ist ein Reihendorf (Waldhufenflur) und liegt südwestlich von Gottleuba. Seine erste urkundliche Erwähnung findet der Ort als Hartmanspach 1412. Der Name variiert in den nächsten Jahrhunderten nur leicht: Hartmansbach, Harttenßbach, Hartenspach, Hartzbach, Harczbach, Hartzschbach, Hartmanstorff. Der Ort setzte sich aus Ober- und Niederhartmannsdorf, der Ehrlich- und Fischermühle sowie dem Hammergut Haselberg zusammen.

Zu den Besitzern gehörten in der Region bekannte Namen, wie Nickel Karras, von Torgaw, von Czickow, von Bernstein, von Bünau, von Mecsch oder Metzsch. Dabei dürfte der Ort zunächst zur Burggrafschaft Dohna gehört haben, später, nach der Niederlage der Donins in der Dohnaischen Fehde zur Markgrafschaft Meißen („Dreßdenische pflege“, „pflege zcu Donyn“, „pflege zcu Pirne“). Entsprechend seinen Besitzern wurde Hartmannsbach teilweise zu den Rittergütern Giesenstein, Borthen und Röhrsdorf, zum Schloss Ottendorf, zu Liebstadt und Weesenstein und schließlich auch zur Stadt Gottleuba gerechnet.

Die Gerichtsbarkeit ist seit 1485 nachweisbar. Das Bier des Kretschams wurde gemäß einer Bestimmung aus dem Jahre 1511 aus Bärenstein und Altenberg bezogen.

Hartmannsbach wird zunächst nach Ottendorf gepfarrt (nachweislich 1548). 1576 gehört der Ort jedoch schon zu Gottleuba. Dies geht aus Beschwerden des Haubold von Bernstein auf Ottendorf, des Ottendorfer Pfarrers sowie der eingepfarrten Leute hervor.

Im Jahre 1840 bestand Hartmannsbach aus 23 Bauerngütern, einem Erbgericht, zwei Mahl- und Schneidemühlen (Fischer- und Ehrlichmühle), sieben Gartennahrungen und einigen anderen Häusern. In der niederen Gerichtsbarkeit mit Diensten und Abgaben ist es dem Erb-, Lehn- und Gerichtsherrn auf dem Rittergut Giesenstein, Kammerherr von Globig, unterstellt.