mini|Neustadt von der Stabenbergwarte aus fotografiert|300x300px

Neustadt an der Weinstraße (bis 1936 und von 1945 bis 1950 Neustadt an der Haardt Der Artikel lässt erkennen, dass der neue Namenszusatz schon 1935 propagiert wurde; zur rechtlichen Widmung vgl. den Abschnitt Entwicklung des Namens., pfälzisch Neischdadt) ist eine kreisfreie Stadt in Rheinland-Pfalz und Teil der Metropolregion Rhein-Neckar. Sie gehört zu den zehn größten Städten des Bundeslandes. Die Stadt in der Pfalz an der Deutschen Weinstraße ist eines der Zentren des deutschen Weinbaus und veranstaltet jährlich das Deutsche Weinlesefest, bei dem in der Regel die Deutsche Weinkönigin gewählt wird. Bekannt ist Neustadt außerdem durch das im Stadtgebiet gelegene Hambacher Schloss, den Schauplatz des Hambacher Festes der deutschen Demokratiebewegung im Jahr 1832.

Da Neustadt ein häufiger Ortsname ist, werden in der Literatur diverse Abkürzungen für den aktuellen und den älteren Namenszusatz verwendet. Am häufigsten treten „/Wstr.“, „a. d. W.“ bzw. „a. d. Wstr.“ und „a. d. H.“ bzw. „a. d. Hdt.“ auf.

Die Einwohner von Neustadt an der Weinstraße heißen Neustadter; dies wird im örtlichen Dialekt „Naischdadter“ ausgesprochen.

Geographie mini|hochkant=1.2|Lage von Neustadt in der Metropolregion Rhein-Neckar

Lage Die Kernstadt liegt auf im Westen der Metropolregion Rhein-Neckar zwischen der Haardt, dem östlichen Rand des Pfälzerwalds, und dem Westrand der Oberrheinischen Tiefebene inmitten des um zehn Kilometer breiten und 85 Kilometer langen größten pfälzischen Weinbaugebiets. Der Westen der Gemarkung ragt deutlich in den mittleren Pfälzerwald hinein. Dort befinden sich mehrere Täler wie das Finstertal, das Heidenbrunnertal, das Hellertal, das Kaltenbrunner Tal. Der Südosten des Stadtgebiets liegt mitten im Gäu.

Die West-Ost-Ausdehnung des Stadtgebiets mitsamt den eingemeindeten Ortsteilen beträgt 22,5 Kilometer, die Nord-Süd-Ausdehnung 9,5 Kilometer. Der höchste Punkt liegt im Südwesten bei am Hohe-Loog-Haus in der Haardt und der tiefste bei im südöstlichen Ortsteil Geinsheim.

Nachbarkommunen sind im Uhrzeigersinn und beginnend im Norden Ruppertsberg, Meckenheim, Haßloch, Hanhofen, Harthausen, Gommersheim, Böbingen, Altdorf, Venningen, Kirrweiler, Maikammer, Kirrweiler (Exklave), Esthal, Lambrecht, Lindenberg und Deidesheim.

Stadtgliederung Kernstadt und Stadtviertel Mit der Kernstadt sind im Laufe der Zeit einige umliegende Siedlungen, Weiler und Gehöfte so zusammengewachsen, dass ihre einstigen Grenzen zur Stadt verwischt sind, so Branchweiler im Südosten, die Hambacher Höhe im Südwesten sowie das Afrikaviertel (so genannt wegen der Straßen, die nach Afrikaforschern benannt sind) und das Schöntal im Westen. Sie gelten heute als Stadtviertel ohne besondere Privilegien, zählen also rechtlich nicht als eingemeindete Stadtteile.

Das bekannteste Stadtviertel ist Winzingen. Winzingen wurde 774 erstmals erwähnt und ist damit viel älter als die im frühen 13. Jahrhundert gegründete „Neue Stadt“. Es war ein Winzerdorf, das am Speyerbach unterhalb, also östlich der Neugründung lag. Im Jahre 1892 wurde es in das damalige Neustadt an der Haardt eingemeindet. Mittlerweile ist die Stadt weiter nach Osten über Winzingen hinaus gewachsen.

Inklusive aller eingemeindeten Stadtteile dehnt sich die Fläche Neustadts über 11.713,5 Hektar aus. Davon sind 5020 Hektar Waldfläche, 2216 Hektar Weinbaufläche, 2300 Hektar anderweitig landwirtschaftlich genutzte Fläche, 1607 Hektar bebaute Fläche und 50 Hektar Industrie- und Gewerbefläche.

Stadtteile 1969 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Diedesfeld, Geinsheim, Gimmeldingen, Haardt, Hambach, Königsbach, Lachen-Speyerdorf und Mußbach sowie 1974 Duttweiler nach Neustadt eingemeindet, die zwischen einem und zehn Kilometer von der Kernstadt entfernt liegen. Sie sind Stadtteile, werden rechtlich Ortsbezirke genannt und besitzen einen Ortsvorsteher und einen Ortsbeirat.

Einwohnerverteilung innerhalb der Stadt Neustadt an der Weinstraße

Stadtteil Einwohner Kernstadt 30.370 Diedesfeld 2.231 Duttweiler 970 Geinsheim 1.887 Gimmeldingen 2.069 Haardt 2.550 Hambach 4.719 Königsbach 1.064 Lachen-Speyerdorf 5.295 Mußbach 3.716 Neustadt an der Weinstraße 54.898

Karten

Bilder

Erhebungen mini|Hohe Loog, höchste Erhebung auf der Gemarkung von Neustadt an der Weinstraße

Auf der Stadtgemarkung befinden sich im Westen zahlreiche Berge des Pfälzerwalds. Höchste Erhebung ist die messende Hohe Loog im Südwesten, deren Südsüdostsporn die hohe Sommerseite darstellt. Im unmittelbaren Einzugsgebiet befinden sich weitere Gipfel wie der Taubenkopf (), der Zwergberg (), der Rittersberg (), der Sternberg (), der Sommerberg () und ganz im Osten der Nollenkopf (), der Nollensattel (), der Kastanienberg, der Häuselberg (), der Heidelberg () sowie der Schlossberg von Hambach ().

Im Nordwesten erstreckt sich das hohe Massiv des Weinbiets mit seinem hohen Ostläufer Nebelberg, seinem Südläufer Wolfsberg () und seinem Westläufer Schwalbeneck (); sein Südostläufer ist der hohe Haardter Schlossberg. Weiter nordwestlich befindet sich der Hintere Langenberg. Nordwestlich des Stadtteils Königsbach erhebt sich der hohe Stabenberg. Zur Vorhügelzone östlich des Pfälzerwalds gehört beim Stadtteil Gimmeldingen der hohe Kieselberg.

Im äußersten Westen der Gemarkung erheben sich die hohe Oberscheid, die Platte (), der Kaisergarten an der Gemarkungsgrenze zu Lambrecht (), der Kropfsberg (), der Studerbildkopf (), der Hohe Kopf () und der Schloßberg der Burg Spangenberg (). Näher an der Kernstadt liegt der hohe Königsberg.

Gewässer mini|Winzinger Wassergescheid

Zentrales Fließgewässer innerhalb der Gemarkung ist der in West-Ost-Richtung durch die Kernstadt verlaufende Speyerbach; innerhalb letzterer befindet sich sein linker Seitenarm Floßbach. Kurz nach dessen Rückmündung in den Speyerbach trennt sich von diesem im Nordosten der Stadt am Winzinger Wassergescheid nach links der Rehbach, um nach seinem Lauf durch die Rheinebene einige Kilometer weiter nördlich als der Speyerbach in den Rhein zu münden. Auf gesamter Länge auf Stadtgemarkung befindet sich der Kaltenbrunnertalbach, der am westlichen Stadtrand in den Speyerbach mündet. Ganz im Westen verläuft für rund zwei Kilometer der Argenbach durch das Stadtgebiet und bildet danach bis zu seiner Mündung die Grenze zu einer Exklave von Kirrweiler.

Der wasserreichste und mit knapp 12 km längste Zufluss des Rehbachs, der von links mündende Mußbach, hat dem nordöstlichen Ortsteil den Namen gegeben. Seine Zuflüsse werden innerhalb der Stadtgrenzen vom Loosenbrunnen, der Loogquelle und der Neumühlquelle gespeist. Der Riedgraben in Königsbach ändert unterhalb der Wohnbebauung seinen Namen in Schleit- und später in Lachgraben. Dieser mündet in Dannstadt von links in den Isenach­zufluss Floßbach. Der Sulzwiesengraben im Ortsteil Haardt ist ein linker Zufluss der Speyerbach-Ableitung Floßbach. Die Bäche in den südlichen Ortsteilen Hambach und Diedesfeld sind kurz und münden letztlich von rechts in den Speyerbach. Von diesem durchflossen wird Lachen-Speyerdorf, während die Ortsteile Duttweiler und Geinsheim an dessen rechtem Zufluss Kropsbach liegen, der 22 km lang ist. Unmittelbar östlich von Geinsheim nimmt dieser von links den Hartgraben entgegen.

Gut einen Kilometer östlich der Wohnbebauung von Mußbach erstreckt sich der flache Mußbacher Baggerweiher. Er ist um die Mitte des 20. Jahrhunderts infolge der Ausbaggerung von Sand entstanden und bezieht seine Füllung aus dem Grundwasser. Seine Länge in West-Ost-Richtung beträgt 500 m, von Nord nach Süd ist er bis 150 m breit.

Klima mini|Klimadiagramm von Neustadt an der Weinstraße

In Neustadt herrscht ein ausgeglichenes Klima, das demjenigen in der gesamten Vorderpfalz entspricht: Warme Sommer (um 20 °C; untere Kurve des Klimadiagramms), in denen die hauptsächlichen Niederschlagsmengen fallen, die indessen auf das Jahr bezogen mit um 500 mm (obere Kurve) ziemlich gering sind, korrelieren mit milden, noch trockeneren Wintern. Die Niederschläge liegen im unteren Viertel der in Deutschland erfassten Werte, an nur 12 Prozent der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der März; die meisten Niederschläge fallen im Juni, nämlich 1,7-mal mehr als im März. Sie variieren allerdings nur gering und sind sehr gleichmäßig übers Jahr verteilt, an nur drei Prozent der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Niederschlags-Schwankungen registriert.

Das Klimadiagramm stammt von einer Wetterstation in Höhe im Ortsteil Haardt oberhalb der Kernstadt, die 25 m tiefer liegt. Deshalb weichen die Werte der Wetterstation temperaturmäßig etwas nach unten und hinsichtlich der Niederschläge nach oben ab. Das Diagramm kommt bei einer jährlichen Durchschnittstemperatur von 10,1 °C auf 18,4 °C in den Sommermonaten und auf 1,7 °C während des Winters. Der Jahresniederschlag wurde mit 614 mm gemessen.

Geschichte mini|Blick auf Neustadt an der Haardt 1856 Zeittafel Zeitraum Ereignis 774 Erste urkundliche Erwähnung der Dörfer Winzingen, Lachen und Speyerdorf 10. Jahrhundert Bau der Burg Winzingen um 1200 Bau der Wolfsburg durch Pfalzgraf Ludwig I. frühes 13. Jahrhundert Gründung der „Neuen Stadt“ durch die Pfalzgrafen Ludwig I. und seinen Sohn Otto II. unterhalb ihrer Burg Winzingen 1254 Mitglied des Großen Rheinischen Städtebunds 1275 Verleihung der Stadtrechte bis 1797 Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Pfalz, Sitz des Oberamtes Neustadt an der Haardt 1798–1814 Neustadt französisch und Teil des Département du Mont-Tonnerre 1816–1945 Neustadt bayerisch und ist dem „Rheinkreis“, ab 1837 als „Pfalz“ bezeichnet, unterstellt 1832 Hambacher Fest: Demonstration von 30.000 Menschen auf dem Hambacher Schloss für Demokratie und staatliche Einheit 1847 Eröffnung der Bahnstrecke Ludwigshafen am Rhein–Neustadt 1850er Jahre Bau der Zwockelsbrücke über die Bahnstrecke 1892 Eingemeindung des Dorfes Winzingen am 1. Januar 1969/1974 Eingemeindung von neun umliegenden Winzergemeinden

Frühe Geschichte Die ältesten Siedlungsspuren und Funde weisen darauf hin, dass bereits die Kelten auf dem Gebiet der heutigen Stadt lebten. Es sind keltische Ringwälle, Tongefäße, Münzen und Waffen erhalten, die auf die Zeit um 150 vor Christus datiert werden. Vermutlich um das Jahr 20 n. Chr. nahmen die Römer die Gegend in Besitz. Um 400 erfolgte die Landnahme durch die Alemannen, gegen 500 wurden diese wiederum durch die gleichfalls germanischen Franken abgelöst.

Über die Jahrhunderte nach dem Ende der Römerherrschaft gibt es keine genauen Erkenntnisse. So viel ist jedoch gewiss, dass es vor der eigentlichen „Neustadt“ schon Dörfer gab: Winzingen, heute Stadtviertel, wurde schon 774 urkundlich erwähnt. Auch die Ortsteile Mußbach, Lachen-Speyerdorf, Geinsheim, Duttweiler und Hambach sind erheblich älter als die heutige Kernstadt. Generell kann man sagen, dass die Geschichte Neustadts eng an die Geschichte der Pfalz gebunden ist.

Erwerb der Stadtrechte im Mittelalter Schon wenige Jahrzehnte nach der Ortsgründung im frühen 13. Jahrhundert erhielt Neustadt am 6. April 1275 Stadtrechte nach dem Vorbild Speyers:

Einteilung in Stadtviertel im Spätmittelalter Im Spätmittelalter war Neustadt in vier Stadtviertel eingeteilt, deren Namen über Stand und Berufe der maßgeblichen Bewohner oder über wichtige Örtlichkeiten Auskunft geben:

Im Lauerviertel (aus „Loheviertel“) dicht am Speyerbach arbeiteten die Ledergerber. Das Kesselringviertel war nach einer einflussreichen Familie des 14. Jahrhunderts benannt. Im Frauenviertel lagen kirchliche Besitztümer; sie standen unter dem Patrozinium der Gottesmutter, die auch „Unsere Liebe Frau“ genannt wird. Die jüdische Gemeinde lebte im Judenviertel.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts kamen außerhalb der Befestigungsanlagen weitere Viertel dazu, das Stadtgasserviertel, das Kirschgartenviertel und die Ägyptenvorstadt.

Reformation mini|Casimirianum