Friedrich „Fritz“ Walter (* 31. Oktober 1920 in Kaiserslautern; † 17. Juni 2002 in Enkenbach-Alsenborn) war ein deutscher Fußballspieler.

Fritz Walter gehört zu den herausragenden Persönlichkeiten des deutschen Fußballs. Mit ihm als Mannschaftskapitän und „verlängertem Arm“DFB, 1. FC Kaiserslautern, Fritz Walter Stiftung (Hrsg.): Fritz Walter. Kapitän für Deutschland. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2010, ISBN 978-3-89533-759-8. S. 93. des Bundestrainers Sepp Herberger gewann die Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft 1954. Auch bei der Weltmeisterschaft 1958 war der 37-jährige Routinier und Senior der deutschen Mannschaft Stammspieler des Titelverteidigers.

Auf Vereinsebene spielte Walter 30 Jahre lang beim 1. FC Kaiserslautern und gewann mit ihm zwei deutsche Meisterschaften (1951 und 1953). Im Seniorenbereich eröffnete der Mittelfeld- und Angriffsspieler in der Saison 1938/39 beim Meisterschaftsgewinn in der zweitklassigen Bezirksklasse Mittelpfalz seine Ligakarriere bei Kaiserslautern und beendete seine Spielerlaufbahn in der Oberliga Südwest nach der Runde 1958/59.Dominic Bold: 1. FC Kaiserslautern. Die Chronik. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2013, ISBN 978-3-7307-0046-4. S. 58, 146/147 Von 1940 bis 1958 nahm er an 61 Länderspielen teil, 33 Mal als Torschütze. Für die „Roten Teufel“ absolvierte er von 1945 bis 1959 in der Fußball-Oberliga Südwest 321 Ligaspiele, in denen er 273 Tore erzielte, außerdem in den Endrunden um die deutsche Meisterschaft von 1942 bis 1958 insgesamt 47 Spiele, in denen er 24 Tore schoss.Lorenz Knieriem, Hardy Grüne: Spielerlexikon 1890–1963. Agon Sportverlag. Kassel 2006. ISBN 978-3-89784-148-2. S. 406. Sein letztes Oberligaspiel absolvierte Fritz Walter am 19. April 1959 bei einer 2:4-Auswärtsniederlage bei Borussia Neunkirchen.Dominic Bold: 1. FC Kaiserslautern. Die Chronik. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2013, ISBN 978-3-7307-0046-4. S. 147

Für seine fußballerischen und sozialen Verdienste wurde Walter vielfach geehrt. 1954Rudi Michel (Hrsg.): Fritz Walter. Die Legende des deutschen Fußballs. Engelhorn Verlag. Stuttgart 3. Auflage 1995, ISBN 3-87203-216-X. S. 103. wurde er als erster Spieler zum Ehrenspielführer der Nationalelf ernannt. Sein 1954 erstmals erschienenes Buch 3:2 – Die Spiele zur Weltmeisterschaft war der erfolgreichste Sportband der Welt. Zu seinem 80. Geburtstag wurde ihm als erstem und bisher einzigem Träger die Ehrenbürgerschaft des Landes Rheinland-Pfalz verliehen.Dominic Bold: 1. FC Kaiserslautern. Die Chronik. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2013, ISBN 978-3-7307-0046-4. S. 60. Der Sportjournalist Rudi Michel, langjähriger journalistischer Wegbegleiter und Freund von Fritz Walter, sagte über ihn: „Kein anderer deutscher Fußballer, kein ‚Kaiser‘, kein ‚Bomber‘, kein ‚Uns Uwe‘ genoss derartige Anerkennung wie dieser Pfälzer Jung. Für viele ist er neben Max Schmeling der populärste deutsche Sportler aller Zeiten.“Michael Horn: Lexikon der internationalen Fußballstars. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2004, ISBN 3-89533-466-9. S. 284.

Am 2. September 1948 heiratete Walter die Italienerin Italia Bortoluzzi (6. Dezember 1921–14. Dezember 2001)https://www.birkenhoerdt.net/getperson.php?personID=I230622&tree=1, die nach 53 Ehejahren im Dezember 2001 verstarb.Fritz-Walter-Museum Kaiserslautern

Jugend Friedrich „Fritz“ Walter wurde 1920 als ältestes von fünf Kindern der Eheleute Dorothea Walter, geborene Kieburg, und Ludwig Walter in Kaiserslautern geboren. Er hatte zwei Schwestern, Gisela und Sonja, und zwei Brüder, Ludwig und Ottmar, die beide ebenfalls beim 1. FC Kaiserslautern Fußball spielten. Fritz und Ottmar Walter spielten später gemeinsam in der Nationalmannschaft und wurden 1954 Weltmeister.

mini|Geburtshaus von Fritz und Ottmar Walter Als Sohn des Vereinswirts des 1. FC Kaiserslautern kam Fritz Walter schon in frühester Jugend mit dem Fußball in Kontakt. Seine ersten Schritte auf dem Fußballplatz machte er als Siebenjähriger in der Schülermannschaft des FV Kaiserslautern, eines der Vorgängervereine des 1. FC Kaiserslautern.Dominic Bold: 1. FC Kaiserslautern. Die Chronik. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2013, ISBN 978-3-7307-0046-4. S. 46/47 (Zitiert nach Eric Lindon). Zunächst spielte er auf der Position des rechten Verteidigers, wechselte aber schon bald in den Angriff der FCK-Jugend und wurde hier stadtbekannt. Rudi Michel erinnerte sich im November 1985 an Fritz Walters Anfänge: „Ganz genau weiß ich das Jahr nicht mehr, aber es muß so um 1928/29 gewesen sein. Damals hat mein Vater alle 14 Tage sonntags beim Mittagessen gesagt, heut’ gehen wir früher ‚uff de Betze‘, vor der ersten Mannschaft spielt’s klää Fritzje.“ ’s klää Fritzje war damals der Kleinste in der Schülermannschaft des 1. FC Kaiserslautern, zog aber mit seiner Ballbeherrschung und seinen spielerischen Fähigkeiten schon durchschnittlich 2000 bis 2500 Zuschauer an. Das einhellige Urteil der Experten war: „Der wird mal […] ein ganz Großer […]. Der kann schon alles. Nur wachsen muß er noch.“Rudi Michel (Hrsg.): Fritz Walter. Die Legende des deutschen Fußballs. 3. Auflage. Engelhorn Verlag. Stuttgart 1995, ISBN 3-87203-216-X. S. 46/47.

Sportlich und charakterlich wurden die Jugendspieler auf dem Betzenberg geprägt von den Trainern Peter Zängry und Karl Berndt. Auch der ehemalige Nationalspieler Georg Wellhöfer nahm bei gelegentlichen Trainingseinheiten und Nachwuchslehrgängen des nationalsozialistischen Reichsbunds für Leibesübungen Einfluss auf die Entwicklung der „Betze-Buben“.Markwart Herzog: Der „Betze“ unterm Hakenkreuz. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2009, ISBN 978-3-89533-541-9, S. 233.

Mit 13 Jahren wurde der Nachwuchsspieler erstmals in der regionalen Presse erwähnt; nach einem Vorspiel der FCK-Schüler gegen den FK Pirmasens (11:1) vor einem Repräsentativkampf Südwest gegen Württemberg schrieb die NSZ Rheinfront am 7. März 1934: „Insbesondere war es der prächtige Mittelstürmer Walter des 1. FCK, der die Massen begeisterte.“Markwart Herzog: Der „Betze“ unterm Hakenkreuz. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2009, ISBN 978-3-89533-541-9. S. 183 und 214. Am 25. März 1938 debütierte der Jugendspieler bei einem Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Pforzheim (5:5) in der 1. Mannschaft der Lauterer und schoss zwei Tore.Markwart Herzog: Der „Betze“ unterm Hakenkreuz. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2009, ISBN 978-3-89533-541-9, S. 183.

Auch Fritz Walters schulische Leistungen waren hervorragend; während seiner Banklehre bei der Bankagentur Heinrich Hasemann von 1935 bis 1938 besuchte er die Handelsabteilung der Berufsschule Kaiserslautern und erhielt im Entlassungszeugnis vom 12. April 1938 in allen Fächern die Note „sehr gut“. Mit Unterstützung des Oberbürgermeisters Richard Imbt erhielt er zum 1. Juni 1939 eine Anstellung in der Buchhaltung der von FCK-Gründungsmitglied Karl Wünschel geleiteten Stadtsparkasse.Markwart Herzog: Der „Betze“ unterm Hakenkreuz. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2009, ISBN 978-3-89533-541-9, S. 117. Hier arbeitete er bis zu seiner Einberufung zum Militärdienst im Dezember 1940.

Karriere Beginn im Seniorenbereich, 1938 bis 1940 Nachdem der 1. FCK in der Saison 1937/38 als Vorletzter aus der Gauliga Südwest abgestiegen war, wurde der Ex-Berliner Karl Berndt neuer Trainer und Fritz Walter übernahm eine zentrale Rolle in der 1. Mannschaft. Sein Anteil an der sportlichen Renaissance des FCK war so groß, dass in den Spielprogrammen bereits 1940 von der „Walter-Mannschaft“ die Rede war.Dominic Bold: 1. FC Kaiserslautern. Die Chronik. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2013, ISBN 978-3-7307-0046-4. S. 52. Am 11. September 1938 startete der 1. FCK mit einem 8:1-Erfolg und vier Walter-Treffern gegen den SV Niederauerbach in die Verbandsrunde im zweitklassigen Bezirk Mittelpfalz. Im Oktober erzielte Walter in den aufeinanderfolgenden Begegnungen gegen den FC Rodalben (7:0) und den WSV Kammgarn Kaiserslautern (5:0) alle zwölf Treffer. 1939 gewann der FCK mit sechs Punkten Vorsprung vor der SG Neustadt die Bezirksmeisterschaft Mittelpfalz. In 24 Spielen hatte die Mannschaft 113 Tore erzielt, Fritz Walter davon alleine 59 Treffer.Dominic Bold: 1. FC Kaiserslautern. Die Chronik. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2013, ISBN 978-3-7307-0046-4. S. 53. Im Mai/Juni setzte sich der FCK auch in der Aufstiegsrunde gegen den VfR Frankenthal und die TSG Burbach durch und kehrte damit zur Saison 1939/40 in die Gauliga Südwest zurück.

Einen kompetenten und begeisterten Förderer fand Fritz Walter im Gau-Fußballlehrer Südwest, Karl Hohmann, der ihn bereits in seinem ersten Seniorenjahr zu Lehrgängen und Auswahlspielen berief; unter anderem spielte die Südwestauswahl im November 1938 gegen Baden, im Februar 1939 gegen Lothringen und am 26. März 1939 gegen Italien B.Markwart Herzog: Der „Betze“ unterm Hakenkreuz. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2009, ISBN 978-3-89533-541-9. S. 185. Die Südwest-Gaumeisterschaft 1939/40 wurde in zwei Staffeln ausgetragen; in der Staffel Saar-Pfalz siegte der FCK dank 25 Toren – eine andere Quelle spricht von 30 – von Fritz Walter; in den beiden Spielen um die Meisterschaft gegen den Sieger der Staffel Mainhessen, Kickers Offenbach, setzten sich aber die Offenbacher mit 1:1 und 6:3 durch.Dominic Bold: 1. FC Kaiserslautern. Die Chronik. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2013, ISBN 978-3-7307-0046-4. S. 58. In dieser Saison zeichnete Walter sich auch in der Gauauswahl Südwest unter Trainer Hohmann bei den Spielen um den Reichsbundpokal 1939/40 gegen Mittelrhein (2:1), Hessen (3:0, zweifacher Torschütze) und bei der 1:2-Niederlage gegen den späteren Pokalsieger Bayern aus.Jürgen Leinemann: Sepp Herberger. Ein Leben, eine Legende. Rowohlt Verlag. Berlin 1997, ISBN 3-87134-285-8. S. 191.

Militärdienst und Fußball im Zweiten Weltkrieg, 1940 bis 1945 Fritz Walter wurde am 5. Dezember 1940 zur Wehrmacht eingezogen. Das Infanterie- bzw. Grenadier-Ersatzbataillon 698, zu dessen Stab er gehörte, war zunächst in der 23er (Daenner-)Kaserne in Kaiserslautern untergebracht und ab dem 13. Juli 1941 in Lothringen stationiert (Standorte: ConflansDFB, 1. FC Kaiserslautern, Fritz Walter Stiftung (Hrsg.): Fritz Walter. Kapitän für Deutschland. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2010, ISBN 978-3-89533-759-8. S. 25., Commercy und ThionvilleMarkwart Herzog: Der „Betze“ unterm Hakenkreuz. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2009, ISBN 978-3-89533-541-9. S. 174.). Mitte 1943 kam Walter zu dem aus Marscheinheiten zusammengestellten und in Sardinien, Korsika und Elba eingesetzten Festungs-Bataillon 902. Nach einer Malaria-Erkrankung wurde er zum 1. Dezember 1943 an das Jagdgeschwader 11 der Luftwaffe in Jever abkommandiert. Hintergrund war, dass der dortige Geschwaderkommodore, der fußballbegeisterte Jagdflieger Hermann Graf, eine Fußballmannschaft, die Roten Jäger, aufgestellt hatte, die er ständig durch leistungsstarke Spieler zu verstärken suchte und zu einer der damals besten deutschen Militärmannschaften machte. Unterstützt wurde er dabei durch Sepp Herberger, der jede Gelegenheit wahrnahm, seine herausragenden Spieler vor einem Fronteinsatz zu bewahren.Markwart Herzog: „Sportliche Soldatenkämpfer im großen Kriege“ 1939–1945. In: Andreas Bode (Hrsg.): Fußball zur Zeit des Nationalsozialismus: Alltag, Medien, Künste, Stars. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2008, S. 111–116. Fritz Walter hat nach dem Krieg ein Erinnerungsbuch über diese Mannschaft veröffentlicht.Fritz Walter: 11 rote Jäger. Nationalspieler im Kriege. Copress Verlag, München 1959. Nachdem Graf im Oktober 1944 das Kommando über das Jagdgeschwader 52 übernommen hatte, wechselte Fritz Walter in den Stab dieser Einheit, die in der Endphase des Krieges an der Ostfront eingesetzt war.