Die Fédération Internationale de Football Association, kurz FIFA oder Fifa, ist der Weltfußballverband. Sie ist ein privater Verein nach Schweizer Recht mit Sitz in Zürich und im Handelsregister eingetragen. Ihr Zweck ist „die Kontrolle des Fußballs in all seinen Formen“. Präsident ist seit 2016 Gianni Infantino.
Das FIFA-Budget in Milliardenhöhe ist auf die Vierjahresertragsperioden der von ihr organisierten Männer-Fußball-WM ausgerichtet. Darüber hinaus organisiert sie auch die Frauen-Fußball-WM und zahlreiche weitere Turniere.
Die FIFA stand wiederholt in der Kritik. Berichte von Investigativ-Journalisten brachten die FIFA-Führung mit Korruption, Bestechung und Wahlmanipulation in Verbindung. Strafverfolgungsbehörden in der Schweiz und den Vereinigten Staaten ermitteln strafrechtlich gegen ehemalige und aktuelle hohe Funktionäre. Die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland bzw. Katar wurde in diesem Zusammenhang von Fußballfans kritisiert.
Geschichte mini|FIFA-Logo bis 2009 mini|Die ukrainische Post gratulierte zum 100. Geburtstag im Jahr 2004 mit vier Briefmarken
Die FIFA wurde am 21. Mai 1904 in Paris von dem Niederländer Carl Anton Wilhelm Hirschmann und dem Franzosen Robert Guérin gegründet. Dem vorausgegangen war ein Treffen anlässlich des ersten Länderspiels Belgien gegen Frankreich am 1. Mai 1904 im Stadion Ganzenvijver/Vivier d’Oie in Uccle, bei dem der Vereinssekretär des damals in Belgien führenden Vereins Racing Club de Bruxelles, Louis Muhlinghaus, die Gründung mit den französischen Kollegen vereinbarte und dann auch erster FIFA-Generalsekretär wurde.Filip van der Elst, Maarten Verdoodt: Ganzenvijver Ukkel. In: Bruzz. Nr. 1580, 25. August 2017, S. 24–25.
Gründungsmitglieder waren die nationalen Fußballverbände der Schweiz, Dänemarks, Frankreichs, der Niederlande, Belgiens und Schwedens, wobei die Gründungsorganisationen in einigen Fällen nicht den heute existierenden Verbänden entsprachen. Spanien war nicht durch einen Verband, sondern vom Madrid Football Club vertreten. Der Deutsche Fußball-Bund trat der FIFA noch am Gründungstag telegrafisch bei. In den nächsten Jahren kamen weitere nationale Verbände hinzu. Der erste große internationale Fußballwettbewerb fand an den Olympischen Sommerspielen 1908 in London statt. Auch im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 1912 wurde ein Fußballwettbewerb ausgetragen. Während des Ersten Weltkriegs geriet die Entwicklung ins Stocken; es konnten keine Spiele mehr ausgetragen werden, und mehrere Verbände (z. B. England) traten aus der FIFA aus.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Tod von Präsident Daniel Burley Woolfall war es der Niederländer Hirschmann, der durch seine ehrenamtliche Arbeit als Sekretär und als Interimspräsident der FIFA deren Bestand sichern konnte. Der große Aufschwung begann mit der Wahl des neuen Präsidenten Jules Rimet, der ab 1924 – gemeinsam mit dem wohlhabenden Uruguayer und Sportmäzen Enrique Buero – ein Fußball-Weltturnier plante. 1930 wurde die erste WM veranstaltet. 1932 verlegte die FIFA ihren Sitz nach knapp 30 Jahren von Paris nach Zürich.David Wiederkehr: Historischer Entscheid - Die Fifa streicht den Standort Zürich aus ihren Statuten. In: tagesanzeiger.ch vom 17. Mai 2024. Als Rimet 1954 zurücktrat, fand bereits die fünfte Weltmeisterschaft statt, und die FIFA zählte 85 Mitglieder. Die Mitgliederzahl wuchs in den Folgejahren von Jahr zu Jahr. Vor allem in Kriegszeiten stellten der Fußball und somit auch die FIFA eine wichtige Verbindung zwischen den Nationen dar.Bill Murray: . In: James Riordan, Arnd Krüger (Hrsg.): The International Politics of Sport in the Twentieth Century. Routledge, London 1999, S. 28–47 (PDF; 903 kB).
Nach einer Statistik der FIFA von 1972 nahmen weltweit 16 Millionen Menschen, darunter 42.220 Berufsspieler, am aktiven Fußballsport teil und organisierten sich in ca. 300.000 Vereinen. Die Zahl der Schiedsrichter wurde mit 243.596 angegeben. Der nächste große Schritt war die Erweiterung des Teilnehmerfeldes bei Weltmeisterschaften von 16 auf 24 (zur WM 1982) sowie auf 32 Teams (zur WM 1998) und später auf 48 Teams (zur WM 2026).
Verbände
Der FIFA gehören aktuell (Stand 2026) 211 Nationalverbände an. Diese müssen gleichzeitig Mitglied eines von sechs Kontinentalverbänden sein, jedoch sind einige Mitglieder der Kontinentalverbände derzeit nur assoziiert [AFC (1), CAF (1), OFC (3)] bzw. zwar Vollmitglieder des Kontinentalverbandes, aber noch kein FIFA-Mitglied [CAF (1), CONCACAF (6)] (Abkürzungen siehe unten).
Kontinentalverbände rahmenlos Die sechs Kontinentalverbändedes Weltfußballverbandes FIFA: AFC (Asien, Australien) CAF (Afrika) CONCACAF (Nord-, Mittelamerika, Karibik) CONMEBOL (Südamerika) OFC (Ozeanien) UEFA (Europa)
Neben dem Weltverband FIFA existieren die folgenden sechs Kontinentalverbände (Konföderationen): AFC (Asian Football Confederation), gegründet 1954 CAF (Confédération Africaine de Football), gegründet 1957 CONCACAF (Confederation of North, Central America and Caribbean Association Football), gegründet 1961 (Vorgänger CCCF 1938 bzw. NAFC 1946 gegründet) CONMEBOL (Confederação Sul-Americana de Futebol), gegründet 1916 OFC (Oceania Football Confederation), gegründet 1966 UEFA (Union of European Football Associations), gegründet 1954
Ausnahmen bilden beispielsweise Aruba, Curaçao, Guyana, Suriname und Trinidad und Tobago, die trotz ihrer geografischen Lage in Südamerika Mitglied der CONCACAF sind. Die asiatischen Staaten Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Republik Zypern und Israel sind in der UEFA organisiert, ebenso die Türkei, Russland und Kasachstan, die Landesteile in Europa und Asien haben. Weitere UEFA-Mitglieder mit außereuropäischen Landesteilen sind Frankreich, Spanien, die Niederlande, Portugal und Dänemark. Indonesien als Mitglied der AFC hat Landesteile auf dem australischen Kontinent (Neuguinea), die USA als Mitglied der CONCACAF mit Hawaii in Ozeanien und Ägypten als Mitglied der CAF in Asien (Sinai-Halbinsel).
Australien wechselte 2006 vom Ozeanien-Verband OFC in den asiatischen AFC, um in Qualifikationsspielen gleichwertige Gegner für seine Nationalmannschaft zu bekommen.
Nationalverbände Bis heute (Stand: 20. Juli 2026) haben sich der FIFA 211 Nationalverbände angeschlossen, zuletzt die Verbände von Gibraltar, des Kosovo und des Südsudan sowie die Verbände von Montenegro, Osttimor und der Komoren. Allein zwischen 1975 und 2002 wurden 60 Verbände als Mitglieder aufgenommen.
Die Nationalverbände werden finanziell und logistisch über verschiedene Programme der FIFA unterstützt. Sie räumt ihnen eine Anzahl attraktiver Rechte und Privilegien ein. Allerdings ergeben sich aus der Mitgliedschaft auch Verpflichtungen: Als FIFA-Repräsentanten in ihrem Land müssen die Nationalverbände die Statuten, Ziele und Ideale der FIFA respektieren und den Sport dementsprechend bewerben und führen.
Als Alternative für National- und Regionalverbände, die nicht von der FIFA aufgenommen werden, wurde die CONIFA ins Leben gerufen.
Wettbewerbe Im August 1993 wurde für Männerfußballnationalmannschaften und 2003 für Frauenfußballnationalmannschaften Weltranglisten eingeführt. Im Mai 2024 lancierte die FIFA ebenfalls eine Weltrangliste für Futsal-A-Nationalmannschaften der Herren und Frauen. Diese dienen teilweise dazu, die Mannschaften bei den Wettbewerbsauslosungen einzelnen Lostöpfen zuzuordnen.
Die FIFA organisiert u. a. folgende Wettbewerbe:
Fußball A-Nationalmannschaften: Fußball-Weltmeisterschaft (seit 1930) Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen (seit 1991) Olympisches Fußballturnier der Frauen (seit 1996; mit dem IOC während der Olympischen Sommerspiele) FIFA-Arabien-Pokal (seit 2021)
Vereinsmannschaften: FIFA-Klub-Weltmeisterschaft (seit 2000) FIFA Klub-Weltmeisterschaft der Frauen (ab 2028) FIFA-Interkontinental-Pokal (seit 2024) FIFA Women’s Champions Cup (ab 2026)
Juniorenturniere: (U23-)Olympisches Fußballturnier der Männer (seit 1992; mit dem IOC als U-23-Turnier während der Olympischen Sommerspiele, davor von 1908 bis 1988 für Amateure) U-20-Fußball-Weltmeisterschaft (seit 1977) U-17-Fußball-Weltmeisterschaft (seit 1985) U-20-Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen (seit 2002) U-17-Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen (seit 2008)
Futsal Futsal-Weltmeisterschaft (seit 1989) Futsal-Weltmeisterschaft der Frauen (ab 2025)
Beachsoccer Beachsoccer-Weltmeisterschaft (seit 2005)
Benefizspiele Die FIFA veranstaltet im Rahmen der World XI in unregelmäßigen Abständen Benefizspiele mit der Fußballweltauswahl, gegen die bereits öfter die Europäische Fußballauswahl angetreten ist, zuletzt 2005 und 2007.
Organisation + FIFA-Präsidenten Name Amtszeit 1904–1906 1906–1918 (interim) 1918–1920 1921–1954 * 1954–1955 1956–1961 ** (interim) 1961 1961–1974 1974–1998 (ab 2015 suspendiert) 1998–2015 (interim) 2015–2016 Gianni Infantino seit 2016 * von 1920 bis Februar 1921 als Interims-Präsident** vom 8. Oktober 1955 bis 8. Juni 1956 als Interims-Präsident
Die beiden wichtigsten Gremien der FIFA sind der Kongress und der FIFA-Rat, dem der Präsident der FIFA vorsitzt. In: fifa.com. Der Präsident hatte bis 2016 weitreichende Machtbefugnisse und Management-Kompetenzen, wurde nach dem Rücktritt von Sepp Blatter und durch vom FIFA-Kongress beschlossene Reformen aber auf die Rolle eines Aufsichtsratsvorsitzenden beschränkt. Stattdessen wird das operative Geschäft seitdem maßgeblich durch den Generalsekretär bestimmt. Weitere Gremien der FIFA sind: mini|hochkant=0.5|Präsident Gianni Infantino (2020) Ausschüsse Kontinentalverbände Nationalverbände Verwaltung Rechtswesen und Disziplinarbereich
Kongress Der Kongress ist das höchste Entscheidungsorgan des Internationalen Fußballverbands. Bis 1998 kam er alle zwei Jahre zusammen, seit 1998 findet dieses Treffen jährlich statt. Dieser neue Zyklus erlaubt es dem Kongress, Entscheidungen über eine ständig wachsende Anzahl an Themen zu treffen.
Der Kongress trifft Entscheidungen bezüglich der Statuten und der Methoden, mit denen sie eingesetzt und angewendet werden. Der Kongress segnet auch den jährlichen Bericht ab, entscheidet über die Aufnahme neuer Nationalverbände und hält Wahlen ab, vor allem die der FIFA-Präsidentschaft. Jeder Nationalverband wird durch einen Delegierten vertreten und hat eine Stimme. Mitglieder des FIFA-Rats (vor 2016 FIFA-Exekutivkomitee) dürfen nicht als Delegierte am Kongress teilnehmen.
FIFA-Rat
Der FIFA-Rat (bis 2016 „FIFA-Exekutivkomitee“) umfasst 37 Mitglieder und setzt sich aus dem Präsidenten, 8 Vizepräsidenten und 28 einfachen Mitgliedern zusammen.
Ausschüsse +FIFA-GeneralsekretäreName Amtszeit 1904–1906 1906–1931 1932–1951 1951–1961 1961–1981 1981–1998 1998–2002 2002–2007 2007–2015 2016–2023 seit 2023
Es gibt 25 ständige Ausschüsse (Kommissionen) und mit den Disziplinar- und Berufungsausschüssen zwei operative Organe. Die Ausschüsse spielen eine wichtige Rolle, indem sie Entscheidungen bezüglich der Organisation von Turnieren und der Entwicklung des Fußballs im Allgemeinen treffen. Die von den Ausschüssen getroffenen Entscheidungen werden vom Exekutiv-Ausschuss ratifiziert.
Ausschüsse und juristische Institutionen (Stand: 3. Juni 2015):
Audit- und Compliance-Kommission Beach-Soccer-Kommission Berufungskommission Bureau Fußball-Weltmeisterschaft 2018 Disziplinarkommission Dringlichkeitskomitee Ethikkommission Entwicklungskommission Finanzkommission Fußballkommission Futsal-Kommission Kommission der Verbände Kommission für den Status von Spielern Kommission für Fairplay und soziale Verantwortung Kommission für Frauenfußball und die Fußballweltmeisterschaft der Frauen Kommission für Klubfußball Kommission für rechtliche Angelegenheiten Kommission für Sicherheit und Integrität Marketing- und Fernsehkommission Medienkommission Medizinische Kommission Organisationskommission für die FIFA Klub-Weltmeisterschaft Organisationskommission für den FIFA Konföderationen-Pokal