Flörsheim am Main ist eine Stadt mit  Einwohnern () im südhessischen Main-Taunus-Kreis. Sie liegt zentral im Rhein-Main-Gebiet zwischen Frankfurt am Main und Mainz bzw. Wiesbaden. Die Stadt besteht aus den Ortsbezirken Flörsheim-Stadtmitte, Weilbach, Wicker und Keramag/Falkenberg.

Geographie Lage mini|Luftbild des Flörsheimer Stadtzentrums. Im Vordergrund der Main mit der katholischen Kirche St. Gallus (mit Reflexion) dahinter. Im Hintergrund das Einkaufszentrum und die weiterführende Schule, 2015 mini|Blick von Flörsheimer Warte in Wicker nach Flörsheim-Stadtmitte

Flörsheim liegt rechts des Untermains. Die Altstadt erstreckt sich entlang des Flusses. Flörsheims Stadtmitte liegt in der Mainebene auf . Deutlich höher liegen Weilbach mit und Wicker mit . So begründen natürliche Hanglagen die Wickerer Weinanbautradition als Tor zum RheingauTor zum Rheingau. kulturland-rheingau.de. und den heute gern bemühten Begriff der Flörsheimer Schweiz. In: regionalpark-rheinmain.de.An den Felsenkellern. kulturland-rheingau.de.

Nachbargemeinden Im Süden liegen gegenüber von Flörsheim-Stadtmitte die Städte Raunheim und Rüsselsheim am Main auf der linken Mainseite. Der Flörsheimer Ortsbezirk Weilbach grenzt im Nordosten an Hattersheim am Main und im Norden an Hofheim am Taunus. Der Ortsbezirk Wicker grenzt im Westen an Hochheim am Main und dessen Ortsbezirk Massenheim.

Geologie Im Stadtgebiet gab es mehrere Kalksteinbrüche und Gruben, die später teils als Mülldeponien genutzt wurden. Heute befindet sich im Bereich zwischen Wicker und Hochheim der Rhein-Main-Deponiepark. In jüngster Vergangenheit wurden Anstrengungen zur Renaturierung und Schaffung von Naherholung gemacht.Selbstdarstellung der August 2008.

Hydrologie mini|Die Mainmündung in den Rhein, oberhalb: Mainz und Rheinland-Pfalz, unterhalb: Hessen, links der Main­biegung Rüsselsheim, rechts des Mains bis in die Biegung gelegen: Flörsheim, rechts davon Wicker, in der Bild­ecke unten rechts, durch die A 3 abgetrennt Weilbach

Aus nordöstlicher Richtung von Frankfurt her fließt der Main am Hattersheimer Ortsteil Eddersheim vorbei, wo der – im Ardelgraben in den Main mündende – Weilbach den Beginn der Flörsheimer Gemarkung markiert.

Diesseits von Rüsselsheim beenden Überflutungswiesen, die – nach ihrer Vorgängerin Opelbrücke genannte – Mainbrücke und ein kleiner Industriehafen die ufernahe Wohnbebauung.

Um den Hafen nimmt der Main eine Rechtsbiegung, bis sich im Mündungsbereich des Wickerbachs der Flörsheimer Ortsteil Keramag/Falkenberg anschließt, der weiter westlich an die Nachbargemeinde Hochheim grenzt.

In Bad Weilbach entspringt eine Natron-Lithion- und in einem kleinen Parkgelände eine Schwefelquelle.Bad Weilbacher Quellen. In: floersheim-main.de.

Fluglärm mini|Beispiel zur Hörbarkeit einer Wirbelschleppe: Nach dem Überflug einer Passagiermaschine beginnt bei Sekunde 50 ein dumpfes Rascheln und Zischen, das bis zum Ende der Aufnahme anhält.

An- oder Abflugschneisen von drei der vier Startbahnen des östlich jenseits des Mains gelegenen Frankfurter Flughafens, führen über das bewohnte Stadtgebiet. Die Einwohner Flörsheims sind daher der Belastung von Fluglärm und Wirbelschleppen ausgesetzt.Jennifer Hein: Gefahr vom Dach. Frankfurter Rundschau, 10. April 2013. Teile des Flughafengeländes befanden sich bis 1980 als Wald im Eigentum der Stadt Flörsheim am Main. Höchster Kreisblatt, 7. Januar 2013.Deniz Yücel: Ein Grollen, ein Zischen, ein Donnern. taz.de, 6. Februar 2012.

Neben der Belastung profitiert Flörsheim von seiner zentralen Lage nahe dem Flughafen, zwischen den großen Städten des Rhein-Main-Gebietes: Frankfurt am Main, Wiesbaden, Mainz und Darmstadt.

Einwohner

+ Einwohnerzahlen(Stand 29. Februar 2024) Flörsheim-Stadtmitte: 14.098 Weilbach/Bad Weilbach: 4.051 Wicker: 3.433 Keramag/Falkenberg: 621 Stadt Flörsheim am Main 22.102

Neben dem Neuzubau hat Flörsheim durch die Zusammenlegung zum Jahreswechsel 1971/1972 mit den vormaligen Nachbargemeinden Weilbach im Norden und Wicker nordwestlich seine heutigen Ausmaße und Einwohnerzahlen gewonnen.

Geschichte Frühgeschichte und Altertum Ein am heutigen Flörsheim vorbeiführender frühgeschichtlicher Wanderungsweg wurde von den Römern zur Straße ausgebaut. Diese führte von Kastel über Hochheim, Flörsheim, Okriftel und Höchst in die Wetterau und weiter ins heutige Mitteldeutschland. Eine weitere Römerstraße zweigte zwischen Flörsheim und Weilbach nach Limburg an der Lahn ab. Das Straßenpflaster aus Kalkstein stammte aus Flörsheimer Steinbrüchen.

Mittelalter Die heutigen Stadtteile Flörsheim, Wicker und Weilbach entstanden aus Siedlungen der westgermanischen Volksgruppe der Franken. Flörsheim wurde im Jahr 828 erstmals urkundlich als Flaritesheim erwähnt. Der Ortsname könnte auf einen Franken namens „Flarido“ zurückgehen. Eine Schenkungsurkunde befindet sich im Hessischen Staatsarchiv Marburg. Erzbischof Hermann I. von Köln bestätigte im Jahr 922 seine Besitzungen im fränkischen Maingau. Er bezeichnete Flörsheim als Flaradesheim und Wicker als Weleron. Wicker wurde urkundlich erstmals im Jahr 910 und Weilbach im Jahr 1112 erwähnt.

Im Jahr 1270 wurde Flörsheim für 1050 Mark an das Mainzer Domkapitel verkauft. Um den Wasserverkehr auf dem Main zu kontrollieren, wurde Flörsheim im Verlauf des Mittelalters stark befestigt.

Neuzeit Die Hexenprozesse in Flörsheim dauerten von 1595 bis 1630. In Flörsheim, Weilbach und Wicker fielen über 71 Frauen, Männer und Kinder dem Hexenwahn zum Opfer. Zur „Bestreitung der Unkosten der wegen Ausrottung und Bestrafung des eingerissenen Lasters der Zauberei und Hexerei befohlenen Inquisition“ nahm die Gemeinde 1618 beim St.-Clara-Kloster in Mainz ein Darlehen auf, konnte aber keine Rückzahlungen leisten. Noch hundert Jahre später hatte die Stadt an der Schuldenlast zu tragen.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Flörsheim verwüstet, nachdem der schwedische König Gustav Adolf seinen Vormarsch auf Mainz 1631 vor Flörsheims Befestigungen unterbrechen musste. Nach achttägiger Einschließung durch die Schweden ergab sich Flörsheim und blieb bis 1636 besetzt.

mini|Alte Kirchschule, erbaut 1763. Das denkmalgeschützte Gebäude wird heute für Trauungen genutzt. Auch die Kriege Friedrichs des Großen brachten Unheil über den Ort – aber auch die Industrialisierung. Im Jahr 1765 eröffnete der Mainzer Georg Ludwig Müller in Flörsheim eine Fayence-Fabrik mit etwa 80 Arbeitern. Das darin hergestellte Porzellan trägt als Marke drei große „F“ für „Flörsheimer Fayence-Fabrik“, die noch heute im Stadtwappen zu sehen sind. Die Fabrik bestand bis ins Jahr 1914.

Lange Zeit bestanden enge Bindungen zu Mainz. Das änderte sich erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts während der Herrschaft Napoleons, als Flörsheim im Jahr 1803 dem Fürstentum Nassau-Weilburg – kurz danach – dem Herzogtum Nassau zugeschlagen wurde.

Im Jahr 1839 wurde zwischen Wiesbaden und Frankfurt die Taunus-Eisenbahn als erste hessische Eisenbahn erbaut. Nach der Planung sollten auch Anschlussgleise nach Darmstadt führen.

Der mit der Taunusbahn 1839 errichtete Bahnhof stammt vom Architekten Ignaz Opfermann. Er lag damals noch außerhalb der Altstadt und zählt zu den ältesten erhaltenen Bahnhöfen Deutschlands. 1875 wurde das Obergeschoss als Wohnung für den Bahnhofsvorsteher angebaut.

Im Jahr 1865 wurde die Freiwillige Feuerwehr Flörsheim gegründet. Nach dem Deutschen Krieg von 1866 kam Flörsheim zum Königreich Preußen, welches das Herzogtum Nassau annektiert hatte.

Im Jahr 1900 wurden in Flörsheim die ersten Telefonanschlüsse installiert, am 25. August 1914 erhielt der Ort elektrisches Licht. Im Ersten Weltkrieg hatte Flörsheim 104 Gefallene und 7 Vermisste zu beklagen. Nach dem Krieg besetzten französische Truppen am 1. Dezember 1918 den Ort. Die Franzosen hielten Flörsheim im Zuge der Alliierten Rheinlandbesetzung bis in die späten 1920er Jahre besetzt.

Seit Gründung des Opel-Werkes in Rüsselsheim 1862 arbeiteten dort viele Menschen aus Flörsheim, Weilbach und Wicker. An die Fährverbindung, die sie nutzten, erinnern heute zwei Denkmäler aus rotem Mainsandstein direkt am Ufer, beiderseits des Mains. Die Statue des Brückenheiligen Nepomuk am Konrad-Adenauer-Ufer sollte bei der Überfahrt Schutz gewähren.

Erst die am 26. August 1928 eingeweihte „Opelbrücke“ schuf eine Straßenverbindung nach Rüsselsheim. Echo online, 9. Juni 2010.Historische Bilder von der Einweihung der Opelbrücke auf chroniknet.de. Diese Brücke wurde 1979 abgerissen und etwas weiter mainaufwärts durch eine größere Brücke mit vierspuriger Fahrbahn ersetzt.

In der Nacht vom 18. auf den 19. Juli 1938 wurde der 1666 angelegte jüdische Friedhof von Flörsheim von Nationalsozialisten zerstört. Am 10. November 1938 wurde in der Reichskristallnacht auch die 1718 errichtete Flörsheimer Synagoge zerstört. Durch die Vertreibung und Ermordung der 52 Juden der Stadt war Flörsheim bis 1945 „judenfrei“.

Im Zweiten Weltkrieg gingen in der Nacht vom 8. zum 9. September 1942 auf den Ort und die Gemarkung Flörsheim 29 Sprengbomben nieder. Durch den schweren Bombenangriff entstanden 26 Brände und 11 Gebäude – davon 9 Wohnhäuser – wurden völlig zerstört sowie 81 Gebäude, fast nur Wohnhäuser, schwer beschädigt. Fünf Menschen starben. Am 23. März 1945 sprengten deutsche Truppen die von Rüsselsheim über den Main führende Opelbrücke, um den Vormarsch amerikanischer Truppen aufzuhalten. Die Amerikaner marschierten dennoch am nächsten Tag in Flörsheim ein.

Zeitgeschichte Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Auflösung des Freistaats Preußen durch die Alliierten im Jahr 1945 kam Flörsheim zum neu gebildeten Groß-Hessen, dem späteren Bundesland Hessen.

Im Jahr 1953 erhielt Flörsheim das Stadtrecht. Am 31. Dezember 1971 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Weilbach und Wicker im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Flörsheim eingemeindet. Für die ehemals eigenständigen Gemeinden sowie für die Kernstadt wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Am 1. Januar 1978 wurde der Name der Stadt amtlich in Flörsheim am Main geändert.

Namensentwicklung Die Namensendung auf „-heim“ deutet auf einen fränkischen Ursprung hin, während sich der erste Namensteil möglicherweise auf einen germanischen Personennamen wie „Flarid“ oder „Flarad“ zurückführen lässt. Wiesbadener-Kurier, 11. April 2014.Flörsheim ist älter. Flörsheimer Zeitung, April 2014.

Die Zuordnung einer urkundlichen Erwähnung in einem Kartular des Klosters Fulda aus dem Jahr 828: „Tradidit Reginpraht ad Flaritesheim mancipia II“, deutsch: Es übertrug Reginpraht zu Flörsheim zwei Hörige.Vom Internetprojekt Regnum Francorum Online bspw. wird dasselbe Fuldaer Kartular mit Nieder-Flörsheim in Verbindung gebracht. zu Flörsheim am Main ist spekulativ.

Urkundlich zweifelsfrei auf die Ortschaft am Main bezieht sich eine Benennung vom 11. August 922 durch Hermann I. von Köln. In der Urkunde werden als Besitzungen im „pago Moinacense“ – Gau am Main – „Flaradesheim“ – Flörsheim – und „Wikeron“ – Wicker – genannt.H. Cardauns: Rheinische Urkunden des X.–XII. Jahrhunderts. In: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein 26/27 (1874), S. 334–341. Eintrag auf S. 336 (entspricht S. 340 in der DjVu-Datei)Einstieg in die S. 336 der Annalen über wikisource.org

1171 erschien im Lehnsbuch der Herren von Eppstein der Eintrag dorff in Vlersheim. In der digitalisierten Handschrift findet sich der Eintrag auf der fünften Seite unten im vierten Scan „Vome grafen von Loen: …daz dorff in Vlersheim“.

1270 in der Beurkundung des Dorfverkaufs an das Domkapitel des Erzbistums Mainz zum 1. April wird das Dorf als villam nostram Flersheim bezeichnet.

Seit 1. Januar 1978 heißt die Stadt amtlich Flörsheim am Main, nachdem zuvor schon abkürzende Schreibweisen wie Flörsheim/M, Flörsheim/Main oder Flörsheim a. M. gebräuchlich waren.