Das Fichtelgebirge () ist ein bis zu 1051 Meter hohes Mittelgebirge im Nordosten Bayerns in Deutschland und im Nordwesten Tschechiens.
Im Jahre 1971 wurde auf einer Fläche von 1020 km² der Naturpark Fichtelgebirge geschaffen. Kleinere Teile davon befinden sich im Přirodní park Smrčiny (deutsch: Naturpark Fichtelgebirge) im Nordwesten Tschechiens.Naturpark Smrčiny Der südliche Bereich des Naturraumes Fichtelgebirge, der Steinwald, liegt im Naturpark Steinwald.
Etymologie Der Ursprung des Namens Fichtelgebirge ist wahrscheinlich im Bergbaugeschehen zu suchen und kommt nicht – wie lange vermutet – von der dichten Fichtenbewaldung. Zum Zeitpunkt der Namensentstehung war, wie Pollenanalysen zeigen, im nordbayerischen Raum ein Buchen-Tannen-Fichten-Mischwald vorhanden. Erst infolge des Erzbergbaus und der Verhüttung der Metalle wurden die Laubholzarten stark dezimiert, und die schneller wachsende Fichte wurde als Rohstofflieferant angepflanzt.
Zunächst war der in einer Urkunde von 1317 genannte „Vythenberg“ nur der heutige Ochsenkopf, an dem sich das Bergwerk Sankt Veit befand – „Vyt“ entspricht dem heutigen „Veit“. Aus dessen Namen entwickelte sich das Wort „Vichtel“ oder „Fichtel“, das sich später auf das gesamte Gebiet des heutigen Fichtelgebirges übertrug.Das Fichtelgebirge bei bayern-fichtelgebirge.de, abgerufen am 4. September 2022.https://www.fichtelgebirge-oberfranken.de/ Das Fichtelgebirge bei fichtelgebirge-oberfranken.de, abgerufen am 4. September 2022.
Geographie Lage Das Fichtelgebirge bedeckt eine Fläche von rund 1600 Quadratkilometern. Der weit überwiegende Teil erstreckt sich auf den Osten des bayerischen Regierungsbezirks Oberfranken (Landkreise Wunsiedel, Hof und Bayreuth) und im Südosten hat es Anteil am bayerischen Regierungsbezirk Oberpfalz (Landkreis Tirschenreuth). Seine nord- sowie südöstlichen Teile sind tschechisches Territorium (zur Lage im Bezug auf umliegende Gebirge siehe Naturräumliche Gliederung).
Berge Im nordwestlichen Schenkel des Fichtelgebirgshufeisens liegt dessen höchster Berg, der Schneeberg (1051 m), westlich vorgelagert ist der langgezogene Bergrücken der Hohen Heide mit dem gleichnamigen Gipfel Hohe Heide (848 m). Dort liegen auch der Waldstein mit dem Großen Waldstein (877 m) und dem markanten Epprechtstein (798 m) sowie das Massiv des Kornbergs mit dem Großen Kornberg (827 m). Der Selber Forst mit dem Wartberg (688 m) und der Liebensteiner Forst mit dem Kühbühl (661 m) bildeten bis 1945 noch einen abschließenden Nordostschenkel. Heute besteht dieser Schenkel aus dem Selber Forst und der Polenská vrchovina (deutsch etwa: Hirschfelder Hochland) mit dem Goethův vrch (deutsch: Goethestein; 670 m). Im südöstlichen Schenkel liegen der Steinwald mit der Platte (946 m), der Reichsforst mit dem Steinberg (705 m) und der Kohlwald mit dem Sieben-Linden-Berg (643 m) auf deutscher und dem Výhledy (deutsch: Oberkunreuthberg; 656 m) auf tschechischer Seite. Im südwestlichen Teil zwischen den beiden Schenkeln befinden sich der Ochsenkopf (1024 m), die Kösseine (939 m), die plateauartige Königsheide mit dem Hohberg (863 m) und die Nasse Heide (Kreuzsteingruppe) mit dem Kreuzstein (838 m) (für weitere Berge siehe Berge im Hohen Fichtelgebirge und Berge auf der Selb-Wunsiedler Hochfläche).
Naturräumliche Gliederung hochkant=1.4|mini|Fichtelgebirge und Umland – Naturräume mini|Geomorphologische Einteilung Tschechiens mit Smrčiny (rot markiert)
Zusammen mit Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und Frankenwald bildet das Fichtelgebirge die naturräumliche Haupteinheitengruppe Thüringisch-Fränkisches Mittelgebirge (Haupteinheitengruppe Nr. 39). Das im Grundriss hufeisenförmige Fichtelgebirge im engeren Sinne ist die Haupteinheit Hohes Fichtelgebirge (Haupteinheit Nr. 394), das die Selb-Wunsiedler Hochfläche (Haupteinheit Nr. 395) mit dem Selber Forst von Nordwesten, Südwesten und Südosten umgibt.E. Meynen, J. Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953–1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960)
Als naturräumliche Untereinheiten werden der Abschnitt von Kornberg mit Waldstein als Nordkamm (394-A), der Abschnitt von Schneeberg, Ochsenkopf, Königsheide und Kösseine als Westkamm (394-A), der Abschnitt von der Kösseine zum Steinwald als Pilgramsreuther Sattel (394-B), der Steinwald mit Reichsforst (Nördlicher Steinwald) als Steinwald (394-C), der Kohlwald als Lausnitzer Randberge (394-D) bezeichnet und die Selb-Wunsiedler Hochfläche in das Selb-Wunsiedler Hügelland (395-A) und den Selber Forst (395-B) unterteilt.Naturräumliche Untergliederung
Seit September 2010 existiert ein Neuentwurf der Naturräume Nordostbayerns, in dem unter anderem das Hohe Fichtelgebirge in mehrere eigenständige Naturräume aufgeteilt wird.Karl Heinrich Vollrath: S. 132–133.
Am Nordostrand des Fichtelgebirges schließen sich der Rehauer Forst und das Elstergebirge mit Übergang zum Erzgebirge an, am Südostrand folgt der Oberpfälzer Wald. Nach Nordwesten und Norden lassen sich der Frankenwald und das Vogtland geologisch klar abgrenzen. Gleiches gilt für das im Südwesten angrenzende Fränkische Bruchschollenland. Traditionell wird zumindest der südöstliche Teil der Münchberger Hochfläche dem Fichtelgebirge zugeschlagen, jedoch ist diese geologisch anders aufgebaut als das Fichtelgebirge und wird daher als eigenständige naturräumliche Einheit angesehen. Somit grenzt der Frankenwald nicht unmittelbar an das Fichtelgebirge.
In der geomorphologischen Gliederung des Nachbarlandes Tschechien, in der kein Elstergebirge definiert ist, werden stattdessen Ašská vrchovina (deutsch: Ascher Bergland), Hazlovská pahorkatina (deutsch: Haslauer Hügelland) sowie Chebská pahorkatina (deutsch: Egerer Hügelland) dem Fichtelgebirge als Haupteinheit Smrčiny (I3A-1) zugeordnet. Es wird zusammen mit dem Erzgebirge dem Gebiet Krušnohorská hornatina (Erzgebirge im weiteren Sinne) und zusammen mit dem Egergraben der Subprovinz Krušnohorská subprovincie (Erzgebirgs-Subprovinz) zugeordnet. Weitere übergeordnete Einheiten (in aufsteigender Rangfolge) sind die Provinz Böhmische Masse (Česká vysočina), das Untersystem Herzynisches Gebirge (in etwa vergleichbar mit der Mittelgebirgsschwelle zuzüglich der Südwestdeutschen Tafel) und das System Herzynisches System (umfasst zudem Regionen über begrabenem Varistikum nördlich der Mittelgebirgsschwelle).
Wichtige Orte und Verkehr mini|hochkant=1.4|Übersichtskarte mit Bergmassiven, Ortschaften und Verkehrswegen im Fichtelgebirge und im unmittelbaren Umland
Zu den bedeutendsten Orten im Fichtelgebirge gehört Wunsiedel, die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises, der vollständig im Fichtelgebirge liegt und auch den größten Flächenanteil daran hat. Die mit deutlich über 10.000 Einwohnern größten Städte sind Marktredwitz und Selb (für weitere Orte siehe Städte und Gemeinden). Größere Städte in unmittelbarer Umgebung sind Hof im Norden, Bayreuth im Westen, Cheb (dt. Eger) im Osten und Weiden im Süden.
Mit den Autobahnen A 72 im Norden, A 9 (Abschnitt Hof–Bayreuth) im Westen und A 93 (Abschnitt Hof–Weiden) im Osten tangieren bzw. kreuzen drei bedeutende Verkehrsadern das Fichtelgebirge. Die wichtigste Ost-West-Achse ist die B 303 (E 48). Sie führt über Marktredwitz und verbindet die A 9 mit der A 93. Dieser Abschnitt der B 303 wird auch Fichtelgebirgsstraße genannt. Ab Schirnding verläuft sie als Staatsstraße 6 über Cheb weiter nach Nordosten.
Ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt im Fichtelgebirge ist der Bahnhof Marktredwitz mit Anbindung an Hof, Bayreuth und Cheb sowie Direktverbindungen nach Regensburg, Nürnberg und München. Über Selb-Plößberg im Nordosten des Fichtelgebirges führt die Bahnstrecke Cheb–Oberkotzau. Daneben ist mit der Bahnstrecke Bayreuth–Warmensteinach noch eine von ehemals sieben Stichstrecken ins Fichtelgebirge noch bis Weidenberg in Betrieb, ehemals führten auch Bahnstrecken nach Bischofsgrün, Gefrees, Zell, Bad Weißenstadt, Leupoldsdorf und Fichtelberg.
Mit dem Verkehrslandeplatz Hof-Plauen befindet sich nahe dem Fichtelgebirge ein kleiner Regionalflughafen.
Städte und Gemeinden Bayern Die Stadtgebiete der als Oberzentren eingestuften kreisfreien Städte Hof und Bayreuth liegen einige Kilometer außerhalb des Fichtelgebirges. Folgende Gemeinden begrenzen das physische Fichtelgebirge von außen im Gegenuhrzeigersinn, beginnend im Norden: Landkreis Hof Rehau Schwarzenbach an der Saale Weißdorf Sparneck Zell im Fichtelgebirge Landkreis Bayreuth Gefrees Bad Berneck Goldkronach Weidenberg Kirchenpingarten Landkreis Tirschenreuth Immenreuth Kulmain Kemnath Erbendorf Landkreis Tirschenreuth Friedenfels Wiesau Mitterteich Waldsassen
Im Inneren des Fichtelgebirges liegen die folgenden Gemeinden (bzw., bei mit Stern gekennzeichneten Orten nur Teile des Kernortes), darunter der gesamte Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge:
Arzberg, Landkreis Wunsiedel Bad Alexandersbad, Landkreis Wunsiedel Bad Weißenstadt, Landkreis Wunsiedel Bischofsgrün, Landkreis Bayreuth Brand (Oberpfalz), Landkreis Tirschenreuth Ebnath, Landkreis Tirschenreuth Fichtelberg, Landkreis Bayreuth Friedenfels, Landkreis Tirschenreuth Fuchsmühl, Landkreis Tirschenreuth Höchstädt, Landkreis Wunsiedel Hohenberg a.d.Eger, Landkreis Wunsiedel Kirchenlamitz, Landkreis Wunsiedel Konnersreuth, Landkreis Tirschenreuth Marktleuthen, Landkreis Wunsiedel Marktredwitz, Landkreis Wunsiedel Mehlmeisel, Landkreis Bayreuth Nagel, Landkreis Wunsiedel Neusorg, Landkreis Tirschenreuth Pechbrunn, Landkreis Tirschenreuth Pullenreuth, Landkreis Tirschenreuth Röslau, Landkreis Wunsiedel Schirnding, Landkreis Wunsiedel Schönwald, Landkreis Wunsiedel Selb, Landkreis Wunsiedel Sparneck, Landkreis Hof Thiersheim, Landkreis Wunsiedel Thierstein, Landkreis Wunsiedel Tröstau, Landkreis Wunsiedel Waldershof, Landkreis Tirschenreuth Warmensteinach, Landkreis Bayreuth Wunsiedel, Landkreis Wunsiedel Zell im Fichtelgebirge, Landkreis Hof
Tschechien Ortschaften in Tschechien im und am Fichtelgebirge (alle im Okres Cheb): Cheb (Eger) Hazlov (Haslau) Horní Hraničná (Oberkunreuth) Libá (Liebenstein) Lipná (Lindau) Polná (Hirschfeld) Pomezí nad Ohří (Mühlbach) Svatý Kříž (Heiligenkreuz)
Hydrographie „Nabel Deutschlands“ oder „Herzbrunnen Europas“ nannte man in früherer Zeit das Fichtelgebirge, denn dort entspringen vier bedeutende Flüsse, die in vier Himmelsrichtungen abfließen: mini|Saalequelle mini|Egerquelle mini|Quelle der Fichtelnaab mini|Weißmainquellenach Norden die „Sächsische“ Saale mit Nebenfluss Lamitz nach Osten die Eger und ihr Nebenfluss Röslau nach Süden zwei Quellflüsse der Naab: zentral die Fichtelnaab, südlich die Haidenaab nach Westen der Weiße Main und sein Nebenfluss Ölschnitz
Über das Mittelgebirge verläuft die Europäische Hauptwasserscheide zwischen Nordsee (Saale, Eger und Main) und Schwarzem Meer (Naab).
Viele Teiche und Weiher, die für die Fischzucht oder für die Wasserversorgung der ehemaligen Hammerwerke und Mühlen angelegt wurden, sind noch vorhanden. Künstliche Stauseen, teilweise für Erholungszwecke geschaffen, sind Weißenstädter See bei der Stadt Bad Weißenstadt Fichtelsee bei Fichtelberg (Oberfranken) – Neubau Förmitzspeicher bei Schwarzenbach an der Saale Feisnitzspeicher bei Arzberg (Oberfranken)
Größere Teich- bzw. Weiheranlagen sind der Wunsiedler Weiher bei Selb Grafenmühlweiher in Selb Markgrafenteich bei Selb Braunersgrüner Weiher bei Höchstädt Stadtteich Kirchenlamitz in Kirchenlamitz Nagler See beim Ort Nagel Scheitelteich auf der Landesgrenze bei Schirnding Brutteich bei Thiersheim Auensee in Marktredwitz Schwarze Weiher bei Bad Weißenstadt Petersweiher im Viltz bei Tröstau-Leupoldsdorf Zinnschützweiher westlich von Leupoldsdorf Sportteich in Wunsiedel Zeitelmoosweiher bei Wunsiedel Neuweiher im Ortsteil Hintergeiersberg von Warmensteinach