Jesewitz ist eine Gemeinde im Landkreis Nordsachsen in Sachsen. Sie gehört dem Verwaltungsverband Eilenburg-West an.

Geographie Lage Die Gemeinde Jesewitz liegt ca. 15 Kilometer nordöstlich von Leipzig und 5 Kilometer südwestlich von Eilenburg. Im Westen grenzt die Gemeinde an die Stadt Taucha, im Osten beim Ortsteil Groitzsch an Eilenburg im Muldetal.

Gemeindegliederung Mit seinen 15 Ortsteilen war die Gemeinde Jesewitz die ortsteilreichste Gemeinde des ehemaligen Landkreises Delitzsch. Die Ortsteile sind:

Ortschaft Ortsteile Gotha Gostemitz, Gotha, Groitzsch, Kossen Jesewitz Bötzen, Gordemitz, Jesewitz, Jesewitz-Bahnhof, Weltewitz, Wölpern Liemehna Gallen, Liemehna, Ochelmitz Pehritzsch Pehritzsch, Wöllmen

Geschichte Die Jesewitz und seine Ortsteile sind, wie aus den Namen ersichtlich, meist slawischen Ursprungs. Bötzen, Gordemitz, Gostemitz, Groitzsch, Weltewitz und Wölpern werden im Jahre 1156 erstmals in einer Urkunde erwähnt, als der Wettiner Markgraf Konrad dem Kloster auf dem Petersberg bei Halle (Saale) verschiedene Dörfer schenkte. Der Ortsteil Liemehna wird erstmals im Jahr 1238 als „Lumene“ urkundlich erwähnt. Der Ortsname kommt aus dem Slawischen und bedeutet so viel wie „Leute am Steinbruch“.

Jesewitz und seine heutigen Ortsteile gehörten bis 1815 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Eilenburg.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas 1790. Gumnior, Chemnitz 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 56f. Einzig Gallen gehörte als Exklave im Amt Eilenburg zum Amt Wurzen des Stiftsamts Wurzen unter kursächsischer bzw. königlich-sächsischer Oberhoheit.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas 1790. Verlag Klaus Gumnior, Chemnitz 2009, S. 88f. Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kamen die Orte zu Preußen und wurden 1816 dem Kreis Delitzsch im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem sie bis 1952 gehörten. Im Zuge der Kreisreform in der DDR im Jahr 1952 wurden sie dem Kreis Eilenburg im Bezirk Leipzig angeschlossen, der 1994 im Landkreis Delitzsch aufging. Seit 2008 gehört die Gemeinde zum Landkreis Nordsachsen.

Durch die Eingemeindung von Gotha, Liemehna und Pehritzsch wurde Jesewitz im Jahr 1994 zu einer Großgemeinde.

Eingemeindungen

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Bötzen 20.07.1950 Gallen 01.01.1974 Eingemeindung nach Liemehna Gordemitz 20.07.1950 Gostemitz 20.07.1950 Eingemeindung nach Gotha Gotha 01.03.1994 Groitzsch 01.10.1972 Eingemeindung nach Gotha Kossen 20.07.1950 Eingemeindung nach Groitzsch Liemehna 01.03.1994 Ochelmitz 20.07.1950 Eingemeindung nach Liemehna Pehritzsch 01.03.1994 Weltewitz 20.07.1950 Wöllmen 20.07.1950 Eingemeindung nach Pehritzsch Wölpern 01.01.1974

Bevölkerung Jahr Einwohner 2002 3.141 2005 3.153 2010 3.070 2015 3.017 2020 3.090 Jahr Einwohner 2021 3.087 2022 3.027 2023 3.045 2024 3.036 2025 3.050

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik

Gemeinderat Die Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 war die letzte Wahl der Gemeindevertretung von Jesewitz. Eine Übersicht über diese und vergangene Wahlen gibt die Tabelle:

Partei/Liste2024Ergebnisse der Gemeinderatswahl 20242019Ergebnisse der Gemeinderatswahl 20192014Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014%Sitze%Sitze%Sitze Freie Wählergemeinschaft Jesewitz43,0 641,8 632,8 4 Wählervereinigung Liemehna21,4 318,6 326,5 3 Wählervereinigung Pehritzsch14,7 215,2 220,5 3 Freie Wählervereinigung Natur und Heimat13,8 213,5 2– Freie Wählergemeinschaft Wölpern7,1 16,9 18,0 1 CDU–3,9 –6,9 1 WG Gotha––5,2– Gesamt100141001410012Wahlbeteiligung (in %)75,370,155,9

Bürgermeister 1994–2008: Martina Koschnick (parteilos) seit 2008: Ralf Tauchnitz (Wählervereinigung Liemehna)

Tauchnitz wurde in der Bürgermeisterwahl am 12. Juni 2022 mit 88,9 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von sieben Jahren in seinem Amt bestätigt.

WahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Ralf TauchnitzWV Liemehna88,9201595,3200865,32001Martina KoschnickKoschnick62,3199463,3

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Dorfkirche Gostemitz mini|hochkant|Kirche Wölpern mini|Bürgerhaus Jesewitz Sehenswürdigkeiten

Kirche Gostemitz, um 1200 erbaut, im 17. Jahrhundert barock umgestaltet mit wertvoller Innenausstattung Kapelle Groitzsch von 1889 Kirche Liemehna von 1209, 1658–1660 nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder aufgebaut Gotische Kirche Wöllmen mit altem Wallfahrtskreuz, um 1500 erbaut Romanische Kirche Wölpern aus dem frühen 13. Jahrhundert, 1663/64 erneuert, Turm 1837/1838 umgebaut Schloss von Gotha, Stammsitz der Herren von Groitzsch Dorfkirche Pehritzsch Dorfkirche Weltewitz

Kulturverein Jesewitz Der Kulturverein Jesewitz organisiert Lesungen und Konzerte. Das von ihm organisierte Sommerfest ist der Höhepunkt der Volksfeste, die meist in der Sommerzeit in der Gemeinde abgehalten werden.

Infrastruktur Verkehr Die Bundesstraßen B107 und B87 führen durch die Gemeinde.

Der Bahnhof Jesewitz liegt an der Bahnstrecke Leipzig–Eilenburg. Er wird durch die Linie S4 der S-Bahn Mitteldeutschland bedient.

Lärmbelastung durch Flugbetrieb

Jesewitz liegt in der östlichen Verlängerung der bevorzugt genutzten südlichen Start- und Landebahn des Großflughafens Leipzig / Halle, so dass die Flugzeuge im Landeanflug in geringer Höhe (< 2 km) über das Gemeindegebiet gesteuert werden. Infolge der häufigen, vor allem durch den nächtlichen Frachtflugbetrieb verursachten Überflüge ist es in Jesewitz so laut, dass dort keine neuen Wohnungen oder Kindertagesstätten mehr errichtet werden dürfen. Jesewitz soll deshalb künftig zum Siedlungsbeschränkungsgebiet des Flughafens gehören.

Bildung Die Gemeinde Jesewitz verfügt über einen Kindergarten, eine Grundschule sowie eine Bücherei, die im Bürgerhaus Jesewitz untergebracht ist.

Persönlichkeiten David Auerbach (1599–1647), lutherischer Theologe, in Liemehna geboren Jeremias Simon (1632–1701), Dichter, Pfarrer in Liemehna Karl Krause (1823–1902), Unternehmer, in Liemehna geboren Friedrich Wilhelm Zimmermann (1826–1887), Kupferstecher, in Gordemitz geboren Alexander von Danckelman (1855–1919), Meteorologe, in Gordemitz geboren

Weblinks

Website der Gemeinde

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Nordsachsen Kategorie:Deutscher Ortsname slawischer Herkunft