mini|hochkant=0.9|Kirche Wiedemar

Wiedemar ist eine Gemeinde im Landkreis Nordsachsen des Freistaats Sachsen.

Geographie Die Gemeinde Wiedemar liegt im westlichsten Zipfel des Landkreises Nordsachsen an der Grenze zu Sachsen-Anhalt (Landkreise Anhalt-Bitterfeld und Saalekreis). Halle (Saale) liegt ca. 17 km westlich und Delitzsch 13 km nordöstlich des namensgebenden Ortsteils Wiedemar. Die Gemeinde wird durch die großen, ebenen Felder der Leipziger Tieflandsbucht geprägt.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Wiedemar gliedert sich in drei Ortschaften entsprechend den bis zum 31. Dezember 2012 bestehenden einzelnen Gemeinden mit jeweils mehreren Ortsteilen: wittlich.de, abgerufen am 4. Januar 2013. Die genannten Ortschaften haben aber keine Ortschaftsstaus nach der Sächsischen Gemeindeordnung. ehemalige Gemeinde Neukyhna mit den Ortsteilen Doberstau, Kyhna, Lissa, Pohritzsch, Quering, Serbitz, Zschernitz und Zaasch ehemalige Gemeinde Wiedemar mit den Ortsteilen Klitschmar, Kölsa, Peterwitz, Rabutz, Werlitzsch und Wiesenena ehemalige Gemeinde Zwochau mit den Ortsteilen Grebehna und Zwochau.

Geschichte Wiedemar wurde erstmals als Villa Wedemar im Jahr 1272 urkundlich erwähnt. Wiesenena wurde erstmals 1242 als Besitz des Ritters Hermann von Wiesenena und Klitschmar (siehe Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen (HOV)) und erstmals als Gliczene im Jahr 1349 urkundlich erwähnt. Der Name kommt ebenfalls aus dem Slawischen und dürfte so viel wie „Ort an der Quelle“ bedeuten.

Alle heutigen Ortsteile Wiedemars gehörten bis 1815 zum kursächsischen Amt Delitzsch.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas 1790. Gumnior, Chemnitz 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 56 f. Einzig Kölsa bildete eine zum Amt Schkeuditz gehörige Enklave im Amt Delitzsch.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas 1790. Gumnior, Chemnitz 2009, S. 84 f. Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kamen die Orte einschließlich Kölsa zu Preußen und wurden 1816 dem Kreis Delitzsch im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem sie bis 1952 gehörten. Im Zuge der Kreisreform in der DDR im Jahr 1952 wurden sie dem Kreis Delitzsch im Bezirk Leipzig zugeteilt, der 1994 im Landkreis Delitzsch aufging.

Zum 1. Januar 2013 schloss sich die bisherige Gemeinde Wiedemar mit den Gemeinden Neukyhna und Zwochau zur neuen Einheitsgemeinde Wiedemar zusammen.Freiwillige Gemeindezusammenschlüsse. www.medienservice.sachsen.de, 28. Dezember 2012. Die Gemeinden arbeiteten bis dahin im Verwaltungsverband Wiedemar zusammen, der mit dem Gemeindezusammenschluss aufgelöst wurde. Als Sitz der Verwaltung wurde der Ortsteil Kyhna festgelegt.

Eingemeindungen

Ehemalige Gemeinde Datum AnmerkungDoberstau 1950 Eingemeindung nach ZschernitzFlemsdorf mit Ettelwitz 1936 Eingemeindung nach ZwochauGördenitz 1934 Eingemeindung nach PohritzschGrabschütz 1950 Eingemeindung nach Zwochau; 1985 durch Braunkohletagebau Delitzsch-Südwest devastiertGrebehna 1950 Eingemeindung nach ZwochauGroßkyhna 1936 Zusammenschluss zu KyhnaGroßlissa 1950 Zusammenschluss zu LissaKleinkyhna 1936 Zusammenschluss zu KyhnaKleinlissa 1950 Zusammenschluss zu LissaKlitschmar 1994 Zusammenschluss zu WiedemarKölsa 1994 Zusammenschluss zu WiedemarKyhna 1994 Zusammenschluss zu NeukyhnaLissa 1994 Zusammenschluss zu NeukyhnaNeukyhna 1. Januar 2013 Zusammenschluss zur Einheitsgemeinde WiedemarPeterwitz 1950 Eingemeindung nach KlitschmarPohritzsch 1994 Zusammenschluss zu NeukyhnaQuering 1950 Eingemeindung nach KyhnaRabutz 1950 Eingemeindung nach WiesenenaSchladitz 1936 Eingemeindung nach ZwochauSerbitz 1950 Eingemeindung nach ZaaschWerlitzsch 1950 Eingemeindung nach WiesenenaWiedemar 1. Januar 2013 Zusammenschluss zur Einheitsgemeinde WiedemarWiesenena 1994 Zusammenschluss zu WiedemarZaasch 1994 Zusammenschluss zu NeukyhnaZschernitz mit Nösselwitz 1994 Zusammenschluss zu NeukyhnaZwochau 1. Januar 2013 Zusammenschluss zur Einheitsgemeinde Wiedemar

Bevölkerung Jahr Einwohner 2002 2.297 2005 2.248 2010 2.094 2015 5.208 2020 5.306 Jahr Einwohner 2021 5.385 2022 5.532 2023 5.584 2024 5.544 2025 5.569

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Der deutliche Anstieg der Einwohnerzahl 2015 ist auf den Zusammenschluss Wiedemars mit den Gemeinden Neukyhna und Zwochau im Jahr 2013 zurückzuführen.

Politik

2024 fand in Wiedemar ein Bürgerentscheid zum Thema „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Wiedemar das Bebauungsplanverfahren ‚Industrievorsorgegebiet Wiedemar‘ für den Bereich zwischen den Ortslagen Pohritzsch und Zschernitz im Westen und Storkwitz im Osten fortführt?“ statt. Der Bürgerentscheid scheiterte

Gemeinderat Die Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 führte zu den nebenstehenden Ergebnissen. Frühere Wahlen sind tabellarisch aufgelistet.

Wahlergebnisse der drei letztvergangenen Wahlen: Liste202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Freie Wählervereinigung Wiedemar634,5532,0214,3CDU534,4846,81160,1Heimatverein „Sächsischer Nordzipfel“ e. V.323,018,0––SPD18,1213,2––Heimatverein––––110,3FDP–––––1,9Wahlbeteiligung68,4 %55,4 %45,9 %

Bürgermeister 1994–2013: Karin Bödemann (CDU) 2013–2020: Ines Möller seit 2020: Steve Ganzer (CDU)

Ganzer wurde in der Bürgermeisterwahl am 20. September 2020 mit 60,5 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von sieben Jahren gewählt.

WahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2020Steve GanzerCDU60,52013Ines MöllerCDU, SPD67,22008Karin BödemannCDU98,9200181,4

Sehenswürdigkeiten mini|Dorfkirche Kölsa mini|Dorfkirche Klitschmar mini|Dorfkirche Zaasch Spätgotische Kirche Wiedemar aus dem 14. und 15. Jahrhundert Kirche in Kölsa von 1522 mit romanischem Turm Dorfkirche in Klitschmar, vermutlich aus dem 15. Jahrhundert Romanische Kirche im Ortsteil Zaasch Gedenkstein von 1964 auf dem Dorfplatz für den kommunistischen Widerstandskämpfer Willi Grübsch, der 1944 im KZ Sachsenhausen ermordet wurde

Verkehr Wiedemar ist durch die MDV-Buslinie 209 (Delitzsch – Schkeuditz), betrieben durch Nordsachsen Mobil, angebunden. Der Haltepunkt Klitschmar liegt an der Bahnstrecke Halle–Cottbus und wird durch die Linie S 9 der S-Bahn Mitteldeutschland bedient.

Die Bundesautobahnen A 14 (im Süden) und die A 9 (zentral von Norden nach Süden) führen durch das Gemeindegebiet und kreuzen sich im Schkeuditzer Kreuz auf dem Gemeindegebiet. Erstere ist über den Anschluss Gröbers, letztere über den Anschluss Wiedemar erreichbar.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Johann Karl Kell (1693–nach 1627), Dichter, geboren in Zwochau Johann Sigismund von Pezold (1704–1783), sächsischer Diplomat Christian Friedrich Petzold (1743–1788), evangelischer Theologe Carl Gottlob Küttner (1755–1805), Reiseschriftsteller Johann Gottfried Stallbaum (1793–1861), Rektor der Thomasschule zu Leipzig, geboren in Zaasch Gottlieb Hermann Kopp (1837–1891), Orgelbaumeister Louis Holzweissig (1840–1916), Unternehmer, geboren in Kölsa Armin Baltzer (1842–1913), Geologe, geboren in Zwochau Bruno Garlepp (1845–1916), Schriftsteller, geboren in Kölsa Theodor Fritsch (1852–1933), antisemitischer Publizist, geboren in Wiesenena Willi Grübsch (1907–1944), kommunistischer Widerstandskämpfer, Opfer der NS-Diktatur Erich Rudorffer (1917–2016), Luftwaffenoffizier im Zweiten Weltkrieg, geboren in Zwochau Werner Peters (1918–1971), Schauspieler, geboren in Werlitzsch

Mit Wiedemar verbunden Christoph Gottfried Ringe (1713–1797), Maler und Grafiker, lebte in Wiedemar Friedrich Baltzer (1801–1885), Pfarrer in Zwochau Bettina Fortunato (* 1957), Politikerin (Die Linke), in Serbitz aufgewachsen Ramon Roselly (* 1993), Schlagersänger, lebt in Zschernitz Tina Trompter (* 2001), Politikerin (CDU), lebt in Wiedemar

Literatur Martin Franke, Joachim Ohser: Oh, du mein Wiedemar. Freja & Hendrik, Zwingenberg 2012. Martin Franke, Joachim Ohser: Schul-Chronik von Wiesenena. Freja & Hendrik, Zwingenberg 2020.

Weblinks

Website der Gemeinde

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Nordsachsen Kategorie:Ersterwähnung 1272