Der Precision Bass, verkürzt auch Precision oder P-Bass – in deutschsprachigen Musikerkreisen auch verbreitet Preci genannt –, ist ein elektrisch zu verstärkendes Bass-Zupfinstrument, das vom US-amerikanischen Musikinstrumentenhersteller Fender Musical Instruments entwickelt wurde. Der Precision war bei Markteinführung 1951 der erste E-Bass mit massivem Holzkorpus ohne Resonanzkörper (Solidbody), der industriell in Serie gefertigt wurde. Die namensgebende Besonderheit („Präzision“) bestand in seiner Ausstattung mit Bünden, die konstruktiv eine präzise Intonation vorgeben. Die Spielweise entspricht insofern der Gitarre im Gegensatz zur freien Intonation des Kontrabasses. Der Precision Bass hat sich seit den 1950er Jahren zu einem weit verbreiteten E-Bass-Modell entwickelt.

Entwicklungs­geschichte Akustische Bass-Zupfinstrumente mit bundiertem Hals wie zum Beispiel die Basslaute sind bereits seit etwa dem 17. Jahrhundert bekannt. Ein weiteres Bass-Musikinstrument mit Bünden ist das mit dem Kontrabass verwandte südslawische Volksinstrument Berda. In Russland gehört seit langem die dreisaitige, bundierte Bass-Balalaika in jedes Ensemble. Ab dem 19. Jahrhundert entstanden verschiedene akustische Bass-Zupfinstrumente in Gitarrenform, deren Abgrenzung voneinander jedoch nicht vollständig möglich ist: die Kontragitarre, die Bassgitarre sowie die akustische Bassgitarre. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts produzierte der US-Instrumentenhersteller Gibson einen ähnlich der Mandoline konstruierten akustischen „Mando-Bass“.Bacon, Moorhouse: The Bass Book, S. 9

Elektrisch verstärkbare Vorgänger Die Entwicklung elektrisch verstärkbarer Bass-Saiteninstrumente begann in den frühen 1920er Jahren mit dem Kontrabass. Bereits einige Jahre vor der Entwicklung des Precision Bass gab es verschiedene Versuche, einen Bass elektrisch zu verstärken. Einer der Pioniere auf diesem Gebiet war Lloyd Loar, von 1919 bis 1924 Leiter der Entwicklungsabteilung der Firma Gibson.Roberts: American Basses, S. 52 Einer seiner Versuche bestand in der Tonabnahme eines Kontrabasses mittels eines Tonabnehmers am Steg des Instruments.

In den 1930er Jahren folgte ein elektrisch zu verstärkender Standbass des Herstellers Rickenbacker mit einem elektromagnetischen Tonabnehmer unter den Saiten.Smith: Fender – ein Sound schreibt Geschichte, S. 101 Als erster kommerziell gefertigter, elektrisch verstärkbarer und wie eine Gitarre horizontal gespielter Bass, der mit Bünden ausgestattet war, gilt die Audiovox Model 736 Bass Fiddle aus den 1930er Jahren, entwickelt von dem in Seattle ansässigen Instrumentenbauunternehmen Audiovox von Paul Tutmarc. Der kommerzielle Erfolg dieser Vorgänger des E-Basses blieb jedoch unbedeutend.Bacon, Moorhouse: The Bass Book, S. 8 f.

Auch der US-Musikinstrumentenhersteller Kay Guitars war bereits seit den 1940er Jahren in die Entwicklung des E-Basses involviert. Dort hatte man versucht, einen E-Bass zu konstruieren, indem der Korpus eines akustischen Gitarrenmodells des Herstellers mit prototypisch angefertigtem Hals und mit Tonabnehmer versehen wurde. Die Entwürfe des Unternehmens erreichten jedoch erst 1952, etwa ein Jahr nach der Markteinführung des Precision, die Serienreife. Kay veröffentlichte in diesem Jahr das Modell K-162 „Electronic Bass“, das für 150 US-Dollar angeboten wurde.Roberts: American Basses, S. 94

Entwicklung des Fender Precision Bass Der Gründer von Fender Musical Instruments, Leo Fender, hatte Ende der 1940er Jahre die Idee, neben einer elektrisch verstärkten Gitarre mit massivem Holzkorpus einen ebensolchen Bass zu entwickeln, der möglichst einfach industriell herzustellen sein sollte. Ein solches Instrument sollte außerdem nicht nur leichter als ein Kontrabass zu transportieren sein, sondern auch einfacher zu spielen. Auslöser dieser Idee waren Gespräche Fenders mit arbeitslosen Gitarristen: Viele Gitarristen hätten einen Job als Bassist bekommen können, kamen aber nicht mit einem Kontrabass zurecht. Leo Fender erklärte dazu in einem Interview mit dem Journalisten Tom Wheeler in der US-Fachzeitschrift Guitar Player:

Da ein gitarrenähnliches Bassinstrument ohne Resonanzkörper eine völlige Neuheit darstellte, musste Fender das Konzept dieses Basses selbst entwickeln, wobei er jedoch Rat und Unterstützung von professionellen Gitarristen und Bassisten bekam. Außerdem stützte er sich bei der Entwicklung des Precision auf die Erfahrungen, die er mit dem 1950 ebenfalls von ihm entwickelten E-Gitarrenmodell Telecaster gemacht hatte.Tony Bacon, Paul Day: The Fender Book – A Complete History of Fender Electric Guitars, S. 13 ff. Vom Vorbild Kontrabass sind beim Precision Bass letztlich nur die vier Saiten und deren Stimmung in Quarten auf E-A-D-G übriggeblieben. Der äußere Umriss ist dem Korpus der Telecaster-Gitarre ähnlich, jedoch um ein oberes „Horn“ ergänzt. So sollte dem beim Bass deutlich höheren Gewicht der Kopfplatte, und zugleich dem längeren Hebel entgegengewirkt werden. Ob das Instrument aber ausgewogen am Gurt hängt, ist im Einzelfall vom Gegengewicht des Korpus, von der Trageweise des Musikers und nicht zuletzt von der Gewöhnung abhängig. Der Verkauf des neuen Instrumententyps begann im November 1951. Im März 1953 wurde Leo Fender schließlich ein US-Patent für sein Instrument erteilt.Bacon, Moorhouse, S. 12

mini|US-Patentzeichnung des Fender Precision Bass für die ab 1957 hergestellte Version mit konturiertem Korpus (ausschraffierte Fläche in Fig. 3) und mit vergrößerter Kopfplatte (Fig. 1)

Die Bauteile des Instruments Instrumentenhals, Griffbrett und Sattel

Der Name Precision (deutsch: „Präzision“) wurde von Leo Fender für das Instrument gewählt, weil das Griffbrett des Instruments wie bei einer Gitarre mit Bünden ausgestattet ist. Damit war es möglich, mit diesem Bass jeden Ton durch einfaches Greifen der Saite vor einem Bundstäbchen präzise zu treffen. Im Gegensatz dazu hat der bis dahin fast ausschließlich verwendete Kontrabass keine Bünde und erfordert vom Spieler das Erlernen und Beherrschen einer genauen Intonation. Der Hals des Precision Bass hat zwanzig Bünde, die das Griffbrett in Halbtonschritten unterteilen, und damit – über vier in Quarten gestimmte Saiten – einen Tonumfang von knapp drei Oktaven. Die Bundstäbchen des Basses sind aus Neusilberdraht hergestellt und in passgenau platzierte Nuten ins Griffbrett eingesetzt.

Hals, Kopfplatte und Griffbrett der ersten Modelle wurden aus einem einzelnen Stück Ahornholz gefertigt, einem Material, das Fender wegen dessen Stabilität wählte und weil es auf dem US-Markt leicht verfügbar war.Stromgitarren. Sonderheft der Zeitschrift Gitarre&Bass, S. 128. MM-Musik-Media-Verlag, Ulm 2004. Entgegen der Tradition im Gitarrenbau ist die Kopfplatte nicht abgewinkelt. Den notwendigen Druck auf dem Sattel erzeugt ein für die D- und G-Saite angebrachter Saitenniederhalter. Die Halskonstruktion ist mit einem innenliegenden Halsspannstab (Truss Rod) versehen. Diese per Inbus-Schraube vom Halsfuß aus einstellbare Metallstange erlaubt eine Justage der Halskrümmung und wirkt damit dem Saitenzug entgegen. Sie dient nicht, wie häufig angenommen, der Einstellung der Saitenlage. Diese und die Intonation können dank der verstellbaren Einzelreiter des Saitenhalters sehr präzise justiert werden. Der Halsstab wurde wie bei der Telecaster durch eine Fräsung in der Halsrückseite eingesetzt, die anschließend mit einem Streifen dunkleren Holzes verschlossen wurde („Skunk Stripe“). Bei späteren Modellen wurde ein separates Griffbrett auf den Ahornhals aufgeleimt und mit Bundstäbchen versehen, nachdem der Spannstab von vorne in den Hals eingesetzt worden war. Die Halskonstruktion des Precision Bass ist mit vier Schrauben und einer metallenen Deckplatte auf der Korpusrückseite mit dem Korpus verbunden.

Am kopfseitigen Ansatz des Griffbretts war bei den frühen Precision-Modellen ein Sattel aus Knochen ins Griffbrett eingelassen; bei späteren Modellen verwendete man Kunststoff für den Sattel. Während die Breite des Halses am Sattel in den 1950er Jahren noch 44,8 mm betragen hatte, wechselte man ab den 1960er Jahren zugunsten leichterer Bespielbarkeit zu 41,2 mm – seitdem das Standardmaß für die Halsbreite viersaitiger Precision-Bässe.Roberts: American Basses, S. 55

Kopfplatte und Stimmmechaniken mini|links|Kopfplatte mit Stimmmechaniken und Halsansatz mit Sattel des ersten Precision Bass von 1951 (hier in einer Neuauflage von 2008) mini|Kopfplatte eines 2010er Precision Bass

Die schmale Form der Kopfplatte des ersten Modells von 1951 gleicht im Umriss jener der Telecaster. In die Kopfplatte sind die vier in einer Reihe angeordneten Stimmmechaniken aus Metall eingesetzt; Mechaniken in offener Bauweise, die bei den ersten Serienmodellen vom Hersteller Kluson gefertigt wurden. Für die Prototypen des Precision hatte Fender zunächst Stimmmechaniken von Kontrabässen verwendet, was sich bis zu den ersten in Serie gefertigten Instrumenten dadurch bemerkbar machte, dass die Drehfunktion der Mechaniken der eines Kontrabasses glich: Das Drehen der Mechaniken im Uhrzeigersinn stimmte die Saiten höher, gegen den Uhrzeigersinn tiefer. Dies wurde bereits nach der Herstellung weniger Instrumente korrigiert, und die Funktionsrichtung der Mechaniken wurde jener der Telecaster und anderer Gitarren angepasst.

Mensur Der Precision hat eine längere Mensur als eine E-Gitarre. Fender legte dafür eine Länge von 34 Zoll (864 mm) fest; entsprechend lang musste der Hals ausfallen. Einer Legende nach entnahm Fender das Maß einem Physikbuch, das er sich von seiner Sekretärin Elizabeth Nagel Hayzlett ausgeliehen hatte.Smith: Fender – ein Sound schreibt Geschichte, S. 103 Laut Fenders langjährigen Mitarbeitern George Fullerton und Don Randall wurden eigene Versuche mit verschiedenen Mensuren zwischen 30 und 36 Zoll unternommen, um eine bestmögliche Resonanz zu erzielen. Ein tatsächlicher Bezug zur Physik bleibt jedoch unklar. Man entschied sich schließlich für 34 Zoll als gerade noch zu greifendes Maß. Die Mensur des Precision liegt damit ungefähr in der Mitte zwischen der einer Telecaster (25½ Zoll) und den Standardmensuren der weitverbreiteten Dreiviertel-Kontrabässe (40 oder 42 Zoll). Für diese Mensur mittlerer Länge mussten eigens Saiten in geeigneter Stärke und Länge hergestellt werden.Bacon, Moorhouse, S. 13: „Die Bass-Story – Eine Traum-Mensur“. Nachdem erste Versuche mit stahlumwickelten Darmsaiten und Klaviersaiten nicht zum gewünschten Erfolg führten, bestellte Fender schließlich Stahlsaiten der benötigten Länge bei der Firma V. C. Squier. Die Länge von 34 Zoll ist der heutige Standard für longscale-E-Bässe.

mini|Korpus eines Precision von 1956 mit den typischen verchromten Abdeckkappen über Tonabnehmer und Steg

Der Instrumentenkorpus und seine Bauteile Der Massivholz-Korpus des Precision Bass besteht typischerweise aus Erlen- oder Eschenholz. Auf die Korpusvorderseite ist zur Abdeckung der Fräsungen für die Elektronik ein Schlagbrett (Pickguard) aufgeschraubt. Bis 1957 bestand dieses aus Bakelit und von 1957 bis 1959 aus eloxiertem Aluminium. Seit 1959 wird das Schlagbrett aus Kunststoff hergestellt und mit zehn Schrauben auf dem Korpus befestigt.Gruhn/Carter, S. 133 ff. Die ersten Modellreihen besaßen auf der Korpusvorderseite zusätzlich eine verchromte Metallplatte für die Abdeckung des Fachs mit den Potentiometern, auf der sich auch die beiden verchromten Drehreglerknöpfe für Lautstärke und – zur Anpassung des Klangs, den Höhenanteil befanden.