Der Ysop [] (Hyssopus officinalis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Hyssopus innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Ysop wird mindestens seit dem 16. Jahrhundert als Gewürz- und Heilpflanze kultiviert.

Beschreibung mini|Detailansicht des Blütenstands mini|Illustration des 19. Jahrhunderts mini|Zahlreiche Stängel wachsen aus verholzenden Zweigen, die auf der Erde liegen mini|Blüte

Vegetative Merkmale Ysop ist ein Halbstrauch oder ein Zwergstrauch und erreicht Wuchshöhen von bis 60 Zentimetern. Er weist zahlreiche aufrechte, selten auch niederliegende, verzweigte, mattbraune Äste mit abblätternder Rinde auf.

Die gegenständig und scheinbar quirlig an Kurztrieben angeordneten Laubblätter sind sitzend oder fast sitzend. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von bis zu 50 Millimetern lang sowie einer Breite von etwa 10 Millimetern stumpf oder kurz zugespitzt und ganzrandig. Die Blattflächen sind kahl bis zottig behaart und dicht mit Öldrüsen bedeckt.

Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juli bis Oktober. 4 bis 16 Blüten befinden sich in einseitswendigen Scheinquirlen, die zu endständigen, ährigen Blütenständen vereinigt sind. Die Deckblätter sind linealisch, laufen am oberen Ende spitz zu und sind nicht begrannt oder besitzen Grannen mit einer Länge von 1 bis 3 Millimetern.

Die zwittrige Blüte ist zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist oft violett, röhrig, 15-nervig und kahl oder flaumig behaart. Die gleich großen Kelchzähne sind bis zu 3 Millimeter lang und mit oder ohne Granne. Die Blütenkrone ist leuchtendblau oder violett, selten weiß oder rosafarben. Die Blütenkrone ist bis zu 12 Millimeter lang, trichterförmig und zweilippig. Die Oberlippe ist aufrecht und ausgerandet, die Unterlippe lang abstehend und dreilippig mit einem großen ausgerandeten Mittellappen. Es sind 4 herausragende und spreizende Staubblätter vorhanden. Die Staubfäden sind weiß oder violett. Der Fruchtknoten ist oberständig. Die Griffel sind länger als die Staubblätter.

Die ungefähr 2 Millimeter langen Nüsschen sind braun und glatt, sie verschleimen bei Feuchtigkeit.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 12.

Vorkommen Der Ysop ist in Europa, Westasien und in Nordafrika verbreitet. In Europa kommt Ysop ursprünglich nur im Süden (nordwärts bis zu den Südalpen) vor, weiter nördlich wurde er seit dem Mittelalter als Gewürz-, Heil- und Zierpflanze angebaut. Er ist dort in wärmeren Gegenden zum Teil ein eingebürgerter Neophyt, anderswo ist er nur unbeständig verwildert, so zum Beispiel im Hegau, im Gebiet um den Genfersee und am Alpensüdfuß. Er steigt im Kanton Wallis bis in eine Höhenlage von 1550 Meter, in der spanischen Sierra Nevada bis in eine Höhenlage von 2500 Metern auf.

Der Ysop gedeiht in Mitteleuropa meist auf kalkhaltigen oder sonst basenreichen, lockeren, trockenen steinig-flachgründigen Böden und im sehr warmen Klima. Er besiedelt in Mitteleuropa trockene Hügel und Hänge, Felsenheiden sowie Wegränder; dabei sind Standort sonnig mit kalkhaltigen und trockenen Böden. Er kommt teilweise in Xerobrometen, aber auch in Felsband- und Mauerspaltengesellschaften vor.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1 (sehr trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Systematik Die Erstveröffentlichung von Hyssopus officinalis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 569.

Je nach Autor gibt es etwa fünf Unterarten: Hyssopus officinalis subsp. aristatus : Sie kommt vom westlichen und zentralen Mittelmeerraum bis auf Inseln in die nördliche Ägäis vor. Hyssopus officinalis subsp. austro-oranensis : Sie kommt in Marokko und Algerien vor. Hyssopus officinalis subsp. canescens : Sie kommt in Spanien und in Frankreich vor. Hyssopus officinalis subsp. montanus : Sie kommt von Südeuropa bis zur Ukraine und dem südlichen europäischen Russland vor. Hyssopus officinalis subsp. officinalis: Sie kommt von Europa bis zum Iran vor.

Trivialnamen und Namensherkunft Der Name Ysop (mittelhochdeutsch isōpe, auch ysopeVgl. etwa Wouter S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Hrsg. von Sophie J. van den Berg, N. V. Boekhandel en Drukkerij E. J. Brill, Leiden 1917, S. 219. geschrieben) leitet sich über das Griechische vom babylonisch-hebräischen Wort ēzōb ab.Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 871.Vgl. auch hebräisch אֵזוֹב ('ésóv) für ‚heiliges Kraut‘. Beleg:

Neben dem Trivialnamen Ysop finden sich als deutschsprachige Trivialnamen auch Echter Ysop, Bienenkraut, Duftisoppe, Eisenkraut, Hyssop, Eisop, Esope, Essigkraut, Gewürzysop, Heisop, Hisopo, Hizopf, Ibsche, Isop, Jsop, Jsopen, Jspen,Vgl. etwa Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg (Druck: Bonitas-Bauer), Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 801: „Js[o]pen Aysopus“, in Oeconomia von 1579. Ispen, Ispe, Hyspe,Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 402. Josefskraut und Weinespenkraut.

mini|Majorana syriaca, vermutlich der biblische „Ysop“ Andere als „Ysop“ bezeichnete Pflanzenarten

Es gibt auch Fälle, in denen „Ysop“ im Trivialnamen von Pflanzen anderer Gattungen vorkommt, zum Beispiel Syrischer Ysop (Ausführungen siehe unten), der zur Gattung Origanum (Dost) gehört, oder Anisysop (Anis-Duftnessel), der im Sprachgebrauch eine Pflanzenart bezeichnet, die zur Gattung Agastache (Duftnessel) gehört.

Der in der Bibel mehrfach erwähnte Ysop (; ; , hebr.: Esov; u. a.) ist nicht mit Hyssopus officinalis gleichzusetzen, der in Israel nicht wächst. Vielmehr handelt es sich in der Heiligen Schrift um eine Majoran- bzw. Oregano-Art,Fritz Rienecker: Lexikon zur Bibel, 11. Aufl. Wuppertal 1988, S. 647 ISBN 3-417-24528-1. David Darom: Die schönsten Pflanzen der Bibel. Vom Ysop bis zu den mächtigen Zedernbäumen, Herzlia, S. 6. ISBN 965-280-067-8 die jedoch zur selben Unterfamilie wie Hyssopus officinalis gehört. Als der biblische Ysop wird häufig der „Syrische Ysop“ (Origanum syriacum , Synonym: Majorana syriaca , Origanum maru ) genannt.Leopold Fonk: Hyssop. In: Michael Buchberger (Hrsg.): Kirchliches Handlexikon. Ein Nachschlagebuch über das Gesamtgebiet der Theologie und ihrer Hilfswissenschaften. Band 1: A–H. Allgemeine Verlags-Gesellschaft, München 1907, Sp. 2068.David Darom: Die schönsten Pflanzen der Bibel. Vom Ysop bis zu den mächtigen Zedernbäumen. Herzlia, ISBN 965-280-067-8, S. 6. Entsprechend ist dieses in der Saatar-Mischung enthaltene Gewürz auch heute noch als „Biblischer Ysop“ bekannt. In De re coquinaria des Marcus Gavius Apicius wird es als „Kretischer Ysop“ bezeichnet.

Verwendung Gewürz In der Küche wird Ysop frisch zubereitet, da er beim Trocknen an Aroma einbüßt. Junge Laubblätter werden als Gewürz kleingehackt in Salate und Gemüse gegeben. Der Gebrauch von Ysopkraut als Gewürz ist unbedenklich. Es schmeckt intensiv würzig, leicht bitter und kampherartig und trägt zur Verdauung fetter Speisen bei.

Extrakte sind zudem Bestandteil des Chartreuse-Likörs und von Parfümzubereitungen.

Heilpflanze Ysop enthält das ätherische Ysop-Öl mit Pinocamphon und Isopinocamphon als Hauptkomponenten, weitere Monoterpene wie Pinocarvon, Limonen und Pinen, Flavonoide wie Diosmin, Lamiaceen-Gerbstoffe wie Rosmarinsäure, Marrubiin, diterpenoide Bitterstoffe und Triterpene.Ingrid und Peter Schönfelder, Das neue Handbuch der Heilpflanzen, Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart, 2004, ISBN 3-440-09387-5.

Als Heildroge eingesetzt werden die getrockneten, blühenden oberirdischen Pflanzenteile (Ysopkraut, Hyssopi herba). Das ätherische Öl und die Gerbstoffe geben der Droge leichte entzündungshemmende, Auswurf fördernde, blähungswidrige und auch krampflösende Eigenschaften.

In der Volksheilkunde wird Ysop wie Salbei zum Beispiel zum Gurgeln bei Heiserkeit sowie bei Rachen- und Zahnfleischentzündungen, zu Waschungen und auch innerlich bei übermäßiger Schweißabsonderung eingesetzt. Außerdem wird Ysopkraut noch gelegentlich bei Husten und Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Für die Wirksamkeit gibt es bisher keine ausreichenden Belege. Von der Anwendung höherer Dosen über längere Zeit und speziell des ätherischen Öls mit dem neurotoxisch wirkenden Pinocamphon wird abgeraten: Nach der Einnahme bei Erwachsenen von 10–30 Tropfen (2 bis 3 Tropfen bei Kindern) über mehrere Tage wurden Vergiftungserscheinungen mit Krämpfen beobachtet. In Teemischungen ist die Beigabe von bis zu 5 % Ysopkraut als Geschmackskorrigens erlaubt.

Färbemittel Ysop wurde im späten Mittelalter auch zum Färben von Textilien verwendet. Ausgekocht und mit Pottasche und Alaun versetzt ergibt Ysop einen laubgrünen Farbton auf Seide.Das Oberdeutsche Färbebüchlein, ca. Mitte 15. Jhd., Gm.317, Bayerische Staatsbibliothek München. In: Ernst Ploss: Ein Buch von alten Farben, S. 154–158. Ähnlich: Heidelberg, Universitätsbibliothek, Cod. Pal. germ. 183, S. 281: Zw grünem Zendell, Nimb Ispen mitt wasser, Laß halb einsieden, vnd setz dan vff kupfferwasser, asche, vnd Laß es seigen in ein henis

Geschichte Im Mittelalter wurde Ysop unter anderem als Mittel gegen Magenbeschwerden (wenn „der Magen schwärt“) und zur Austreibung bei Totgeburten eingesetzt.Tobias Niedenthal: Klostermedizin: Von Monte Cassino nach Bingen. Gewidmet Johannes Gottfried Mayer. In: Medizin im Mittelalter. Zwischen Erfahrungswissen, Magie und Religion (= Spektrum der Wissenschaften. Spezial: Archäologie Geschichte Kultur. Band 2.19), 2019, S. 34–40, hier: S. 40.

Nicholas Culpeper bemerkte zu Ysop: „Es hilft gegen Ohrensausen, Atembeschwerden und Zahnweh. Das frische Kraut, mit Zucker zerstoßen, hilft bei frischen Wunden und Schnitten“. Quellen Antike – Spätantike: Dioskurides 1. Jh. Pedanios Dioskurides. 1. Jh.: De Medicinali Materia libri quinque. Übersetzung. Julius Berendes. Des Pedanius Dioskurides Arzneimittellehre in 5 Büchern. Enke, Stuttgart 1902, S. 281 (Buch III, Kapitel 27): Hyssopus (Digitalisat); Buch III, Kapitel 38: Thymos (Digitalisat) --- Plinius 1. Jh. Plinius der Ältere, 1. Jh.: Naturalis historia Buch XIX, Kapitel l (§ 165): Satureia (Digitalisat); Übersetzung Külb 1855 (Digitalisat); Buch XXV, Kapitel lxxxvii (§ 136): Ysop (Digitalisat); Übersetzung Külb 1855 (Digitalisat) --- Galen 2. Jh.Galen, 2. Jh. De simplicium medicamentorum temperamentis ac facultatibus, Buch VIII, Kapitel XX/8 (nach der Ausgabe Kühn 1826, Band XII, S. 149): Hyssopus (Digitalisat) Arabisches Mittelalter: Avicenna 11. Jh.Avicenna, 11. Jh.: Kanon der Medizin. Übersetzung und Bearbeitung durch Gerhard von Cremona, Arnaldus de Villanova und Andrea Alpago (1450–1521). Basel 1556, Band II, Kapitel 364: Issopus humida (Digitalisat)