Rochlitz ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Mittelsachsen im Freistaat Sachsen. Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Rochlitz mit den Mitgliedsgemeinden Königsfeld, Seelitz und Zettlitz. Mit rund 5700 Einwohnern ist Rochlitz die kleinste sächsische Stadt mit dem Status einer Großen Kreisstadt. Seit Juni 2024 trägt die Stadt Rochlitz den Namenszusatz „Stadt des Roten Porphyr“.http://www.rochlitz.de/fileadmin/rochlitz/dateien/Rathaus/Stadtanzeiger/Anzeiger_2024/RLA_06_2024_oA_Komprimieren.pdf Rochlitzer Anzeiger. Amtsblatt für die Große Kreisstadt Rochlitz, Nr. 6, 4. Juli 2024. S. 6. „Stadt des Roten Porphyr“: Namenszusatz für Rochlitz

Geographie mini|Blick auf Rochlitz mit dem Rochlitzer Berg Geographische Lage Die Stadt liegt an der Zwickauer Mulde und am Fuß des Rochlitzer Berges mit dem dort anstehenden und abgebauten Rochlitzer Porphyr. Von der Jahrhundertflut im August 2002 war die Stadt stark betroffen. Die nächstgelegenen Oberzentren sind mit etwa 25 Kilometern Luftlinie Chemnitz sowie mit jeweils etwa 45 Kilometern Leipzig und Zwickau.

Stadtgliederung Ortsteile von Rochlitz sind seit 1994 die vorherigen Gemeinden Noßwitz mit ihrem Ortsteil Hellerdorf, Penna mit ihrem Ortsteil Stöbnig sowie der Steudtener Ortsteil Zaßnitz. 1995 kam noch die Gemeinde Breitenborn mit ihrem Ortsteil Wittgendorf hinzu. Die Gemeinde Poppitz wurde bereits 1950 eingegliedert.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn) Königsfeld, Zettlitz, Seelitz und Wechselburg im Landkreis Mittelsachsen sowie Geithain im Landkreis Leipzig.

mini|Niederschlagsdiagramm Klima Der durchschnittliche Jahresniederschlag der Jahre 1961 bis 1990 beträgt 678 mm und liegt damit ganzjährig im mittleren durchschnittlichen Bereich aller deutschen Messstellen. In den Monaten April, August und September liegt der Niederschlag knapp über dem deutschen Durchschnitt, in den anderen Monaten darunter. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni.

Geschichte mini|Schloss Rochlitz von Nordwesten Mittelalter Bereits in mittelslawischer Zeit, das heißt im 9. bis 10. Jahrhundert, bestanden im heutigen Stadtgebiet mehrere dörfliche Siedlungen. Von diesen Siedlungen leitete sich der Ortsname (altsorbischer Name Rochelinzi)Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band II. Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, S. 291. ab. Im 10. Jahrhundert existierte eine Königsburg, die der König in der Zeit nach Einsetzung der Meißener Markgrafen 968 an jene verlieh. Markgraf Ekkehard I. muss Inhaber der Burg gewesen sein, da sie 1009 im Besitz seines Sohnes Hermann erscheint, der aber noch nicht Markgraf war und im Streit mit Markgraf Gunzelin von Kuckenburg lag, dem Nachfolger Ekkehard I. Gunzelins Truppen steckten 1009 die Burg in Brand, wofür Gunzelin abgesetzt und Hermann Markgraf wurde, wie Thietmar von Merseburg in seiner Chronik (Buch VI, Cap. 53) berichtet. Demnach war die Burg nicht mehr nur ein einfacher Erdringwall, sondern besaß fortgeschrittene Holzbauten und Palisaden. Nach Hermann war dessen Bruder Markgraf Ekkehard II. im Besitz der Burg. Er starb kinderlos, und König Heinrich III. zog dessen Lehnsbesitz und den Burgward (Burgbezirk) Rochediz 1046 wieder ein und schenkte ihn großzügig seiner eigenen Frau, der Königin Agnes, wie die Königsurkunde H III, Nr. 162 verrät. Vermutlich am Ende des 11. Jahrhunderts entstand unterhalb von Schloss Rochlitz und östlich des Suburbiums mit der Petrikirche eine Markt- und Kaufmannssiedlung im Gebiet des heutigen Mühlplatz mit dem Hohen Haus, die sicherlich mit der Lage an der Zaßnitzer Furt durch die Mulde in Zusammenhang steht. Zu derselben Zeit wurde Rochlitz bereits von Thietmar von Merseburg als „Stadt“ benannt. Noch im 19. Jahrhundert wurde dieser Bereich als Alte Stadt bezeichnet. Ebenfalls im 11. Jahrhundert wurde ein die Reichsburg versorgender Wirtschaftshof im nördlichen Teil des heutigen Stadtgebietes mit dem Burgwall Keßling im heutigen Rochlitzer Ortsteil Poppitz angelegt, der später nach Königsfeld (Sachsen) verlegt wurde. mini|Die ab 1417 errichtete Kunigundenkirche und das Untertor (1839) Um 1200 wurde unter Graf Dedo V. dem Feisten oder einem seiner Söhne Dietrich (1190–1207) und Konrad (1207–1210), möglicherweise auch erst unter Markgraf Dietrich von Meißen (ab 1210) die Rechtsstadt Rochlitz mit der Stadtkirche St. Kunigunde gegründet. Die Stadtanlage hebt sich insbesondere durch ihren langgestreckten Straßenmarkt heraus, der eine Analogie im nahegelegenen Geithain besitzt. Archäologische Ausgrabungen und erhaltene romanische Reste wie die Fenster am Westturmriegel der Kunigundenkirche ermöglichen Aussagen zu ihrem Ursprungsbau, einer querhauslosen Kurzbasilika der gleichen Zeitstellung. Trotz ihrer zentralen Lage am unteren Marktende fungierte bis zur Reformation die ältere, extra muros (außerhalb der Stadtbefestigung) gelegene St.-Petrikirche ebenfalls als Pfarrkirche für die westlichen Teile der Stadt. Bei stadtarchäologischen Untersuchungen wurden im Gebiet um die Kunigundenkirche Funde aus dem späten 12./frühen 13. Jahrhundert festgestellt, während die weiter westlich gelegenen Gebiete offensichtlich erst mit einiger zeitlicher Verzögerung bebaut worden sind.

In der Gründungsurkunde des schönburgischen Hausklosters Geringswalde von 1233 durch Hermann III. von Schönburg benennt dieser seine Vasallen als Zeugen: Johann von Rochlitz, gefolgt von weiteren Zeugen.Otto Posse: Die Urahnen des Fürstlichen und Gräflichen Hauses Schönburg. Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch-Stiftung, Ministerialengeschlechter derer von Schönburg, Dresden 1914, S. 22

Eine Stadtmauer umgab Rochlitz wohl erst im späten 13. Jahrhundert, zuvor haben anscheinend lediglich Wall, Graben und Gebück bestanden. 1288 wird dann die Mauer anlässlich eines Teileinsturzes erstmals genannt. Die Stadt Rochlitz selbst wird erst 1336 ersterwähnt, der Rat 1360. Das früheste nachweisbare Siegel der Stadt mit der Umschrift hängt an einer Urkunde von 1364. Von 1367 bis 1373 erfolgte die Erneuerung der Stadtmauer beziehungsweise die Errichtung der äußeren Stadtmauer. Vor 1379 erwarb der Rat die niedere Gerichtsbarkeit. 1380 erhielt die Stadt das Bleichprivileg, und es wurde eine zweite Landesbleiche neben Chemnitz eingerichtet. 1430 fielen die Hussiten in der Stadt Rochlitz ein. Im 15. Jahrhundert erlebte die Stadt eine Blütezeit. 1464 erfolgten der Erwerb der Obergerichtsbarkeit und die Erweiterung des Weichbildes. In der Spätgotik wurde die Kunigundenkirche von 1417 bis 1476 unter Einbeziehung romanischer Bausubstanz im Westen neu erbaut. Die beiden Keramikfiguren von Heinrich II. und Kunigunde stammen aus der Zeit um 1476, im Inneren zeigt die Kirche eine Ausstattung des frühen 16. Jahrhunderts (Schnitzaltar von 1513). Für die Zeit um 1500 wird eine Zahl von etwa 2000 Einwohnern angenommen.

Frühe Neuzeit mini|Rochlitz (1650) Im Jahr 1537 wurde in Rochlitz durch Herzogin Elisabeth die Reformation eingeführt. Bereits 1534 war der „Alte“ Friedhof mit Beinhaus im Bereich des heutigen Clemens-Pfau-Platzes angelegt worden. 1538 wurde auf dem aufgelassenen Kunigunden-Friedhof mit dem Bau einer Lateinschule (1876 abgebrochen, heute Gebäude der Bibliothek) begonnen, die schon 1595 mit Mitteln Sophies von Brandenburg wieder umgebaut wurde. 1563 gesellte sich noch ein Neubau der Hospitalkirche (Heilig-Geist-Kirche) zu dem Ensemble hinzu (Abbruch 1904). In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstand auch die östlich des heutigen Marktes und dem Rathaus gelegene „Mittelzeile“, wohl anstelle hölzerner Krambuden, was eine wesentliche Verkleinerung des ehemaligen Untermarktes bedeutete. Am 2. März 1547 fand vor den Toren der Stadt die Schlacht von Rochlitz im Schmalkaldischen Krieg statt, der bedeutendste militärische Erfolg der vereinigten protestantischen Streitkräfte vor der vernichtenden Niederlage in der Schlacht bei Mühlberg. In Rochlitz sind 1556–1608 in Hexenverfolgungen drei Verfahren wegen Hexerei und Zauberei belegt. Ein Mann wurde in einem Hexenprozess hingerichtet, zwei Schicksale sind unbekannt.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln / Weimar / Wien 2003, S. 561. mini|Karte von Rochlitz (1799) Im Dreißigjährigen Krieg wurden Stadt und Schloss mehrfach belagert und eingenommen. Außerdem wurde die Stadt 1632 von einem Stadtbrand heimgesucht. Ein weiterer großer Stadtbrand traf die Bürger bereits wieder 1681. Bei dem folgenden Wiederaufbau fand die Firstschwenkung zu traufseitigen Häusern statt. Ab 1682 war Rochlitz Garnisonsstadt einer Infanterie-Einheit. Anfang 1691 weilte für ca. 4 Wochen der deutsche Handwerkschirurg, Wundarzt und Starstecher Johann Andreas Eisenbarth („Doktor Eisenbarth“, 1663–1727) in Rochlitz. Aus dem Jahr 1688/89 stammt die Dreiturmfront der Kunigundenkirche, der barocke Vorbau wurde 1709 angefügt und beherbergte mit der Kunigundenbibliothek die erste öffentliche Bibliothek der Stadt. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Rochlitz an das entstehende sächsische Postsystem angeschlossen. Hiervon zeugen zwei rekonstruierte kursächsische Postdistanzsäulen vom ehemaligen Ober- und Untertor (am Obertor nach Unfall schon 1820 erneuert – Originalteil von 1723 im Nachbarort Zettlitz – und am Untertor mit wiederentdecktem Originalschriftblock von 1723 nachgebildet), ab 1734 (1743?) bestanden ein Postamt und regelmäßiger Postverkehr. 1769 wurde in Rochlitz eine Wollmanufaktur begründet.

19. und 20. Jahrhundert mini|Rochlitz (1835) Ein weiterer Stadtbrand wütete 1802, der Wiederaufbau der Stadt veränderte das Bild stark. Aus dieser Zeit stammen vor allem die Bürgerhäuser am Markt und der Turm der Kunigundenkirche (1804). Er fand seinen Abschluss mit dem Neubau des Rathauses 1826–1828. 1816 wurde eine erste Steinbrücke über die Mulde gebaut, ab 1830 begann der Abbruch der Stadtbefestigungen. 1834 wurde eine allgemeine Städteordnung erlassen. 1854 wurde ein neues Hospital erbaut, Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das Vorgängerhospital im Testament von Elisabeth von Rochlitz großzügig bedacht. Rochlitz war bis 1856 Verwaltungssitz des kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amts Rochlitz.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 58 f. Bei den im 19. Jahrhundert im Königreich Sachsen durchgeführten Verwaltungsreformen wurden die Ämter aufgelöst. Dadurch kam Rochlitz im Jahr 1856 unter die Verwaltung des Gerichtsamts Rochlitz-Stadt und 1875 an die neu gegründete Amtshauptmannschaft Rochlitz.

Die Gründerzeit bedeutete auch für Rochlitz einen erheblichen Aufschwung und eine beträchtliche Vergrößerung der Stadt. Zu nennen sind hier: 1872 Anschluss an das Eisenbahnnetz, 1874–76 Neubau der „1. Bürgerschule“ (Muldenschule), 1885 Abbruch des „Pulverturms“, Stadterweiterungen ab 1889 in Richtung Bahnhof, Anlage der Bismarckstraße, 1889/90 Bau des „Kaiserlichen Hauptpost- und Telegraphenamtes“, 1895 des „Königlich-Sächsischen Lehrerseminars“, 1897 des Kriegerdenkmals auf dem Topfmarkt (bis 1942) etc. In den „Goldenen Zwanzigern“ wurde ab 1922 die Kleinsiedlung („Gartenstadt“) mit der Straße „Am Anfang“ angelegt und 1922/23 ein zweites Rochlitzer Gaswerk am Mönchswinkel errichtet. Eine besondere Sehenswürdigkeit stellt der Marktbrunnen dar, der 1929 von dem bekannten Dresdner Bildhauer Prof. Georg Wrba (1872–1939) geschaffen worden ist.