mini|hochkant=1.2|Übersichtskarte des Großen Gartens mini|Luftbildaufnahme des Großen Gartens (dunkelgrün im Vordergrund der Palaisteich, daran anschließend das Sommerpalais) mini|Luftbildaufnahme des Großen Gartens aus östlicher Richtung
Der Große Garten in Dresden ist eine Parkanlage barocken Ursprungs. Der heutige größte Park der Stadt wurde ab 1676 auf Geheiß des Kurfürsten Johann Georg III. angelegt und im Laufe seiner Geschichte mehrfach erweitert, so dass er einen annähernd rechteckigen Grundriss auf einer Fläche von circa 1,8 Quadratkilometern aufweist. Seine Längsausdehnung beträgt etwa 1900 Meter, die Breite erreicht maximal 950 Meter. Im Zentrum des Parks befindet sich als bedeutendstes Bauwerk das unter der Leitung von Wolf Caspar von Klengel und Johann Georg Starcke um 1680 errichtete Sommerpalais. Der Große Garten wurde im Laufe seiner über dreihundertjährigen Geschichte vielfach überformt, wobei die barocke Grundstruktur erkennbar geblieben ist, aber von einem Barockgarten im engeren Sinne nicht mehr gesprochen werden kann.
Lage mini|Der Große Garten vom Lennéplatz aus gesehen Der Große Garten befindet sich ca. 1,2 Kilometer östlich des Dresdner Stadtzentrums und ist mit diesem durch die Bürgerwiese verbunden. Er liegt in der Gemarkung Altstadt II, gehört zum statistischen Stadtteil Seevorstadt-Ost/Großer Garten und mit diesem zum Stadtbezirk Altstadt. Ursprünglich auf unbebautem Gebiet vor den Toren der Stadt errichtet, wird der Große Garten im Uhrzeigersinn von Südosten aus gesehen von folgenden Stadtteilen und Gemarkungen umgeben: Seevorstadt, Pirnaische Vorstadt, Johannstadt, Striesen, Gruna und Strehlen. Er wird sowohl in Längs- als auch in Querrichtung von mehreren Alleen durchquert, die sich zum größten Teil über seine Grenzen hinaus fortsetzen. So endet die (im Jahr 2010 in diesem Abschnitt in Helmut-Schön-Allee umbenannte) Hauptallee in Stadtrichtung erst vor dem Deutschen Hygiene-Museum und wird in entgegengesetzter Richtung durch die Winterbergstraße noch über zwei Kilometer in gerader Linie verlängert. Auch die Querallee (beziehungsweise Fürstenallee, wie sie im nördlichen Teil heißt) wird durch die Fetscherstraße, die frühere Fürstenstraße, nach Norden fortgeführt, ebenso die Herkulesallee, die sowohl nach Westen als auch nach Osten über den Park hinausreicht. Die auf das Palais gerichteten Sichtachsen werden so nach außen verlängert und damit in ihrer Wirkung gesteigert.
Geschichte Erste Planungen und Überarbeitung durch Karcher mini|Ansicht von 1719 mini|Palais im Großen Gartenim Mai 2007 Der Große Garten wurde ab 1676 im Auftrag des späteren (ab 1680) Kurfürsten Johann Georg III. geplant und angelegt. Erste archivalische Erwähnungen beziehen sich auf die erforderlichen Grundstückskäufe. Der ursprüngliche Plan des Hofgärtners Martin Göttler sah einen quadratischen Grundriss mit einer Kantenlänge von 1,9 Kilometern, dem im Mittelpunkt befindlichen Palais, sowie sternförmig verlaufende Alleen vor. Der Park sollte durch einen ebenfalls im Quadrat geführten Kanal in eine innere und äußere Zone mit unterschiedlichen Funktionen unterteilt werden. Dieser Plan wurde bis 1683, als eine Kommission zur Überprüfung der Baufortschritte und der weiteren Gestaltung eingesetzt wurde, nur in Ansätzen verwirklicht. Im Ergebnis wurde Johann Friedrich Karcher mit der Neuplanung beauftragt und zum Obergärtner des Großen Gartens berufen. Dieses Amt übte er bis 1722 aus, als ihm zunehmende Erblindung die Fortführung seiner Arbeit verunmöglichte.
Auch im von Karcher überarbeiteten Plan, der sich explizit auf zeitgenössische französische Vorbilder bezog, befand sich das zu diesem Zeitpunkt mindestens im Rohbau fertiggestellte Palais im Mittelpunkt der Anlage. Der Grundriss des Gartens war allerdings nicht mehr quadratisch, sondern kreuzförmig, wie auch die Diagonalalleen zugunsten eines Systems längs- und querverlaufender Alleen aufgegeben wurden. Zudem wurde die Grundfläche des Gartens verringert, was dazu führte, dass 1692 zuvor aufgekaufte, bzw. enteignete Grundstücke an die früheren Besitzer zurückgegeben wurden. 1693/1694 wurden nach einem Entwurf Karchers acht Pavillons, die sogenannten Kavaliershäuser, errichtet. Sie waren durch Ketten und Mauern miteinander verbunden und umschlossen auf diese Weise den inneren Gartenbereich rund ums Palais.Volker Helas: Großer Garten in Dresden. Edition Leipzig, Leipzig 2002.
Entwicklung des Gartens unter August dem Starken
Nach nur dreijähriger Herrschaft starb 1694 der sächsische Kurfürst Johann Georg IV., sodass unerwartet sein Bruder Friedrich August I. (genannt August der Starke) an die Macht kam. Während seiner Regierungszeit wurde der Ausbau des Gartens entschlossen vorangetrieben und erreichte so „das Stadium höchster Vollendung.“Volker Helas: Großer Garten in Dresden. Edition Leipzig, Leipzig 2002. S. 37. Bis 1709 gingen die Arbeiten wegen des Großen Nordischen Krieges und der damit einhergehenden schwedischen Besetzung Sachsens im Jahre 1706 allerdings nur schleppend voran. Im Altranstädter Frieden wurde Sachsen zur Zahlung hoher Kontributionen verpflichtet, August verlor vorübergehend (bis 1709) die polnische Krone. Der Besuch des dänischen Königs Friedrich IV. im Sommer 1709 bot den Anlass für aufwändige, über einen Monat andauernde Festveranstaltungen, so eine sogenannte Bauernwirtschaft, also ein höfisches Maskenspiel, Feuerwerke, einen Aufzug der vier Erdteile (Australien war noch nicht entdeckt), ein Damenfest. Die temporären Festbauten wurden nach Entwürfen Karchers errichtet. Zeitgenössische Darstellungen des Festgeschehens geben Aufschluss über den Entwicklungsstand des Gartens zu diesem Zeitpunkt: Zwar war der gesamte Garten eingezäunt, es gab jedoch eine deutliche Trennung zwischen dem bereits angelegten Lustgarten zwischen Herkules- und Südallee und den noch ungestalteten äußeren Bereichen.
Karcher unternahm 1714 eine Studienreise nach Frankreich, um sich dort über die neuesten Gartentrends zu informieren. Ebenfalls 1714 wurde mit dem Bau von Gehegen und Remisen für die Fasanenzucht begonnen, im darauffolgenden Jahr wurde der Palaisteich fertiggestellt. Auch wurden die an den inneren Garten grenzenden Bosketts neu angelegt und so eindeutig dem Lustgartenbereich zugeordnet. Von 1718 bis 1722 wurde die über zwei Meter hohe Gartenmauer errichtet, die durch ihren rechteckigen Verlauf auch nicht zum Garten gehörende Grundstücke einschloss. Die Landstraße nach Pirna (heutige Stübelallee) musste nach Norden an den Rand des Parks verlegt werden. 1719 wurde im Großen Garten anlässlich der Vermählung des Kronprinzen Friedrich August mit der ältesten Tochter des Kaisers Joseph I., Maria Josepha, das Venusfest gefeiert. Zu diesem Anlass wurde das vor dem Palais liegende Parterre in eine Turnierbahn umgewandelt, sodass dort ein Damenringrennen durchgeführt werden konnte. Außerdem wurde der als Tanzsaal dienende Venuspavillon östlich des Palaisteiches errichtet, sowie das Heckentheater durch den Bau von Treillagen fertiggestellt. Als Karcher 1722 in den Ruhestand versetzt wurde, galten die Arbeiten am Großen Garten als abgeschlossen.
In den folgenden Jahren wurden im Garten sowohl höfische Feste als auch Fasanenjagden veranstaltet. Die regelmäßig zur Faschingszeit stattfindenden Ringrennen wurden dabei zur „nur aus Dresden bekannte[n] verfeinerte[n] Form des Schlitten-Damen-Ringrennens“ modifiziert.
Ausstattung der Parkanlage mit Skulpturen
Ab 1729 bis 1747 wurde das Palais als Ausstellungsort für die kurz zuvor von August dem Starken aus der Sammlung Chigi erworbenen rund zweihundert antiken Skulpturen genutzt, während die bereits zuvor bestehende Antikensammlung bis 1785 (danach im Japanischen Palais) in vier der acht Kavaliershäusern untergebracht wurde. Etwa 160 zeitgenössische Plastiken wurden unter freiem Himmel im Park aufgestellt, der größte Teil davon entlang der Hauptallee zwischen Palais und stadtseitigem Tor. Viele dieser Skulpturen wurden während des Siebenjährigen Krieges beschädigt oder zerstört.
Die Zeit entführt die Schönheit mini|hochkant|„Die Zeit entführt die Schönheit“ (Pietro Balestra, 1722)
Die Marmorskulptur „Die Zeit entführt die Schönheit“ wurde von Pietro Balestra in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts geschaffen; ihr Standort befindet sich im Palaisgarten des Großen Gartens.
Milon von Kroton mini|hochkant|Kunstmarmorabguss „Milon von Kroton“ (Original von Jean Joseph Vinache, um 1720)
Das Original der Marmorskulptur „Milon von Kroton“ (Milon mit dem Löwen kämpfend) wurde um 1720 von Jean Joseph Vinache geschaffen und 1842 im Großen Garten aufgestellt. Im April 2021 wurde ein Kunstmarmorabguss nahe der Hauptallee neu aufgestellt. Das Original von Jean Joseph Vinache befindet sich im Palais im Großen Garten. Nach der Legende wollte Milon von Croton als Kraftprobe einen im Wald gespaltenen Baumstamm, der mit Keilen auseinandergespreizt war, auseinanderreißen. Nachdem er die Keile entfernt hatte, wurde er eingeklemmt, konnte sich nicht mehr befreien und wurde dann von einem Löwen angefallen und gefressen. Die Skulptur ist um 1720 entstanden, blieb aber unvollendet. Sie war zunächst im Braunschen Garten in der Ostrallee aufgestellt, gelangte aber 1842 in den Großen Garten.
Die Zeit enthüllt die Wahrheit mini|hochkant| Kunstmarmorabguss „Die Zeit enthüllt die Wahrheit“ (Original von Antonio Corradini, um 1730)
Die Marmorskulptur „Die Zeit enthüllt die Wahrheit“, geschaffen vom italienischen Bildhauer Antonio Corradini, ist fast 300 Jahre alt und eine der wenigen noch erhaltenen, aus Marmor gefertigten Skulpturen in der Parkanlage. Dargestellt ist ein bärtiger alter Mann, der der Wahrheit, verkörpert durch eine schöne junge Frau, den verhüllenden Schleier vom Gesicht zieht. Die Skulptur hat in der Vergangenheit mehrmals ihren Platz gewechselt. Nachdem der Polnische König und Sächsische Kurfürst August der Starke die Marmorskulptur zunächst im Garten des Japanischen Palais aufstellen ließ, fand sie 1730 (?) ihren Platz im Großen Garten; wo genau ist nicht bekannt. Ab 1832 stand die Skulptur dann auf einer Rasenfläche in der Nähe der Parkgaststätte „Carolaschlösschen“. Nach ihrer Restaurierung wurde „Die Zeit enthüllt die Wahrheit“ im April 2019 nahe dem Palaisteich aufgestellt und der Gartenbereich rund um die Skulptur denkmalgerecht saniert. Zu den Arbeiten gehörten das Freischneiden der Sichtachse zur Fontäne des Palaisteiches, die Erneuerung der Wege zum und rund um das Rondell in der Achse des Nordbosketts und das Pflanzen einer Feldahorn-Hecke als Kulisse. Auch zwei Parkbänke wurden aufgestellt und laden zum Verweilen ein. Die Aufstellung dieser Marmorskulptur am neuen Standort und die Gestaltung ihrer unmittelbaren Umgebung ist Teil des Skulpturenprogrammes, das der Freistaat Sachsen für den Großen Garten geplant hat und das seit 2017 umgesetzt wird. In dieser Zeit werden rund 3,7 Millionen Euro in die Erhaltung der noch vorhandenen 22 Sandstein-Bildwerke, 12 Marmorskulpturen und 26 Sandstein-Postamente investiert.vgl. Catrin Steinbach: Großer Garten Dresden: „Die Zeit enthüllt die Wahrheit“ ist zurück. In: Dresdner Neueste Nachrichten am 29. April 2019, abgerufen am 3. Oktober 2022.
Herkules und Silen mini|Kopien der Skulpturen von Herkules und Silen
Diese Kopien der Skulpturen von Herkules und Silen, jeweils ihren kleinen Sohn haltend, wurden von den zu ihrem Schutz im Palais aufbewahrten Originalen neu aus Carrara-Marmor angefertigt. Beide Bildwerke wurden im September 2022 und vor dem Palais im Großen Garten aufgestellt.
Stagnation nach 1733 mini|Großer Garten um 1785 (Meilenblätter von Sachsen, Berliner Exemplar, Blatt 262)