Radebeul ist eine Große Kreisstadt im Freistaat Sachsen. Sie ist die einwohnerstärkste und die am dichtesten besiedelte Stadt im Landkreis Meißen und gehört neben Pirna, Freital und Meißen zu den größten Mittelzentren des Ballungsraums Dresden. Mit rund 34.000 Einwohnern auf 26 Quadratkilometern Fläche weist Radebeul die viertgrößte Bevölkerungsdichte aller sächsischen Gemeinden auf, nach Leipzig, Dresden und Heidenau sowie vor Chemnitz.

Die Wein-, Villen- und Gartenstadt mit ihren acht historischen Dorfkernen und zwei Villenvierteln liegt entlang der alten Postchaussee zwischen der ehemaligen Residenzstadt Dresden und dem ehemaligen Bischofssitz in Meißen sowie zwischen der Elbe im Süden und den Weinhängen im Norden. Diese bilden die Weinbau-Großlage Lößnitz in der gleichnamigen Landschaft.

Radebeul wird wegen seiner reizvollen Lage auch Sächsisches Nizza genannt, zurückgehend auf einen Ausspruch des sächsischen Königs Johann um 1860. Das heutige Radebeuler Gebiet, die Landschaft Lößnitz, die im Nordwesten Dresdens direkt an die sächsische Landeshauptstadt angrenzt, war nicht nur in den vergangenen Jahrhunderten, sondern ist auch heute eine der beliebtesten Wohngegenden der Dresdner Region.

Geografie Geografische Lage mini|Radebeul im Netz der Fernverkehrsbahnstrecken im Raum Dresden/Chemnitz/Leipzig Radebeul liegt flussabwärts von Dresden in der Lößnitz, einer Landschaft auf dem rechten Ufer des Elbtalkessels. Die Elbe bildet die südwestliche Grenze von Radebeul zur Dresdner Ortschaft Cossebaude. Radebeul ist ein Mittelzentrum im Verdichtungsraum am südöstlichen Rand des Landkreises Meißen und grenzt dort an die sächsische Landeshauptstadt Dresden, welche das Oberzentrum bildet. Im Nordosten und Norden wird Radebeul von Moritzburg begrenzt und im Westen und Nordwesten von der Stadt Coswig. Weiter flussabwärts folgt nach Coswig die Kreisstadt Meißen.

Radebeul liegt im Ballungsraum Oberes Elbtal und ist nach Pirna und Freital die viertgrößte Stadt der Region Dresden.

Geologie Die größtenteils im Elbtalkessel liegende Stadt gliedert sich in die Elbaue, die Nieder- und Mittelterrasse sowie den Steilanstieg des Elbhangs, einem Teil der Lausitzer Verwerfung und die Hochfläche, die zur Lausitzer Platte gehört. Der tiefste Punkt in der Elbaue liegt bei und der höchste auf der Wahnsdorfer Kuppe bei . Dort steht ein Triangulationspfeiler der sächsischen Landvermessung im 19. Jahrhundert.

Das Stadtgebiet wird durch mehrere Kerbtäler zerschnitten, von denen der Lößnitzgrund mit dem Lößnitzbach dauerhaft Wasser führt. Die anderen Täler, der Leimgrund, der Fiedlergrund, der Kroatengrund und der Rietzschkegrund werden durch sogenanntes Verlorenes Wasser gebildet, das nach Erreichen des wasserdurchlässigen Sandbodens der Elbterrassen versickert und wieder ins Grundwasser übergeht.

In Radebeul gibt es die ehemaligen Steinbrüche Lößnitzgrund; Ravensberg (Nähe Kinderheim Oberlößnitz), Steinbruch am Himmelsbusch, Steinbruch im Rieselgrund.

Klima mini|Klimadiagramm der Wetterwarte Wahnsdorf auf der Wahnsdorfer Kuppe Aufgrund der klimatischen Bedingungen am Nordhang des Elbtals ist in Radebeul Edelobst- und Weinanbau möglich. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 9,2 °C. Da Radebeul im Elbtal nach dem Dresdner Stadtzentrum (10,4 °C) das mildeste Klima von Sachsen hat, wird es auch Sächsisches Nizza genannt, zurückgehend auf einen Ausspruch des sächsischen Königs Johann um 1860.

Klimatisch abgegrenzt von der Lage im Elbtal ist das Stadtgebiet auf der Hochebene, auf der sich Wahnsdorf mit der Wetterstation befindet. Das Klimadiagramm der ehemaligen Wetterwarte Wahnsdorf auf der 246 m hohen Wahnsdorfer Kuppe zeigt die dort herrschenden Durchschnittstemperaturen und Niederschläge der Periode 1961–1990. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit durchschnittlich 18,1 beziehungsweise 17,8 °C und die kältesten Januar und Februar mit −1,2 beziehungsweise −0,7 °C im Mittel. Der mittlere Jahresniederschlag lag in der Referenzperiode mit 648 Millimetern etwas unter dem bundesdeutschen Schnitt von 800 Millimeter. Infolge des Klimawandels nimmt der Jahresniederschlag im Raum Radebeul kontinuierlich ab und erreichte insbesondere seit den 2000er Jahren oftmals kaum noch 500 mm, so dass Radebeul mittlerweile oft zu den trockensten Orten Sachsens zählt. Der meiste Niederschlag fiel bisher im Juli mit durchschnittlich 109 Millimetern, der geringste im Februar mit durchschnittlich 36 Millimetern. Das Temperatur-Jahresmittel liegt mit 8,6 °C unter dem im Elbtal. Die durchschnittliche jährliche Sonnenscheindauer liegt mit 1634 Stunden etwas über dem bundesdeutschen Schnitt von 1541 Stunden, am längsten scheint die Sonne im Mittel im Juli mit 217 Stunden und am wenigsten im Dezember mit 51 Stunden. (ZIP; 42 kB).

Ausdehnung des Stadtgebiets mini|Radebeul. Panorama von Cossebaude aus über die Elbe hinweg auf den Steilhang der Lausitzer Verwerfung, die die Steillagen der Weinbau-Großlage Lößnitz bilden Radebeul ist knapp vier Kilometer breit, sieben Kilometer lang und bedeckt eine Fläche von 2609 Hektar (26,089 km² [Stand: 2021], Bevölkerungsdichte: rund 1300 Einwohner je km²). Davon sind Wohnbaufläche 672 Hektar, Gewerbe- und Industrieflächen ergeben zusammen 142 Hektar, Verkehrs- und Bahnflächen ergeben zusammen 274 Hektar, Landwirtschaftsflächen machen 918 Hektar aus. Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen, Grünanlagen, Wald/Gehölz, Friedhöfe und Wasserflächen machen zusammen 538 Hektar aus und bilden die grüne Lunge von Radebeul.Radebeuler Amtsblatt 05/2022, S. 4. Ein gutes Fünftel der Stadtfläche, 586 Hektar, bilden das Landschaftsschutzgebiet Lößnitz, hinzu kommen die auf Radebeuler Flur an der Elbe gelegenen Flächen des Landschaftsschutzgebiets Elbtal zwischen Dresden und Meißen mit linkselbischen Tälern und Spaargebirge. Teile des Landschaftsschutzgebiets bilden wiederum das 115 Hektar große Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Lößnitzgrund und Lößnitzhänge. Etwa 85 Hektar sind Rebflächen, von denen wiederum 30 Hektar Steillagen von über 30 % bis über 100 % (max. 47 Grad) sind.Landesamt für Denkmalpflege Sachsen und Stadt Radebeul (Hrsg.): Stadt Radebeul. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen

Die in untenstehender Tabelle aufgeführten Gemarkungsgrößen aus dem Jahr 1900 ergeben für die Lößnitzortschaften zusammen eine Fläche von 2.502 Hektar bei einer addierten Einwohnerschaft von 26.220 Einwohnern (Bevölkerungsdichte: 1048 Einwohner je km²). Im Jahr 1939 lag die Radebeuler Stadtfläche bei 2.564 Hektar mit 37.856 Einwohnern (Bevölkerungsdichte: 1476 Einwohner je km²).laut Einleitung zum Adressbuch für das Jahr 1941: Adreßbuch für die Stadt Radebeul; mit den Stadtteilen Kötzschenbroda mit Fürstenhain, Lindenau, Naundorf, Niederlößnitz, Oberlößnitz mit Hoflößnitz, Radebeul, Serkowitz, Wahnsdorf und Zitzschewig. Adreßbuch-Verlag der Dr. Güntzschen Stiftung, Dresden 1941.

Stadtgliederung mini|Die zehn Ursprungsgemeinden, heutige Stadtteile

Die heutige Meißner Straße als planmäßig angelegte Verbindungsstraße (Postchaussee) zwischen Dresden und Meißen verläuft oberhalb der möglichen Überflutungsbereiche entlang der Elbe. Sie teilt ebenso wie die knapp unterhalb davon liegende Bahnlinie das heutige Radebeuler Stadtgebiet beziehungsweise die Region der ehemaligen Ursprungsgemeinden in den Bereich unterhalb und oberhalb der Straße. Die unterhalb oder auch in der Elbaue niedriger gelegenen Gebiete waren eher landwirtschaftlich genutzt und wurden später auch zur Ansiedlung von Industrie verwendet. Die oberhalb oder auch auf den Elbterrassen höher gelegenen Gebiete einschließlich der Steillagen des Elbhangs waren eher zum Weinanbau genutzt und wurden vor allem nach der Reblauskatastrophe zur Bevölkerungsansiedlung verwendet.

Radebeul besteht aus den beiden an der Meißner Straße als Achse liegenden Stadtzentren Radebeul-Ost (Stadt Radebeul vor 1935 mit Alt-Radebeul (unterhalb und oberhalb der Meißner Straße)) und Radebeul-West (Stadt Kötzschenbroda vor 1935 (unterhalb), Kötzschenbroda Oberort: oberhalb auf der Hochebene) sowie aus folgenden weiteren Stadtteilen: Serkowitz (zu Radebeul, unterhalb), Oberlößnitz (zu Radebeul, oberhalb), Wahnsdorf (zu Radebeul, oberhalb auf der Hochebene), Fürstenhain (zu Kötzschenbroda, unterhalb), Naundorf (zu Kötzschenbroda, Dorfkern unterhalb, Weinbauflächen oberhalb), Zitzschewig (zu Kötzschenbroda, oberhalb), Niederlößnitz (zu Kötzschenbroda, oberhalb), Lindenau (zu Kötzschenbroda, oberhalb auf der Hochebene).

Nach der Wiedervereinigung entstand in Radebeul ein ausgeprägtes wirtschaftliches Gefälle zwischen der ursprünglichen Bevölkerung südlich der Meißner Straße und der wohlhabenden zugezogenen Bevölkerung, die in den Villen der nördlich der Meißner Straße liegenden Weinhängen lebt. Eine höhere Hanglage entspricht dabei höheren Immobilienpreisen.

Die 10 Ursprungsgemeinden (heutige Stadtteile) Name ErsterwähnungoderGründung Einwohner 1900 Fläche 1900 (ha) Vereinigt mitKötzschenbroda Vereinigt mitRadebeul Stadtteil inRadebeul-… Siedlungsform Alt-Radebeul 1349 6.583 242     Ost Rundling Serkowitz 1315 2.858 183   1905 Ost Angerdorf Oberlößnitz 1839 1.652 146   1934 Ost Villenkolonie Wahnsdorf 1350 718 238   1934 Ost Straßenangerdorf Kötzschenbroda 1226 6.089mit Fürstenhain 664mit Fürstenhain   1935 West Straßenangerdorf Fürstenhain 1553 in Kötzschenbroda enthalten(285 am 2. Februar 1876) in Kötzschenbroda enthalten 1876 1935 West Straßendorf Lindenau 1287 688 33 1920 1935 West Straßendorf Naundorf 1144 1.866 428 1923 1935 West Straßenangerdorf Niederlößnitz 1839 4.338 259 1923 1935 West Villenkolonie Zitzschewig 1366 1.428 309 1923 1935 West Rundling

Geschichte

Radebeul bis zur Stadtwerdung Die Lößnitz wurde archäologischen Funden nach erst spät besiedelt. Aus der Periode der Schnurkeramiker (späte Jungsteinzeit, um 2200 v. Chr. – 2000 v. Chr.) gibt es erste Siedlungsspuren auf Radebeuler und Niederlößnitzer Gebiet. In Serkowitz wurde ein Brandgräberfeld aus der Frühbronzezeit (2000 v. Chr. – 1600 v. Chr.) gefunden.

Ebenfalls auf Serkowitzer Gebiet wie auch in Weinböhla und Coswig finden sich Urnenfelder der Mittleren Bronzezeit (Lausitzer Kultur, 1600 v. Chr. – 1300 v. Chr.), und aus der Spätbronzezeit (1300 v. Chr. – 800 v. Chr.) finden sich in Kötzschenbroda und Naundorf archäologische Reste. Weitere Funde aus dieser Zeit weisen auf eine recht dichte Besiedlung unterhalb der Heidesandterrassen auf den hochwasserfreien Kuppen hin.

Aus der Völkerwanderungszeit sind Funde germanischer Besiedlung selten; in der Nähe des Bahnhofs Radebeul-Weintraube wurden 1998 im Zuge einer Baustelle Reste von germanischen Rennfeueröfen gefunden, die vermutlich „nicht in völliger Wildnis“ lagen. Um das Jahr 600 kamen westslawische Sorben in die Region. Von einer relativ dichten slawischen Besiedlung zeugen weitere Fundorte, von denen das 1925 bei Kötzschenbroda angeschnittene Gräberfeld schon frühe christliche Einflüsse zeigt. Diese entstanden, da 929 im Zuge der fränkischen Ostexpansion die Burg Meißen errichtet wurde. Fränkische und sächsische Kolonisten wurden angesiedelt, freie Bauern übernahmen slawische Siedlungen oder rodeten neue Siedlungsflächen. Es gibt Indizien dafür, dass das unter der Ägide der Burggrafen von Dohna geschah.

Im Jahre 1349 wurde Radebeul erstmals urkundlich erwähnt. Der Name des heutigen Ortsteils Naundorf fand sich schon 1144 in einer Urkunde. Es folgten 1226 Kötzschenbroda, 1287 Lindenau, 1315 Serkowitz, 1350 Wahnsdorf, 1366 Zitzschewig und 1533 Fürstenhain. 1271 wurde das Kötzschbergische Weingebirge erwähnt (heute Niederlößnitz) und 1286 findet sich die erste schriftliche Erwähnung des Lezenitzbergs (heute Hoflößnitz beziehungsweise Oberlößnitz).

mini|links|Altes Siegel von Radebeul (mit volksetymologischer Umsetzung von Radebeil)