mini|HGB Außenansicht, Wächterstraße 11 Die Hochschule für Grafik und Buchkunst / Academy of Fine Arts Leipzig (HGB) in Leipzig ist mit ihrer Gründung 1764 eine der ältesten staatlichen Kunsthochschulen in Deutschland. Ca. 600 Studenten studieren derzeit in den vier Studiengängen Malerei/Grafik, Buchkunst/Grafik-Design, Fotografie und Medienkunst. Zudem wurde 2009 ein Masterstudiengang Kulturen des Kuratorischen gegründet. Dieses weiterbildende Studienangebot ist in dieser Form in Deutschland einzigartig und verbindet anwendungsorientierte Forschungspraxis mit wissenschaftlicher Reflexion. 2014 feierte sie zusammen mit der gleichzeitig gegründeten Hochschule für Bildende Künste Dresden ihr 250-jähriges Bestehen. Die Galerie der Hochschule fungiert als zentraler Ausstellungsort.

Geschichte Am 6. Februar 1764 gründete Prinz Franz Xaver von Sachsen als Administrator für seinen Neffen, den noch unmündigen Kurfürsten von Sachsen Friedrich August III. (1750–1827), in Leipzig eine Akademie für Malerei, die er der Kunstakademie in Dresden unterstellte. Als Gründungsdirektor wurde der Maler Adam Friedrich Oeser berufen, der dieses Amt 35 Jahre lang bis zu seinem Tode 1799 innehatte.

Diese Akademie wurde im Herbst 1764 im Leipziger Amtshaus eröffnet. Im Sommer 1765 zog sie in den Westflügel (sog. Akademieflügel) der kurfürstlichen Pleißenburg um (heute Neues Rathaus). Ab Herbst 1765 gehörte der Jurastudent Johann Wolfgang Goethe zu den sehr interessierten Zeichenschülern von Oeser, und beide blieben auch nach dieser Ausbildungsphase lebenslang miteinander verbunden. Später weitete die Einrichtung sich zur Zeichnungs-, Malerey- und Architectur-Academie (Kunstakademie) aus.Willy Oskar Dressler (Hrsg.): Dresslers Kunstjahrbuch, 7. Jahrgang. Rostock 1913, S. 327f.

Um 1835 führte die Einrichtung den Namen Akademie der bildenden Künste. Neben dem Direktor gab es einen Lehrer der Architektur und zwei Lehrer der freien Handzeichnung. Der Unterricht war damals kostenlos.

Im Jahr 1863 wurde die Baukunst-Abteilung aufgelöst, die verbliebenen Abteilungen wurden 1871 reorganisiert. In den nachfolgenden 30 Jahren unter dem Direktorat von Ludwig Nieper wurden weitere einschneidende Strukturveränderungen an der Akademie durchgeführt. Ab 1876 trug die Einrichtung den Namen Königliche Kunstakademie und Kunstgewerbeschule. 1893 wurde eine Abteilung für photographische Vervielfältigungsverfahren durch Nieper neu eingerichtet, die zu einer späteren Schwerpunktsetzung der Akademie beitrug. In der Folge schloss Nieper 1894 die Abteilung für architektonisches Kunstgewerbe und 1896 die Abteilung für Bildhauerkunst. In diesen Zeitraum fällt aber auch die Errichtung eines eigenen Neubaus für die Akademie in der Wächterstraße 11 im Zentrum von Leipzig, der bis in die Gegenwart für die ursprüngliche Zweckbestimmung durch die Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) genutzt wird. Da Ludwig Nieper in Personalunion im Jahre 1875 zugleich Gründungsdirektor der Städtischen Gewerbeschule Leipzig wurde, ließ er deren Schulgebäude daneben in der Wächterstraße 13 neu errichten, ebenfalls bis heute als Schulgebäude von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) genutzt (Wiener-Bau).

Im Jahre 1900 wurde gegen Ende des Direktorats von Ludwig Nieper die Leipziger Akademie in die Königliche Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe umgewandelt.

Die Akademie war 1905 die erste Kunsthochschule, die Frauen zum Studium aufnahm, nachdem die Malerin Philippine Wolff-Arndt (1849–1940) den Direktor Max Seliger 1901 davon überzeugt hatte.Wolff-Arndt, Philippine, abgerufen am 21. Januar 2021. 1913 studierten mehr Frauen als Männer an der Akademie.

Nach der Auflösung des Königreiches Sachsen und der Bildung des Freistaates Sachsen führte die Leipziger Akademie den Namen Staatliche Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe. Im Sommersemester 1938 lernten 286 Studenten an der Kunstakademie. Damit war sie nach Wien (1.005 Studenten) und Berlin (309 Studenten) die drittgrößte Kunsthochschule im Deutschen Reich.

mini|Jugendliche bei einer Besichtigung der Hochschule, 1956 Am 26. April 1947 wurde die Einrichtung unter Kurt Massloff mit einer neuen Ausrichtung in dem traditionsreichen Akademiegebäude Wächterstraße 11 eröffnet. Von 1946 bis 1949 war Walter Arnold Professor an der Hochschule. Der Name Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) etablierte sich ab 1950.

Es gab an der Schule eine Abendakademie, die von einer bedeutenden Anzahl späterer bildender Künstler besucht wurde.

Ab 1951 lehrte Albert Kapr als Professor für Schrift- und Buchgestaltung. Aufgrund der in der Kunstgeschichte als Leipziger Schule bezeichneten Stilrichtung erlangte die HGB weitreichende nationale und internationale Aufmerksamkeit, die besonders verbunden ist mit Wolfgang Mattheuer, Bernhard Heisig, Werner Tübke, Arno Rink, Sighard Gille u. a.

1989 fand eine Kunstausstellung „225 Jahre HGBK“ statt.

Das Sächsische Hochschulstrukturgesetz vom 10. April 1992 bestätigte die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, während andere Leipziger Hochschulen nach der Wende aufgelöst oder zusammengelegt wurden.

Unter Kunstkritikern weltweit zählt die HGB zu den für Malerei und Grafik bedeutendsten deutschen Kunsthochschulen (Stand 2008). Maßgeblich zu diesem Status beigetragen hat die sogenannte Neue Leipziger Schule innerhalb der Malerei. Als deren bedeutendster Vertreter gilt der Maler Neo Rauch, der an der Hochschule studierte und später dort als Professor eine Meisterschülerklasse leitete.

Rektoren 1764–1799 Adam Friedrich Oeser 1800–1812 Johann Friedrich August Tischbein 1814–1841 Veit Hanns Schnorr von Carolsfeld 1847–1871 Gustav Jäger 1872–1901 Ludwig Nieper 1901–1920 Max Seliger 1920–1941 Walter Tiemann 1940–1945 Arno Drescher 1947–1958 Kurt Massloff 1959–1961 Albert Kapr 1961–1964 Bernhard Heisig 1964–1966 Gerhard Kurt Müller 1966–1973 Albert Kapr 1973–1976 Werner Tübke 1976–1987 Bernhard Heisig 1987–1994 Arno Rink 1994–1997 Albrecht von Bodecker 1997–2000 Ruedi Baur 2000–2003 Klaus Werner 2003–2011 Joachim Brohm 2011–2016 Ana Dimke 2016–2017 Ralf F. Hartmann (amtierender Rektor) 2017–2022 Thomas Locher 2022–2023 Benjamin Meyer-Krahmer (amtierender Rektor) seit März 2023 Agnes Wegner

Dozenten und Professoren (unvollständig) 1774–1803: Johann Heinrich Wiese 1875–1896: Melchior zur Strassen 1875–1888: August Scheffers 1882–1894: Carl Werner 1883–1904: Carl Bourdet 1893–1919: Erhard Ludewig Winterstein 1895–1915: Albrecht Kurzwelly 1896–1924: Adolf Lehnert 1897: Max Klinger 1903–1940: Bruno Héroux 1903–1906: Friedrich Wilhelm Kleukens 1904: Otto Richard Bossert ab 1905–?: Franz Hein ab 1906–?: Georg Belwe 1907–1917: Emanuel Goldberg 1907–1942: Alois Kolb 1907–1937: Paul Horst-Schulze 1907–1933: Hugo Steiner-Prag ab 1916: Hermann Delitsch ab 1910–?: Hans Soltmann 1919–1923: Bruno Eyermann 1921–1953: Alfred Thiele 1922–1933: Hans Alexander Müller 1925–1945: Ignatz Wiemeler 1928–1933: Willi Geiger 1937– Rudolf Spemann 1946–1950: Max Schwimmer 1946–1958: Elisabeth Voigt 1946–1967: Egon Pruggmayer 1950–1965: Karl Krug 1952–1985: Walter Schiller 1954–1958: Johannes Lebek 1954–1990: Heinz Wagner 1956–1974: Wolfgang Mattheuer 1957–1991: Gerd Thielemann 1961–1980: Heinz Föppel 1961–1991: Joachim Nusser 1962–2001: Rolf Kuhrt 1963–1992: Klaus Liebich 1963–1989: Horst Thorau 1964–1976: Werner Tübke 1968–2000: Hildegard KorgerVerband der Grafik-Designer der DDR und Niedersächsisches Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten: P40. Plakate aus der DDR, Berlin 1990, S. 76, ISBN 978-3-87585-184-7. 1970–2004: Joachim Jansong 1974–2008: Ulrich Hachulla 1975–1981: Harald Kirschner 1976–2004: Karl-Georg Hirsch 1977–1989: Horst Arloth 1978–2005: Arno Rink 1978–2008: Helfried Strauß 1979–1983: Hartwig Ebersbach 1979–1998: Gert Wunderlich 1986–2006: Sighard Gille 1986–1992: Günter Thiele 1989–2014: Doris Ziegler 1991–1994: Arnd Schultheiß seit 1993: Tina Bara 1993–2018: Günter Karl Bose 1993–2021: Joachim Brohm 1993–2023: Dieter Daniels 1993–2017: Astrid Klein 1993–2007: Timm Rautert 1993–2014: Christoph Türcke 1995–2004: Ruedi Baur 1995–2022: Helmut Mark 1997–2021: Alba D’Urbano 1997–2005: Volker Pfüller 1998–2006: Detlef Fiedler 1998–2006: Daniela Haufe seit 1999: Beatrice von Bismarck 1999–2005: Andreas Brexendorff 1999–2005: Gudrun Petersdorff seit 2001: Christin Lahr 2001–2023: Rayan Abdullah seit 2002: Joachim Blank 2004–2010: Fritz Best seit 2004: Fred Smeijers 2004–2021: Ingo Meller seit 2005: Michael Mauracher 2005–2014: Neo Rauch seit 2006: Markus Dreßen 2006–2012: Katrin Kunert 2006–2010: Yvonne Kuschel 2006–2018: Peter Piller 2006–2022: Annette Schröter 2007–2009: Christopher Muller seit 2007: Thomas M. Müller 2007–2013: Günther Selichar seit 2008: Torsten Hattenkerl 2008–2014: Oliver Klimpel seit 2009: Annette Kisling 2009–2015: Heribert C. Ottersbach 2009–2014: Katrin von Maltzahn 2009–2015: Thomas Weski seit 2010: Oliver Kossack 2011–2023: Stephan Müller seit 2011: Heidi Specker seit 2012: Jörg Ernert seit 2012: Christoph Feist 2012–2014: Ruprecht von Kaufmann seit 2013: Clemens von Wedemeyer seit 2014: Maureen Mooren seit 2015: Benjamin Meyer-Krahmer seit 2015: Christian Weihrauch seit 2015: Marc Rölli seit 2016: Steven Black 2016–2019: Peggy Buth 2016–2022: Christoph Ruckhäberle seit 2017: Michael Riedel 2018–2021: Özlem Altin 2018–2020: Ludovic Balland seit 2019: Katrin Köppert seit 2020: Stefan Haupt seit 2020: Fabian Hesse seit 2020: Mitra Wakil seit 2021: Anne Speier 2021–2022: Loretta Fahrenholz seit 2021: Isabel Lewis seit 2022: Kerstin Drechsel seit 2022: Eli Cortiñas 2021–2023: Anja Kaiser seit 2023: Anna Lena von Helldorff seit 2023: Stine Marie Jacobsen seit 2023: Ondřej Báchor seit 2023: Jennifer König

Bekannte Studenten und Absolventen Hans Aichinger (* 1959), Maler Rozbeh Asmani (* 1983), Medienkünstler Emin Barın (1913–1987), türkischer Kalligraph und Buchbinder Laura Bielau (* 1981), Künstlerin und Fotografin Volkmar Billeb (* 1939), Fotograf Thomas Billhardt (1937–2025), Fotograf und Publizist Elisabeth Wilhelmine Johanna Bitterling-Wolters (1892–1982), Kunstmalerin Christian Borchert (1942–2000) Else Bostelmann (1882–1961) Marek Brandt (* 1970), Fotograf und Medienkünstler Gerhard Brinkmann (1913–1990), Grafiker und Karikaturist Georg Brückmann (* 1977), Fotograf Max Brüning (1887–1968), Maler und Grafiker Carl Gustav Carus (1789–1869), Arzt, Maler und Naturphilosoph Hartwig Ebersbach (1940), Maler Georg Eckelt (1932–2012), Grafiker und Fotograf Tim Eitel (* 1971), Maler Klaus Fischer (1934–2009), Fotograf und Buchautor Hans Fischerkoesen (1896–1973), Pionier des deutschen Animations- und Werbefilms Hans Freese (1886–1966), deutscher Maler, Graphiker, Bühnenbildner und Kunsterzieher Julia Friese (* 1979), Grafikerin und Illustratorin Lutz Friedel (* 1948), Maler und Bildhauer Thomas Gatzemeier (* 1954), Maler, Bildhauer und Schriftsteller Günter Glombitza (1938–1984), Maler Hans-Hendrik Grimmling (* 1947), Maler, Mit-Initiator des „1. Leipziger Herbstsalons“ 1984, Professor an der Berliner Technischen Kunsthochschule Klaus Götze (* 1940), Fotograf, Autor und Buchillustrator Ulrich Hachulla (* 1943), Maler und Grafiker, später Professor für Grafik/Radierung an dieser Hochschule Hartmut Hahn (* 1971), freischaffender Künstler Anna Haifisch (* 1986), Comiczeichnerin und Illustratorin Paule Hammer (* 1975), Maler Ulrich Häsler (* 1943), Reportagefotograf Hannes Hegen (1925–2014), Grafiker und Comiczeichner Bernhard Heisig (1925–2011), Maler, später Professor und Rektor an dieser Hochschule Felix Heynig (1888–1950), Maler und Zeichner Jutta Hipp (1925–2003), Jazz-Pianistin, Malerin, Karikaturistin und Dichterin Matthias Hoch (* 1958), bildender Künstler und Fotograf Martin Höfer (* 1982), Konzept- und Medienkünstler