Der Landkreis Hannover war ein 1885 gegründeter Landkreis, der am 1. November 2001 in der Region Hannover, einem Kommunalverband besonderer Art, aufging. Kreissitz war die kreisfreie Landeshauptstadt Hannover.
Nachbarkreise Der zweite Landkreis Hannover grenzte Anfang 1974 im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die Landkreise Neustadt am Rübenberge, Burgdorf, Hildesheim-Marienburg, Springe und Grafschaft Schaumburg sowie an die Stadt Hannover.
Der durch die Gebietsreform von 1974 vergrößerte Landkreis Hannover grenzte im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Soltau-Fallingbostel (heute Heidekreis), Celle, Gifhorn, Peine, Hildesheim, Hameln-Pyrmont, Schaumburg und Nienburg/Weser. Die kreisfreie Stadt Hannover wurde seit 1974 vom Landkreis vollständig umschlossen. mini|Lage des Landkreises Hannover in der Provinz Hannover (1905) mini|Der Landkreis Hannover von 1974 bis 2001 mini|Altes Landkreisgebäude in Hannover, Höltystraße 17 mini|hochkant|Schild mit Wappen am alten Landkreisgebäude in Hannover
Geschichte 1885 bis 1932 Der Landkreis Hannover wurde am 1. April 1885 bei der Bildung von Landkreisen in der preußischen Provinz Hannover aus dem Amt Hannover gebildet.Kreisordnung für die Provinz Hannover (1885). In: Staatsbibliothek zu Berlin, abgerufen am 9. Oktober 2017. Er umfasste im Wesentlichen das Gebiet der heutigen Städte Hemmingen und Langenhagen sowie große Teile der heutigen Städte Laatzen und Hannover. Der Landkreis verlor in der Folgezeit große Teile seines Gebiets an die kreisfreie Stadt Hannover: Am 1. Juli 1891 wurden die Gemeinden Hainholz, Herrenhausen, List und Vahrenwald in die Stadt Hannover eingegliedert. Am 1. Oktober 1907 wurden die Gemeinden Bothfeld, Döhren, Groß-Buchholz, Klein-Buchholz, Kirchrode, Stöcken und Wülfel sowie der Gutsbezirk Mecklenheide in die Stadt Hannover eingegliedert. Der Landkreis bestand seitdem aus zwei durch die Stadt Hannover voneinander getrennten Teilen, wobei der Nordteil hauptsächlich das Gebiet der heutigen Stadt Langenhagen umfasste. Im Jahre 1928 schieden auch der Schlossbezirk und der Gartenbezirk Herrenhausen sowie der Gutsbezirk Leinhausen aus dem Landkreis aus und wurden in die Stadt Hannover eingegliedert.
1932 bis 1974 Am 1. Oktober 1932 wurden die Gemeinden des aufgelösten Landkreises Linden sowie die Gemeinde Anderten aus dem Landkreis Burgdorf in den Landkreis Hannover eingegliedert. Hierdurch wuchs die Fläche des Landkreises um mehr als das Doppelte. Von den Gemeinden des Landkreises erhielten Langenhagen 1959, Misburg 1963, Laatzen 1968 und Barsinghausen 1969 das Stadtrecht.
1974 bis 2001 Im Rahmen der Gebietsreform in Niedersachsen gab der Landkreis am 1. März 1974 Ahlem, Anderten, Bemerode, Misburg, Vinnhorst, Wettbergen, Wülferode sowie Teile von Laatzen und Langenhagen an die Stadt Hannover ab. Gleichzeitig wurde er um große Teile der zu diesem Datum aufgelösten Landkreise Burgdorf, Neustadt am Rübenberge und Springe vergrößert. Die Fläche des Landkreises Hannover vergrößerte sich dadurch auf 2086 km². Der Landkreis bildete seitdem einen geschlossenen Ring um die Stadt Hannover und hatte bei Gründung der Region Hannover im Jahre 2001 mit mehr als 600.000 Einwohnern eine höhere Bevölkerungszahl als die Landeshauptstadt. Von den Gemeinden des Landkreises erhielten Ronnenberg 1975, Seelze 1977, Sehnde 1997 und Hemmingen 1999 das Stadtrecht.
Einwohnerentwicklung Der Landkreis Hannover wurde 1932 und 1974 durch Gebietsreformen deutlich vergrößert. Jahr Einwohner Quelle 1890 35.401 1900 37.728 1910 26.029 1925 30.886 1939 89.156 1950 154.768 1960 171.600 1970 233.600 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972. In: Universitätsbibliothek Mannheim, abgerufen am 30. April 2026. 1980 542.900 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981. In: Universitätsbibliothek Mannheim, abgerufen am 30. April 2026. 1990 562.418 2000 603.090 2001 604.897
Politik Die Leitung des Kreises war bis 1999 nach dem zweigleisigen Modell aufgeteilt in das Amt des (Ober-)Kreisdirektors, der hauptamtlich die Verwaltung leitete, und des Landrates. Dieser wurde ehrenamtlich aus der Mitte des Kreistages für repräsentative Zwecke gewählt. Mit der Kommunalreform von 1996 wurde mit Übergangsregelungen in den niedersächsischen Gemeinden und Kreisen die „Eingleisigkeit“ an der Verwaltungsspitze eingeführt. Seitdem obliegt einem Landrat als hauptamtlichem Wahlbeamten auf Zeit nicht nur die politische Repräsentation des Landkreises, sondern auch die Leitung der Kreisverwaltung. Im Landkreis Hannover entfiel mit dem Ende der Amtszeit von Herbert Droste das Amt des Oberkreisdirektors. Am 1. Juni 1999 trat Michael Arndt sein Amt als hauptamtlicher Landrat an.Zur Geschichte der Landkreise im Raum Hannover ab 1945, Arcinsys Detailseite, abgerufen am 6. April 2023
(Ober-)Kreisdirektoren Julius Fengler (1945 bis 1948) August Steppat (1948 bis 1966) Friedrich Bischoff (1967 bis 1971) Herbert Droste (seit 1971 kommissarisch; 1974 bis 1999)
Landräte 1885–1904 Egmont von Brünneck 1904–1930 Clemens von Wedel-Gödens 1930–1932 Julius Fengler (SPD) 1932–1933 Robert Onnen (SPD) 1933–1945 Hans von Oldershausen 1946–1966 Karl Schönemann (SPD) 1966–1971 Günter Kiehm (SPD) 1971–1981 Jürgen Bauermeister (SPD) 1981–1989 Karsten Friedrich Hoppenstedt (CDU) 1989–1996 Eberhard Wicke (CDU) 1996–1998 Gertraude Kruse (SPD) 1999–2001 Michael Arndt (SPD), erster direkt gewählter und gleichzeitig letzter Landrat des Landkreises Hannover (ab 2001 Regionspräsident der Rechtsnachfolgerin Region Hannover)
Wappen Neueres Wappen von 1974 Der Entwurf des neueren Kommunalwappens vom Landkreis Hannover stammt von dem Heraldiker und Grafiker Alfred Brecht, der zahlreiche Wappen in der Region Hannover erschaffen hat. Die Genehmigung des Wappens wurde am 19. Dezember 1974 durch den Niedersächsischen Minister des Innern erteilt.
Altes Wappen von 1935 Der Entwurf des alten Wappens vom Landkreis Hannover stammt von dem Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der zahlreiche Wappen in der Region Hannover erschaffen hat. Die Genehmigung des Wappens wurde durch das Preußische Staatsministerium am 15. April 1935 erteilt.
Gemeinden 1885 bis 1974 Die folgende Tabelle listet alle Gemeinden, die zwischen 1885 und 1974 dem Landkreis Hannover angehörten, sowie alle Eingemeindungen:Hannover/Linden. In: territorial.de, abgerufen am 9. Oktober 2017.Niedersächsisches Landesverwaltungsamt (Hrsg.): Gemeindestatistik Niedersachsen 1960/61. Teil 1: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Hannover 1964. Gemeindeeingemeindet nachDatum derEingemeindungAnmerkung Ahlem Hannover 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Almhorst Seelze 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Anderten Hannover 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Burgdorf Argestorf Wennigsen (Deister) 1. Januar 1970 bis 1932 Landkreis Linden Arnum Hemmingen 1. März 1974 Bantorf Hohenbostel 1. Juli 1968 bis 1932 Landkreis Linden Barrigsen Barsinghausen 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Barsinghausen, Stadt bis 1932 Landkreis Linden Bemerode Hannover 1. März 1974 Benthe Ronnenberg 1. Juli 1969 bis 1932 Landkreis Linden Bothfeld Hannover 1. Oktober 1907 Bredenbeck Wennigsen (Deister) 1. Januar 1970 bis 1932 Landkreis Linden Brink Langenhagen 1. April 1938 Degersen Wennigsen (Deister) 1. Januar 1970 bis 1932 Landkreis Linden Devese Hemmingen 1. März 1974 Ditterke Gehrden 1. August 1971 bis 1932 Landkreis Linden Döhren Hannover 1. Oktober 1907 Döteberg Seelze 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Eckerde Goltern 1. Juli 1968 bis 1932 Landkreis Linden Egestorf Barsinghausen 1. Juli 1968 bis 1932 Landkreis Linden Empelde Ronnenberg 1. Juli 1969 bis 1932 Landkreis Linden Engelbostel Langenhagen 1. März 1974 Everloh Gehrden 1. August 1971 bis 1932 Landkreis Linden Evestorf Wennigsen (Deister) 1. Januar 1970 bis 1932 Landkreis Linden Gehrden, Stadt bis 1932 Landkreis Linden Godshorn Langenhagen 1. März 1974 Goltern Barsinghausen 1. März 1974 Neugründung am 1. Juli 1969 Göxe Goltern 1. Juli 1968 bis 1932 Landkreis Linden Grasdorf Laatzen 1. Januar 1964 Groß-Buchholz Hannover 1. Oktober 1907 Großgoltern Goltern 1. Juli 1968 bis 1932 Landkreis Linden Groß Munzel Barsinghausen 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Gümmer Seelze 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Hainholz Hannover 1. Juli 1891 Harenberg Seelze 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Harkenbleck Hemmingen 1. März 1974 Heitlingen Garbsen 1. März 1974 Hemmingen-Westerfeld Hemmingen 1. März 1974 Herrenhausen Hannover 1. Juli 1891 Hiddestorf Hemmingen 1. März 1974 Hohenbostel Barsinghausen 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Holtensen bei Wunstorf Barsinghausen 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Holtensen bei Weetzen Wennigsen (Deister) 1. Januar 1970 bis 1932 Landkreis Linden Ihme Ihme-Roloven 1929 Ihme-Roloven Ronnenberg 1. März 1974 Neugründung 1929 Kaltenweide Langenhagen 1. März 1974 Kirchdorf Barsinghausen 1. Juli 1968 bis 1932 Landkreis Linden Kirchrode Hannover 1. Oktober 1907 Kirchwehren Seelze 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Klein-Buchholz Hannover 1. Oktober 1907 Koldingen Pattensen 1. März 1974 Krähenwinkel Langenhagen 1. März 1974 Laatzen, Stadt Landringhausen Barsinghausen 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Langenforth Brink 1. November 1935 Langenhagen, Stadt Langreder Barsinghausen 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Lathwehren Seelze 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Lemmie Gehrden 1. August 1971 bis 1932 Landkreis Linden Lenthe Gehrden 1. August 1971 bis 1932 Landkreis Linden Letter Seelze 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Leveste Gehrden 1. August 1971 bis 1932 Landkreis Linden Linderte Ronnenberg 1. Juli 1969 List Hannover 1. Juli 1891 Lohnde Seelze 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Misburg, Stadt Hannover 1. März 1974 Müllingen Sehnde 1. März 1974 Nordgoltern Goltern 1. Juli 1968 bis 1932 Landkreis Linden Northen Gehrden 1. August 1971 bis 1932 Landkreis Linden Ohlendorf Hemmingen 1. März 1974 Ostermunzel Barsinghausen 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Redderse Gehrden 1. August 1971 bis 1932 Landkreis Linden Reden Pattensen 1. März 1974 Rethen Laatzen 1. März 1974 Roloven Ihme-Roloven 1929 Ronnenberg bis 1932 Landkreis Linden Schulenburg Langenhagen 1. März 1974 Seelze bis 1932 Landkreis Linden Sorsum Wennigsen (Deister) 1. Januar 1970 bis 1932 Landkreis Linden Stemmen Goltern 1. Juli 1968 bis 1932 Landkreis Linden Stöcken Hannover 1. Oktober 1907 Vahrenwald Hannover 1. Juli 1891 Velber Seelze 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Vinnhorst Hannover 1. März 1974 Vörie Ronnenberg 1. Juli 1969 Wassel Sehnde 1. März 1974 Weetzen Ronnenberg 1. Juli 1969 bis 1932 Landkreis Linden Wennigsen (Deister) bis 1932 Landkreis Linden Wettbergen Hannover 1. März 1974 bis 1932 Landkreis Linden Wichtringhausen Hohenbostel 1. Juli 1968 bis 1932 Landkreis Linden Wilkenburg Hemmingen 1. März 1974 Winninghausen Hohenbostel 1. Juli 1968 bis 1932 Landkreis Linden Wülfel Hannover 1. Oktober 1907 Wülferode Hannover 1. März 1974
1974 bis 2001 Seit 1974 umfasste der Landkreis Hannover 20 Gemeinden: Barsinghausen, Stadt Burgdorf, Stadt Burgwedel Garbsen, Stadt Gehrden, Stadt Hemmingen, Stadt Isernhagen (bis 31. Mai 1975 unter dem Namen Warmbüchen) Laatzen, Stadt Langenhagen, Stadt Lehrte, Stadt Neustadt, Stadt Pattensen, Stadt Ronnenberg, seit 1975 Stadt Seelze, seit 1977 Stadt Sehnde, seit 1997 Stadt Springe, Stadt Uetze Wedemark Wennigsen Wunstorf, Stadt
Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen H zugewiesen. Es wird bis heute für die Region Hannover ausgegeben.
Literatur Carl Wolff: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. Hrsg. im Auftrag der Provinzial-Kommission zur Erforschung und Erhaltung der Denkmäler in der Provinz Hannover von Carl Wolff, Hannover 1899–1927 Landkreise Hannover und Linden, 1899