mini|hochkant=1.3|Olympiapark Berlin, 2025 (Luftbild)

Das Olympiagelände (ehemals: Reichssportfeld, offiziell: Olympiapark Berlin) befindet sich am westlichen Rand des Berliner Ortsteils Westend im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.

Übersicht mini|Lageplan des Berliner Olympiageländes mini|Reichssportfeld, 1936

Zum Reichssportfeld, dem Gelände der Olympischen Sommerspiele 1936, gehörten neben dem Olympiastadion das Deutsche Sportforum, das Olympia-Schwimmstadion, die Waldbühne, das Maifeld, der Glockenturm mit Langemarckhalle, das Hockey-Olympiastadion, das Olympia-Reiterstadion und die Stadionterrassen. Auf dem ehemaligen Wurfplatz des Sportforums befindet sich heute das Olympiapark-Amateurstadion.

Naturräumliche Lage und Einbindung Das Olympiagelände befindet sich auf einem 132 Hektar großen Hochplateau – auf früheren Karten als Breiter Berg bezeichnet –, das von natürlichen bzw. bereits bestehenden künstlichen Einschnitten umkränzt ist. Im Norden durch die Murellenschlucht, sowie den Abhang des Sportforums zur Fließwiese Ruhleben und zur Siedlung Ruhleben, im Osten durch einen eiszeitlichen Schmelzwassergraben, der im Süden vom Grunewald kommend beim Georg-Kolbe-Park die Heerstraße kreuzt und sich dann über den Friedhof Heerstraße mit dem Sausuhlensee fortsetzt und über den U-Bahn-Einschnitt und den Murellenteich in der Baumannschen Wiese vor dem U-Bahnhof Ruhleben im Norden ausläuft. Die südwestliche Grenze des Plateaus bildet der Einschnitt der S-Bahn-Trasse. Die exponierte Lage sorgt dafür, dass an heißen Sommertagen zumindest etwas Luftbewegung zu erwarten ist. Ebenso sorgte die Lage im westlichen Teil Berlins dafür, dass die noch bis in die 1980er Jahre in Berlin emittierten Industrieabgase bei vorherrschenden westlichen Winden vom Gelände ferngehalten wurden.

Das Gelände gehörte bis etwa 1900 noch selbst zum Grunewald. Beim Bau der Anlagen zu den Olympischen Spielen 1936 wurde ein durchgehender umgebender Grüngürtel aus altem Baumbestand des Grunewalds erhalten.Werner March: Bauwerk Reichssportfeld. Deutscher Kunstverlag, 1936, S. 14; digilib.tu-graz.at Er ist im Wesentlichen bis heute vorhanden, lediglich der südliche Teil südlich an die S-Bahn-Trasse anschließend wurde vom Corbusierhaus bis zur Glockenturmstraße in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bebaut.

Geschichte 1913–1933 Versenkt im Inneren der 1909 eröffneten Rennbahn Grunewald wurde 1913 das Deutsche Stadion für die in Berlin geplanten Olympischen Spiele 1916 errichtet, die wegen des Ersten Weltkriegs ausfielen. Auf dem nördlich an die Rennbahn angrenzenden Gelände entstand 1926–1928 das Deutsche Sportforum mit vielen Sportanlagen, das auch die Deutsche Hochschule für Leibesübungen und die Deutsche Turnschule der Deutschen Turnerschaft mit aufnahm.

Bauten zu den Olympischen Spielen mini|Reichssportfeld mit erkennbaren Restarbeiten, Frühjahr 1936 (Luftbild)

Für die in Berlin stattfindenden Olympischen Spiele 1936 wurde das nun ‚Reichssportfeld‘ genannte Gelände im Wesentlichen in der heutigen Form neu geschaffen. Dabei wurde das Deutsche Stadion weitgehend abgerissen und durch das Olympiastadion ersetzt, während das Sportforum durch weitere Bauten ergänzt wurde. Architektonisch orientierte sich das Olympiastadion in Berlin mit seinen klaren geometrischen Grundformen an Bauten der Antike. Der Architekt Werner March hatte für die wesentlichen Bereiche des Reichssportfeldes griechische Entsprechungen der Olympischen Spiele der Antike im Sinn.Werner March: Bauwerk Reichssportfeld. Deutscher Kunstverlag, 1936, S. 13; digilib.tu-graz.at Das Stadion von 1936 wurde teilweise als Erdstadion ausgeführt, bei dem nur der mit fränkischem Muschelkalk berlin-sportmetropole.de verkleidete Oberring über das Erdniveau herausragte, weswegen seine äußerliche Wirkung nicht so übermächtig ausfiel wie zum Beispiel bei der nicht mehr fertiggestellten Kongresshalle Nürnberg auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.

Architekt March folgte bei den Bauten auf dem Reichssportfeld 1936 eng den planungspolitischen Vorgaben Hitlers. Bei diesem Olympia-Gebäudeensemble sind schon die wesentlichen dramaturgischen Momente der gigantomanischen Planungen der Folgezeit zu finden, wie später vor allem beim Nürnberger Reichsparteitagsgelände und bei den Vorhaben zur Umgestaltung Berlins in eine „Welthauptstadt Germania“: städtebauliche Ausrichtung in Achsen, pathetische antikisierende Werksteinkaschierung von modernen Baukonstruktionen, gezielte Installation architekturbetonender NS-Großskulpturen, Aufmarschmöglichkeiten für die Menschenmassen, Führertribünen und Totenkultarchitektur.

mini|Beschreibung Langemarckhalle, Universität Adolf Hitler (Glocken­turm / Gedenkstätte Olympiagelände)

Bei Betrachtung der Bauten des Reichssportfelds in der Ost-West-Achse, bildet der Olympische Platz als ein Auftakt, danach das Olympiastadion (damals auch „Kampfbahn“ genannt) den Austragungsort, gefolgt vom Maifeld als Aufmarsch- und Kundgebungsplatz und abschließend der Glockenturm mit der Langemarckhalle und ihrem Opferkult als Höhepunkt im Sinne der NS-Ideologie. Der Einschnitt des Stadions am Marathontor, der den Blick zum Maifeld und zum Glockenturm öffnet, betont den axialen Charakter.

Das olympische Bauvorhaben wurde das erste von Hitlers Großbau-Projekten. Durch die Ausweitung der vorhandenen Planung stiegen die Ausgaben von den ursprünglich kalkulierten 5,5 Millionen auf 42 Millionen ReichsmarkHilmar Hoffmann: Mythos Olympia. Autonomie und Unterwerfung von Sport und Kultur. Weimar 1993, S. 17 (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund  Millionen Euro). Mit den Olympischen Spielen in Deutschland wollte er der Welt vorführen, dass das Deutsche Reich unter seiner Führung in erster Linie ein friedliebendes, soziales und wirtschaftlich aufstrebendes Land sei. Neben der Möglichkeit, durch die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 1936 in Deutschland das Ausland über den wahren Charakter des NS-Staates zu täuschen, war die Gelegenheit, mit diversen Baumaßnahmen der wirtschaftlichen Misere im Reich zu begegnen, die Arbeitslosenzahl zu verringern und auf diese Weise die Popularität seiner Regierung zu steigern, ein weiteres Motiv für Hitlers Bestreben. Seinen Entschluss für das umfangreiche Bauprojekt des ReichssportfeldesArnd Krüger: Die Olympischen Spiele 1936 und die Weltmeinung. Ihre außenpolitische Bedeutung unter besonderer Berücksichtigung der USA. S. 63. begründete er so:

mini|hochkant|Info-Tafel zur Dietrich-Eckart-Bühne, 2011

Künstlerische Gestaltung Vom Bezug der installierten NS-Kunst zum Reichssportfeld und seinen Bauwerken ist 1936 zu lesen:

„Wieviel gesünder und künstlerisch stärker erweist sich das, was draußen im Reichssportfeld an Bildwerken geschaffen wurde: aus zwingender Notwendigkeit geboren, an eine festumgrenzte Aufgabe gebunden, für alle Zeiten eingebaut in den Rahmen einer großen Architektur, hat diese Plastik nicht nur rein praktisch ihren zugehörigen Platz gefunden. Sie ist vielmehr auch ideell einbezogen in den Bezirk jenes neuen Geistes, von dem die Olympischen Spiele 1936 ein Beweis waren.“Adolf Abel: Von der Plastik des Reichssportfeldes. In: Baugilde, 1936, 18. Jg., S. 957–975; zitiert nach: Wolfgang Schäche, Norbert Szymanski: Das Reichssportfeld. Architektur im Spannungsfeld von Sport und Macht. Berlin 2001, S. 99.

mini|hochkant|Statue Deutsche Nike von Willy Meller auf dem Gelände

Schon der Vorgänger des Olympiastadions, das Deutsche Stadion, war mit reichhaltigem Skulpturenschmuck ausgestattet. Für die Olympischen Spiele 1936 wurden verschiedene Künstler beauftragt, einzelne Bestandteile des Figurenschmucks zu entwerfen. Die Mehrzahl davon ist bis heute erhalten.

Auf dem das Olympiastadion einschließenden Gelände befinden sich die Skulpturen Stafettenläufer und Diskuswerfer von Karl Albiker.

Am Übergang zum Maifeld stehen die Rosseführer von Joseph Wackerle. Südlich davon befindet sich die Skulptur Kameraden von Sepp Mages.

Am Übergang zwischen Sportforum und Maifeld steht die Siegesgöttin Nike von Willy Meller. Das Gewand ist eine Anleihe aus dem antiken Griechenland, das Eichenlaub in ihrer Hand ist ein althergebrachtes deutsches Siegessymbol. Zudem gilt die Eiche schon lange als „deutscher“ Baum. Ihr hartes Holz und das charakteristische, spät fallende Laub machten sie seit der Zeit der Germanen zu einer Metapher für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit (siehe auch Irminsul). Das Werk steht in der Tradition der Victoria- und Germaniastandbilder der National- und Kriegerdenkmäler des 19. Jahrhunderts. Bereits in der vorherigen Anlage von 1913 (Deutsches Stadion) war ein Hinweis – in Form einer Siegessäulen-Nachahmung – darauf, dass „Sport zum Nutzen des Vaterlandes“ stattfinden sollte. Das dargestellte Zertreten der „Schlange des Bösen“, einem der Bibel entnommenen Motiv, ist der Sichtweise der NS-Ideologie zufolge eine Drohung an die Feinde des „Dritten Reichs“.Beschreibungstafel Deutsche Nike, Olympiagelände Die Skulptur steht im Bereich des damaligen Übergangs vom öffentlich zugänglichen Stadionteil zu den Übungsanlagen des Reichssportfeldes, mit Blick auf das Maifeld.

Auf dem Gelände des Sportforums befinden sich zahlreiche Skulpturen. Am Eingang zum Haus des Deutschen Sports befinden sich zwei Adlerskulpturen von Waldemar Raemisch, an der Freitreppe vom Jahnplatz der Zehnkämpfer und die Siegerin von Arno Breker, am Forumbecken der Ruhende Athlet von Georg Kolbe und in der Eingangshalle des Hauses des Deutschen Sports Kolbes Zehnkampfmann. Am Zugang zum Jahnplatz stehen Stier und Kuh von Adolf Strübe. Etwas abseits auf dem Anger steht der Boxer von Josef Thorak nach dem Modell von Max Schmeling.

Die Seitenwände der Treppenhallen des Turnhauses und des Schwimmhauses im Deutschen Sportforum am Jahnplatz wurden mit Wandreliefs versehen. Im Turnhaus bildete der Münchener Maler Louis Gruber Athleten und Tierbilder mit „Kraft“-Sinnsprüchen aus der nationalsozialistischen Zeit ab, im Schwimmhaus verzierte der expressionistische Künstler August Babberger die Wände mit Schwimmathleten in stilisierter, hellenistischer Pose und Gewand.

Am Eingang zur heutigen Waldbühne gestaltete der Bildhauer Adolf Wamper beidseitig 3,9 Meter hohen Reliefs aus Muschelkalk mit den Titeln Vaterländische Feier und Künstlerische Feier. Das Relief links des Eingangs zeigt in antikisierter Nacktheit zwei Männer mit Fackel und Schwert. Den Männern gegenüber auf der rechten Seite sind zwei sich entblößende Frauen mit dem Lorbeer als Symbol Ehre und der Leier dargestellt. bbsr.bund.de Die beiden Reliefs verweisen laut March 1936 „auf die doppelte Bestimmung der Anlage für musisches Weihespiel und vaterländische Feier“. Die zwei Männer-Bildnisse sind Vorläufer von Arno Brekers Statuen in der Neuen Reichskanzlei. Die Finanzierung der Skulpturen erfolgte durch das Propagandaministerium, der Goebbels zuzustimmen hatte. Auffallend ist dabei die Ausführung der Werke in wenig verschleiernder Form mit dezidiertem NS-Gehalt, anders als bei den meisten übrigen Beispielen von NS-Kunst auf Gelände der Sommer-Olympiade.

Nach 1936 Im Jahr 1938 erfolgte der endgültige bauliche Abschluss für das Reichssportfeld mit der Fertigstellung des Heimes für den Reichssportführer. Die Planungen von Albert Speer zum Bau der „Welthauptstadt Germania“, die bereits 1935 begannen, sahen eine Hochschulstadt beiderseits der Heerstraße südöstlich des Reichssportfelds vor, der das Reichssportfeld mit dem Olympiastadion später zugeschlagen worden wäre. Als architektonischer Höhepunkt der Hochschulstadt sollte eine neue, riesenhafte Langemarckhalle errichtet werden, die alle bereits vorhandenen Gebäude in den Schatten gestellt hätte.