mini|alt=Person stabbing a yellow mineral block|Abbau von Schwefel aus einer Lagerstätte am Rande des Ijen-Kratersees, Indonesien
Der Bergbau ist ein zur Urproduktion gehörender Wirtschaftssektor und Teil der Montanindustrie, der sich mit dem Abbau, der Aufsuchung, Exploration und der Gewinnung von Bodenschätzen und Rohstoffen aus der oberen Erdkruste befasst.
Allgemeines mini|Symbol des Bergbaus:Schlägel und Eisen Zum Bergbau gehören die Arbeitsbereiche Vermessungswesen (Markscheidewesen), Grubenbewirtschaftung (Bewetterung und Wasserhaltung), soziale Sicherungssysteme (Knappschaftskassen), spezielle Ausbildungsstätten (beispielsweise Bergakademien) sowie Bergaufsichtsbehörden ( Bundesberggesetz: Bergfreie und grundeigene Bodenschätze). (PDF; 208 kB) Als montanistisch bezeichnet man alle auf den Bergbau bezogenen Sachverhalte. Im deutschsprachigen Raum waren und sind auch die Bezeichnungen Montanwesen, Gewinnung von Rohstoffen mineralischen und fossilen Ursprungs sowie Berg- und Hüttenwesen üblich. Die Gewinnung von Erdwärme (Geothermie) gehört ebenfalls in den Bereich Bergbau. Die im Bergbau tätigen Unternehmen heißen Gewinnungsunternehmen und gehören zu den Sachleistungsunternehmen.
Je nachdem, ob die Lagerstätten der Bodenschätze in Bergwerken („unter Tage“; → Bergmannssprache) oder im Tagebau zu erreichen sind, gibt es unterschiedliche Abbauverfahren.
Bergbauliche Aktivitäten werden weltweit durch das jeweilige Bergrecht innerhalb der nationalen Gesetzgebung geregelt.
Produkte des Bergbaus mini|200px|Der Steinbruch von Carrara-Marmor Die Produkte des Bergbaus werden folgenden Produktgruppen zugeordnet:
Produktgruppen Produkte Bodenschätze Primärenergieträger Metalle Mineralien Edelmetalle, Edelsteine Braunkohle, Erdgas, Erdöl, Steinkohle, Uran Aluminium, Blei, Eisen, Kupfer, Zink, Zinn usw. Carbonate, Nitrate; Kalisalz, Marmor, Schiefer, Steinsalz usw.
Die im Bergbau geförderten Rohstoffe können mineralogisch in drei große Gruppen unterteilt werden: Element-, Energie- und Eigenschaftsrohstoffe.Jens Götze/Matthias Göbbels, Einführung in die Angewandte Mineralogie, 2017, S. 24
Rohstoff Produktgruppen ProdukteElementrohstoffe Grundstoffe für Metallurgie und Chemie Erze: wie Gold, Eisenerze (Hämatit und andere); Spate etwa Flussspat und Schwerspat; Bleiglanz, Zinkblende; Salze: etwa Steinsalz, Kalisalze, Salpeter, Borate, Nitrate elementarer Schwefel GraphitEnergierohstoffeKohlenwasserstoffe Kernbrennstoffe Geothermie Kohle: Braunkohle, Steinkohle und Anthrazit, Torf, Sapropelkohle (Kaustobiolithe) Uran ErdwärmeEigenschaftsrohstoffeSteine und Erden darunter Industrieminerale und Massenrohstoffe, Edelsteine und Halbedelsteine: Industrieminerale etwa Kaolin (Tonerde), Glimmer, Asbest, Feldspat, Quarz und Quarzit, Graphit, Talk, Magnesit, Alaune, Vitriole Massenrohstoffe wie Kalkstein, Dolomit, Sand, Kies, Ton, Trass und Gips, Bentonit, Farberden, Phosphate, Kieselgur Edelsteine und Halbedelsteine z. B. Diamanten, Smaragde, Rubine, Granate, Bernstein
Die Produkte bilden oft eine eigenständige Produktgruppe wie beispielsweise die Edelmetalle (Produkte: Gold, Silber, Palladium und Platin). Metalle und Mineralien sind die umfangreichsten Produktgruppen. Die Weiterverarbeitung der Bergbau-Produkte erfolgt in Verarbeitungsstufen, die nicht mehr zum Bergbau gehören (Metallverarbeitung, Schmuckindustrie, chemische Industrie, Petrochemie).
Arten Je nachdem, wie tief die Bergbau-Produkte in der Erdkruste verborgen sind, unterscheidet man: (PDF; 244 kB) Tagebau ist der oberflächennahe Abbau mit einer Teufe (Tiefe) von weniger als 30 Metern wie beispielsweise der Tagebau Hambach für Braunkohle. Steinbruch (etwa die Marmorbrüche von Carrara), in Tongruben, Kiesgruben, Sandgruben, Torfstichen oder Kreidebrüchen, Schürfen von z. B. Gold, Mountaintop removal mining. Der Untertagebau erfordert Schächte und/oder Stollen, um das anstehende Gestein abbauen zu können. Je nach der Teufe gibt es den oberflächennahen Bergbau mit einer Teufe von bis zu 100 Metern und den tiefen Bergbau mit einer Teufe von mehr als 100 Metern. Die größte Teufe befindet sich mit 4000 Metern in den Goldminen der Western Deep Levels in Südafrika. Bohrlochbergbau: Rohstoffe werden durch Tiefbohrungen von über Tage gewonnen. Hierzu gehören die Erdöl- und Erdgasförderung sowie das Solen von Salzen im Salzbergbau. Sonderformen sind der Asteroidenbergbau und Meeresbodenbergbau.
Lagerstätten Ausmaß und Lage der Lagerstätten werden heute meist durch geophysikalische Exploration untersucht. Diese vorbereitende Tätigkeit wird häufig außerhalb des Bergbausektors, durch wissenschaftliche Einrichtungen und Behörden geleistet. Von der Vorgeschichte bis in die Neuzeit sind viele Lagerstätten – zum Beispiel Erzgänge – durch ihre Sichtbarkeit an der Erdoberfläche (Ausbisse) entdeckt worden. Eine künftig zunehmende Bedeutung wird der Abbau von Lagerstätten in der Tiefsee erhalten.
In Deutschland ist der Bergbau durch das Bundesberggesetz geregelt, in anderen Ländern durch vergleichbare Rechtsvorschriften. Die öffentliche Stelle, der die gesetzliche Kontrolle übertragen ist, heißt Bergamt, in Österreich Montanbehörde. In der Schweiz ist die bergrechtliche Zuständigkeit bei den Kantonen angesiedelt.
Geschichte Vor- und frühgeschichtlicher Bergbau Die älteste Form der Rohstoffgewinnung, die als Bergbau bezeichnet wird, geht auf die gelegentliche Nutzung von Feuersteinlagerstätten in der Steinzeit zurück. Kleine Arbeitstrupps begaben sich für einige Tage zu Feuersteinbergwerken, um Rohmaterial für die Herstellung von Geräten zu gewinnen. In steinzeitlichen Kulturen (Nordamerikas, Neuguinea) hielt sich diese Arbeitsweise zum Teil bis in die heutige Zeit. Auch die Ausbeutung mediterraner Obsidianlagerstätten gilt als das Werk von Gelegenheitsbergleuten. Eine der ältesten Belege des Montanwesens in Europa ist die Gewinnung von Rotocker am Plattensee vor 60.000 Jahren.Meisterwerke bergbaulicher Kunst, S. 14, Deutsches Bergbau-Museum (Selbstverlag), Bochum, 1990
Ein dauerhafter oder saisonaler Bergwerksbetrieb setzt eine Landwirtschaft mit Überschüssen und Handel voraus, da die Bergleute ernährt werden müssen, ohne selbst Nahrung produzieren zu können und selbst mehr Produkte erzeugen, als die Gemeinschaft verwerten kann. Die Voraussetzungen dafür waren in der Regel erst in der Kupfersteinzeit gegeben (Naqada-Kultur / Kupferbergwerke von Timna in Ägypten). Irans Kupferbergwerke sind bereits steinzeitlich und über 6500 Jahre alt. Die Blütezeit der zyprischen Gruben begann vor 4000 Jahren.
Wahrscheinlich gab es gegen 3000 v. Chr. schon Erzgruben in Indien und China. Ein auf 3000 v. Chr. datiertes Goldbergwerk ist in Georgien belegt. Um 2500 v. Chr. begann die Kupferförderung in Mitteldeutschland. Eisenerz wurde ab etwa 800 v. Chr. in den Alpen abgebaut. In Mitteldeutschland legt ein Ofen aus der La-Tène-Zeit in Wilnsdorf Zeugnis von Bergbau um 500 v. Chr. ab. Der Abbau von Steinkohle ist seit dem 9. Jahrhundert in England bekannt.
Feuersteinbergwerke
In Teilen Europas entdeckten Archäologen im weichen Kreideuntergrund Feuersteinbergwerke: in Großbritannien (Grimes Graves 2300–1700 v. Chr.), in Frankreich, Belgien und Holland (Rijckholt, ca. 4500–2500 v. Chr.), in Deutschland, Jütland und Polen.
Die prähistorischen Bergleute teuften bis zu 15 m tiefe Schächte in feuersteinführende Schichten ab und legten Strecken an. Als Werkzeuge dienten Hacken aus Hirschgeweih und Stein. Bei Obourg in Belgien wurde ein verunglückter prähistorischer Bergmann mit seiner Ausrüstung gefunden.
Erzbergwerke mini|Waschanlage in den Silberbergwerken von Laurion (Argileza) Den großen Bedarf der Hochkulturen des Nahen Ostens an Metallen deckten schon frühzeitig Bergwerke auch aus europäischen Orten, die vermutlich Prospektoren erschlossen hatten. Kupferbergwerke in Bulgarien und Jugoslawien wurden durch Keramikfunde in das 4. Jahrtausend vor Christus (v. Chr.) datiert. In Rudna Glava (Serbien) dringen vertikale Schächte 25 m tief in den Berg ein. Im ungarischen Kőszeg fanden Archäologen neben einem alten Kupferbergwerk eine Schmiede mit Metallbarren, Bronzeresten und Tondüsen von Blasebälgen, Toneinsätze für Formen, einen tönernen Schmelztiegel und über 50 steinerne Gussformen. Steinerne Gussformen und Geräte, die auf derartige Werkstätten deuten, kennt man auch von Špania Dolina (Slowakei), aus Großbritannien (Alderley Edge, Cheshire) und Irland (Mount Gabriel).
Das besterforschte Kupferbergbaugebiet Europas ist das von Mitterberg im Land Salzburg. Dort gab es im späten 2. Jahrtausend v. Chr. 32 Erzgruben. Nach Berechnungen müssen hier gleichzeitig 200 Bergleute, Hüttenarbeiter und Hilfskräfte tätig gewesen sein. Das Erz wurde aus der Grubenwand gelöst, indem das Gestein erhitzt und mit Wasser abgeschreckt wurde. Die bronzezeitlichen Schächte waren bis zu 100 m lang. Das Chalkopyrit-Erz wurde in Tragkörben aus dem Bergwerk geschafft. Für Luftzirkulation sorgten Schächte, die die übereinander liegenden Stollen miteinander verbanden. Leitern aus Baumstämmen mit Trittkerben ermöglichten den Bergleuten den Zugang zu den Stollen.
Die Kupfergruben der Iberischen Halbinsel wurden bereits 2500 v. Chr. durch eine kupferzeitliche Kultur erschlossen (Los Millares). Von hier verbreiteten die Glockenbecher-Leute metallurgische Kenntnisse in Europa.
Antiker Bergbau mini|Reste römischer Bleiminen in Charterhouse Im Altertum waren die Silberbergwerke von Laurion berühmt. Dort arbeiteten Sklaven für Athener Bürger. Die Römer beuteten die alten Gruben in Tartessos, in Britannien und Dakien (Rumänien) weiter aus und erschlossen neue in anderen Provinzen, so in Germanien in der Nordwesteifel, im Sauerland (Blei bei Brilon) oder Bergischen Land (auf dem Lüderich). Sie führten neue Techniken ein, z. B. Schöpfräder, um die Bergwerke zu entwässern, sowie Erzwaschanlagen. Siehe Laurion (Attika) Siehe Ruina montium Siehe Las Médulas (Hispania) Siehe Charterhouse (Britannien) Siehe Dolaucothi-Goldminen (Britannien) Siehe Roşia Montană (Rumänien)
Bergbau im Mittelalter mini|Darstellung des historischen Bergbaus auf dem Annaberger Bergaltar von 1522 (St. Annenkirche zu Annaberg) Die Blütezeit des mittelalterlichen Bergbaus in Zentraleuropa war das 13. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert ging er zurück, vor allem als mit der Großen Pest die Bevölkerung abnahm. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts stellte sich ein neuer Aufschwung ein.
Im europäischen Mittelalter wurden hauptsächlich Silber-, Kupfer-, Eisen-, Blei- und Zinnerze abgebaut.L. Suhling: Aufschließen, Gewinnen und Fördern – Geschichte des Bergbaus. 1983 (für alle Angaben zum Mittelalter). Auch der Salzbergbau war von Bedeutung. Eine recht wichtige Rolle als Bergherren spielten dabei auch die Klöster. Vielfach vermittelten die deutschen Bergleute ihr Fachwissen in weiter entfernten Regionen, beispielsweise in Frankreich (etwa Elsass, Vogesen), Ungarn, Italien (beispielsweise Kupfererz in der Toskana) und Schweden. Der Prozess verlief teilweise auch im Rahmen der deutschen Ostkolonisation. An schwedischen Bergwerken waren deutsche Bergbau-Unternehmer beteiligt.
Wichtige Abbaugebiete in der Habsburger Monarchie waren in Kärnten, der Steiermark, im Salzkammergut und in Tirol bis Trient. Der Schwazer Silberschatz wurde zum entscheidenden Faktor bei der Finanzierung der habsburgischen Weltreichpläne.
Die erste Bergordnung erließ 1185 der Bischof Albrecht von Trient. Das Bergregal war seit der Roncalischen Konstitution 1158 beim König, mit der Goldenen Bulle 1356 wechselte es zu den Kur- und später weiteren Landesfürsten. Sie enthielt auch eine bergrechtliche Rahmenordnung. Bergleute waren vom Kriegsdienst befreit und erhielten weitere Vergünstigungen wie die Freizügigkeit.