Die Anden ( bzw. ) in Südamerika sind mit etwa 9000 km Länge bzw. 7320 km maximaler Ausdehnung die längste (über dem Meeresspiegel befindliche) Gebirgskette der Erde und mit 100 Sechstausendern und 780 Fünftausendern mit einer Schartenhöhe über 400 mhttps://www.andes.org.uk/andes-information-files/peak-lists.asp das höchste Gebirge außerhalb Asiens. Sie bilden den Südteil der Amerikanischen Kordilleren, die in Mittelamerika orographisch unterbrochen sind.
An den Hängen der tropischen Anden liegen die beiden größten Zentren der biologischen Vielfalt der Erde. Die zentralen Anden bergen außerordentlich große Mengen an Erzen der verschiedensten Metalle. Um 3000 bis 2000 v. Chr. lag im tropischen West-Andenraum eines der vier großen Entstehungsgebiete der Landwirtschaft sowie die damit verbundene älteste amerikanische Stadtkultur von Caral in Peru. In der Folge entwickelten sich im Andenraum etliche Anden-Hochkulturen bis hin zum Inka-Reich. Der wichtigste Beitrag der Andenkulturen zur Weltgemeinschaft ist die Kartoffel. In den Anden liegen heute mit La Paz (Boliviens Regierungssitz, ), Quito (Ecuador, ), Sucre (Boliviens Hauptstadt, ) und Bogotá (Kolumbien, ) die vier höchstgelegenen Hauptstädte der Erde.
Geologisch setzen sich die Anden südlich Feuerlands in einem großen Bogen unter dem Meer fort, um als Antarctandes auf der Antarktischen Halbinsel wieder in Erscheinung zu treten.
Etymologie Im Allgemeinen wird die Bezeichnung Anden auf das spanische Wort (Kurzform ) zurückgeführt, womit die Feldbauterrassen der Andenhänge von den Konquistadoren bezeichnet wurden. Einige Etymologen führen dies weiter zurück auf Worte aus der indigenen Kichwa-Sprache: Diskutiert wird etwa das Wort , das entweder mit ‚hohes Gebirge‘ oder ‚Osten’ übersetzt wird. In diesem Zusammenhang steht auch der Name der Ostkordillere des Inka-Reiches sowie seine Bewohner, die genannt wurden. Schließlich wurde auch diskutiert, doch das Metall spielte in vorkulumbianischer Zeit keine wesentliche Rolle.Axel Borsdorf, Christoph Stadel: Die Anden: Ein geographisches Portrait. Berlin/Heidelberg 2013, S. 5–6.
Lage und Landschaft Die Anden erstrecken sich entlang der Westküste Südamerikas von Venezuela über Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Argentinien und Chile. Mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von 7400 Kilometern von den Tropen (bei 10° Nord) bis weit in die Außertropen (bei 55° Süd) übertreffen sie die Rocky Mountains Nordamerikas (max. 5100 km) um etwa die Hälfte und haben fast die doppelte Ausdehnung des Himalaya-Karakorum-Hindukusch-Systems in Asien mit seinen rund 3800 Kilometern. Im Süden und in Ecuador sind sie bis 200 km breit. Zwischen Arica (Chile) und Santa Cruz de la Sierra (Bolivien) beträgt die Ost-West-Ausdehnung über 600 Kilometer.
Durch ihre Höhe, ihre Länge und ihre Erstreckung in Nord-Süd-Richtung bieten die Anden ein gutes Beispiel für mehrere Arten des geographischen Formenwandels.
Allgemeine Gliederung mini|Cono de Arita, Salta (Argentinien), eine Sandstein-Formation. (spanisch)
Die Anden bestehen aus einer bis drei parallel verlaufenden Hauptketten. Im mittleren Abschnitt in Peru, Bolivien, Nordchile und Nordargentinien liegen diese Ketten sehr weit auseinander und umschließen das zentrale Hochland (Altiplano), worin der Titicaca-See eingebettet ist.
Im Vergleich zu den nordamerikanischen Kordilleren wirken die Anden auf physischen Karten einheitlich geschlossen. Tatsächlich herrscht jedoch eine große orographische, topographische und geomorphologische Formenvielfalt, die eine Unterteilung schwierig macht, sodass es etliche voneinander mehr oder weniger abweichende Entwürfe gibt. Zudem werden manche Benennungen (etwa Cordillera central oder Cordillera real) von Land zu Land ganz unterschiedlich verwendet und entsprechen nicht immer den Festlegungen der Geologen.
Eine weithin anerkannte Grobgliederung wurde 1978 von Tanner entworfen und von Borsdorf und Stadel 2013 nochmals angepasst. Die nebenstehende Karte und die folgende Gliederung beruht auf diesem Modell.
Nordanden
Obgleich die lithosphärische Cocosplatte den pazifischen Untergrund vor Mittelamerika bildet, verursachte ihre Ostwärtsbewegung auch die – deutlich jüngere – Auffaltung der Nordanden (siehe auch Physische Geographie Südamerikas#Die Nordanden), die heute zum größten Teil in Kolumbien und zu einem kleineren Teil in Venezuela liegen. Sie bestehen im Wesentlichen aus drei Ketten, die von zwei tiefen Grabenbrüchen voneinander getrennt sind.
Ausläufer und Küstengebirge Karibisches Küstengebirge (Venezuela) Cordillera del Chocó (Kolumbien und Panama) Westkordillere (ozeanische Kruste, Vulkanismus) Cordillera Occidental (Kolumbien) Zentralkordillere (Kristallinkomplex) Sierra Nevada de Santa Marta (Kolumbien) Serranía de San Lucas (Kolumbien) Cordillera Central (Kolumbien) Ostkordillere (Sedimentgesteine) Sierra de Perijá (Kolumbien, Venezuela) Cordillera de Mérida (Venezuela) Cordillera Oriental (Kolumbien)
Zentralanden Die Zentralanden (siehe auch Physische Geographie Südamerikas#Die Zentral-Anden) – mehr als zwei Drittel des gesamten Gebirgssystems und der zweitgrößte Gebirgsblock der Erde oberhalb der 2500-m-Höhenlinie – wurden direkt durch die Unterschiebung der Nazca-Platte angehoben, die im Westen Südamerikas bis zu 5000 km westwärts den Meeresboden des Pazifiks bildet. Sie reichen vom Gebirgsknoten Nudo de los Pastos an der nordecuadorianischen Grenze bis zum Golf von Ancud im Süden Chiles. Die Zentralanden – die prinzipiell außerordentlich erzreich sind (siehe Abschnitt Wirtschaft) – werden nach ihrer geomorphologischen und geologischen Struktur nochmals in drei Bereiche untergliedert:
Die nördlichen Zentralanden – die außer in Ecuador von drei Hauptketten gebildet werden – umfassen die gesamten Anden Ecuadors und fast ganz Perus bis zum Gebirgsknoten Nudo de Vilcanota am Nordrand des Altiplanos. Die Westkordillere fällt zum Pazifik hin sehr steil ab. Zwischen ihr und der Zentral- oder Ostkordillere befinden sich entweder quer verlaufende Gebirgsriegel (Cuestas) oder Becken (Cuencas).
Die mittleren Zentralanden werden in Süd-Peru von zwei und im Raum Bolivien, Nord-Chile und Nord-Argentinien von drei Ketten gebildet. Zwischen der West- und Ostkordillere liegt die Hochebene des Altiplanos. Der Übergang zu den südlichen Zentralanden wird in der Literatur sehr unterschiedlich festgelegt. Nach Borsdorf und Stadel markiert der chilenische Vulkan Llullaillaco das Südende des Altiplanos und damit auch der mittleren Zentralanden. Nach der Einteilung der Geographie Argentiniens befindet sich das Südende der Puna/Altiplano-Region etwa auf der Höhe des Vulkans Incahuasi.Nationale Universität Tucumán: Figura 9.4. Mapa de Provincias Geológicas del territorio argentino. Capítulo 9: Geología Regional Sudamericana. Auf: insugeo.org.ar; abgerufen am 10. September 2021.
Die südlichen Zentralanden – die sich über die gesamte Grenze Chiles und Argentiniens bis zum Beginn Patagoniens erstreckt – wird im Norden noch von drei Ketten und einem breiten Saum von Vorgebirgen gebildet, die oft nicht zu den eigentlichen Anden gerechnet werden, obwohl sie regional Hochgebirgscharakter haben. Etwa ab Santiago de Chile (nach Alonso et al. (2006) Grenzraum zwischen mittleren und südlichen Zentralanden)R. Alonso, Bodo Bookhagen, Barbara Carrapa, Isabelle Coutand, Michael Haschke, George Hilley, Lindsay Schoenbohm, Edward Sobel, Manfred Strecker, Martin Trauth, Arturo Villanueva: Tectonics, Climates, and Landscape Evolution of the Southern Central Andes: The Argentine Puna Plateau and adjacent Regions between 22 and 30º lat. In: The Andes: Active Subduction Orogeny. 2006, doi:10.1007/978-3-540-48684-8, Figur 12. zerfallen die Küstenkette und die östlichen Sierren weiter südwärts in mehrere einzelne Gebirge mit Mittelgebirgscharakter. Auch die „Westkordillere“, die hier als einzige Andenkette übrig geblieben ist, verliert vom über 6000 m hohen Aconcagua südwärts rapide an Höhe, um auf eine Strecke von rund 600 km bis zur Bucht von Ancud nur noch mit wenigen Gipfeln mehr als 3000 m zu erreichen.
Küsten-Vorgebirge (Mittelgebirge) Montes de Convento (Ecuador) Cordillera Costanera (Ecuador) Cordillera de la Costa (Chile) Westkordillere (Norden: erloschene und aktive Vulkane; Mitte: junge Vulkane; Süden: Vulkanismus, Andesit, Grabenbruch) Cordillera Occidental (Ecuador) Cordillera Occidental (Peru) Cordillera Occidental (Bolivien und Chile) Cordillera Frontal (Argentinien und Chile) Cordillera Principal (Argentinien und Chile) Zentralkordillere (Batholith) Cordillera Real (Ecuador) Cordillera Central (Peru) Altiplano-Hochbecken (Sedimentablagerungen) Altiplano (Peru, Bolivien) Puna (Argentinien) Ostkordillere (Norden: Kristallin; ab Mitte: Paläozoisch bis tertiär mit Vulkanismus) Cordillera de Cutucú (Ecuador) Cordillera Oriental (Peru) Cordillera Oriental (Bolivien) Cordillera Oriental (Argentinien) Precordillera Östliche Vorgebirge (Paläozoisch) Voranden (Bolivien) Sierras Subandinas (Argentinien) Sierras Pampeanas (Argentinien)
Südanden Die Südanden – ebenfalls Patagonische Kordillere oder Patagonische Anden genannt – (siehe auch Physische Geographie Südamerikas#Die Südanden) wurden durch die Antarktische Platte angehoben, die jedoch eine wesentlich geringere Tektonik aufweist. Sie bestehen aus einer Kette, der im Osten weitgestreckte, am Rand stark zerklüftete Hochebenen und im Westen mehrfach unterbrochene Küsten- beziehungsweise Insel-Kordilleren vorgelagert sind. Die eigentliche Andenkette zieht sich (mit einer Ausnahme im Bereich der Magellanstraße) auf beiden Seiten entlang der argentinisch-chilenischen Grenze ist in der Südhälfte mit zwei sehr großen Eisfeldern (Campo de Hielo Sur ca. 13.000 km² und der Campo de Hielo Norte ca. 3700 km²) außerordentlich stark vergletschert und erreicht mit dem Monte San Valentín im Norden des Campo de Hielo Norte eine maximale Höhe von 4058 m. Im Umfeld der Gletscher finden sich etliche Zungenbeckenseen sowie eine enorm stark gegliederte Schären- und Fjordküste. Die Patagonischen Anden sind vielfach sehr steil mit großen Höhenunterschieden. Dies hat „schnell fließendes“ Eis zur Folge, das wiederum zu bizarren Gletschertürmen, aber auch – in Verbindung mit wechselnden Witterungsverhältnissen und der Erosion – zu pittoresken Gipfelformen (etwa den berühmten Torres del Paine) – geführt hat.
Küsten-Vorgebirge (Paläozoisch) Cordillera Patagónica insular (West-)Andenkordillere (Mesozoisch, Batholithe, Lakkolithe, im Norden Vulkanismus) Patagonische Anden (Chile, Argentinien) Cordillera Darwin (Feuerland, Chile) Östliche Vorgebirge (Paläozoisch) Patagoniden (Argentinien)
mini|hochkant=1.5|Die Andenstaaten (von Norden nach Süden): Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, ChileArgentinien (hier nicht dargestellt) hat Anteile an der Ostabdachung
Entstehung der Anden mini|Video: Entstehung der Anden mini|Video: Vulkanismus in den Anden mini|Blick auf die Anden beim Landeanflug auf Santiago, Chile.
Die Anden gelten als Paradebeispiel für ein Gebirge über einer Ozean-Kontinent-Subduktionszone. Im Fall der Anden taucht ozeanische Lithosphäre der Nazca-Platte und in geringerem Umfang auch der Antarktischen Platte unter kontinentale Lithosphäre der Südamerikanischen Platte ab. Dort, wo die Nazca-Platte ihren Weg unter den Kontinentalblock antritt, befindet sich eine Tiefseerinne, die in den Perugraben (−6262 m) im Norden und den Atacamagraben (−8066 m) im Süden geteilt ist.
Subduktion der Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte