mini|Falco und Ursela Monn, 1986 Falco (* 19. Februar 1957 als Johann Hölzel in Wien; † 6. Februar 1998 nahe Puerto Plata, Dominikanische Republik) war ein österreichischer Musiker. Sein Titel Rock Me Amadeus erreichte als bis heute einziges deutschsprachiges Lied die Spitze der US-Billboard-Charts.

Leben Johann „Hans“ Hölzel kam 1957 in Wien als der einzige Überlebende von Drillingen zur Welt. Die beiden anderen Kinder hatte die Mutter im dritten Schwangerschaftsmonat verloren.

Sein Vater Alois Hölzel (* 29. April 1928; † 19. August 2019) stammte aus Niederösterreich und arbeitete als Werkmeister in einer Maschinenfabrik, seine Mutter Maria Hölzel, geborene Saurer, (* 15. November 1926; † 13. April 2014) kam aus Bad Tatzmannsdorf im Burgenland und war zum Zeitpunkt seiner Geburt Filialleiterin einer Wäscherei im 14. Wiener Gemeindebezirk Penzing; 1959 übernahm sie ein Lebensmittelgeschäft in der Ziegelofengasse, um das Einkommen der Familie aufzubessern.

Er wuchs als Einzelkind in einfachen Verhältnissen in der Ziegelofengasse 26 im 5. Wiener Gemeindebezirk Margareten auf.

Schon früh zeigte sich Hölzels ausgeprägtes musikalisches Talent. So lernte er schnell Schlager auswendig, die im Radio gespielt wurden. Zu seinem vierten Geburtstag bekam er einen Stutzflügel geschenkt, ein Jahr später einen Plattenspieler, auf dem er bevorzugt Elvis Presley, Cliff Richard und die Beatles hörte. Im Alter von fünf Jahren wurde ihm bei einem Vorspieltermin an der Wiener Musikakademie ein absolutes Gehör bescheinigt.

1963 wurde Johann Hölzel in die private römisch-katholische St. Thekla Volksschule der Piaristen in der Ziegelofengasse in Wien-Wieden, nur 400 Meter von seinem Elternhaus entfernt, eingeschult. Ab 1967 besuchte er das Rainergymnasium in Wien-Margareten. Wenig später verließ der Vater die Familie, so dass Hans Hölzel unter der Obhut seiner Mutter, seiner Großmutter und einer Nachbarin aufwuchs. In dieser Phase bildete sich ein inniges Verhältnis zur Mutter heraus, das bis zu seinem Tod anhielt. 1973 verließ er die Schule, nachdem er etliche Fehlstunden angehäuft hatte. Auf Drängen seiner Mutter begann er bei der damaligen Pensionsversicherungsanstalt als Manipulant zu arbeiten.

Im Alter von 17 Jahren meldete er sich freiwillig zum achtmonatigen Präsenzdienst beim Bundesheer. Mit Freunden gründete er die Band Umspannwerk. In dieser Zeit spielte er anfangs E-Gitarre und wechselte dann zu seinem Lieblingsinstrument, dem E-Bass. Anschließend schrieb er sich zunächst am Wiener Musikkonservatorium ein, brach das Studium jedoch nach einem Semester ab, um „ein richtiger Musiker“ zu werden.

Falcos Privatleben stand oft im Blickpunkt der Medien. Besonderes Interesse weckte die Schwangerschaft seiner späteren Ehefrau Isabella Vitkovic, die er zum Zeitpunkt der Zeugung kaum gekannt hatte und die im März 1986 im Beisein Falcos eine Tochter zur Welt brachte. Zwei Jahre später, im Juni 1988, heirateten die beiden in Las Vegas; die Ehe hielt nur ein knappes Jahr. Im Herbst 1993 ergab ein Vaterschaftstest, dass Falco nicht der leibliche Vater des Mädchens war. Der Kontakt zu ihr bestand aber weiter.

Von der Klatschpresse weiterhin verfolgt, zog sich Falco in die Dominikanische Republik zurück, wo er an seinem neuen Album arbeiten wollte. Falco dazu: mini|hochkant|Falcos Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof im Jahr 2006 Am 6. Februar 1998 starb Falco kurz vor seinem 41. Geburtstag bei einem Autounfall auf der Straße zwischen Villa Montellano und Puerto Plata in der Dominikanischen Republik. Bei der Ausfahrt vom Parkplatz einer Diskothek rammte ein Bus seinen Geländewagen; er war sofort tot. Bei der Obduktion wurden bei ihm ein Blutalkoholwert von 1,5 Promille und große Mengen an Kokain sowie etwas Marihuana nachgewiesen.

In Österreich wurde Falco im Beisein von über 4000 Menschen auf dem Wiener Zentralfriedhof in einem ehrenhalber gewidmeten Grab beerdigt. Sein Sarg wurde von Mitgliedern der Wiener Motorrad-Rocker Outsider Austria, die 1985 im Video zu Rock Me Amadeus mitgespielt hatten, zu Grabe getragen. Auch Jahre nach Falcos Tod ist sein Grab eine Pilgerstätte seiner Fans.

In der Folgezeit kam das Gerücht auf, Falco habe sich selbst getötet. Dies lag in erster Linie an der so interpretierten Textzeile „Muss ich denn sterben, um zu leben?“ aus dem Stück Out of the Dark; allerdings war das Lied bereits einige Jahre vor Falcos Tod entstanden und auch nicht von ihm geschrieben worden, sondern von Torsten Börger.

Musikalische Karriere Anfänge (1977–1980) Johann Hölzel zog für einige Monate nach West-Berlin, wo er als Jazz-Bassist in verschiedenen Clubs spielte und mit der Musikszene in Berührung kam. Im Fernsehen sah er beim Neujahrsspringen 1978 der Vierschanzentournee den „Falke“ genannten DDR-Skispringer Falko Weißpflog, der ihn beeindruckte. Hölzel beschloss, sich nach dem Sportler zu benennen; um eine bessere internationale Vermarktbarkeit zu erzielen, änderte er die Schreibweise des Namens zu Falco. Zunächst ließ er sich bei einigen Auftritten als Falco Gottehrer beziehungsweise Falco Stürmer ankündigen, doch fielen diese Zunamen nach kurzer Zeit wieder weg. Er äußerte sich mehrmals zu seinem Künstlernamen:

Zurück in Wien, trat Falco dem Ersten Wiener Musiktheater (später Hallucination Company) bei, einem avantgardistischen Rocktheater. Mit dieser Gruppe erzielte er erste Erfolge, die zunächst auf die Wiener Szene beschränkt waren. Im Jahresverlauf wechselte er zur politischen Anarcho-Band Drahdiwaberl. Parallel dazu war er ab 1979 auch Mitglied der Band Spinning Wheel, mit der er in „österreichischen Einkaufszentren hochprofessionell zum Tanz aufspielte“.

Als Bassist und gelegentlicher Sänger zeigte Falco neben seinem musikalischen Talent auch schon seine exaltierte Seite: Bei den Auftritten der „Chaotenband Drahdiwaberl“ schützte er seine Designerkleidung durch Plastiküberzüge vor Beschädigung. Sein selbst geschriebenes Stück Ganz Wien, das von der Band als Pausenfüller gedacht war, trug Falco 1980 als Sänger vor. Das Lied, das den Drogenkonsum in der Wiener Szene thematisierte, wurde zum Underground-Hit in der österreichischen Hauptstadt; der Hörfunk boykottierte es.

Im Mai 1979 produzierte Falco seine erste Single mit den Titeln Chance to Dance und Summer, die erst 28 Jahre später im Rahmen einer Werbeaktion für die Wiener Einkaufsstraßen in Form einer Reklame-CD veröffentlicht wurden. Die CD enthält sowohl die beiden Originalaufnahmen als auch jeweils einen mit zusätzlichen Gitarrenparts versehenen Remix sowie ein Interview mit dem Produzenten der Platte, René Reitz.

Die ersten Alben (1981–1984) Der Wiener Plattenunternehmer Markus Spiegel erkannte bei einem Konzert der Band Drahdiwaberl Falcos Talent und schloss mit ihm einen Vertrag über drei Solo-LPs ab; auch die Band wurde unter Vertrag genommen.

Als erstes erschien Mitte 1981 das Band-Studio-Album Psychoterror, auf dem auch die Nummer Ganz Wien zu finden ist. Im Herbst erschien die englische Version That Scene, Falcos Debütsingle, welche auch im Radio gespielt wurde und auf Platz 11 der Ö3-Hitparade kam.Ö3-Hitparade – 20. September 1981: 11 (neu). austriancharts.at/oe3_archiv Ö3-Hitparade – 27. September 1981: 13 (11). austriancharts.at/oe3_archiv Ö3-Hitparade– 4. Oktober 1981: 14 (13). austriancharts.at/oe3_archiv Ö3-Hitparade – 11. Oktober 1981: 15 (14). austriancharts.at/oe3_archiv Ö3-Hitparade – 18. Oktober 1981: 19 (15), austriancharts.at/oe3_archiv Ö3-Hitparade – 25. Oktober 1981: 19 (19) 6 Wo. austriancharts.at/oe3_archiv Ö3-Hitparade – 1. November 1981. austriancharts.at/oe3_archiv Weitere Veröffentlichungen dieses Liedes, nun wieder auf Deutsch, folgten auf seinem Debütalbum Einzelhaft und der Rückseite der dritten Single Maschine brennt.

Markus Spiegel brachte Falco mit dem Musikproduzenten und Soundmixer Robert Ponger zusammen, der im Sommer 1981 ein Lied für Reinhold Bilgeri komponiert hatte, dem es aber nicht gefiel – im Gegensatz zu Falco, der einen Text dazu schrieb. Zusammen produzierten sie den Titel Der Kommissar, der schnell zum Club-Hit aufstieg. Im Herbst 1981 wurde Der Kommissar veröffentlicht und bescherte Falco 1982 europaweit Toppositionen. Auch in Übersee verzeichnete die Single beachtliche Erfolge: In Kanada erhielt Falco für die Single Gold, in den USA schaffte er es mit dem Titel auf Platz 72. Falco war einer der wenigen Künstler, der mit einem deutschen Text in die US-Charts gelangte. Auch in Guatemala führte der Song die Hitparade an. Insgesamt wurde Der Kommissar weltweit etwa sieben Millionen Mal verkauft, so in Frankreich 750.000 Mal.

Mit der Produktion der Musikvideos zu den Singles entstand eine Zusammenarbeit zwischen Falco und den Regisseuren Hannes Rossacher und Rudi Dolezal (DoRo Produktion), die bis zu seinem Tod andauerte. Im selben Jahr erschien das dazugehörige Album Einzelhaft, das sich an die Spitze der österreichischen Charts setzte und weltweit rund eine dreiviertel Million Mal verkauft wurde.

Das zweite Album, Junge Roemer, das ebenfalls von Robert Ponger produziert wurde, erschien 1984. Obwohl das Album später als Falcos gelungenste Platte betrachtet wurde, blieben die Verkaufszahlen deutlich hinter den hohen Erwartungen zurück, die der Vorgänger Einzelhaft geweckt hatte: 120.000 Mal wurde die Platte in Deutschland verkauft, in Österreich erhielt Falco für die erreichten Verkaufszahlen eine Goldene Schallplatte. Um den Plattenverkauf zu steigern, nahm Falco den Song Kann es Liebe sein im Duett mit Désirée Nosbusch neu auf, doch auch dies war nicht sehr erfolgreich. Junge Roemer war das erste Album, das vollständig verfilmt wurde; gedreht wurde in verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten, unter anderem im Chelsea Hotel. Dort wurde No Answer mit dem österreichischen Fotomodell Brigitta Cimarolli gedreht. Unter dem Titel Falco – Helden von heute wurde der Film 1984 in der ORF-Reihe Helden von heute ausgestrahlt.

Internationaler Durchbruch (1985–1987) mini|Albumcover zur LP Falco 3 Nach dem kommerziellen Misserfolg mit Junge Roemer wechselte Falco 1985 von Robert Ponger zum niederländischen Produzenten-Duo Bolland & Bolland. Zunächst produzierte er mit den Brüdern das Album Falco 3. Beeinflusst von Miloš Formans Kinofilm Amadeus und zahlreichen neu erschienenen Mozart-Biografien entstand Rock Me Amadeus, das sein größter Hit wurde. Nachdem der Song bereits zahlreiche Toppositionen in Europa erreicht hatte, stieg er Anfang 1986 in die Top Ten der US-amerikanischen Singlecharts ein und belegte dort schließlich ab dem 20. März 1986 für drei Wochen Platz eins, was zuvor keinem anderen deutschsprachigen Titel gelungen war.

Gleichzeitig erreichte das Album Falco 3 Platz 3 der Billboard 200. Rock Me Amadeus wurde wenige Wochen später auch in Großbritannien auf dem 1. Platz gelistet. Der unerwartete Erfolg hatte für ihn auch Schattenseiten, denn die eigene Messlatte war damit sehr hoch gelegt, und er hegte Zweifel, ob er an diesen Erfolg noch einmal anknüpfen könne oder die Spitze des Ruhms damit erreicht sei.Vgl.: Hans Mahr in der Dokumentation Hoch wie nie: !

Im deutschsprachigen Raum gab es eine heftige Kontroverse über das Lied Jeanny, das nach Rock Me Amadeus und Vienna Calling veröffentlicht worden war. Mit der Ausstrahlung des dazugehörigen Videos im Fernsehen brach ein Streit über den Inhalt des Stücks aus. Viele Sendeanstalten verweigerten das Abspielen, weil Jeanny ihrer Meinung nach eine Gewalttat nicht nur beschrieb, sondern sogar verherrlichte. Die Boykotte konnten den Erfolg nicht schmälern: In Deutschland belegte Jeanny Anfang 1986 acht Wochen lang Platz 1 in den Charts und wurde die meistverkaufte Single des Jahres.