Als Empfängnisverhütung, Kontrazeption, Antikonzeption oder Konzeptionsschutz werden Methoden bezeichnet, die die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis und Schwangerschaft infolge von Vaginalverkehr verringern. Die Empfängnisverhütung ist ein wesentlicher Bestandteil der Familienplanung. Besonders verbreitet sind heute die Antibabypille und das Kondom.

Schon im Altertum wurde von Geschlechtspartnern ohne Kinderwunsch auf vielfältige Weise versucht, die Chance einer Empfängnis zu mindern, aber erst seit dem 20. Jahrhundert stehen sicherere und verlässlichere Methoden zur Verfügung.

Methoden Empfängnisverhütung beruht auf einer der folgenden Methoden oder einer Kombination hieraus: Verhinderung des Eisprungs, also der Entstehung einer befruchtungsfähigen Eizelle (Ovulationshemmung) Verhinderung des Zusammentreffens der weiblichen Eizelle mit fruchtbaren Spermien Verhinderung der Einnistung einer befruchteten Eizelle (Blastozyste) in die Gebärmutterschleimhaut (Nidationshemmung)

Der Eisprung kann derzeit nur durch hormonelle Methoden verhindert werden, die Nidation durch Intrauterinpessare (Spirale, Gynefix). Die meisten Methoden verhindern das Zusammentreffen von Eizelle und Spermien auf unterschiedlichste Weise.

Pearl-Index Zur Beurteilung der Sicherheit der verschiedenen Methoden dient der Pearl-Index. Er gibt an, wie viele von 100 Frauen im statistischen Mittel schwanger werden, wenn sie über ein Jahr hinweg mit der angegebenen Methode verhüten und regelmäßig Geschlechtsverkehr vollziehen. Je niedriger der Pearl-Index ist, desto sicherer ist die Methode.

Bei regelmäßigem Geschlechtsverkehr ohne jegliche Form der Empfängnisverhütung beträgt der Pearl-Index altersabhängig etwa 92 bei 19–26-jährigen Frauen, 86–87 für Frauen zwischen 27 und 34 Jahren und 82 für Frauen zwischen 35 und 39 Jahren. Ab einem Alter von 50 Jahren setzt die Fruchtbarkeit mit der Menopause aus.

Methodensicherheit und Anwendungssicherheit Die Sicherheit der meisten Methoden hängt ganz entscheidend von der richtigen Anwendung ab. Ursache des Versagens von Verhütungsmethoden sind meist Anwendungsfehler. Daher sind Methodensicherheit, also das Versagen trotz optimaler Anwendung, und Anwendungssicherheit, also die praxisnahe Berücksichtigung von Anwendungsfehlern, bei den meisten Methoden deutlich verschieden.

Natürliche Methoden Bei den sogenannten natürlichen Methoden der Empfängnisregelung, auch natürliche Familienplanung oder natürliche Empfängnisregelung genannt, werden die fruchtbaren Tage im Menstruationszyklus der Frau bestimmt, um während der unfruchtbaren Tage Geschlechtsverkehr ohne weitere Maßnahmen ausüben zu können. Bei der Bestimmung der fruchtbaren Tage muss die Lebensdauer der Spermien in den Eileitern der Frau berücksichtigt werden. Während der fruchtbaren Tage wird entweder Enthaltsamkeit (Abstinenz) geübt oder es werden andere Verhütungsmethoden angewendet, deren Sicherheit dann separat zu betrachten ist.

Die natürlichen Methoden orientieren sich meist am Menstruationszyklus der Frau, da ein gesunder, zeugungsfähiger Mann prinzipiell immer fruchtbar ist, außer z. B. nach einer RISUG-Behandlung. Eine weitere Methode, bei der weder Hormone noch chemische oder mechanische Hindernisse eine Vereinigung von Eizelle und Spermium verhindern, die ein Mann aktiv ausüben kann, ist der Coitus interruptus, der jedoch in Bezug auf die Verhütung einer Empfängnis als extrem unsicher gilt. Hingegen kann im Rahmen sexueller Aktivitäten durch komplette Vermeidung von Vaginalverkehr und Ausübung anderer Praktiken wie Cunnilingus und Fellatio verhindert werden, dass Spermien in die Vagina gelangen.

Zur Verhütung bei Vaginalverkehr können die Hormonmessung, Temperaturmethode, Billings-Methode und die kombinierte symptothermale Methode durch Verhütungscomputer in der Anwendung und Interpretation der Ergebnisse unterstützt werden. Es gibt auch Programme und Online-Angebote, die eine Erfassung und automatische Auswertung der Messwerte auf Computern ermöglichen.

Eine zweite Schwangerschaft während einer bereits bestehenden Schwangerschaft – eine sogenannte Superfötation – ist beim Menschen höchst selten. Daher ist eine Verhütung in dieser Zeit prinzipiell nicht notwendig, sofern die Schwangerschaft normal verläuft und keine Infektionsgefahr durch sexuell übertragbare Krankheiten besteht. Probleme bereiten allenfalls der veränderte Hormonhaushalt der Frau sowie der wachsende Bauch.

Methode Beschreibung Pearl-IndexHormon-MessungMessung der am Zyklus beteiligten Hormone mittels Teststreifen im morgendlichen Urin der Frau zur Bestimmung des Eisprungs5–6 pro familiaTemperaturmethodeBeobachtung der morgendlichen Basaltemperatur zwecks Bestimmung der Ovulation0,8–3Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), 2004, (derzeit in Überarbeitung).Billings-MethodeBeobachtung der Beschaffenheit des Zervikalschleims zur Bestimmung des Ovulationszeitpunktes5–15Symptothermale MethodeKombinierte Auswertung von Temperatur und Schleim nach den Regeln der Arbeitsgruppe NFP0,26–2,2Kalendermethode nach Knaus-Ogino oder mittels GeburtenkontrollketteKalendermethode, die die typischerweise fruchtbaren Tage aus dem Zyklus abschätzt; wird in der Dritten Welt in Form der Geburtenkontrollkette verwendet5–9Coitus interruptusDer Samenerguss des Mannes erfolgt außerhalb der Vagina. Die Unsicherheit der Methode hat zwei Gründe, erstens ein zu spätes Zurückziehen des Penis, zweitens kann auch bei frühzeitigem Zurückziehen schon durch das Präejakulat eine Schwangerschaft eintreten.4–18LAM (Stillinfertilität)Bei der Laktationsamenorrhö-Methode (LAM) während der Stillzeit (1 bis 6 Monate nach der Geburt) wirkt das Hormon Prolaktin als Ovulationshemmer2Labbock u. a., 1997.G. Freundl, P. Frank-Herrmann, U. Sottong. In: Frauenarzt. 1994, 35, S. 1198–1204.

Mechanische Methoden Die mechanischen Methoden beruhen darauf, dass das Eintreten von Spermien in die Gebärmutter verhindert wird und somit keine Spermien die befruchtungsfähige Eizelle erreichen.

MethodeBeschreibungPearl-IndexFür den Mann:KondomHülle, meist aus Latex, die über den erigierten Penis abgerollt wird2–127–14Pfleidere, Breckwoldt, Martius: Gynäkologie und Geburtshilfe. 3. Auflage. 2001.Für die Frau:Femidom„Kondom für die Frau“5–25Diaphragma(Scheidenpessar)Barriere im Scheidengewölbe; Schutz sehr erfahrungsabhängig, höhere Sicherheit in Kombination mit Spermiziden1–20Portiokappeaus Latex oder Silikon, Verschluss des Gebärmutterhalses, höhere Sicherheit in Kombination mit Spermiziden6Verhütungsschwammkleiner Schwamm aus Polyurethanschaum, der mit einem Spermizid getränkt ist; wird vor dem Verkehr in die Scheide eingeführt und vor dem Muttermund platziert5–10Verhütungsschwamm. medhost.deLEA contraceptivumBarriereverhütungsmittel, sicherer in Kombination mit Spermizid (Sicherheit wird durch Hersteller als wesentlich besser angegeben als durch FDA)2–3 (Herst.)>15Summary of safety and effectiveness data. (PDF; 925 kB) accessdata.fda.gov, S. 16. (FDA)

Ein Scheidendiaphragma wird durch Zusammendrücken so geformt, dass die Frau es mit dem Zeigefinger ganz einführen kann. Die Vagina ist im Ruhezustand nur etwa so lang wie ein Finger, so dass es möglich ist, das Diaphragma über den äußeren Muttermund zu stülpen und es Stunden nach dem Intimverkehr selbst wieder herauszuziehen.

Kondom und Femidom sind derzeit die einzigen Verhütungsmittel, die auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie zum Beispiel HIV-Infektionen (AIDS), Gonorrhoe oder Syphilis schützen und deshalb unabhängig von anderen Verhütungsmitteln zusätzlich verwendet werden sollten, wenn diesbezüglich ein Schutzbedürfnis besteht.

Hormonelle Methoden Pille für die Frau Für die hormonelle Kontrazeption bei der Frau werden Östrogene und Gestagene eingesetzt, und zwar jeweils die synthetischen Analoga der natürlichen Hormone, da diese in deutlich geringerer Dosis und mit weniger Nebenwirkungen die kontrazeptive Wirkung erreichen.

Kombinationspillen enthalten ein Östrogen und ein Gestagen. Bei der heute überwiegend eingesetzten Mikropille wird bei fast allen auf dem Markt verfügbaren Präparaten Ethinylestradiol als Östrogen verwendet. Je nach verwendetem Gestagen unterscheidet man bei Mikropillen zwischen der als veraltet geltenden 1. Generation mit Norethisteron oder Lynestrenol, der auch heute noch weit verbreiteten 2. Generation mit Levonorgestrel, der 3. Generation mit Desogestrel, Gestoden oder Norgestimat und der 4. Generation z. B. mit Dienogest, Drospirenon, Chlormadinonacetat oder Cyproteronacetat. Das Thromboserisiko ist dabei für Mikropillen der dritten und vierten Generation höher als für Mikropillen der zweiten Generation.Annika Joeres: rombose-Risiko: Die Pille der Unvernunft. In: Die Zeit, Nr. 5/2013 Das primäre Wirkprinzip aller Mikropillen ist die Verhinderung des Eisprungs (Ovulationshemmung). Zudem verändern sie die Konsistenz des Schleimpfropfes des Muttermunds (Zervixschleim), so dass die Passage von Spermien erschwert wird.

Im Gegensatz zu Kombinationspillen enthält die Minipille als Monopräparat nur ein Gestagen. Herkömmliche Minipillen enthalten als Wirkstoff Levonorgestrel und wirken nur auf die Gebärmutterschleimhaut und den Zervixschleim, wodurch der Pearl-Index signifikant höher als bei der Mikropille ist. Die sogenannte Desogestrel enthält den Wirkstoff Desogestrel und verhindert überdies auch zuverlässig den Eisprung, wodurch ein Pearl-Index vergleichbar der Mikropille erreicht wird.

Die Pille danach ist zur Notfall-Kontrazeption geeignet, falls ungeschützter Geschlechtsverkehr vollzogen wurde, aber eine Empfängnis unerwünscht ist. Die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis wird umso wirkungsvoller gesenkt, je früher sie nach dem ungeschützten Verkehr eingenommen wird. Primäres Wirkprinzip der Pille danach ist die Ovulationshemmung, eventuell besteht zusätzlich auch ein nidationshemmender Effekt. Vor allem Notfall-Kontrazeptionen mit dem Wirkstoff Levonorgestrel sind bei adipösen Frauen weniger gut wirksam, bis zu viermal häufiger kommt es trotz Pille danach zu einer Schwangerschaft. Auch Kontrazeptionen mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat zeigen bei adipösen Frauen eine verminderte Wirksamkeit.Anna Glasier, Sharon T. Cameron, Diana Blithe, Bruno Scherrer, Henri Mathe, Delphine Levy, Erin Gainer, Andre Ulmann: Can we identify women at risk of pregnancy despite using emergency contraception? Data from randomized trials of ulipristal acetate and levonorgestrel. In: Contraception. 84, 2011, S. 363–367, doi:10.1016/j.contraception.2011.02.009. Eine wirkungsvollere Alternative für Patientinnen mit einem BMI über 25 könnte die nachträgliche Implantation eines Kupfer-Intrauterinpessares darstellen.

MethodeBeschreibungPearl-IndexAntibabypille, MikropilleÖstrogen und Gestagen, primär Ovulationshemmung, zudem Veränderung des Zervixschleims und der Gebärmutterschleimhaut0,1–0,9 (bei idealer Anwendung) 1–12 (Praxiswert bei typischer AnwendungJames Trussell: Contraceptive Efficacy. In: Robert A. Hatcher et al.: Contraceptive Technology. 19th rev. ed. Ardent Media, New York 2007, ISBN 0-9664902-0-7.)MinipilleLevonorgestrel als Gestagen (28 mini, Microlut, Mikro-30 Wyeth) Veränderung des Zervixschleims und der Gebärmutterschleimhaut4,1Fachinformation des Herstellers Jenapharm zur 28 mini, Stand März 2011.Fachinformation des Herstellers Bayer zur Microlut, Stand Juli 2007.DesogestrelDesogestrel als Gestagen (Cerazette) Ovulationshemmung, Veränderung des Zervixschleims und der Gebärmutterschleimhaut0,4Fachinformation des Herstellers Essex-Pharma der Cerazette, Stand Juni 2009.DreimonatsspritzeMedroxyprogesteron (Depo-Clinovir) Norethisteron (Noristerat)0,3Fachinformation des Herstellers Pfizer zu Depo-Clinovir Injektionssuspension, Stand November 2011.