mini|Schematische Darstellung der inneren weiblichen Geschlechtsorgane des Menschen: Gebärmutter (Uterus) mit Gebärmutterhals (Zervix), oben Eileiter und Eierstöcke (Ovarien), unten Vagina
Die GebärmutterÄltere Form: Bärmutter. Vergleiche Hermann Paul et al.: Deutsches Wörterbuch. Bedeutungsgeschichte und Aufbau unseres Wortschatzes. Band 10, überarbeitete Auflage, Niemeyer, Tübingen 2002, ISBN 978-3-484-73057-1, S. 374. oder lateinisch der Uterus (lateinisch auch matrix; griechisch mḗtra, hystéra, delphýs; mittelhochdeutsch bërmuoter und kurz muoterKarl-Wilhelm Grabert: Die Nomina anatomica bei den deutschen Wundärzten Hieronymus Brunschwig und Hans von Gersdorff, ihre Beziehungen zu Guy de Chauliac und ihr Verhältnis zu den Jenenser Nomina anatomica des Jahres 1935. Ein Beitrag zur Geschichte der anatomischen Nomenklatur […]. Medizinische Dissertation Leipzig 1943, S. 240 („muter der frawen“: Uterus). oder muterGundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 426 (muter: für mittellateinisch matrix, in „muter der weib“).) ist der Teil der inneren weiblichen Geschlechtsorgane (Genitalien), in dem sich nach einer Befruchtung die embryonalen Frühstadien als Blastozysten einnisten, worin sie als Embryonen und Föten von der Plazenta ernährt werden und sich bis zur Geburtsreife entwickeln.Pschyrembel (Medizinisches Wörterbuch): . Auf: Pschyrembel online, zuletzt abgerufen am 28. Februar 2023. Die Befruchtung der haploiden Eizelle zur diploiden Zygote hatte bereits im Eileiter stattgefunden.
Die Gebärmutter reicht vom äußeren Muttermund bis zur Öffnung zum Eileiter und gliedert sich in einen Gebärmutterkörper mit dem nach oben zeigenden Gebärmuttergrund (Fundus uteri, dem größten Teil der Gebärmutter) sowie dem nach unten gerichteten Gebärmutterhals, letztere beide sind durch die Gebärmutterenge (Isthmus uteri) verbunden bzw. gegeneinander abgesetzt. Ihre ausgeprägte Schicht aus glatter Muskulatur wird besonders bei der Wehentätigkeit vor und während der Geburt eines Kindes aktiv.
Alle weiblichen Säugetiere sowie zahlreiche weitere lebendgebärende (vivipare) Wirbeltiere besitzen paarige oder unpaare Uteri.
Der Fachbegriff intrauterin bedeutet „innerhalb der Gebärmutter“. Das Gegenteil ist extrauterin.
Anatomie Geschichte mini|Schematischer Aufbau der Gebärmutter
In Platons Timaios ist die Gebärmutter ein „Lebewesen, das nach der Kinderzeugung begehrt“ und beim Ausbleiben dieses Verlangens „im Körper umherirrt“.Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte aus den medizinischen Schriften der Griechen und Römer. Philipp Reclam jun., Leipzig 1979 (= Reclams Universal-Bibliothek. Band 771); 6. Auflage ebenda 1989, ISBN 3-379-00411-1, 199, Anm. 1. Ausführlicher, wenn auch nicht anatomisch korrekt, beschrieben wurde die Gebärmutter erstmals von Galenos.Diethard Nickel (Hrsg. und Übers.): Galen: Über die Anatomie der Gebärmutter (= Corpus medicorum Graecorum. Band 5. 2. 1). Akademie-Verlag, Berlin 1971 (zugleich: Dissertation, Humboldt-Universität 1968). Galen beschrieb eine zweigeteilte Gebärmutter, die rechts wärmer als links sein sollte und humoralpathologisch, wie bereits bei Parmenides und in den hippokratischen Schriften als These zu finden ist,Hermann Grensemann: Der Arzt Polybos als Verfasser hippokratischer Schriften (= Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Abhandlungen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse. Jahrgang 1968, Nr. 2). Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz (In Kommission bei Steiner, Wiesbaden), Mainz 1968, S. 91–94: Empedokleischer Einfluß, hier: S. 94. die Erklärung für die Entstehung männlicher Nachkommen in der rechten Uteruskammer lieferte.Bernhard D. Haage: Die heilkundige Frau in Dichtung und Realität des deutschen Mittelalters. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 11, 1993, S. 107–132, hier: S. 116 f. Vom 12. bis 15. Jahrhundert verbreitete sich die scholastische Vorstellung von einer siebenkammerigen Gebärmutter,Fridolf Kudlien: The seven cells of the uterus: the doctrine and its roots. In: Bulletin of the History of Medicine. Band 39, 1965, S. 415–423. wie sie etwa im Lucidarius des 12. Jahrhunderts (und daraus übernommen im Speyrer Frauenbüchlein von 1460Roland Siegmund: Das ‚Speyrer Frauenbüchlein‘. Medizinische Dissertation, Universität Würzburg 1990, Kapitel 76.) erwähnt wird.Robert Reisert: Der siebenkammerige Uterus. Studien zur mittelalterlichen Wirkungsgeschichte und Entfaltung eines embryologischen Gebärmuttermodells. (Medizinische Dissertation Würzburg). Pattensen bei Hann. 1986, jetzt: Königshausen & Neumann, Würzburg (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 39).Christine Boot: Neufunde zum „siebenkammerigen Uterus“. In: Sudhoffs Archiv. Band 71, 1987, S. 233–236.
Bau und Lage mini| mini|Sagittalebene: Gebärmutter (Uterus) zwischen den benachbarten Organen Harnblase (Bladder) und Mastdarm (Rectum). mini|hochkant=1.4|1. Anteversion und Anteflexion; 2. Anteversion mit starker Anteflexion; 3. Anteversion, Verschiebung der Portio nach dorsal; 4. Retroversion; 5. Retroversion mit Retroflexion.
Die Gebärmutter ist ein birnenförmiges Hohlorgan. Sie ist beim Menschen ca. sieben Zentimeter lang, fünf Zentimeter breit, die Wandung ist zwei bis drei Zentimeter dick. Das Organ wiegt 30 bis 120 Gramm, Größe und Gewicht können jedoch erheblich schwanken. Die Gebärmutter besteht aus drei Teilen: Der unterste Teil ist der Gebärmutterhals (Cervix uteri); ihm schließt sich der Isthmus und der eigentliche Gebärmutterkörper (Corpus uteri) an. Der Gebärmutterhals umgibt den Gebärmutterhalskanal (Canalis cervicis), der mit dem äußeren Muttermund (Ostium uteri externum) beginnt und mit dem inneren Muttermund (Ostium anatomicum uteri internum) endet. Der äußere Muttermund befindet sich an dem Teil des Gebärmutterhalses, der sich in die Scheide (Vagina) vorwölbt, dem Scheidenanteil des Gebärmutterhalses (Portio vaginalis uteri, oder kurz Portio). Den Teil des Gebärmutterhalses, der über dem Scheidenanteil sitzt, wird dagegen Portio supravaginalis uteri (deutsch etwa: Gebärmutteranteil über der Scheide) genannt. An dessen Ende befindet sich der innere Muttermund, der mit einem Durchmesser von zwei bis drei Millimeter die engste Stelle im Gebärmutterhalskanal ist. Der Gebärmutterhals ist dann über eine ebenfalls sehr enge Übergangszone mit dem Gebärmutterkörper verbunden. Diese Übergangszone heißt Isthmus uteri und wird eigentlich noch zum Gebärmutterhals gerechnet. Der Isthmus ist ca. fünf bis zehn Millimeter lang und umgibt in seinem Inneren den Isthmus-Kanal (Canalis isthmi). Der sich anschließende Gebärmutterkörper stellt mit zwei Dritteln den größten Teil der Gebärmutter dar. Das Lumen (Inneres) des Gebärmutterkörpers (Cavitas uteri) ist von vorne betrachtet etwa dreieckig mit zwei seitlichen Rändern (Margo uteri). Nach oben seitlich geht der Gebärmutterkörper in die Eileiter über und nach oben endet er mit der Gebärmutterkuppe (Fundus uteri). Der von der Seite betrachtete Uteruskörper ähnelt nur einem schmalen Spalt, da sich seine Vorder- und Hinterwand (Facies anterior und Facies posterior) aneinander legen.Gerhard Aumüller u. a.: Anatomie Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-136042-7, S. 719 f.
Die Vorderwand der Gebärmutter liegt auf der benachbarten (nach bauchwärts liegenden) Harnblase, während die Hinterwand zum Mastdarm zeigt. Da das Bauchfell (Peritoneum) alle drei Organe überzieht, bilden sich bedingt durch die Lage der Organe zwei Bauchfellgruben: Eine zwischen Harnblase und Gebärmutter (Excavatio vesicouterina) und eine zwischen Gebärmutter und Mastdarm (Excavatio rectouterina). Die Grube zwischen Mastdarm und Gebärmutter wird auch als Douglas-Raum bezeichnet und bildet den tiefsten Raum der Bauchhöhle der Frau.Gerhard Aumüller u. a.: Anatomie. Stuttgart 2010, S. 721. Die Lage und Form der Gebärmutter werden durch folgende Begriffe gekennzeichnet:
Der von Gebärmutterhals (Zervixachse) und Vagina gebildete Winkel: Versio uteri (in der Anatomie manchmal auch mit Bezugnahme auf die vertikale Körperachse). Der Gebärmutterhals ist gegenüber der Vagina bzw. der vertikalen Körperachse bei den meisten Frauen nach vorn geneigt (Anteversio). Nur bei etwa einem Fünftel der Frauen liegt eine Rückwärtsneigung vor, diese bezeichnet man als Retroversion des Uterus.Pschyrembel: Versio uteri. Pschyrembel online, zuletzt abgerufen am 28. Februar 2023. Der von Gebärmutterhals und Gebärmutterachse gebildete Winkel: Flexio uteri. Bei den meisten Frauen ist der Gebärmutterkörper gegenüber dem Gebärmutterhals leicht nach vorn gebogen (Anteflexio uteri).Pschyrembel: Flexio uteri. Pschyrembel online, zuletzt abgerufen am 28. Februar 2023.Winkel des Gebärmutterkörpers gegenüber dem Gebärmutterhals (Flexio) Als Retroflexio uteri wird ein rückwärts gebeugter Uterus bezeichnet, der entweder beweglich oder infolge einer Erkrankung fixiert sein kann.Schematische Darstellung von Ante- und Retroflexion der Gebärmutter Lage der Portio im Becken (Positio): Die Portio vaginalis uteri befindet sich normalerweise in einer Ebene zwischen den beiden Sitzbeindornen (Interspinalebene) und in der Mitte des Beckens. Die genaue Lage der Gebärmutter variiert jedoch je nach Füllungszustand der umgebenden Organe, also Harnblase und Mastdarm.Gerhard Aumüller u. a.: Anatomie. Stuttgart 2010, S. 720.Giorgi Cremonini, Ruby Martinello: Pelvic Floor Pathology. Department of Obstetrics and Gynaecology. University Hospital of Ferrara, Italy. Head of Department: Prof Pantaleo Greco
Befestigungen der Gebärmutter mini|Gebärmutter mit anhängenden Eileitern und Eierstöcken
Die Gebärmutter wird über eine frontale Platte aus Bindegewebe, das Parametrium, am Becken verankert. Das Parametrium zieht dazu von den seitlichen Rändern der Gebärmutter – an den Abschnitten Portio supravaginalis uteri bis zur Gebärmutterkuppe (Fundus uteri) – zur seitlichen Beckenwand und ist wie die Gebärmutter selbst nach vorne gekrümmt. Nach unten (kaudal) geht sie in das Bindegewebe neben dem Gebärmutterhals (Parazervix) und weiter nach unten in das Bindegewebe neben der Scheide (Parakolpium) über. Das Parametrium ist besonders an seinem oberen, freien Ende von Bauchfell umgeben; dieser von Bauchfell umgebenen Teil wird als breites Gebärmutterband (Ligamentum latum uteri) bezeichnet. Da diese Bauchfellduplikaturen aber auch als Mesenterien heißen, erhielt der von Bauchfell überzogene Teil des Parametriums den Namen Mesometrium. Ebenso heißen Bindegewebszüge, die vom Parametrium zu Tube und Eierstöcken ziehen, Mesosalpinx und Mesovarium.Gerhard Aumüller u. a.: Anatomie. Stuttgart 2010, S. 721 f.