Korsika (, und ) ist die nach Sizilien, Sardinien und Zypern viertgrößte Insel im Mittelmeer. Sie besteht zu einem großen Teil aus einem Hochgebirge und liegt westlich der Apenninhalbinsel, nördlich von Sardinien und südöstlich der Côte d’Azur. Die Insel ist eine französische Gebietskörperschaft mit Sonderstatus. Sie gehört seit 1768 zu Frankreich, liegt jedoch näher an Italien als am französischen Festland. Neben dem Französischen wird auf Korsika noch Korsisch, eine dem Italienischen engverwandte romanische Varietät, gesprochen. Brauchtum und Küche weisen ebenfalls teilweise auf die Nähe Italiens hin.
Korsika hat eine Fläche von 8.760 km² und Einwohner (Stand ). Hauptstadt und Verwaltungssitz ist die Hafenstadt Ajaccio. Weitere größere Städte am Meer sind Bastia und Calvi sowie im Inselinneren die Universitätsstadt Corte. Korsika wird, zurückgehend auf die altgriechische Bezeichnung Kalliste (,die Schönste‘), auch als Île de Beauté (‚Insel der Schönheit‘) bezeichnet.
Geografie mini|hochkant|NASA-Satellitenbild Korsikas Korsika ragt als Gebirgslandschaft stellenweise aus 2500 m Meerestiefe empor. 24 km von der Westküste entfernt erreicht die Insel im Massiv des Monte Cinto (2706 m) ihre höchste Erhebung. Die Geländemorphologie ermöglicht zahlreiche Ausblicke und gab Korsika den Beinamen „Gebirge im Meer“. Wegen der vielen Buchten, insbesondere auf der Westseite der Insel, hat Korsika eine über 1000 km lange Küste. Ein Drittel davon besteht aus Stränden, der Rest ist felsig.
Lage Korsika liegt zwischen 43° 01′ und 41° 22′ nördlicher Breite und 9° 34′ und 8° 33′ östlicher Länge. Die Insel wird im Norden vom Ligurischen Meer, im Osten und Süden vom Tyrrhenischen Meer und im Westen vom westlichen Mittelmeer begrenzt. Von Norden (Cap Corse) bis Süden (Capo Pertusato) misst die Insel 183 km, von Osten (Alistro) nach Westen (Capo Rosso) 83 km.
Die Entfernung nach Frankreich (Nizza) beträgt 180 km, die Italienische Halbinsel ist 83 km (Livorno) und die italienische Insel Sardinien im Süden 12 km entfernt.
Gebirge
Zum Großteil besteht die Insel aus einem Hochgebirge im Westen und einem Mittelgebirge im Osten. Etwa 86 % der Insel sind Bergland, 14 % Küstentiefland. Lediglich die Ostküste besitzt einen ebenen Streifen, der an manchen Stellen bis zu 10 km breit ist. Korsika hat eine durchschnittliche Höhe von 568 m (Sardinien: 344 m, Sizilien: 441 m). Auf Korsika befinden sich mehr als 50 Berge mit einer Höhe von mehr als 2000 m.
Das Grundgebirge im Westen besitzt einen von Nordwesten nach Südosten ziehenden über 2000 m hohen meist gratförmigen Hauptkamm mit s-förmigem Verlauf und zeigt einen typischen Hochgebirgscharakter. Vom Hauptkamm aus, der gleichzeitig die Wasserscheide bildet, laufen zahlreiche steil abfallende Seitenkämme und Seitentäler hinunter zur buchtenreichen Westküste. Der Hauptkamm wird auf seiner ganzen Länge durch den Weitwanderweg GR 20 (im Regionalen Naturpark Korsika) durchquert.
Unmittelbar im Hauptkamm befinden sich die beiden höchsten Berge der Insel: Monte Cinto (2706 m) Monte Rotondo (2622 m).
mini|Aiguilles de Bavella Erwähnenswert sind ferner die schroffen Felstürme der Aiguilles de Bavella, die auch als korsische Dolomiten bezeichnet werden, obwohl sie im Gegensatz zu den Dolomiten aus Graniten aufgebaut sind. Der Hauptkamm wird von insgesamt vier Gebirgspässen durchquert (Col de Bavella, Col de Verde, Col de Vergio, Col de Vizzavona), von denen der Col de Vergio mit einer Höhe von der höchste und der Col de Vizzavona () der verkehrsreichste ist. Weitere Passstraßen erschließen in über 1000 m Höhe die Seitenausläufer.
Nach Süden hin nimmt die Schartenhöhe des Reliefs deutlich ab. Am Südende nahe der Stadt Bonifacio trifft man großflächig sedimentierte Dolomitkalke an, die vermutlich durch sekundäre Dolomitisierung von Kalkschlamm marinen Ursprungs entstanden. Die verkarsteten Kalkfelsen von Bonifacio sind sowohl von den Gezeiten als auch von Stürmen eindrucksvoll gezeichnet.
Geologie mini|hochkant|Restonica-Tal, Felswand mit aufgeschlossenem Quarzporphyr
Korsika entstand wie die Alpen im Tertiär und besteht zu zwei Dritteln aus einem kristallinen Granitsockel, vor allem im Westen und Süden; man spricht daher vom „kristallinen Korsika“. Der Nordosten, das „alpine Korsika“, besteht überwiegend aus Schiefern, die sich aus Meeressedimenten gebildet haben, und Schwemmland. Die Grenze dazwischen verläuft ungefähr entlang einer Linie von Saint-Florent im Norden über Corte in der Inselmitte bis Sari-Solenzara im Südosten. Die Gesteine des Hauptkamms bestehen überwiegend aus variszischen Graniten und Vulkaniten, wie Rhyolith und Quarzporphyr, aus dem Karbon bis Perm. Das östlich gelegene „alpine“ Schiefergebirge bleibt mit seinen Gipfelhöhen deutlich unter 2000 m und besitzt damit den Charakter eines Mittelgebirges. Es besteht aus untermeerisch abgelagertem und später gefaltetem Schiefer (Tonschiefer, Glanzschiefer, metamorphe Ophiolithe), dessen Entstehung auf die gewaltigen Landmassenbewegungen während der Auffaltung der Alpen in der geologischen Epoche des Eozän zurückgeht. Stellenweise weist der Tonschiefer fein verteilte Pyriteinschlüsse auf. Die Glanzschieferdecke ist weniger klastisch geprägt und enthält dafür zahlreiche Radiolaritvorkommen.
Ganz im Nordosten gibt es auch noch vereinzelt junge Vulkanite der Korsischen Magmenprovinz, an die weiter östlich die Toskanische Magmenprovinz (inkl. Elba) anschließt.
Während der Hochzeit der letzten Eiszeit des Pleistozäns, also vor 30.000 bis 20.000 Jahren, war Korsika stark vergletschert. Als Überbleibsel dieser Zeit finden sich in den Bergen Kare, die zum Teil mit Wasser gefüllte Karseen bilden, und zahlreiche durch Gletscher geformte Täler mit Endmoränen. In den Zungenbereichen der ehemaligen Gletscher liegen noch ausgedehnte Schutt- und Geröllhalden, die nicht selten bis in die Sommermonate hinein von abfließendem Schmelzwasser durchströmt werden.
Geologisch interessant ist der Küstenabschnitt im Westen zwischen Porto und Piana, der als „Calanche de Piana“ und für seine Tafoni-Verwitterungen bekannt ist. Die wissenschaftliche Bezeichnung Tafone wurde der korsischen Sprache entlehnt.
Städte Die bevölkerungsreichsten Städte Korsikas sind: Stadt (korsischer Name) Einwohner (Jahr) Département Ajaccio (Aiacciu) () Corse-du-Sud Bastia () Haute-Corse Porto-Vecchio (Portivechju) () Corse-du-Sud Borgo (U Borgu) () Haute-Corse Biguglia () Haute-Corse Corte (Corti) () Haute-Corse Furiani () Haute-Corse Calvi () Haute-Corse
Die Hauptstädte (Sitz der Präfektur) der beiden früheren Départements waren Ajaccio an der Westküste und die Hafenstadt Bastia im Nordosten. Calvi im Nordwesten ist eine weitere wichtige Hafenstadt. In Corte, der früheren Hauptstadt im Zentrum der Insel, wurde die Universität Pascal Paoli Korsika angesiedelt.
Weitere bedeutende Städte im Süden sind: Bonifacio (Bunifaziu): südlichste Stadt Korsikas Sartène (Sartè): gilt als die „korsischste aller korsischen Städte“
Politische Gliederung und Einordnung im Gesamtstaat Bereits von 1793 bis 1811 unter der Herrschaft Napoleon Bonapartes war die Insel in zwei Départements gegliedert: Golo und Liamone. 1811 wurden sie zu einem Département zusammengefügt, dessen Präfektur in Ajaccio eingerichtet wurde. Vom 1. Januar 1976 an war Korsika erneut in zwei Départements geteilt, Haute-Corse (Präfektur in Bastia) und Corse-du-Sud (Präfektur in Ajaccio). Diese beiden Einheiten bestanden bis zum 31. Dezember 2017. Seither bildet Korsika wieder ein Département, das jedoch in bestimmten Bereichen (staatliches Statistikwesen, Kennzeichnung u. a.) in zwei den alten Départements entsprechende Zonen geteilt bleibt. Darüber hinaus ist Korsika eine französische Region mit besonderem Statut.
Seit den 1950er Jahren strebte die französische Regierung nach einer Dezentralisierung des Landes. Zwischen den beiden seit der Französischen Revolution bestehenden staatlichen Ebenen, dem Zentralstaat (Regierung) und den Départements (Präfekten), sollte eine zusätzliche Struktur zur besseren Koordinierung der staatlichen Regionalplanung angelegt werden. So wurde die Verwaltungs- und Gebietskörperschaftsebene der späteren, aus jeweils mehreren Départements bestehenden Regionen zunächst in Form von Programmregionen (Régions de programme, ab 1960 als Circonscriptions d’action régionale bezeichnet) geschaffen. Korsika bildete bis 1970 zusammen mit Teilen der Provence und des französischen Alpengebiets die Circonscription „Provence-Alpes-Côte d’Azur-Corse“; 1970 wurde es daraus ausgegliedert.
Nach dem Gesetz Nr. 72-619 vom 5. Juli 1972 wurden die Circonscriptions, nun als „Régions“ bezeichnet, eigene Rechtspersönlichkeiten (Établissements publics), an deren Spitze jeweils ein Regionalpräfekt stand. 1973 wurden Regionalräte (Conseils régionaux) eingerichtet, und durch die Dezentralisierungsgesetze vom 2. März 1982 erhielten die Regionen den Status von Gebietskörperschaften (Collectivités territoriales) mit direkt gewählten Volksvertretungen, wie ihn bis dahin nur die Gemeinden und die Départements kannten. Korsika wurde 1982 eine Region mit Sonderstatus und einer von seiner Bevölkerung direkt gewählten Regionalversammlung.
Im Jahr 2015 wurden die französischen Regionen neu festgelegt, und einige frühere Regionen wurden zu größeren zusammengelegt. Insgesamt besteht Frankreich mit seinen Überseegebieten heute aus 18 Regionen. Der Sonderstatus Korsikas blieb dabei unangetastet. Während 14 Regionen als Gebietskörperschaften (Collectivités territoriales) definiert sind, zählt Korsika zu den vier „Collectivités territoriales uniques“. Diese haben neben den Kompetenzen einer Region auch die eines Départements; Korsika erfüllt darüber hinaus weitere Aufgaben.
mini|hochkant=1.4|Arrondissements in der Region Korsikamini|hochkant=1.4|Kantone in der Region Korsikamini|hochkant=1.4|Gemeindeverbände in der Region Korsika
Klima Übersicht mini|hochkant=1.5|Klimadiagramm Bastia Auf Korsika herrscht ein typisches Mittelmeerklima: heiße, trockene Sommer und milde, feuchte Winter. Dabei wirkt im Winter das Mittelmeer (13–24 °C) als Wärmespeicher. Aufgrund der hohen Berge und der starken Winde gibt es auf Korsika allerdings einige Abweichungen.
Die Niederschlagsmenge ist abhängig von der Höhe. Auf 2000 m Höhe ist der Niederschlag etwa viermal so stark wie an der Küste, wo im Sommer fast kein Regen fällt. Sommerliche Gewittergüsse lassen nur kurz die Flüsse anschwellen. Korsika hat mit etwa 2750 Stunden mehr Sonnenschein als das französische Festland.
Die Winter sind an der Küste mit Tagestemperaturen um 12 °C recht mild, wenn auch gelegentlich Nachtfrost auftritt. Im höheren Bergland gibt es regelmäßig Schneefälle und geschlossene Schneedecken, wobei Wintersport bis ins Frühjahr durchaus möglich ist. Das Frühjahr ist mit Werten zwischen 15 und 20 °C recht angenehm, wobei es nachts noch recht frisch werden kann. Ab Juni steigt die Temperatur jedoch auf Werte von 25 °C und mehr. Im Juli und August ist es mit rund 30 °C heiß, allerdings kühlt es nachts auf um die 20 °C ab. Auch im Sommer ist auf den hohen Bergen noch oft Schnee zu sehen. Der Herbst ist mit rund 20 °C wieder wesentlich angenehmer, jedoch können wie im Frühling die Nächte deutlich kühler (teils unter 10 °C) werden.
Die Extremwerte in Ajaccio liegen bei −8,1 °C im Januar und +40,5 °C im August.
Im Zeitraum 1981–2010 wurde die höchste mittlere Jahrestemperatur von ganz Metropolitan-Frankreich an der Messstation in Sari-Solenzara im Südosten Korsikas gemessen: 16,41 °C. Die tiefste je gemessene Temperatur an dieser Station betrug −5,9 °C am 7. März 1971. Die höchste Temperatur betrug 39,9 °C, gemessen am 4. Juli 1965.
Winde auf Korsika mini|Winde Korsikas mini|Windrichtungen im Jahresschnitt Die in den Sommermonaten am häufigsten wehenden Winde: Nord: Tramontana, kalt und trocken; von jenseits der Alpen Nordwest: Mistral (Maestrale), kalt und trocken; bringt klare Sicht