mini|Flagge der Banater Schwaben mini|Siedlungsraum der Banater Schwaben in der politischen Ordnung nach dem Ersten Weltkrieg mini|Donauschwäbische Siedlung im Karpatenbecken

Die Banater Schwaben ( oder șvabi(i) din Banat) sind eine deutsche Bevölkerungsgruppe im Banat. Sie werden mit anderen deutschsprachigen Minderheiten aus dieser Region Südosteuropas unter dem Sammelbegriff Donauschwaben zusammengefasst. Ihre Vorfahren wurden von der Österreichischen Hofkammer seit Anfang des 18. Jahrhunderts (nach dem Frieden von Passarowitz 1718) aus verschiedenen Teilen Süddeutschlands und aus Lothringen in der nach den Türkenkriegen teilweise entvölkerten und verwüsteten Pannonischen Tiefebene angesiedelt. Sie waren vor dem Ersten Weltkrieg auch als die „Ungarländischen Deutschen“ bekannt. Das Banat gehörte bis 1918 zusammen mit den anderen Siedlungsgebieten der Donauschwaben wie der westlich gelegenen Batschka, der Schwäbischen Türkei (heutiges Süd-Ungarn), Slawonien sowie der Region Sathmar (heutiges Nordwest-Rumänien, Kreis Satu Mare) zum Kaisertum Österreich bzw. zur Monarchie Österreich-Ungarn. Seit Ende des Ersten Weltkriegs bezeichnet man die Donauschwaben im rumänischen Teil des Banats als Banater Schwaben.

Geschichte Begriffsherkunft Der Begriff Donauschwaben hat eine überwiegend politische Entstehungsgeschichte. Er wurde in den frühen 1920er Jahren vom Grazer Geographen Robert Sieger geprägt und 1922 vom Historiker Hermann Rüdiger verbreitet. Der Begriff wurde 1930 durch das Außenministerium der Weimarer Republik bestätigt. Hierdurch wurden die Donauschwaben als deutschstämmig anerkannt. Nach dem Friedensvertrag von Trianon 1920 wurde das Banat unter den Königreichen Ungarn, Jugoslawien und Rumänien aufgeteilt. Der größere nordöstliche Teil ist heute ein Teil von Rumänien, ein Drittel im Südwesten gehört zu Serbien und ein kleiner Streifen im Hinterland der Stadt Szeged verblieb bei Ungarn. Durch die neuen Grenzen wurden jahrhundertelang gewachsene Verbindungen (auch zwischen Serben oder Rumänen) zerschnitten.Mit Banater Schwaben werden in der Regel die Deutschen im rumänischen Teil des historischen Banats bezeichnet. Die Deutschen, die sich nach der Dreiteilung des Banats in Serbien wiederfanden, verstehen sich heute oft als Donauschwaben“. Die Literatur hat sie aber auch den Banater Schwaben zugeordnet, so in Thomas Casagrande: Die Volksdeutsche SS-Division „Prinz Eugen“. Die Banater Schwaben und die nationalsozialistischen Kriegsverbrechen. Campus, Frankfurt, 2003, ISBN 3-593-37234-7). In dem kleinen ungarisch gebliebenen Teil des Banats befand sich nur eine geringe Zahl von deutschen Volkszugehörigen, deren Situation in dem Artikel Ungarndeutsche behandelt wird.

Konfession, Herkunft, Anwerbung und Unterstützung der Siedler 300px|mini|Ulmer SchachtelHistorische Darstellung

Zunächst waren im Zuge der Konfessionalisierungspolitik des Wiener Hofes nur Siedler katholischen Glaubens im Banat erlaubt. Erst unter Kaiser Joseph II. wurde die konfessionelle Bindung aufgehoben.banater-schwaben.de, Josef Wolf: Wer sind die Banater Schwaben – Geschichtlicher Überblick und gegenwärtige Lage Die Mehrheit der Siedler kam aus Franken, Bayern, Österreich, dem Elsass, Lothringen, Luxemburg, Baden und der Rheinpfalz. Auch kleinere Gruppen aus Mitteldeutschland und dem SauerlandHerkunftsorte der Sauerländer im Banat sind nachweisbar. Nur ein kleiner Teil stammte aus schwäbischen Regionen im Bereich des ehemaligen Vorderösterreich. Warum sich trotzdem die Benennung „Schwaben“ durchsetzen konnte, ist nicht geklärt. Eine Erklärung beruft sich auf den Umstand, dass die Mehrheit der Auswanderer in der schwäbischen Stadt Ulm registriert und eingeschifft wurde und mit Ulmer Schachteln auf der Donau bis Apatin transportiert wurde, um von dort zu Fuß ihre Siedlungsgebiete zu erreichen.

Die meisten Siedler stammten aus ländlichem Milieu und waren Zweit- und Drittgeborene aus ärmeren Bauernfamilien, die ohne eigenen Grundbesitz und ohne Kapital in ihrer angestammten Heimat wenig Chancen sahen. In der Zeit Maria Theresias bekamen sie eine merkliche finanzielle Unterstützung und langfristige Steuererleichterungen. Letztere fielen für Verheiratete um ein Vielfaches höher aus, weil sonst der Männerüberschuss zu groß gewesen wäre. Auch Handwerker, Lehrer, Ärzte usw. wurden finanziell gefördert. Viele schwäbische Aussiedlergruppen wurden von Pfarrern oder Badern begleitet. Als Gegenleistung wurden die Siedler in der Ansiedlungszeit verpflichtet, im Falle eines osmanischen Angriffskrieges zur Waffe zu greifen.

Die Anwerbung neuer Siedler war jedoch nicht auf den deutschsprachigen Raum beschränkt, so entstand etwa auch die (zahlenmäßig viel kleinere) Volksgruppe der Banater Tschechen. Auch kleinere Gruppen von Franzosen, Spaniern und Italienern waren unter den Siedlern.

Als Beispiel zu den Konditionen der Anwerbung und zur Konkurrenz unter den Werbern siehe auch: Johann Osswald

Ansiedlung

mini|Detaillierte Karte, die die deutschen Siedlungen in der historischen Region Banat darstellt.

Zwischen 1692 und 1786 siedelten sich bereits um die 150.000 (115.000 staatlich und 35.000 privat geworbene) Menschen in der Region um Temeswar an.birda.de, Die Schwabenzüge Die organisierte Besiedlung des Banats begann nach 1718, als Österreich im Frieden von Passarowitz vom Osmanischen Reich unter anderem das Banat übernahm. Um die neuerworbene, nach langjährigen Kriegen nur dünn besiedelte Provinz nutzbar zu machen und wirtschaftlich zu entwickeln, wurden bereits unter Kaiser Karl VI. die ersten Siedler angeworben. Das waren neben Deutschen vor allem Serben.

Die Ansiedlung erfolgte in mehreren Wellen ab 1722 und zog sich über 100 Jahre hin. Der Zuzug wurde von der österreichischen Verwaltung organisiert und die Bevölkerungs- und Raumordnungspolitik systematisch betrieben. Die großen Züge wurden durch sporadische Einwanderung ergänzt. Innerhalb dieser Zeit änderten sich die Verhältnisse in den Herkunftsgebieten, die Bedingungen der Einwanderung und die berufliche Zusammensetzung der Siedlergruppen. Neben ganzen und halben Sessionen wurden auch Viertelhöfe vergeben.

Die politischen und wirtschaftlichen Motive hinter der Habsburger Besiedlung waren die Festigung der Macht und die Gewinnerzielung durch Steuereinnahmen. Das damals gängige System machte den Reichtum und Wohlstand eines Landes auch von der Bevölkerungszahl abhängig. Über die Verwendung der Steuereinnahmen entschied allein der kaiserliche Hof.Hans Fink: Leserbrief, Banater Post. 10. Juli 2009, S. 5.

Unter der Herrschaft von Maria Theresia (1740–1780) und Joseph II. (1780–1790) gab die österreichische Verwaltung 7 Millionen Gulden für 60.000 deutsche Kolonisten aus.

In der deutschsprachigen Literatur des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts wurde die Kolonisation des Banats häufig als ein durchgehend erfolgreich umgesetztes Vorhaben der zuständigen österreichischen Behörden beschrieben. Der Nutzen der Ansiedlung war wegen der Kosten in Regierungskreisen allerdings umstritten und es kam zu vielfältigen Problemen. Die finanziellen und materiellen Anreize zogen teilweise nur wenig arbeitswillige Kolonisten an, so dass 1764 eigens Inspektoren beauftragt wurden, das Verhalten der Ansiedler zu überwachen.

1744 bis 1768 gab es noch eine zusätzliche Form der Ansiedlung, den Temeswarer Wasserschub: zweimal jährlich wurden Landstreicher, liederliche Weibspersonen, Wilderer, Schmuggler und aufsässige Bauern aus ihren Heimatregionen verbracht und zur moralischen Läuterung im Banat angesiedelt. Der Wasserschub hatte einen schlechten Ruf und erschwerte das Anwerben von Kolonisten.Konrad Schünemann: A Bésci Magyar Történeti Intézet Évkönyve. Band 2 (1932), S. 199–219 ~ Österreichs Bevölkerungspolitik unter Maria Theresia. Band 1 (mehr nicht erschienen), Berlin 1935, Veröffentlichungen des Instituts zur Erforschung des deutschen Volkstums im Süden und Südosten in München, Band 6dvhh.org, Hans Dama: The Banat – a “Penal Colony“ of Maria Theresia? in englischer Sprache, übersetzt von Nick Tullius

Auf seiner Inspektionsreise durch das Banat 1768 stellte Kaiser Joseph II. in seinen Reiseaufzeichnungen zahlreiche gravierende und von der Verwaltung der Provinz zu verantwortende Mängel und Missstände fest. Zu diesen zählte neben der Korruption auch die schlechte Wahl der Standorte und teilweise Übergröße der Dörfer, der Mangel an Holz und Wasser sowie die Baufälligkeit vieler Kolonistenhäuser.

In der Konsequenz wurden 1772 von Maria Theresia Anordnungen veranlasst, die eine Vielzahl von Einzelheiten der Ansiedlung regelten, so zum Beispiel die Gestaltung der Dörfer, die Größe des zuzuteilenden Landes und die Besoldung von Lehrern und Bürgermeistern.

Dörfer, Städte und Straßen wurden auf dem Reißbrett entworfen und spiegelten in ihrer Symmetrie die damalige absolutistische Baukultur wider. Die Ansiedler fanden das Banat als nahezu menschenleere, von Wäldern durchzogene Sumpflandschaft vor. Seuchen (darunter die Pest), Fieberkrankheiten und Hunger begleiteten die Ankömmlinge in den ersten Jahren. Doch innerhalb von zwei bis drei Generationen gelang die Rekultivierung des Landstrichs – ein enormer Kraftakt, der von vielen Rückschlägen wie Kriegen, Seuchen, Hunger, und zahlreichen einhergehenden Opfern begleitet war. Der Spruch „Den Ersten der Tod, den Zweiten die Not, den Dritten das Brot“ hat sich unter den Banater Schwaben zur Charakterisierung der Aufbauleistung überliefert. Entscheidend für das Gelingen war die Eindämmung der Sümpfe durch die Kanalisation des mehrarmigen Flusses Bega. Der gewonnene Ackerboden aus Schwarzerde erwies sich als äußerst fruchtbar und begründete den relativen Wohlstand der Banater Schwaben im 19. Jahrhundert. Der Landstrich galt als Kornkammer Österreich-Ungarns. Die Festung Temeswar wurde zur blühenden Stadt und zum kulturellen Zentrum der Banater Schwaben. Im späten 19. Jahrhundert läutete der Ausbau der Eisenbahnverbindungen die Industrialisierung ein.

Der Wohlstand war jedoch ungleichmäßig verteilt. Auf dem Lande unterschied man zwischen reichen und armen Bauern, Handwerkern und Knechten, aber manche lebten auch „ärger wie die Hund“. Um sich gegen den feudalen ungarischen Staat zu wehren, traten zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer mehr Banater Landwirte mit finanzieller Unterstützung der Siebenbürger Sachsen zu Genossenschaften nach dem Raiffeisenmodell zusammen. In Temeswar bildete sich neben einem deutschen Bürgertum als Oberschicht auch ein auf Baustellen oder in Fabriken arbeitendes deutsches Proletariat.

Magyarisierung Die Entwicklung Temeswars zum kulturellen Zentrum der Banater Schwaben wurde nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich durch die Integration des Temescher Banats in das Königreich Ungarn 1867 überschattet. Die nun einsetzende aggressive Magyarisierungspolitik der ungarischen Regierung erstrebte die sprachliche und kulturelle Assimilation aller nationalen Minderheiten in Transleithanien.

Die Banater Bauern setzten sich zur Wehr und gründeten im Dezember 1906 in Werschetz (serbisch: Vršac) die zunächst illegale Ungarländische Deutsche Volkspartei, wobei Schulunterricht in der Muttersprache gefordert wurde. Der Siebenbürger Sachse Rudolf Brandsch, seit 1910 Abgeordneter im ungarischen Reichstag, unterstützte gemeinsam mit Adam Müller-Guttenbrunn die Banater Schwaben in ihrem Kampf gegen den zunehmenden Magyarisierungsdruck.

Brandsch setzte sich besonders für die Zusammenarbeit der Politiker aller deutschen Minderheitengruppen ein. Die tonangebenden siebenbürgisch-sächsischen Politiker (die sogenannten Schwarzen) unterstützten die jeweilige Regierungsfraktion, erstrebten gleichzeitig eine Erleichterung des Magyarisierungsdruckes im sächsischen Siedlungsbereich und betrachteten eine Zusammenarbeit mit anderen deutschen Minderheitspolitikern eher skeptisch.