Jerewan, auch Eriwan oder Erewan (; IPA: , – amtlich – ostarmenisch; oder – traditionell – westarmenisch), ist die Hauptstadt und mit 1.098.900 Einwohnern (Stand 2023) die größte Stadt Armeniens. Jerewan, eine der ältesten Städte der Welt,Encyclopædia Britannica: Views of Asia, Australia, and New Zealand. Encyclopaedia Britannica, Inc, 2012. S. 43. (englisch) ist auch das wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Zentrum des Landes und wegen der Größe der Stadt eine eigene Provinz.

Geschichte Vorgeschichte und Antike mini|Überreste der Festung Erebuni

Das Gebiet Jerewans ist seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. besiedelt. Befestigte Siedlungen aus der Bronzezeit kann man in Schengawit, Zizernakaberd, Karmir Blur, Arin Berd, Karmir Berd und Berdadsor finden. Die urartäische Siedlung Erebuni ist von 782 v. Chr. an nachweisbar.Brady Kiesling: Rediscovering Armenia Guidebook – Yerevan., In: armeniapedia.org, abgerufen am 14. Januar 2022 (englisch). Sie wurde von dem König Argišti I. gegründet,Г. А. Меликишвили: Урартские клинообразные надписи. Издательство АН СССР, Moskau 1960, Nr. 138 (russisch). um das neueroberte Gebiet im Araxes-Tal (Provinz 'Aza) zu sichern. Die Urartäer bauten Bewässerungsanlagen und Speicherbecken. Rusa II. erbaute Teišebai URU südwestlich des heutigen Jerewan auf dem Hügel Karmir Blur, Erebuni, die alte Hauptstadt wurde verlassen. 585 v. Chr. wurde Teišebai URU zerstört, vielleicht durch Skythen und Meder.

Zwischen dem 6. und 4. Jahrhundert v. Chr. war Jerewan eines der Zentren der Satrapie Armenien im Achämenidenreich. Die erste Kirche in Jerewan war die Peter-und-Paul-Kirche, die im 5. oder 6. Jahrhundert gegründet und 1931 zerstört wurde, um Platz für das Moskau-Kino zu machen.

Muslimische Herrschaft mini|Eine Illustration Jerewans von Jean Chardin aus dem Jahr 1673 Jerewan wurde im Jahr 658 durch die Araber erobert. Seitdem war es als Schnittpunkt der Karawanenrouten zwischen Indien und Europa strategisch wichtig. Zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert war Jerewan ein Teil des armenischen Reiches der Bagratiden, bis die Stadt von den Seldschuken besetzt wurde. Im Jahre 1387 eroberten die Truppen des Timur Jerewan.

Später wurde Jerewan wegen seiner strategischen Wichtigkeit zu einem Zankapfel zwischen Persien und den Osmanen. Auf dem Höhepunkt dieser Kämpfe wechselte Jerewan in den Jahren 1513 und 1737 14-mal zwischen den beiden Reichen hin und her. Die Osmanen, Safawiden und Ilchane hatten Münzprägestätten in Jerewan.

1604 wurden hunderttausende Armenier und somit auch Einwohner Jerewans auf Befehl des persischen Schahs Abbas I. nach Persien deportiert. Als Konsequenz machten die Armenier später im Khanat Jerewan nur noch 20 % aus, während 80 % sesshafte oder nomadische Muslime (Perser, Türken, Kurden) waren. Die Armenier lebten in Jerewan oder den Dörfern. Sie dominierten in der Region verschiedene Berufe und den Handel, so dass sie ökonomisch gesehen für die Perser wichtig waren. Laut dem französischen Reisenden Jean-Baptiste Tavernier, welcher Jerewan zwischen 1631 und 1668 wahrscheinlich bis zu 6-mal besuchte, war die Stadt allerdings auch noch nach den Deportationen nur von Armeniern bewohnt.Jean-Baptiste Tavernier: Les six voyages en Turquie, en Perse et aux Indes, Volume 1, S. 623 (Digitalisat; französisch) In den 1670ern besuchte der französische Reisende Jean Chardin die Stadt.

mini|Das Wappen des russischen Gouvernements Eriwan. Am 7. Juni 1679 zerstörte ein Erdbeben die Stadt. Unter den der Safawiden waren Jerewan und die umliegenden Gebiete Teil des Chukhursaad Beglerbegs. Seit 1747 war es Teil des Khanats Jerewan, das ein muslimisches Fürstentum unter persischer Oberherrschaft war. Dies blieb so, bis General Graf Iwan Paskewitsch am 13. Oktober 1827 die Stadt für das Kaiserreich Russland einnahm. Mit dem Frieden von Turkmantschai ging es in russischen Besitz über.

Russische Herrschaft mini|Eriwan 1856 Eriwan war Sitz der neu gegründeten Oblast Armenien und ab 1850 des Gouvernements Eriwan. Unter russischer Herrschaft war das Leben der Armenier vergleichsweise sicher. Die russische Regierung unterstützte armenische Siedler aus der Türkei und Persien, sodass die Bevölkerung zum Ende des 19. - Anfang des 20. Jahrhunderts auf 29.000 anstieg, wobei 49 % Aserbaidschaner/Tataren, 48 % Armenier und 2 % Russen waren.Encyclopædia Universalis, « Erevan », 1995., In: universalis.fr, Encyclopædia Universalis France S.A., abgerufen am 15. Januar 2022. (französisch)

Die ökonomische und politische Bedeutung der Stadt wuchs. Alte Häuser wurden durch neue Gebäude im europäischen Stil ersetzt. 1829 siedelte man armenische Rückkehrer aus Persien in einem neuen Stadtviertel an.

1854 wurden die beiden Frauenhochschulen St. Hripsime und St. Gayane eröffnet und 1874 eröffnete Zacharia Gevorkian die erste Druckerei. Das erste Theater der Stadt wurde 1879 eröffnet. Anfang des 20. Jahrhunderts verband eine Bahnlinie Eriwan mit Alexandropol, Tiflis und Dschulfa. Gleichzeitig wurde die erste öffentliche Bücherei eröffnet. 1913 ging ein Telefonnetz mit 80 Teilnehmern in Betrieb. Ein Großneffe Napoleon Bonapartes namens Louis Joseph Jérôme Napoléon war im frühen 20. Jahrhundert Gouverneur von Eriwan., In: napoleontrois.fr, abgerufen am 14. Januar 2021. (französisch)

Erste Republik Armenien mini|Blick nach Süden zu dem Berg Ararat

1917 endete das Zarenreich in der Februarrevolution. Nach der Oktoberrevolution im gleichen Jahr und Ausbruch des Bürgerkriegs in Russland erklärten sich ‚Die Völker des Kaukasus‘ für unabhängig und gründeten am 22. April 1918 die Transkaukasische Demokratisch-Föderative Republik. Doch nach nur einem Monat (28. Mai 1918) zerbrach die Föderative Republik und Jerewan wurde im Mai 1918 Hauptstadt der Demokratischen Republik Armenien, später als Erste Republik Armenien bezeichnet.

Während der Invasion Armeniens seitens der Türkei besetzte am 29. November 1920 die 11. Rote Armee Jerewan. Nachdem Unterstützer der Unabhängigkeit die Hauptstadt im Februar 1921 zurückeroberten, ging sie am 2. April 1921 wieder verloren.

Sowjetunion Jerewan wurde zur Hauptstadt der Armenischen SSR und machte eine bedeutsame Entwicklung durch. Unter dem Architekten Alexander Tamanjan wurde das Stadtbild radikal verändert. Viele historische Gebäude, wie Kirchen, Moscheen, die persische Festung, Bäder, Bazare und Karawansereien wurden abgerissen. Viele Stadtdistrikte wurden nach den alten armenischen Heimatorten des osmanischen Reiches benannt. So wurden die Distrikte Arabkir, Malatia-Sebastia und Nork Marasch nach den heute türkischen Städten Arapgir, Malatya, Sivas und Marasch benannt. In der Stadt bestand das Kriegsgefangenenlager 115 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977. Die Kriegsgefangenen wurden beim Bau von Gebäuden und Brücken eingesetzt.

Zum 50. Jahrestag des Armenischen Völkermordes fanden 1965 in Jerewan antisowjetische Proteste statt, die darauf zielten, die Sowjetunion zur Anerkennung des Völkermordes zu bewegen.Ronald Grigor Suny: The Revenge of the Past: Nationalism, Revolution, and the Collapse of the Soviet Union, Stanford University Press 1993, ISBN 0-8047-2247-1. (englisch)

Jerewan spielte eine Schlüsselrolle in der armenisch-national-demokratischen Bewegung. Die Reformen im Zuge der Glasnost und Perestroika ermöglichten es, über Fragen und Themen wie den Status Bergkarabachs, Umwelt, Russifizierung, Korruption, Demokratie und eine eventuelle Unabhängigkeit zu diskutieren.

Erneute Unabhängigkeit Seit 1991 ist Jerewan die Hauptstadt des erneut unabhängigen Armeniens. 2012 verlieh die UNESCO der Stadt den Titel „Welthauptstadt des Buches“. Im literarischen Underground der Stadt schlägt besonders Vahram Martirossian hohe Wellen. Eine große Leidenschaft der Menschen ist auch das Schachspiel und der Jazz feiert hier neue Erfolge: Allen voran Tigran Hamasyan und vor ihm der Sängerin Tatevik Oganesyan gelingt die Fusion von westlichen und armenischen Elementen. 2018 wurde der 2800. Jahrestag der Stadt gefeiert.

Politik

Bürgermeister

Die ersten drei Bürgermeister Jerewans nach der Unabhängigkeit von der UdSSR gehörten der Armenischen Allnationalen Bewegung an, seit Mai 1998 gehörten alle Bürgermeister zur Republikanischen Partei Armeniens. Vom 13. Oktober 2018 bis 2021 regierte mit Hajk Marutjan, welcher der Partei Bürgervertrag im Bündnis der Mein-Schritt-Allianz (IKD) angehörte, erstmals wieder ein Vertreter einer anderen Partei die armenische Hauptstadt. Er wurde am 22. Dezember 2021 auf einer außerordentlichen Sitzung des Stadtrats durch den bisherigen Vize-Bürgermeister Hratschja Sargsjan ersetzt, welcher ebenfalls der IKD-Fraktion (jedoch der Partei Mission) angehörte. Sargsjan trat schon nach 15 Monaten, am 17. März 2023, zurück. Dadurch vertrat seitdem einer der bisherigen Stellvertreter, Tigran Awinjan (Partei Bürgervertrag), die Position. Dessen Fraktion entschied sich, bis zu den Stadtratswahlen Ende 2023 keinen neuen Bürgermeister mehr formell einzusetzen. Als bei den Wahlen zum Jerewaner Stadtrat am 17. September 2023 die Partei Bürgervertrag trotz Verlusten als stärkste Kraft hervorging, konnte deren Spitzenkandidat Awinjan nach Koalitionsverhandlungen mit der Partei Republik am 13. Oktober formell als Bürgermeister vereidigt werden.

Geografie mini|Regierungsgebäude am Platz der Republik mini|Parlamentsgebäude an der Marschall-Baghramjan-Straße Lage Jerewan liegt 950 bis 1300 Meter über dem Meeresspiegel an den Ufern des Hrasdan, eines Zuflusses des Arax, in einem malerischen hufeisenförmigen Talkessel, der von drei Seiten von Bergen umgeben ist. Innerhalb der Republik Armenien liegt die Stadt relativ zentral.

Klima In Jerewan herrscht semiarides Kontinentalklima (nach der Klassifikation von Köppen und Geiger: Bsk) mit einem trockenen, heißen Sommer und einem kalten, schneereichen Winter. Das Temperaturmittel beträgt 11,6 °C und die Niederschlagsmenge ist gering und beträgt jährlich etwa 277 Millimeter. Der Sommer ist sehr niederschlagsarm. Das ganze Jahr über gibt es große Temperaturschwankungen innerhalb eines Tages, insbesondere im Sommer.

Zeitzone Es wird ganzjährig die Zeitzone UTC+4 verwendet, obwohl die Zeitzone UTC+3 besser der örtlichen Sonnenzeit entspräche. Folglich tritt wahrer Mittag (nach Sonnenzeit) durchschnittlich erst um 13:16 ein. Umstellung auf Sommerzeit findet nicht statt.

Gliederung Jerewan besteht aus zwölf Distrikten oder auch Nachbarschaftsgemeinschaften (), die wiederum in Nachbarschaften () eingeteilt sind. Einige der Distrikte tragen die Namen heutiger türkischer Städte wie Malatia-Sebastia oder Arabkir. Dies ist damit zu erklären, dass viele armenische Flüchtlinge und Zuwanderer aus jenen Städten nach Jerewan zogen. Diese Flüchtlinge gaben den Distrikten die Namen ihrer alten Heimat. Die Distrikte im Einzelnen sind: mini|Die zwölf Distrikte Jerewans mini|Im Zentrum der Stadt, rechts im Bild das Elite Plaza Business Center