Fred Zinnemann (* 29. April 1907 in Rzeszów, – Siehe: Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“ Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. 1. Auflage. Acabus-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 54, (books.google.at).Erst ab 1921/22 findet sich in Lehmann’s Allgemeinem Wohnungsanzeiger ein Zinemann Oskar, Dr. ges. Heilk unter der Anschrift Wien, XIII., Isbarygasse 14. Ab 1926 kommt zu diesem Eintrag ein Zinnemann Oskar, Dr., Arzt, III. Weyrg. 7, T. 95.890. Ab 1927 fehlt der Verweis auf die Isbarygasse 14; die ärztliche Praxis von Zinnemann sen. dürfte in den III. Bezirk verlegt worden sein. Ab 1928 erscheint bis 1931 (für Zinemann) erstmals die Meldeadresse Weyrgasse 9, jene Fred Zinnemann wienhistorisch zugeschriebene Wohnanschrift. Ab 1932 wird nurmehr Zinnemann Oskar, MDr., Priv. auf Weyrgasse 7 geführt; Oskar Zinnemann scheint zu dieser Zeit nicht mehr ordiniert zu haben, 1933 findet er sich nicht mehr in Lehmanns Ärzteverzeichnis des III. Bezirks. – siehe (als Einstieg) Seite 1624 des Lehmann aus 1921/22 (digital.wienbibliothek.at). Österreich-Ungarn, als Alfred Zinnemann; † 14. März 1997 in London) war ein österreichisch-US-amerikanischer Filmregisseur, der im Jahr 1929 in die USA auswanderte und ab den 1940er-Jahren ein bekannter Hollywood-Regisseur wurde. Seine zwischen 1936 und 1982 entstandenen Filme – darunter Klassiker wie Zwölf Uhr mittags, Verdammt in alle Ewigkeit, Ein Mann zu jeder Jahreszeit und Der Schakal – erhielten 65 Oscar-Nominierungen und gewannen 24 Oscars; er selbst wurde fünfmal mit dem Oscar ausgezeichnet.
Leben und Wirken Fred Zinnemann, Sohn eines Arztes, kam im Nordosten Österreich-Ungarns in einer jüdischen Familie zur Welt und wuchs im 3. Wiener Bezirk auf. In seiner Jugend war er eng mit dem späteren Hollywood-Regisseur Billy Wilder befreundet, mit dem er zeitweise in dieselbe Klasse ging und ein Leben lang Kontakt hielt. Zinnemann maturierte 1925 am Franz-Joseph-Gymnasium Stubenbastei und begann, nachdem er sich zunächst für eine musikalische Ausbildung interessiert hatte, ein Studium der Rechtswissenschaften.
1927 nahm er nach großem Widerstand seiner Eltern und Verwandten in Paris an der Ecole Technique de Photographie et de Cinématographie eine Kameraausbildung auf. Ab 1928 in Berlin tätig, war er 1929 Kameraassistent bei einem Stummfilm mit Marlene Dietrich. Seine dritte Kameraassistenz absolvierte er im Sommer 1929 bei dem Film Menschen am Sonntag von Edgar G. Ulmer und Billy Wilder, „der bald einmal berühmt gewordenen Außenseiterproduktion der Brüder Siodmak“.Christoph Egger: Einen Film drehen heißt die Wahrheit sagen müssen In: Neue Zürcher Zeitung. 26. April 2007, S. 27 (nzz.ch).
Zinnemann verließ im Oktober 1929 Deutschland und ging nach Hollywood. Dort arbeitete er als Regieassistent und Kurzfilmregisseur. Er hatte einen Auftritt als Kleindarsteller in dem Spielfilm Im Westen nichts Neues; es kam jedoch zu keiner Schauspielkarriere. Zinnemann wurde zunächst Assistent des österreichischen Regisseurs Berthold Viertel und lernte durch ihn Robert J. Flaherty kennen. Dieser vermittelte Zinnemann eine erste Regie beim dokumentarischen Spielfilm Netze (Redes) über die Ausbeutung mexikanischer Fischer. Der Film, an dem der Fotograf Paul Strand mitwirkte, entstand in den Jahren 1934 bis 1936.Dieter Krusche, Jürgen Labenski: Reclams Filmführer. 7. Auflage, Stuttgart 1987, ISBN 3-15-010205-7, S. 709. Zinnemann nahm 1936 die amerikanische Staatsbürgerschaft an und begann 1937 seine Tätigkeit in der Kurzfilmabteilung von Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). Für seinen dritten Kurzfilm That Mothers Might Live über den ungarischen Arzt Ignaz Semmelweis erhielt er 1938 seinen ersten Oscar.
In den 1940er Jahren konnte sich Zinnemann nach seinen ersten Erfolgen schließlich dem Spielfilm zuwenden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er von MGM an den Produzenten Lazar Wechsler ausgeliehen. In dieser Zeit entstand unter anderem der Film Die Gezeichneten, der mit zwei Oscars ausgezeichnet wurde. Bis 1948 arbeitete Zinnemann für MGM, danach drehte er für verschiedene amerikanische Studios. Seine Unabhängigkeit bewahrte er sich später, indem er seine Filme selbst produzierte.
1951 drehte er mit dem Westernklassiker Zwölf Uhr mittags seinen vielleicht bekanntesten Film. Der Film erhielt 1953 vier Oscars und brachte Zinnemann die von dem New York Film Critics Circle verliehene Auszeichnung als bester Regisseur des Jahres ein.
Die Szene in Der Pate, in der ein Filmproduzent den enthaupteten Kopf seines Lieblingspferdes in seinem Bett vorfindet, soll auf einen realen Vorfall im Zusammenhang mit einem Filmprojekt Zinnemanns Bezug nehmen: Frank Sinatra, der enge Kontakte zur amerikanischen Cosa Nostra pflegte, soll 1953 für den Film Verdammt in alle Ewigkeit in ähnlicher Weise als Rollenbesetzung durchgesetzt worden sein.
Ein typischer Filmemacher Hollywoods war Zinnemann jedoch nicht. Nur einen Bruchteil seiner knapp sechs Jahrzehnte andauernden Karriere brachte er in Hollywood zu. Dennoch ermöglichte er während dieses Zeitraums späteren Hollywoodstars wie Montgomery Clift, Marlon Brando, Grace Kelly, Rod Steiger oder Meryl Streep in seinen Filmen erste Auftritte.Michael Omasta in der Wochenzeitung Falter. Nr. 17/2007, S. 67. Zinnemann wurde insgesamt fünf Mal mit einem Oscar ausgezeichnet, war weitere sechs Mal nominiert und gilt als einer der besten Regisseure des 20. Jahrhunderts.
Zinnemann erlag 1997 in London im Alter von 89 Jahren einem Herzinfarkt. 2008 wurde in Wien-Landstraße (3. Bezirk), in Sankt Marx, der Fred-Zinnemann-Platz nach ihm benannt.
Filmografie (Auswahl) Kamera 1930: Menschen am Sonntag
Regie 1936: Netze (Redes) 1938: That Mothers Might Live (Kurzfilm) 1941: Forbidden Passage (Kurzfilm) 1942: Der Gentleman-Killer (Kid Glove Killer) 1942: Die Spur im Dunkel (Eyes In The Night) 1944: Das siebte Kreuz (The Seventh Cross) 1948: Die Gezeichneten (The Search) 1948: Akt der Gewalt (Act of Violence) 1950: Die Männer (The Men) 1951: Teresa 1952: Zwölf Uhr mittags (High Noon) 1952: Das Mädchen Frankie (The Member of the Wedding) 1953: Verdammt in alle Ewigkeit (From Here to Eternity) 1955: Oklahoma! 1957: Giftiger Schnee (A Hatful of Rain) 1959: Geschichte einer Nonne (The Nun’s Story) 1960: Der endlose Horizont (The Sundowners) 1964: Deine Zeit ist um (Behold a Pale Horse) 1966: Ein Mann zu jeder Jahreszeit (A Man for All Seasons) 1973: Der Schakal (The Day of the Jackal) 1977: Julia 1982: Am Rande des Abgrunds (Five Days One Summer)
Auszeichnungen (Auswahl) Oscar
Gewonnen: 1939: Bester Kurzfilm That Mothers Might Live (Preis wurde an die Produktionsfirma MGM vergeben) 1952: Bester Dokumentar-Kurzfilm Benjy 1954: Beste Regie für Verdammt in alle Ewigkeit 1967: Beste Regie für Ein Mann zu jeder Jahreszeit 1967: Bester Film (als Produzent) für Ein Mann zu jeder Jahreszeit
Nominiert: 1948: Beste Regie für Die Gezeichneten 1953: Beste Regie für Zwölf Uhr mittags 1960: Beste Regie für Geschichte einer Nonne 1961: Bester Film (als Produzent) für Der endlose Horizont 1961: Beste Regie für Der endlose Horizont 1978: Beste Regie für Julia
British Academy Film Award
Gewonnen: 1968: Bester Film (als Produzent) für Ein Mann zu jeder Jahreszeit 1968: Bester britischer Film (als Produzent) für Ein Mann zu jeder Jahreszeit
Nominiert: 1974: Beste Regie für Der Schakal 1979: Beste Regie für Julia
Golden Globe Award
Gewonnen: 1954: Beste Regie für Verdammt in alle Ewigkeit 1967: Beste Regie für Ein Mann zu jeder Jahreszeit
Nominiert: 1958: Beste Regie für Giftiger Schnee 1960: Beste Regie für Geschichte einer Nonne 1961: Beste Regie für Der endlose Horizont 1974: Beste Regie für Der Schakal 1978: Beste Regie für Julia
New York Film Critics Circle Award
Gewonnen: 1952: Beste Regie für Zwölf Uhr mittags 1953: Beste Regie für Verdammt in alle Ewigkeit 1959: Beste Regie für Geschichte einer Nonne 1966: Beste Regie für Ein Mann zu jeder Jahreszeit
Nominiert: 1960: Beste Regie für Der endlose Horizont
Weitere 1954: Directors Guild of America Award für Verdammt in alle Ewigkeit 1954: Spezialpreis bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes für Verdammt in alle Ewigkeit 1959: Goldene Muschel beim Festival Internacional de Cine de San Sebastián für Geschichte einer Nonne 1959: National Board of Review Award in der Kategorie Beste Regie für Geschichte einer Nonne 1960: Stern auf dem Hollywood Walk of Fame (6629 Hollywood Blvd.) 1966: National Board of Review Award in der Kategorie Beste Regie für Ein Mann zu jeder Jahreszeit 1967: Directors Guild of America Award für Ein Mann zu jeder Jahreszeit 1970: Ehrenpreis der Directors Guild of America für sein Lebenswerk 1978: Ehren-Bambi für sein Lebenswerk 1978: David di Donatello für Julia 1978: Nastro d’Argento in der Kategorie Bester ausländischer Regisseur für Julia 1986: Berlinale Kamera bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 1996: Ehrenpreis beim Deutschen Filmpreis für sein Lebenswerk
Ehrungen 1967: GoldeneGina Galeta (Zusammenstellung): Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien 2008: Benennung des Fred-Zinnemann-Platz, Wien-Landstraße 2009: Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus, Weyrgasse 9, Wien-Landstraße
Literatur Antje Goldau, Hans Helmut Prinzler und Neil Sinyard: Zinnemann (Edition Filme, Band 1). München 1986 Dieter Krusche, Jürgen Labenski: Reclams Filmführer. 7. Auflage, Stuttgart 1987, ISBN 3-15-010205-7, S. 709. Hans Helmut Prinzler: Fred Zinnemann 1907–1997. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-010662-4, S. 855–858.
Einzelnachweise
Anmerkungen
Weblinks
Biografie mit Fotos (englisch)
Fred Zinnemann im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Oscarpreisträger Kategorie:Golden-Globe-Preisträger Kategorie:Träger der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold Kategorie:Träger des Deutschen Filmpreises Kategorie:Österreichischer Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Österreicher Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1907 Kategorie:Gestorben 1997 Kategorie:Mann