Ein Fuß () (englisch , Plural ), regional Schuh genannt, ist ein früher in vielen Teilen der Welt verwendetes Längenmaß, das je nach Land meist 28 bis 32 cm maß, in Extremfällen auch 25 und 34 cm.

Der Fuß ist neben der Fingerbreite, der Handbreite, der Handspanne, der Elle, dem Schritt und dem Klafter eine der ältesten Längeneinheiten.

Das einzige heute noch übliche Fußmaß, der englische Fuß, beträgt 1 ft = 30,48 cm (12 Zoll). Obwohl es sich nicht um eine SI-Einheit handelt, wird die Einheit Fuß auch international noch häufig verwendet, vor allem in der See- und Luftfahrt.

Ursprünge mini|Öffentlich zugängliche Etalons verschiedener Länge an der Außenwand des Royal Greenwich Observatory

Seit wann der Fuß als Maßeinheit verwendet wird, ist umstritten. Sichere Schlüsse können aus den frühesten Funden von Maßstäben gezogen werden. Das älteste unbeschädigte Fundstück dieser Art ist die sogenannte Nippur-Elle aus Mesopotamien. Durch Einkerbungen erschließen sich Untereinheiten zu 30 Fingerbreit (digiti à 1,73 cm), woraus sich die Maßeinheiten Fuß mit 16 digiti (27,6 cm) sowie die Handbreite (palmus = 4 digiti) ergeben. Versuche, die Länge der Elle an Gebäuden zu überprüfen, führten zu einem Mittelwert von 518,65 mm.Rolf C. A. Rottländer: Antike Längenmaße. Untersuchungen über ihre Zusammenhänge. Vieweg, Braunschweig 1979, ISBN 3-528-06851-5, S. 7 f.

Ob daraus – wie im Fall des megalithischen Yard – ein gemeinsames Urmaß abgeleitet werden kann, ist in der Fachwelt umstritten. Identische Längen oder ihre Untereinheiten in verschiedenen Kulturen könnten auch eine Folge der Einheitlichkeit von Körpermaßen sein, auf die sie zurückgehen.Siehe z. B. O. A. W. Dilke: Mathematik, Maße und Gewichte in der Antike (übersetzt von R. Ottway), Reclam, Stuttgart 1991, ISBN 3-15-008687-6, S. 15. Für ein einheitliches Urmaß argumentiert R. Rottländer.

Antike Noch vor der IV. Pharaonen-Dynastie teilten ägyptische Geometer die Nippur-Elle nur noch in 28 Teile. Dadurch wuchs der Fuß als Maß auf 51,8 cm ÷ 28 × 16 ≈ 29,6 cm. Genau diese Länge hatte auch das römische Fußmaß. Demnach unterhalten der megalithische bzw. Nippur-Fuß und der römische Fuß ein Verhältnis von genau 28 zu 30.

Ein Fuß (lat. pes ≈ 29,6 cm) ist also vier Handbreit (lat. palmus ≈ 7,4 cm) bzw. sechzehn Fingerbreit (lat. digitus ≈ 1,85 cm). Neben dem offiziellen pes monetalis wurde in einigen Teilen der römischen Nordwestprovinzen auch der sogenannte pes drusianus (≈ 33,27 cm) verwendet, der gegenüber dem offiziellen Fußmaß um etwa 2 digiti länger war. Er wurde benannt nach dem Feldherrn Nero Claudius Drusus.Clive J. Bridger: The Pes Monetalis and the Pes Drusianus in Xanten. In: Britannia 15, 1984, S. 85 ff. Das „Vier-Fuß-Maß“ nannte man in der Spätantike auf Lateinisch ulna (Elle). Das „Maß von 1½ Fuß“ ist die natürliche Elle (lat. cubitus). Das „Fünf-Fuß-Maß“ ist der Doppelschritt (lat. passus). Das englische Yard hat genau drei Fuß.

Im alten Griechenland zum Beispiel gab es neben dem hauptsächlich verwendeten, eigentlichen Fuß (griechisch pous) zu 16 Fingerbreit auch eine sogenannte Pygme zu 18 Fingerbreit. Diese Pygme (Unterarm bis zum Handgelenk) wurde oft in Übersetzungen in Ermangelung eines geeigneten Wortes auch als „Fuß“ bezeichnet. Dennoch kann festgehalten werden, dass über die gesamte Zivilisationsgeschichte hinweg der Fuß stets 16 Fingerbreit beträgt, wobei der „Finger“ als die eigentliche Grundeinheit angesehen werden kann.

Unter den mannigfaltigen, stets voneinander abgeleiteten griechischen Systemen sind vor allem der gemeingriechische Fuß zu nennen (wissenschaftlich seit Heron auch als Pous metrios bezeichnet), der später österreichischer Fuß wurde, sowie der besonders für die Erdvermessung des Eratosthenes relevante griechisch-kyrenaische Fuß der Antike.

Griechische FußmaßeWolfgang Trapp: Kleines Handbuch der Maße, Zahlen, Gewichte und der Zeitrechnung. Bechtermünz Verlag im Weltbildverlag GmbH, Augsburg 1996, S. 206, ISBN 3-86047-249-6. 1 Fuß (äginetischer) = 33,30 Zentimeter 1 Fuß (altattischer) = 33,00 Zentimeter 1 Fuß (attischer) = 31,04 Zentimeter 1 Fuß (dorischer) = 32,65 Zentimeter 1 Fuß (ionischer) = 34,83 Zentimeter 1 Fuß (makedonischer) = 27,50 Zentimeter 1 Fuß (olympischer) = 32,05 Zentimeter 1 Fuß (solonischer) = 29,60 Zentimeter

Mittelalter und frühe Neuzeit mini|Längenmaße am Alten Rathaus in Regensburg: Schuh (= Fuß), Elle und Klafter mini|Der Nieder-Erlenbacher Schuh hatte 28,3 cm.

Erst im Mittelalter mit seiner Vorliebe für das Duodezimalsystem wurde der Fuß statt in sechzehn in zwölf Untereinheiten geteilt. Dadurch ergab sich die Daumenbreite, das sogenannte Zoll (lat. uncia, engl. inch, frz. pouce). Auch in anderen Kulturkreisen, z. B. in Japan oder China, sind Längenmaße in Größe des menschlichen Fußes bekannt.

Ein karolingischer Fuß maß 32,24 cm, der „Pariser Königsfuß“ 32,48 cm (vermutlich vom pes drusianus abgeleitetRolf C. A. Rottländer zur Verbreitung vormetrischer Längeneinheiten) und der weit verbreitete Rheinfuß knapp 31,4 cm.

Der Karlsfuß war auf 32,5 Zentimeter festgelegt.

Bei nahezu allen Bauwerken des Mittelalters wurde der Fuß als Grundbaumaß verwendet. Er lässt sich bei Kirchenbauwerken meist durch Teilung des Breitenmaßes mit einer theologisch relevanten ganzen Zahl rekonstruieren. Die Dombauhütten und ihre Baumeister verwendeten regional unterschiedliche eigene Fußmaße, die entweder antike Fußmaße oder deren Ableitungen waren. Die rekonstruierten Längen liegen zwischen 25 und 35 cm.

Mit der Einführung des dezimalen Meters in Frankreich im Jahre 1793 brach man erstmals in der Menschheitsgeschichte mit der Verwendung aller konkret auf den Menschen bezogenen Grundmaße sowie mit der traditionellen Bezugnahme auf andere, schon bestehende Maße. Die neue Referenz sollte nun der Erdumfang sein. In bestimmten Bereichen, etwa der Landvermessung und Schifffahrt, wurden allerdings schon zuvor verschiedene „geografische Meilen“ (z. B. in Deutschland 1/15 Äquatorgrad lang) und davon abgeleitete Größen verwendet. Der Meter wurde rein abstrakt als zehnmillionster Teil der Entfernung vom Pol zum Äquator definiert. In der Folge verschwand das klassische menschliche Fußmaß im Geltungsbereich des Meters.

Zur Vereinfachung und besseren Akzeptanz der Umstellung auf den Meter wurde im 19. Jahrhundert da und dort das alte Fußmaß auf runde Werte des neuen Systems gebracht. Dieser erneuerte Fuß entsprach im Großherzogtum Hessen genau 25 cm, im Großherzogtum Baden sowie in der Schweiz (siehe auch: Schweizer Fuss) genau 30 cm und im Herzogtum Nassau genau 50 cm. Diese Einheiten wurden dann meistens in zehn statt wie zuvor in zwölf Zoll geteilt. Andere Staaten beschränkten sich darauf, ihren Fuß und andere Maßeinheiten in Abhängigkeit zum metrischen Systems zu definieren.

Deutschsprachiger Raum miniatur|Aus dem Lehrbuch des gesammten Rechnens für die vierte Classe der Hauptschulen in den k. k. Staaten (1848)

Die verschiedenen alten deutschen Fußmaße sind durch den Norddeutschen Bund und die Übernahme seiner Gesetze bei der Gründung des Deutschen Reiches (1871) sowie den darauf folgenden deutschen Beitritt zur internationalen Meterkonvention (1875) ganz aufgegeben worden. In Österreich galt überwiegend der pous metrios zu 31,61 cm.

Terminologisch entsprach dem Fuß regional der Schuh, beispielsweise in weiten Teilen der Deutschschweiz.Schweizerisches Idiotikon, Band VIII, Spalte 457 f. (Artikel Schueh, Bedeutung 2; idiotikon.ch).

Beispiele der Fußmaße in einigen deutschen Städten und Ländern (gerundet): 282 mm in Weimar 283 mm in Sachsen 285 mm in Frankfurt am Main 286 mm in Württemberg 287 mm in HamburgJürgen W. Koch: Der Hamburger Spritzenmeister und Mechaniker Johann Georg Repsold (1770–1830). Diss. Hamburg 2001, S. 179 (Google Books).Lagen der Thürme und der Sternwarte in Hamburg gegen den Thurm der grossen Michaeliskirche nebst ihren Höhenunterschieden und Tafeln, um das Hamburger Fussmaass in Dänisches, Preussisches, Französisches und Englisches Maass, und die fremden Maasse in Hamburger Fussmaass zu verwandeln. S. 8. Perthes-Besser & Mauke, Hamburg 1843. 288 mm in Hessen-Kassel 288 mm in Hessen-Darmstadt 289 mm in Bremen 291 mm in Aschaffenburg 292 mm in Bayern 292 mm in Hannover 296 mm in Augsburg (römischer Fuß) 296 mm in Oldenburg (römischer Fuß) 297 mm in Salzburg (Erzstift, römischer Fuß) 304 mm in Nürnberg 304 mm in Meiningen-Hildburghausen 314 mm in Preußen (Rheinfuß) 316 mmDr. Franz Mozhnik: Lehrbuch des gesammten Rechnens für die vierte Classe der Hauptschulen in den k.k. Staaten. Im Verlage der k.k. Schulbücher Verschleiß-Administration bey St. Anna in der Johannisgasse, Wien 1848. S. 131 als jpg-Datei. in Wien, Österreich  (Pous metrios)

Reformierte Fußmaße im Rheinbund (ab 1806) bzw. nach dem Wiener Kongress (1814/1815) sowie in der Schweiz (gemäß Konkordat von 1835): 25 cm in Hessen 30 cm in Baden und in der Schweiz 33⅓ cm in der Pfalz

Spezielle Fußmaße: 291 mm im Schiffbau (Schiffsfuß) in Lübeck 284,91 mm als Katasterfuß in Kurhessen 292,87 mm als Artilleriefuß in Bayern

Europäische Fußmaße mini|Rheinische Elle und rheinischer Fuß, öffentliches Maß am alten Rathaus Mannheim, 1711 mini| Preußische Elle und preußischer Fuß am Rathaus von Bad Langensalza, Thüringen mini| Kulmbacher Fuß, 29 cm mini| Preußischer Fuß am Rathaus von Mühlhausen/Thüringen, 37,6 cm, 1825 Name Pariser Linien Millimeter 1 Amsterdamer Fuß 125,48 283,0615 1 Ansbacher Stadt-Fuß 132,92 299,8447 1 Antwerpener Fuß 126,6 285,588 1 Aschaffenburger Fuß 127,45 287,5 1 Augsburger Fuß 131,29 296,1678 1 Bamberger Feldschuh 124,296 280,3905 1 Berliner Fuß 139,13 313,8536 1 Braunschweiger Fuß 126,5 285,3625 1 Breslauer Fuß 127,65 287,9567 1 Brüsseler Fuß 122,2 275,6624 1 dänischer Fuß 139,13 313,8536 1 Danziger Fuß 127,15 286,8287 1 Dresdener Fuß 123,3 283,1066 1 Eichstädter Fuß 134,784 304,0498 1 Frankfurter Fuß 126,162 284,6 1 Fuldaer Fuß 125,4 282,881 1 alter Fuß, Griechenland 135,8 306,3417 1 mittlerer Fuß, Griechenland 138,6072 310,6473 1 Hamburger Fuß 127,0 286,4903 1 Karlsruher Feldfuß 123,336 278,2250 1 Karlsruher Werkfuß 129,0528 291,1212 1 Königsberger Fuß 136,4 307,6952 1 Krakauer Fuß 158,0 356,4211 1 Leipziger Fuß 125,3 282,6555 1 Londoner Fuß 135,1154 304,7974 1 Münchner Fuß 129,38 291,8593 1 Nassauer FeldfußJohann Christian Nelkenbrecher: Allgemeines Taschenbuch der Maaß-, Gewichts- und Münzkunde, der Wechsel-, Geld- und Fondscourse usw. für Banquiers und Kaufleute. Sandersche Buchhandlung, Berlin 842, S. 444.221,648500,00 1 Nassauer Markfuß132,99300,00 1 Nürnberger Artilleriefuß 129,83 292,87031 Nürnberger Stadt-Schuh134,75303,969 1 Pariser Fuß 144,00 324,8394 1 Prager Fuß (Böhmen) 131,4 296,416 1 Regensburger Fuß 139,0 313,5603 1 Rheinländer Fuß 139,13 313,8536 1 römischer alter Fuß 130,68 294,7918 1 römischer neuer Fuß (Palmo) 99,03 223,3948 1 russischer Fuß 238,6 538,10 1 Salzburger Fuß 131,6 296,8672 1 schwedischer Fuß 131,6 296,8672 1 spanischer Fuß 125,8 282,6555 1 Tiroler Fuß 148,11 334,111 1 venezianischer Fuß 154,0 347,3978 1 Wiener Fuß 140,127 316,1023 1 Wiesbadener Fuß127,36297,298 1 Württembergischer Fuß 127,00 286,4904 1 Würzburger Fuß 129,3661 291,8279 1 Zürcher Fuß 133,6005 301,38 (Quelle unter; für Zürich Hans Kläui, Otto Sigg: Geschichte der Gemeinde Zell. Zürich 1983 (beispielhaft für etliche Ortschroniken).)

Limprandischer Fuß Mit limprandischer Fuß wurde neben dem normalen oder ordinären Fuß das Längenmaß Fuß in Alessandria bezeichnet. Der Unterschied in der Länge war 1 limprandischer Fuß = 12 Zoll = 227,7 Pariser Linien = 0,51367 Meter 1 ordinärer Fuß = 8 Zoll = 151,8 Pariser Linien = 0,342435 Meter

(Quelle unterGotthard Oswald Marbach: Populäres physikalisches Lexikon. Band 2, Otto Wigand, Leipzig 1835, S. 470.Johann Friedrich Krüger: Vollständiges Handbuch der Münzen, Masse und Gewichte aller Länder der Erde. Gottfried Basse, Quedlinburg/Leipzig 1830, S. 100.)

Außereuropäische Fußmaße