Der Hindukusch () ist ein Gebirge in Zentralasien. Bei den Geographen der Antike wurde er auch als Parapanisos bzw. Paropamisos bezeichnet.http://www.zeno.org/Georges-1913/A/Paropamisus Er liegt größtenteils in Afghanistan, der östliche Teil mit den höchsten Gipfeln liegt in Pakistan. Im äußersten Osten verläuft er entlang der pakistanisch-chinesischen Grenze. Der höchste Berg ist der Tirich Mir ().

Die Herkunft des Namens Hindukusch wird, übersetzt als „Hindu-Mörder“, von dem Forschungsreisenden Ibn Battūta (1304–1377) auf die zahlreichen Hindu-Sklaven zurückgeführt, die bei ihrem Weg von Indien nach Turkestan in diesen Bergen ums Leben kamen. Ursprünglich bezog sich der Name wohl nur auf die Bergkette nördlich von Kabul. Alternativ lässt er sich als „indische Berge“ interpretieren, vgl. Kuhestan als „Bergland“. Der Wortbestandteil -kusch wäre dann ein Kognat zum persischen kuh (Berg). Vergleiche auch das Kuschi-Gebirge in Belutschistan und das Imperium Kuschana, welches sich unter anderem über den Hindukusch erstreckte. Älter und zumindest artverwandt wäre auch die Bezeichnung als Kaukasus Indicus zur Indo-Griechischen Zeit.

Geografie mini|hochkant=1.2|Physische Karte Der größte Teil des Hindukusch liegt in Afghanistan und besteht aus wuchslosen, ca. 4000 bis 5000 m hohen Bergen. Die Hauptkette des Hindukusch in der Grenzregion zu Pakistan ist dagegen ein mit dem Himalaya vergleichbares Hochgebirge mit bis zu 20 km langen Gletschern. Gelegentlich wird der Hindukusch als Teil des Himalaya betrachtet oder die beiden Gebirge werden zusammen mit dem Karakorum zur geologischen Gebirgseinheit Hindukusch-Karakorum-Himalaya-Kette (HKH) vereint. Ebenfalls mit HKH abgekürzt wird die Hindukusch-Himalaya-Region, eine länderübergreifende Entwicklungsregion in Südasien. Zudem ist der Hindukusch (Östlicher und zentraler Teil immer, westlicher Teil je nach Autor) Teil des kontinentalen Gebirgssystems Hochasien.

Die Ausdehnung des Hindukusch beträgt in Ost-West-Richtung rund 800 km, in der Breite variiert sie zwischen 50 und 350 km. Obwohl die Encyclopædia Britannica ebenfalls eine Ausdehnung von 800 km nennt, erklärt sie in ihrem Artikel weiter unten, dass eine Festlegung der östlichen und westlichen Grenze des Hindukusch schwierig und nicht eindeutig ist. Anschließend führt sie folgende Unterteilung mit Grenzen auf:Hindu-Kush, Encyclopædia Britannica Online, freier Zugang pro IP beschränkt. Östlicher Hindukusch: vom Karambar-Pass im äußersten Osten bis zum Dorah-Pass Mittlerer Hindukusch: vom Dorah-Pass bis zum Shibar-Pass nordwestlich von Kabul Westlicher Hindukusch: vom Shibar-Pass bis zur Stadt Herat an der Grenze zu Iran und darüber hinaus.Dies würde die gesamten fächerförmigen Gebirgszüge in Zentral-Afghanistan wie beispielsweise den Koh-e Baba mit einschließen. Dann wäre der Hindukusch 1100 bis 1200 km lang.

Grenze

Im Nordosten ist das Gebirge zum Pamir durch den Pandsch und dessen Quellfluss Wachandarja begrenzt. Über den Wakhjir-Pass zwischen Afghanistan und China schließt sich das Tal des Taschkorgan an. Diesem folgt die Grenze flussabwärts Richtung Osten bis zum Zufluss eines unbekannten Flusses aus Richtung Süden, was den nordöstlichsten Punkt des Hindukusch darstellt (). In diesem Tal flussaufwärts Richtung Süden verläuft auch der Karakorum Highway – hier als die chinesische Nationalstraße G314, die den äußersten Osten des Hindukusch darstellt. Die Grenze verläuft der Straße folgend bis zum Kunjirap-Pass (), der den Übergang zum Karakorum darstellt. Die Grenze Hindukusch-Karakorum geht nun weiter Richtung Westen dem Highway folgend das gesamte Kunjirap-Tal flussabwärts bis zu dessen Vereinigung mit dem Kilik (). Hier verlässt die Grenze die Straße und geht das Kilik-Tal hinauf. Über den Kermin-Pass () wechselt die Grenze in das südliche Nachbartal des Chapursan. Dort weiter flussaufwärts bis zum Chillinji-Pass (). Danach kurz hinunter ins Karambar-Tal. Ab hier beginnt die südliche Grenze zum Hinduraj. Diese verläuft zunächst das Tal hinauf bis zum Karambar-Pass (). Westlich davon folgt die Grenze dem Yarkhun flussabwärts, bis dieser in den Mastuj () und dieser wiederum in den Kunar (auch „Chitral“) () mündet. Dieser passiert die Grenze von Pakistan nach Afghanistan, bis er schließlich bei Dschalalabad in den Fluss Kabul () fließt. Dschalalabad liegt an den südlichsten Ausläufern des Hindukusch. Die Grenze verläuft weiter den Fluss Kabul flussaufwärts.

Im Südwesten grenzt der Hindukusch an die Gebirgsketten Zentral-Afghanistans, unter anderem den Koh-e Baba.

Auswirkungen des Klimawandels Die globale Erwärmung hat Einfluss auf das Klima des Hindukusch. Eine Studie von Philippus Wester et al. aus dem Jahr 2019, an der mehr als 350 Forscher beteiligt waren, kommt zu dem Ergebnis, dass selbst beim Erreichen des 1,5-Grad-Ziels aus dem Pariser Übereinkommen etwa ein Drittel der Eisflächen des Himalaya und Hindukusch verloren gehen wird. Da sich die Wasserversorgung von beinahe zwei Milliarden Menschen aus den Gletschersystemen speist, könnte es bei Bewahrheitung des Klimamodells zu schwerwiegenden Folgen für die Bevölkerung kommen.Philippus Wester, Arabinda Mishra, Aditi Mukherji, Arun Bhakta Shrestha (2019). The Hindu Kush Himalaya Assessment: Mountains, Climate Change, Sustainability and People, ISBN 978-3-319-92288-1 https://link.springer.com/book/10.1007%2F978-3-319-92288-1 Der Klimatologe Philippus Wester kommentiert seine Erkenntnisse wie folgt: „Die globale Erderwärmung ist dabei, die eisigen, mit Gletschern bedeckten Gipfel des [Hindukusch-Himalaya], die sich über acht Länder erstrecken, innerhalb von etwas weniger als einem Jahrhundert in kahle Felsen zu verwandeln.“

Berge mini|Tirich Mir, der höchste Berg des Gebirges

Höchste Berge Der höchste Berg ist über hoch.Afghanistan ultra-prominent peaks. peaklist.org Eine Auswahl:

Name Höhe in [m] LandTirich Mir 7708 PKNoshak 7492 AF, PKIstor-o-Nal 7403 PKSaraghrar I 7338 PKUdren Zom 7140 PKLunkho e Dosare 6901 AF, PKKuh-e Bandaka 6843 AFKoh-e Keshni Khan 6743 AFSakar Sar 6272 AF, PKKoh-e Mondi 6234 AFMīr Samīr 5809 AF

Weitere Berge in Afghanistan Folgende Berge sind vergleichsweise niedrig, haben aber eine Bedeutung für die Menschen des Landes mit hinduistischen Glaubensrichtungen. Koh-e Kuschkak, Taywara, Ghor Koh-e Kuschkak, Chishti Shariff, Herat Koh-e Kuschk, Tschaghtscharan, Ghor Qaryah-ye Fil Kush, Farah Koh-e Koschah, Panjab, Bamiyan (Panjab = Fünf Wasser wie Punjab) Koh-e Kuschkak, Sar-i Pul (Provinz) Koh-e Koschashi, Dawlat Shah, Laghman Koh-e Hindaki, Kabul Koh-e Buzkusch, Badachschan Kham-e Hindu, Kabul Koh-e Chehelsotun, Kabul Jahan Pahlavan Ghar, Ghar Paschtu = Berg, Persisch = Berghöhle, Paktia Kūh-e Hādschī-ye Koschte, Hazarsum, Samangan Sang-e Rostam, Day Chopan, Zabul Koh e Hawz e Rostam, Parwan Koh e Takhte Rostam e Tscha Mar, Zābol, Iran Nimrus Koh e Asamai Kabul Koh-e Hindu, Mir Bacha Kot, Provinz Kabul Koh-e Hindu, Ghorband, Parwan Koh-e Deh-e Hindu, Wardak Koh-e Hindu (Farah), Gulistan, Farah Koh-e Hindukus, Chindschan, Baglan Kuh-e Urtemir, Nahrain, Baglan, siehe auch (Pamir, Kaschmir, Tirich Mir) Kushmand Gar, Alingar, Laghman (ḠĀR oder Ghar = Berg / Berghöhle کش منډ غر) Kashtun Ghar, auch Kushtun Gar, Waygal, Nuristan (کش تون غر) Kushtoz Ghar, Nuristan

Politischer Kontext Die südöstlichen Ausläufer des Hindukusch (wie etwa die Spīn-Ghar-Kette oder das Sulaimangebirge) waren das Hauptrückzugsgebiet der Taliban-Milizen. Deutschland war ab 2001 in Afghanistan mit der Bundeswehr im Einsatz. Im Hinblick darauf äußerte der damalige Bundesminister für Verteidigung Peter Struck am 4. Dezember 2002: „Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt.“

Pässe

Die Hindukusch-Pässe ( oder ) heißen: Name pers. Name (Kotal e …) Höhe in [m] Koord. Land Bazak 5000 Naksan 5050 Kan Chin 4900 Marastrak 5760 Salangpass Salang 3878 () AF Aqrabat-Pass Aq Rabat 3600 () AFKushan-Pass Kushan 4300 Tschar Dar 4236 Khawak-Pass Khawak 3848 () AF Pilo 3600 Dandan Shekan 2700 Dalan Sank Shatal 3560 Shibar-Pass Shibar 3000 () AFBroghol-Pass Broghol 3798 () AF, PKDorah-Pass Dorah 4300 () AF, PKIrshad-Pass Irshad 4977 () AF, PKUnai-Pass Unai 3300 () AFWakhjir-Pass Wakhjir 4923 () AF, CN

Geologie Der Hindukusch gehört zu den Faltengebirgen, die mit dem Eindringen der Indischen Platte in das zentralasiatische Festland aufgeworfen werden, und ist geologisch noch relativ jung. Sein Wachstum hält an.

Ökologische Höhenstufen Bei den ökologischen Höhenstufen sind zwei Gebiete zu unterscheiden: Die nordwestliche Abdachung des Hindukusch (z. B. Ghorbandtal, Pandschschir-Tal) ist trocken. Die südöstliche Seite (z. B. Nuristan, Laghman) ist feucht und wird vom Monsun beeinflusst.

Schematische Übersicht Stufe Westlicher Hindukusch Südöstlicher Hindukusch Schneegrenze 4800–5200 5200–5400 Subnivalstufe 4200–4800 offene Schuttfluren 4300–5200 Schuttfluren Alpine Stufe 3600–4200 Schuttfluren (Leucopoa) 3500–4300 Alpine Rasen, Matten und Schuttfluren, Quellfluren Subalpinstufe 2800–3600 Dornpolster, Gebirgshalbwüste 3000–3500 Krummholz-/Dornpolster-Mosaik; Hochstauden, Quellfluren Waldgrenze nicht erkennbar 3000–3150 Nadelhölzer, Juniperus, Betula Nadelwaldstufen 2000–2800 kaum vorhanden (meist Gebirgshalbwüste, selten offene Juniperusfluren) 2200–3000 Abies, Picea, Cedrus, Pinus (in einzelnen Talschaften sehr unterschiedlich) Laubwaldstufen 1400–2000 kaum vorhanden, Pistacia vera im Norden, andere Pistacia-Arten und Amygdalus in Zentral- und Südwestafghanistan (offene Baumfluren) 1000–2300 Quercus balout-Hartlaubwälder (z. T. noch andere immergrüne Quercus-Arten bis 2800 m) Talbereiche < 1400 Halbwüste, Wüste, Flussoasen (im Norden: z. T. Steppen) 700–1100 subtropischer Trockenbusch mit Vorland~ Dorngehölzen (Reptonia, Stocksia) < 700 subtropischer Trockenbusch und Halbwüsten (Aerva, Rhazia, Flussoasen)

Literatur Burchard Brentjes: Der Knoten Asiens – Afghanistan und die Völker am Hindukusch. Tusch, Wien 1984, ISBN 3-85063-143-5. Eric Newby: Ein Spaziergang im Hindukusch. Eichborn-Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-8218-4510-4. Karl Jettmar u. a.: Die Religionen des Hindukusch. Kohlhammer, Stuttgart 1975, ISBN 3-17-002092-7. Karl Jettmar: Cultures of the Hindukush. Steiner, Wiesbaden 1974, ISBN 3-515-01217-6. Heinrich F. J. Junker; Bozorg Alavi: Wörterbuch persisch-deutsch. Langenscheidt, Leipzig / Berlin / München / Wien / Zürich / New York 1992. Ali Akbar Dehkhoda, Mohammad Moin, Jafar Shahidi u. a.: Loghat Nāmeh Dehkhodā. Dāneshgāh Tehrān (Universität Teheran), 1991. Al Qanun al Masudi. 3 Bände, Hyderabad 1954, Bd. 1 S. 4–5 E. Sachau (Hrsg.): Ta’ rih al-Hind. London 1887. Eng. Übersetzung von E. Sachau: Alberuni’s Indi. London 1888 (Bd. 1) und 1910 (Bd. 2) M. Krause: Albiruni, ein iranischer Forscher. In: Der Islam. 26, no. 1 (1942), , S. 1–15. E. Wiedemann: Geographisches von al-Biruni. In: SBPMS. Erlangen, Beiträge 44/1912 Habibo Brechna: Die Geschichte Afghanistans. Die Zitadelle von Kabul und das historische Umfeld Afghanistans über 1500 Jahre. vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, Zürich 2005, ISBN 3-7281-2963-1. Friedrich Rückert: Firdosi’s Königsbuch (Schahname) Sage I-XIII. 1890. (Nachdruck: epubli, Berlin 2010, ISBN 978-3-86931-356-6, S. 136–239)

Weblinks

The Hindu Kush NASA Visible Earth

Einzelnachweise und Anmerkungen

Kategorie:Hochgebirge Kategorie:Afghanisch-pakistanische Beziehungen