mini|Slavoj Žižek (2026) Slavoj Žižek [] (* 21. März 1949 in Ljubljana, VR Slowenien, Jugoslawien) ist ein slowenischer Philosoph, Wissenschaftler am Institut für Philosophie der Universität Ljubljana und internationaler Direktor des Birkbeck Institute for the Humanities der Universität London. Er ist außerdem Professor für Philosophie und Psychoanalyse an der European Graduate School und Global Distinguished Professor für Germanistik an der New York University. Er arbeitet zu Themen wie Kontinentalphilosophie, Politische Theorie, Sozialpsychologie, Psychoanalyse, Kulturwissenschaft, Kunstkritik, Filmkritik, Marxismus, Hegelianismus und Theologie.

Žižeks eigenwilliger Stil, seine populären akademischen Werke, häufige Veröffentlichungen in Zeitschriften und die kritische Assimilation von Hoch- und Popkultur haben ihm internationalen Einfluss, Kontroversen, Kritik und ein beträchtliches Publikum außerhalb der Wissenschaft eingebracht. 2012 führte Foreign Policy Žižek auf der Liste der 100 weltweit führenden Denker und nannte ihn „einen prominenten Philosophen“. An anderer Stelle wurde er als „Elvis der Kulturtheorie“ und „gefährlichster Philosoph des Westens“ bezeichnet. Žižek wird als „der führende Hegelianer unserer Zeit“ bezeichnet und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Lacanianischen Theorie.

Leben Žižek wurde 1949 im slowenischen Landesteil des damals sozialistischen Jugoslawien geboren. Zunächst studierte er Philosophie und Soziologie an der Universität Ljubljana. Žižek war Schüler des Philosophen Božidar Debenjak. Er schrieb 1975 seine Masterarbeit über den französischen Strukturalismus, die ihn jedoch politisch verdächtig machte und ihn eine bereits zugesagte Universitätsstelle kostete. Bis 1977 schlug er sich mit Übersetzungen deutscher Philosophen durch und leistete seinen Wehrdienst in der jugoslawischen Armee. 1977 erhielt er eine Stelle als Protokollant beim Zentralkomitee der slowenischen Kommunisten. Obwohl er weiterhin als politisch verdächtig galt, schrieb er einige Reden für hochrangige Kommunisten. 1979 verschafften ihm Freunde eine Forschungsstelle am Institut für Soziologie an der Universität Ljubljana, wo er 1981 in Philosophie promovierte. Danach studierte er von 1981 bis 1985 an der Universität Paris VIII bei dem Lacan-Schüler, ‑Schwiegersohn und ‑Nachlassverwalter Jacques-Alain Miller, wo er erneut promovierte, diesmal auf dem Gebiet der Psychoanalyse.

Seine erste englischsprachige Buchveröffentlichung The Sublime Object of Ideology erschien 1989 und brachte ihm erstmals internationale Anerkennung ein. Seitdem veröffentlicht Žižek regelmäßig Monographien, in denen er sich zunächst um eine lacanianische Lesart der Philosophie, der Populärkultur und in den letzten Jahren zunehmend der Politischen Theorie bemühte. Seine Werke wurden bislang in 20 Sprachen übersetzt.https://www.bbk.ac.uk/our-staff/profile/8007763/slavoj-zizek#overview Er war lange Herausgeber der Zeitschrift der slowenischen Lacan-Schule „Wo Es war“.

Žižek ist unter anderem Professor für Philosophie an der Universität seiner Heimatstadt Ljubljana. 2001 war er Fellow des Kollegs Friedrich Nietzsche.Fellows. In: Klassik-Stiftung.de. Seit Anfang 2007 ist er International Director des Birkbeck Institute for the Humanities an der University of London.About Us – Staff. In: The Birkbeck Institute for the Humanities. (Website).

Unter dem Titel Fragen Sie Slavoj Žižek schreibt er eine regelmäßig in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erscheinende Kolumne. Zudem werden regelmäßig seine Artikel in Die Welt, Neue Zürcher Zeitung und Die Zeit veröffentlicht.

Politisch engagiert sich Žižek seit den 1980er Jahren. Zunächst als kritischer Kolumnist der alternativen Jugendzeitschrift Mladina, trat er 1988 aus Protest aus dem Bund der Kommunisten Sloweniens mit 32 weiteren slowenischen Intellektuellen aus. Im Jahr 1990 war Žižek Kandidat in den ersten demokratischen Wahlen Sloweniens für das sogenannte „kollektive Präsidium“ der Liberaldemokratie Sloweniens. Slavoj Žižek ist Mitglied der 2016 gegründeten Bewegung Demokratie in Europa 2025 (DiEM25).Website der Bewegung DiEM25

Für sein Forschungsprojekt „Antinomien der postmodernen Vernunft“ erhielt Žižek 1999 den mit einer Million DM dotierten Kulturwissenschaftlichen Forschungspreis des Landes Nordrhein-Westfalen.Ulrich Deuter: Die Mega-Meta-Disziplin. Die Großerzählungen sind verstummt. In: Der Tagesspiegel. 22. Januar 2001.

Žižek hat viermal geheiratet und hat zwei Söhne. Mitte der 1970er Jahre heiratete er zum ersten Mal und hat aus dieser Ehe seinen ersten Sohn Kostja. Es folgte eine Ehe mit der slowenischen Philosophin und Soziologin Renata Salecl, mit der er einen Sohn hat. Von 2005 bis 2011 war er mit dem 30 Jahre jüngeren Model Analia Hounie verheiratet, der Tochter eines argentinischen Psychoanalytikers. 2013 schloss er die Ehe mit der 31 Jahre jüngeren slowenischen Journalistin Jela Krečič.Nevio Pintar: Filozof i osvajač žena. Tri propala braka iza Slavoja Žižeka: 'nakon razvoda uvjeren sam da tu osobu nikad nisam ni volio'. Gloria, 4. Mai 2019.Slovenski žigolo Žižek: štirikrat poročen, zadnja 30 let mlajša. Žižek ima tudi dva sina. Slovenske novice, 19. April 2019.

Werk Als Žižeks Hauptwerke gelten Die Tücke des Subjekts und The Sublime Object of Ideology. In diesen Büchern entfernte er sich von der traditionellen marxistischen Theorie, um einen besser analysierten, materialistischen Begriff von Ideologie zu entwickeln, der sich stark auf die Psychoanalyse Jacques Lacans und die Philosophie Georg Wilhelm Friedrich Hegels stützt. Seine theoretischen Arbeiten wurden ab den neunziger Jahren zunehmend vielseitiger und politischer. Sie beschäftigten sich häufig mit der kritischen Analyse unterschiedlicher Formen der Popkultur und aktuellen politischen Ereignissen, wodurch er zu einer populären Figur der akademischen Linken wurde.

Das Werden des Subjekts Žižeks Texte kreisen um Identitäten, Identitätsbildung und ihre wechselnden Beziehungen zu den sie umgebenden Geflechten aus Ideologien, gesellschaftlichen Verhältnissen und psychischen Konstellationen des Unbewussten. Eine entscheidende Rolle spielt dabei Lacans Konzeption des Anderen, über den sich das Subjekt erst als Eigenes konstituiert. Dieser Andere besitzt nach Lacan zwei Dimensionen: Den „großen Anderen“ und den „kleinen Anderen“.

Das Objekt klein a ist das Objekt des Begehrens des Subjekts, nach dem das Subjekt hinstrebt und mit dem es sich zu vereinigen versucht – idealtypisch ist hierfür das sexuelle Begehren eines anderen Menschen. Das Objekt dieses Begehrens ist im Grunde beliebig und austauschbar, solange es in den Rahmen des persönlichen Phantasmas, die persönlichen Phantasien, passt, der es erst begehrenswert macht. Denn erst ein bestimmter Ort innerhalb der psychischen Struktur des Subjekts verleiht dem Objekt seine Bedeutung als – wie man mit einem Filmtitel von Luis Buñuel sagen könnte – „obskures Objekt der Begierde“.

Eine der wesentlichen Eigenschaften dieses Objekts klein a – bzw. seiner Position in der Struktur des Subjekts – ist, dass es dem Subjekt immer schon entzogen ist. Gerade der Mangel im Subjekt treibt das Subjekt zu seinen Handlungen an. Žižek veranschaulicht das am Hitchcock’schen Objekt des MacGuffins, einem an sich bedeutungslosen und austauschbaren Objekt (ein Geheimplan, eine Formel etc.), das nur dazu dient, die Handlung des Films in Gang zu bringen: „MacGuffin ist eindeutig objet petit a: der Mangel, das Überbleibsel des Realen, das die symbolische Bewegung der Interpretation in Gang setzt, eine Lücke im Zentrum der symbolischen Ordnung, der bloße Anschein eines zu erklärenden, zu interpretierenden ,Geheimnisses‘.“Slavoj Žižek: Liebe dein Symptom wie dich selbst. Berlin 1991, S. 58 (siehe dazu auch die Ausführungen bei Objekt klein a).

Die andere Form eines Anderen ist der große Andere – eine symbolische Instanz, welche die Gesetze und Normen des Sozialen garantiert und die dem Subjekt erst einen Platz innerhalb der Gesellschaft zuweist. Der große Andere kann von verschiedenen Trägern eingenommen werden; es kann ein Elternteil sein, aber auch andere Bezugspersonen, die die Gesellschaft repräsentieren, wie etwa Lehrer, Richter oder Polizisten. Indem das Subjekt diesen Anderen als Funktionsträger und damit als Träger des Gesetzes anerkennt, ordnet es sich zugleich dem gesellschaftlichen Ganzen unter. Für Žižek besteht in dieser Strukturierung des Subjekts durch den großen Anderen auch die wesentliche Funktionsweise der Ideologie – wofür er in der Regel das Beispiel des Stalinismus anführt.

Aber der große Andere ist nicht bloß eine ideologische Instanz. Denn zugleich – und paradoxerweise – gewinnt das Subjekt durch diese Anerkennung des Anderen erst seinen eigentlichen Subjektstatus, indem es durch sie erst einen Ort findet, von dem aus es sich überhaupt artikulieren kann, an dem es eine Sprache findet. Doch diese Sprache, und mit ihr das Subjekt als solches, ist immer schon vom Anderen bestimmt: „Ich ist ein Anderer“, wie Lacan einen berühmten Satz von Arthur Rimbaud zitiert. So ist das Subjekt im Grunde kein Subjekt, vielmehr ein Ort, der von einem konstitutiven Außen her strukturiert ist – vom großen wie auch vom kleinen Anderen –, der nicht das eigene Selbst ist; ein Gegensatz zur berühmten Definition von Descartes: „ich denke, also bin ich.“

Mit der Betonung dieser Bedeutung des Anderen bleibt Žižek nicht nur den Erkenntnissen Lacans treu, sondern verdeutlicht auch dessen Nähe zu anderen poststrukturalistischen Ansätzen eines „dezentrierten Subjekts“, wie sie sich etwa bei Gilles Deleuze oder Jacques Derrida finden. Žižeks Eigenständigkeit besteht nicht so sehr in diesem Gedanken selbst als vielmehr in der Heranziehung zahlreicher Beispiele aus der Politik und Populärkultur, insbesondere des Films, mit dessen Hilfe er diese zunächst abstrakten Theorien anwendet und veranschaulicht, aber auch weiterentwickelt.

Žižek wendet sich gegen die politisch korrekte Diskussion um sexuelle Belästigung. Er konstatiert einen „blinden Punkt des Themas sexuelle Belästigung“ und schreibt: Es gibt keinen Sex ohne ein Element der „Belästigung“ (des verwirrten, vom Charakter dessen, was sich da abspielt, heftig schockierten und traumatisierten Blicks). … Zieht man vom sexuellen Zusammenspiel dessen schmerzlich traumatischen Charakter ab, ist das, was übrig bleibt, einfach nicht mehr sexuell. Der „reife“ Sex zwischen den berühmt-berüchtigten mündigen Erwachsenen ist ohne sein traumatisches Element, ohne das Element des schockierenden „Zufügens“, per definitionem entsexualisiert und verwandelt sich in mechanische Kopulation.

Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre Eine zentrale Rolle im Denken Žižeks spielt das auf Lacan zurückgehende triadische Modell der drei Strukturbestimmungen der Psyche – Reales, Symbolisches und Imaginäres (RSI). Auch hier besteht Žižeks Leistung vor allem in der Übertragung der abstrakten Lacanschen Begriffe auf Phänomene aus Politik, Philosophie, Alltag und Populärkultur.

Das Reale Das Reale ist bei Žižek (wie schon bei Lacan) ein rätselhafter Begriff und nicht mit der „Realität“ gleichzusetzen. Die Realität des Menschen ist symbolisch konstruiert, also letztlich eine kollektiv praktizierte Fiktion. Das Reale dagegen ist innerhalb dieser Ordnung des Symbolischen ein nicht fingierbarer Kern, der sich nicht symbolisieren, also nicht in Worte fassen lässt. Es hat keine positive Existenz, sondern existiert nur als Ausgeschlossenes, das an den Grenzen der gewöhnlichen Realität zum Vorschein kommt.