mini|Ortsansicht, im Vordergrund die Trasse der Werrabahn mini|Luftbild von Eisfeld mit Stadtkirche und Schloss (2024) Eisfeld ist eine Kleinstadt mit Aufgaben eines Grundzentrums im Landkreis Hildburghausen im fränkisch geprägten Süden Thüringens an der Thüringer Porzellanstraße.
Geographie Die Stadt liegt im Landkreis Hildburghausen, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Bayern entfernt im südlichen Vorland des Thüringer Walds. An dessen Nahtstelle zum Thüringer Schiefergebirge und nördlich der Langen Berge liegt Eisfeld 400 bis 780 m ü. Normalnull am Oberlauf der Werra.
Der Ortsteil Harras liegt auf etwa 400 m Höhe; durch den höchstgelegenen Ortsteil Friedrichshöhe führt auf 780 m Höhe der Rennsteig.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet gliedert sich nach der Hauptsatzung in die Kernstadt Eisfeld sowie zwölf Ortsteile Bockstadt-Herbartswind, Friedrichshöhe, Harras, Heid, Hirschendorf, Saargrund, Sachsenbrunn, Schirnrod, Stelzen, Tossenthal, Waffenrod/Hinterrod und Weitesfeld.
Geschichte Eisfeld wurde in einer zwischen 802 und 817 zu datierenden Urkunde erstmals als Asifeld erwähnt, in der Graf Erpho, möglicherweise Bruder von Emhilt,Klaus Pfrenger: Eisfeld im Wandel der Geschichte. In: Eisfelder Amtsblatt 11/2022, S. 17. Gründerin des Klosters Milz, seine dortigen Besitztümer an das Kloster Fulda vermacht. Im einheimischen Dialekt heißt Eisfeld „Aasfald“, was auch auf Aasen (Essen) zurückgeführt wird. Die weitere Geschichte Eisfelds liegt für mehrere Jahrhunderte im Dunkeln, bis Graf Berthold VII. von Henneberg es 1316 als Teil der sogenannten Neuen Herrschaft Henneberg bzw. Pflege Coburg mit Unterstützung des späteren Kaisers Ludwig des Bayern, dessen Berater er war, von Johann von Brandenburg (zurück) erwarb. In der entsprechenden Urkunde wird Eisfeld erstmals als Stadt erwähnt und erhielt 1323 von Graf Berthold das Recht zur Ummauerung. In späteren Urkunden wird auf das Coburger bzw. Schweinfurter Stadtrecht verwiesen. Die Stadt fiel aber bereits 1353 auf dem Erbwege an die Burggrafen von Nürnberg und 1374 als Bestandteil der Pflege Coburg unter die Herrschaft der Wettiner. Im Spätmittelalter war Eisfeld einer der Marktorte an der über den Rennsteig führenden Fernhandelsstraße zwischen Nürnberg und Erfurt.
In der zum Bistum Würzburg gehörenden Stadt wurde die Reformation 1525 eingeführt. Nach der Vertreibung aus Halle verbrachte der Reformator Justus Jonas der Ältere in Eisfeld seinen Lebensabend.An seinen Aufenthalt erinnert eine Gedenktafel. Seit 1485 gehörte Eisfeld zum ernestinischen Teil Kursachsens und seit 1645 zu Sachsen-Gotha. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt zweimal vollständig zerstört und verlor vier Fünftel ihrer Einwohner.
Von 1680 bis 1826 gehörte Eisfeld zu Sachsen-Hildburghausen, danach zu Sachsen-Meiningen. Die ersten wirtschaftlichen Erfolge brachte der Handel mit sogenannten Schnetter Truhen – aufwändig bemalte, volkstümlich verzierte Truhen und Möbelstücke, die im 19. Jahrhundert nach Nordwürttemberg, Hessen und Bayern geliefert wurden. In einem spätklassizistischen Sommerhaus am Stadtrand verbrachte der Dichter Otto Ludwig (1813–1865) seine Jugendjahre. 1858 wurde die Werrabahn gebaut. 1903 wurde die Ortsgruppe der SPD gegründet. 1920 folgte die KPD-Ortsgruppe. Am 1. Mai 1920 ging die Stadt im Land Thüringen auf.
Eisfeld wurde als „braune Stadt“ bezeichnet, weil bereits 1932 von 16 Stadtverordneten 12 der NSDAP angehörten und Adolf Hitler zum Ehrenbürger ernannten. Daher setzte 1933 eine intensive Verfolgung der Funktionäre und Mitglieder der übrigen Parteien ein. Während des Zweiten Weltkrieges mussten 733 ausländische Zwangsarbeiter, darunter 542 Frauen, in den Bruhn-Werken, im Ritzma-Werk, in der Eiso-Schrauben GmbH und bei den Firmen Günsel und Dressel Zwangsarbeit verrichten. Drei der an den unmenschlichen Lebensbedingungen verstorbenen Zwangsarbeiter wurden auf dem Friedhof begraben.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945 (= Heimatgeschichtliche Wegweiser. Band 8). Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 124.
Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich Eisfeld wegen seiner Grenznähe bis 1972 im sogenannten Sperrgebiet entlang der innerdeutschen Grenze.
In der Wiedervereinigung rückte Eisfeld mit dem Freistaat Thüringen geografisch ins Zentrum der Bundesrepublik.
Eingemeindungen 1957 wurde Heid eingemeindet, 1993 folgten die zwei Nachbargemeinden Harras und Hirschendorf. Gleichzeitig wurde der aus den Gemeinden Waffenrod und Hinterrod fusionierte neue Ortsteil Waffenrod/Hinterrod eingemeindet.Thüringer Landesamt für Statistik – Gebietsveränderungen Eisfeld 2013 wurde die Gemeinde Bockstadt mit ihrem Ortsteil Herbartswind eingemeindet, für die Eisfeld bereits zuvor erfüllende Gemeinde war.Vertrag über die Eingemeindung der Gemeinde Bockstadt in die Stadt Eisfeld, Eisfelder Amtsblatt, Nr. 01/2013, S. 7
2019 wurde die Gemeinde Sachsenbrunn, für die Eisfeld ebenfalls zuvor bereits erfüllende Gemeinde war, eingemeindet.Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 14/2018, aufgerufen am 20. Mai 2019
Einwohnerentwicklung
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Eisfeld von 1489 bis 2018
Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember): Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik 1489 bis 1960 1489: 1.000 1540: 3.000 1835: 2.818 1905: 4.437 1910: 4.439 1933: 4.714 1939: 4.847 1960: 5.606 1992 bis 1999 1992: 4.749 1993: 6.159 1994: 6.040 1995: 5.960 1996: 5.953 1997: 5.962 1998: 5.956 1999: 5.906 2000 bis 2007 2000: 5.874 2001: 5.866 2002: 5.806 2003: 5.832 2004: 5.791 2005: 5.750 2006: 5.699 2007: 5.685 2008 bis 2015 2008: 5.681 2009: 5.632 2010: 5.569 2011: 5.432 2012: 5.421 2013: 5.661 2014: 5.640 2015: 5.623 2016 bis 2023 2016: 5.636 2017: 5.664 2018: 5.617 2019: 7.561 2020: 7.575 2021: 7.454 2022: 7.317 2023: 7.249 ab 2024 2024: 7.181
Politik
Stadtrat Der Rat der Stadt Eisfeld besteht aus 20 gewählten Mitgliedern und dem Bürgermeister. Seit der Kommunalwahl vom 26. Mai 2024 verteilen sich die Sitze der gewählten Stadträte wie folgt: mini|Rathaus Partei/Liste Sitze ± EFW 8 ± 0 FWGS 3 ± 0 Linke 3 ± 0 CDU 3 ± 0 BZH 2 + 1 SPD 1 − 1
Bürgermeister Der hauptamtliche Bürgermeister von Eisfeld ist seit dem 1. Juli 2024 Christoph Bauer (Eisfelder Freie Wähler). Zuvor war von Anfang der 1990er-Jahre bis 2006 Gerd Braun (Freie Wähler) im Amt, ehe von 2006 bis 2012 Kerstin Heintz (Die Linke) und von 2012 bis 2024 Sven Gregor (Eisfelder Freie Wähler) folgte.
Wappen Blasonierung: „In Gold ein schwarzer Löwe mit roter Zunge und Bewehrung, in den Vorderpranken ein bewurzeltes grünes Lindenbäumchen haltend.“
Das Wappen ist in seiner Form seit 1960 in Gebrauch. Der Löwe ist als der markmeißnische tingiert. Die ältesten Stadtsiegel zeigen ihn in Begleitung des Buchstabens E als Gemeindezeichen. Etwa seit der Mitte des 17. Jahrhunderts tritt an die Stelle des E der Baumschößling, der von verschiedenen Chronisten als Symbol des Wiederaufbaus nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg gedeutet wird. Verschiedene historische Versionen des Stadtwappens zeigen den Löwen auch als siebenfach von Silber und Rot geteilten thüringischen.
Städtepartnerschaften Eisfeld unterhält Städtepartnerschaften mit Ahorn im Landkreis Coburg; seit 1990 Ham in der Picardie im Norden Frankreichs; seit 1995
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Eisfelder Schloss (2018) mini|hochkant|Dreifaltigkeitskirche St. Nikolai mini|Pfarrhaus an der Dreifaltigkeitskirche Bauwerke Als bedeutendes Baudenkmal gilt das mittelalterliche Eisfelder Schloss, es wurde im 13. Jahrhundert am höchsten Punkt der Stadt auf den Mauern einer älteren Wehranlage errichtet und mit der heute nur noch in Resten vorhandenen Stadtbefestigungsanlage verbunden. Der schlichte Gebäudekomplex war Amtssitz der landesherrschaftlichen Vögte, diente nach 1728 auch als Witwensitz der Herzogin Sophia Albertine von Sachsen-Hildburghausen und beherbergte zuletzt das Amtsgericht mit Gefängnis. Das Schloss verfügt über einen hufeisenförmigen Grundriss, im Nordosten erhebt sich ein runder Turm mit Zwiebelhaube. Seit 1948/1949 wird das Schloss kulturell genutzt, es ist Heimstatt des Otto-Ludwig-Museums, welches 1948 unter der Leitung von Ernst Dahinten eröffnet wurde, mit einer bedeutenden regionalgeschichtlichen Sammlung. Die Dreifaltigkeitskirche Eisfeld St. Nikolai von 1535, ein Hauptwerk der thüringischen Spätgotik. Das Geläut besteht aus der Großen Glocke, der 1474 gegossenen Egidiusglocke, der 1581 gegossenen Banzer und der Mess, die beide aus dem Kloster Banz im Dreißigjährigen Krieg von schwedischen Truppen geraubt und an die Stadt verkauft wurden. Im Garten Unterm Heinig befindet sich die Otto-Ludwig-Gedenkstätte. Neben den Erinnerungsstücken aus dem Familienbesitz des Dichters vermittelt der Ort einen Eindruck von der spätklassizistischen Innenarchitektur. Im alten Friedhof steht die Ruine der Gottesackerkirche St. Salvator Im Ortsteil Waffenrod-Hinterrod existiert eine Sommerrodelbahn.
Veranstaltungen Bereits seit 1608 feiern die Eisfelder jährlich am „3. Pfingstfeiertag“ (Pfingstdienstag, Dienstag nach Pfingsten) ihr Kuhschwanzfest. Ursprünglich eine Musterung und Übung der wehrfähigen Bürger, ist es heute ein großes Volksfest über das ganze Pfingstwochenende. In Erinnerung an diese Übung stehen am Pfingstdienstag Stadtwachen in historischen Uniformen an den Ortseingängen und verkaufen symbolische Passierscheine. Den Höhepunkt der Feierlichkeiten bildet ein Festumzug.
Dialekt In Eisfeld wird Itzgründisch, ein unterfränkischer Dialekt, gesprochen.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Eisfeld war bis Mitte des 20. Jahrhunderts – in Anlehnung an das angrenzende Sonneberger Hinterland – ein Schwerpunkt der Puppen- und Spielwarenherstellung. Von größerer wirtschaftlicher Bedeutung waren bis heute außerdem die Porzellanindustrie und die Herstellung feinmechanischer und optischer Erzeugnisse.
Im Jahr 1920 gründete Albin Ritzmann in Eisfeld ein Unternehmen, Ritzma-Werke, das unter anderem Rasierklingen und Rasierapparate fertigte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ritzmann 1945 enteignet. Er starb 1947 im Speziallager Nr. 2 Buchenwald. 1948 übernahm der Volkseigene Betrieb „Feintechnik Eisfeld“ die Produktion von Rasierklingen, der die Marke Croma etablierte. Feintechnik war der einzige Rasierklingenhersteller in der DDR und zuletzt Teil des Kombinats Haushaltwaren Steinbach-Hallenberg. Im Jahr 1991 folgte im Rahmen der Privatisierung der Verkauf der Feintechnik GmbH Eisfeld für 150.000 D-Mark an einen Südtiroler Unternehmer. Ende 2007 erwarb ein Konsortium um die Hypo Equity Management AG in Bregenz das Unternehmen, das damals 250 Mitarbeiter hatte.finanznachrichten.de: Invision übernimmt Feintechnik GmbH. 4. Dezember 2007 Es fertigte vor allem Systemrasierer für Damen und Herren sowie Ersatzklingen. Im Jahr 2014 wurde die Feintechnik GmbH Eisfeld (Mitarbeiter: 465) vom New Yorker Start-Up Harry’s – einem Online-Versandhändler von Rasierbedarf – für 100 Mio. US-Dollar gekauft. Einer Übernahme durch den US-Konzern Edgewell Personal Care, dem auch Wilkinson Sword gehört, für knapp 1,2 Milliarden US-Dollar bis März 2020 versagte die US-Kartellbehörde die Zustimmung. mini|243x243px|"Werra 3" Carl Zeiss Jena – Betrieb Eisfeld – Systemkamera – drei auswechselbare Objektive – Entfernungsmesser – Prestor-Verschluss bis 1/750 Sekunde – um 1967