mini|Jürgen Kühling 1989 Jürgen Kühling (* 27. April 1934 in Osnabrück; † 16. Dezember 2019) war ein deutscher Jurist. Er war von 1989 bis 2001 Richter des Bundesverfassungsgerichts.

Leben Jürgen Kühling wurde als Sohn des Schriftleiters Karl Kühling und dessen Frau Käthe, geb. Freese, in Osnabrück geboren. Dort besuchte er seit 1945 die Staatliche Oberschule und absolvierte 1954 das Abitur. Anschließend studierte Kühling Rechtswissenschaft an den Universitäten Freiburg, München und Göttingen. Im Juni 1958 bestand er die erste juristische Staatsprüfung am Oberlandesgericht Celle und begann im Februar 1960 die Referendarausbildung. Mit einem Stipendium der italienischen Regierung studierte er von November 1960 bis August 1961 römisches Recht an der Universität Rom. Im Februar 1962 wurde er bei Franz Wieacker an der Universität Göttingen mit einer Arbeit über Die Klagenkonkurrenz im römischen Bürgschaftsrecht promoviert (Zweitgutachter war Friedrich Wilhelm Ebel).

Nach der Promotion war Kühling zunächst von 1965 bis 1966 in der Rechtsabteilung der Volkswagen AG in Wolfsburg tätig, ehe er die Richterlaufbahn einschlug und Richter am Verwaltungsgericht in Hannover wurde. Nach einer Zeit der Abordnung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Bundesverwaltungsgericht wurde er 1972 in das niedersächsische Justizministerium berufen. 1979 wurde Kühling zum Richter am Bundesverwaltungsgericht ernannt.

Am 12. Juli 1989 wurde Kühling auf Vorschlag der SPD zum Richter des Bundesverfassungsgerichts gewählt, wo er sich vor allem mit den verfassungsrechtlichen Bezügen des Arbeitsrechts befasste. Kühling gehörte dem ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts an und schied am 23. Januar 2001 auf eigenen Wunsch kurz vor Ablauf der zwölfjährigen Amtszeit aus dem Amt aus. Er verfasste als Berichterstatter unter anderem das Urteil zum Ruhen von Arbeitsverhältnissen im öffentlichen Dienst auf Grund des EinigungsvertragesBVerfGE 84, 133 zum Nachtarbeitsverbot für FrauenBVerfGE 85, 191, zur Benachteiligung von Frauen bei EinstellungenBVerfGE 89, 276, zum Kurzarbeitergeld bei Regionalstreiks und zu Betriebsrentenanwartschaften im öffentlichen DienstBVerfGE 98, 365.

Jürgen Kühling, der Mitglied der SPD war, war als Anwalt in Hamburg tätig. Er war verheiratet und hatte zwei Kinder.

Schriften (Auswahl) Die Klagenkonkurrenz im römischen Bürgschaftsrecht. (Göttingen, Univ., Diss., 1962).

Literatur Fritz Sack: Jürgen Kühling: 80 Jahre. In: RAV Infobrief Nr. 110, 2015. Archivierte Version.

Interview

Weblinks

BVR Dr. Kühling aus dem Amt geschieden – Ernennung der neuen Verfassungsrichter. Pressemitteilung Nr. 11/2001 des Bundesverfassungsgerichtes vom 23. Januar 2001 (Archiv-Version). 80. Geburtstag des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Dr. Jürgen Kühling. Pressemitteilung Nr. 37/2014 des Bundesverfassungsgerichtes vom 25. April 2014. 85. Geburtstag des ehemaligen Richters des Bundesverfassungsgerichts Dr. Jürgen Kühling. Pressemitteilung Nr. 31/2019 des Bundesverfassungsgerichtes vom 26. April 2019. Thorsten Jungholt: Richter wirft Polizei "Sicherheitshysterie" vor, Welt Online, 21. Mai 2007

Einzelnachweise „Personalien“. In: Neue Juristische Wochenschrift, Rubrik NJW-aktuell Nr. 20/2019 vom 9. Mai 2019, , S. 46.

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