Die Hohe Tatra (polnisch Tatry Wysokie, slowakisch Vysoké Tatry) ist ein Teilgebirge der Tatra. Sie ist der höchste Teil der Karpaten und gehört zu zwei Dritteln zur Slowakei und zu einem Drittel zu Polen. In beiden Ländern steht sie jeweils als Teil eines Nationalparks unter besonderem Schutz, gleichzeitig ist sie Biosphärenreservat der UNESCO. Auf slowakischer Seite gehört die Hohe Tatra überwiegend zur Zips, lediglich der äußerste Südwesten zur Liptau. Seit 1999 sind die slowakischen Tatraorte an der Südseite der Hohen Tatra, wie schon zwischen 1947 und 1960, als Stadt unter dem slowakischen Namen der Hohen Tatra Vysoké Tatry zusammengefasst. Außerhalb dieser Stadt reichen Gemeinden wie Východná, Štrba, Ždiar und Tatranská Javorina in das Gebiet ein. In Polen gehört die Hohe Tatra zur Region Podhale und den Gemeinden Zakopane, Poronin sowie Bukowina Tatrzańska in dem Kreis Powiat Tatrzański in der Woiwodschaft Kleinpolen.

Etymologie mini|250px|Ansicht der Hohen Tatra von 1793 mit der Bezeichnung „Tatra“ „Tritri“ (1086), „Tatry“ (1255), im 13./14. Jahrhundert „Thorholl“ (1256Im Jahr 1256 schenkte Bela IV den Hrnova Ländereien „...ab utraque partie fluvii Poprad, inter indagines regni nostri et confinia Poloniae et inter montes Semina et alpes Thorholl“, [w:] Codex DH VIII.), „Thorchal“, „Tarczal“, „Tutur“, „Thurthul“ was Hölle bedeuten könnte„Turtrut gelautet hat, spater kann auch neben Turtur < Turtul der akk. Turtrot, gestanden habe (vgl. poklot: pokol)“. Finnisch-ugrische Forschungen, t. 13, 1971. s. 176., „Tołtry, Toutry“„oznacza góry strome i skaliste i odpowiada ruskiemu Tołtry“ [w:] „Kosmos: czasopismo Polskiego Towarzystwa Przyrodników imienia Kopernika“, t. 34. s. 535; małoruska (ukraińska) „Tołtry-Toutry“, [w:] Geografja ziem dawnej Polski 1921. s. 48., sowie „Schneegebürg“ (Montes nivium). Adam Mickiewicz gebrauchte Anfang des 19. Jahrhunderts die Namen Tatry und Krępak,„na oznaczenie Tatr Mickiewicz wymiennie używał nazwy Tatry i Krępak“, [w:] Władysław Dynak, Jacek Kolbuszewski. Studia o Mickiewiczu. s. 79, 96. so wie bereits hundert Jahre zuvor Spener.„Carpates mons hodie Krapak, & Krepak, vacatur & tere Russiam ab Hungaria diuidit“, [w:] Jacob Carl Spener. Notitia Germaniae antiquae. 1717. s. 94. Im Jahr 1790 hat Baltazar Hacquet geschrieben, dass die Slawen die Berge Tatari oder Tatri nennen, da zuvor dort Tataren hausten.Etnografia polska, PAN. t. 5 1961. s. 54.; ; na Tartari „przybysze z Tartaru“, z piekła rodem, [w:] Józef Staszewski. Słownik geograficzny: pochodzenie i znaczenie nazw geograficznych, s. 305. z. Tatry.; „od miasta Carpis starożytnych Bastarnów“ ku krajom tatarskim, [w:] Jacek Kolbuszewski. Tatry i górale w literaturze polskiej: antologia. 1992. Nach Jan Michał Rozwadowski hat der Name Tatry (Altpolnisch TartryPrasłowiańszczyzna, Lechia-Polska, 1959. t. 2 s. 238.) einen keltischen Ursprung.Tadeusz Milewski. Teoria, typologia i historia języka. 1993. s. 344. Die Bezeichnung tertre bedeute Gebirge.Język polski. t. II, 1. 1914. [w:] Język polski, t. 3-4. PAU. Komisja Językowa. 1916. Diese Meinung vertrat auch Cyprian Kamil Norwid.Norwid jako lingwista i filolog. [w:] Studia polonistyczne. tomy 9-12. Uniwersytet im. Adama Mickiewicza (Poznań). 1981. s. 196. Einige Autoren sehen eine dakische oder thrakische Herkunft.Adam Fałowski, Bogdan Sendero. Biesiada słowiańska. 1992. s. 46. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Hohe Tatra als Karpak bezeichnet (höchster schneebedeckter Berg),Samuel Bogumił Linde. Słownik języka polskiego. 1808. s. 967. aus dem illyrischen karpe also Fels, das im Altpolnischen in der Form karp- auftritt, z. B. karpętne oder s(z)karpa – Berghang. In offiziellen ungarischen Dokumenten des 13. und 14. Jahrhunderts werden die Karpaten und insbesondere die Tatra als Thorchal, Tarczal bzw. Schneegebürg, Montes Nivium bezeichnet.„The name ‚Tatras‘ appears in varius form in the oldest documents; a report of the bishopic of Prague in 1086 AD calls them ‚Tritri‘ wheres Boleslav prince of Kraków in a documents marks them in 1255 as ‚Tatry‘. The Hungarians of the 13th and 14th century wrote ‚Thorchal‘ or ‚Tarczal‘, also ‚Tutur‘, ‚Thurthul‘. Die Zipser Deutschen nannten sie ‚Schneegebürg‘ (Montes nivium).“, [w:] Radek Roubal. Tatranské doliny. 1961. s. 10, 39, 49. Die Bezeichnung Hohe Tatra rührt daher, dass sie die anderen Gebirgszüge der Tatra, die Westliche Tatra und die Belaer Tatra um ca. 500 m überragt.

Geologie mini|250px|Das vom Gletscher geformte Trogtal Dolina Roztoki, Polen, weist die charakteristische U-Form auf Die Hohe Tatra ist, ähnlich wie die ganze Tatra, ein relativ junges Faltengebirge. Im Gegensatz zur Westlichen Tatra besteht sie jedoch aus Graniten, die aus im Erdzeitalter des Karbons erstarrter Magma entstanden sind. Das Granitgestein der Hohen Tatra ist ca. 315 Millionen Jahre alt. Gesteinsschichten aus dem Perm und der Trias kommen ebenfalls vor. Im Erdzeitalter der Kreide wurde das Gestein der Hohen Tatra aufgrund tektonischer Ereignisse gefaltet und mehrere Kilometer nach Norden verschoben.

Im Eozän war das Gebiet der Hohen Tatra, insbesondere im Norden der Hohen Tatra, von einem seichten Meer geflutet. Sedimentschichten lagerten sich im Wasser ab. Auf der anderen Seite ragten Teile des Granitgesteins bereits aus dem Meer und unterlagen der Erosion, insbesondere Gesteinsschichten aus dem Jura und der Kreide sind zum größten Teil erodiert. Auf den Südhängen sind sie überhaupt nicht mehr anzutreffen. Sedimente und Sedimentgesteine kommen daher nur auf den Nordhängen der Hohen Tatra vor und dort insbesondere auf den Bergen Żółta Turnia, Mała Koszysta, Gęsia Szyja, Kopy Sołtysie, Široká und Jahňací štít.

Im Miozän erfolgte eine letzte Faltung der Hohen Tatra. Die Hohe Tatra selbst entstand, wie die ganzen Karpaten und viele andere Hochgebirge in Europa, in der Zeit der Alpidischen Orogenese. Ihr heutiges Aussehen verdankt sie den Gletschern der Eiszeiten. Die Gletscherkare lagen insbesondere nördlich des Hauptkamms auf einer Höhe von 1400 m bis 1700 m. Die Gebirgsseen der Hohen Tatra sind Karseen, die Relikte der Gletscherkare darstellen. Die Gletscherzungen führten die Bergtäler in ihren ganzen Längen hinab bis auf ca. 1000 m. Hierbei entstanden die charakteristischen U-förmigen Trogtäler der Tatra. Gletschermoränen findet man in den Bergtälern und am Fuße der Hohen Tatra.

Geschichte mini|hochkant=2.5|Dunajec-Burgen Czorsztyn und Niedzica am Czorsztyn-Stausee, Hohe Tatra links im Hintergrund Trotz ungünstiger klimatischer Verhältnisse war die Umgebung der Hohen Tatra bereits im Paläolithikum besiedelt, wovon z. B. die Neandertalerfundstätte Hrádok (Travertinfüllung der Hirnschale) bei Gánovce zeugt. Einzelfunde von einfachen Steinwerkzeugen wurden unweit von Zuflüssen des Poprad gefunden. Ab dem Neolithikum wurde die Gegend immer dichter besiedelt, die karge Tatra-Landschaft bot aber kaum Erträge für jungsteinzeitliche Bauern. Von der mittleren Bronzezeit zur älteren Eisenzeit bewohnten Menschen der Lausitzer Kultur die Umgebung, gefolgt durch die Puchauer Kultur (Wallburg Havránok) und die Kelten. Zu dieser Zeit existieren mehrere Eisenhütten, z. B. unweit Tatranská Polianka bei der Fundstätte Žltá stena und wahrscheinlich auch in der Umgebung von Starý Smokovec. Mehrere Funde von römischen Münzen zeugen von Handelsbeziehungen zwischen germanischen Stämmen und dem Römischen Reich.Ivan Houdek, Ivan Bohuš: Osudy Tatier, S. 25f

In der Zeit der Völkerwanderung drängten slawische Stämme in die Umgebung der Tatra ein und besiedelten die umliegende Region, die Hohe Tatra selbst blieb aber weitgehend eine Art „Niemandsland“. Seit dem frühen 11. Jahrhundert verlief durch die ganze Tatra die Grenze zwischen den Königreichen Polen und Ungarn. Östlich der Tatra verlief einer der wichtigsten Handelswege des Mittelalters, der die polnische Hauptstadt Krakau mit der ungarischen Hauptstadt Buda verband. Um die Kaufleute vor Überfällen der in der Tatra hausenden Räuberbanden zu schützen, wurden zahlreiche Burgen am Fuß der Tatra erbaut, u. a. am Dunajec in Czorsztyn und Niedzica sowie in der Zips.

mini|Blick auf Kežmarok (dt. Kesmark), als historisch bedeutsames Zentrum für die Erkundung der Hohen Tatra Im Königreich Ungarn wurde das Gebiet zwischen den Komitaten Sohl ungefähr westlich der Wasserscheide bei Štrba und Zips östlich davon aufgeteilt. Aus dem ursprünglich großen Sohler Komitat spalteten sich im 14. Jahrhundert die Komitate Liptau im westlichen Teil der Tatra und ferner Arwa nordwestlich der Tatra ab. Insbesondere nach dem Mongoleneinfall 1241/1242 intensivierte sich die Besiedlung durch deutsche Ostsiedler (siehe Zipser Sachsen), vor allem in der Zips, die bald dort politisch die örtliche Landschaft beherrschten. Die königliche Besitz in der Hohen Tatra wurde durch Schenkungen, aus denen zahlreiche Orte im Vorgebirge im 13. Jahrhundert entstanden, schrittweise verkleinert, ein Teil im Grenzbereich zwischen der Westtatra und der Hohen Tatra gehörte aber weiter dem König beziehungsweise später dem Ärar. Neben Räubern und Schmugglern, die Waren über die schwer kontrollierbare Grenze schmuggelten, wurde die Tatra im Mittelalter auch von Schatzsuchern und Bergleuten besucht. Aus einigen topographischen Namen, wie z. B. dem Berg Miedziane, zu deutsch Kupferberg, westlich des Morskie Oko lässt sich dies noch ablesen. Bergbauaktivität war ab dem 15. Jahrhundert zudem z. B. an den Hängen des Kriváň (Gold, Antimon) und Patria (Kupfer) zu verzeichnen. Viehzucht, Alm- und Forstwirtschaft kam im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit in die Tatra.Ivan Houdek, Ivan Bohuš: Osudy Tatier, S. 31f War die Abholzung im Mittelalter nur in den Kesseln unterhalb der Tatra anzutreffen und nur mit Erweiterung von landwirtschaftlichen Flächen verbunden, so setzte im 16. Jahrhundert ein reger Handel mit dem in der Hohen Tatra gewonnenen Holz ein. Das gewonnene Holz wurde an der Waag Richtung Niederungarn und über Poprad, Dunajec und Weichsel Richtung Polen. Auch durch die Almwirtschaft gingen Waldbestände sowie Krummholzflächen zurück, als Hirten ihre Herden bis zu einer Höhe von etwa 2000 m hinauftrieben. Intensive Nutzung war insbesondere in den Herrschaftsgebieten von Kesmark, Zipser Bela und Tatranská Javorina zu sehen. Erst während der Regierungszeit von Maria Theresia begannen erste Ansätze einer Wiederaufforstung. Der intensive Bergbau dauerte bis ins späte 18. Jahrhundert, die immer geringeren Erlöse führten aber zur Stilllegung einzelner Bergwerke. Schatzsucher waren vor allem im 18. Jahrhundert aktiv.Ivan Houdek, Ivan Bohuš: Osudy Tatier, S. 39f