mini|300px|Karte Rumäniens mit Siebenbürgen. Die Regionen Banat, Kreischgebiet (Crișana) und Maramureș werden gelegentlich zu Transilvania gezählt
mini|Das Großfürstentum Siebenbürgen, 1857 Siebenbürgen, Transsilvanien oder Transsylvanien ( oder , , siebenbürgisch-sächsisch Siweberjen, , , ) ist ein historisches und geografisches Gebiet im südöstlichen Karpatenraum mit einer wechselvollen Geschichte. Heute liegt Siebenbürgen im Zentrum Rumäniens.
Benennungen Siebenbürgen ist unter folgenden Bezeichnungen bekannt: Der rumänische Ländername ist , älter (1432),Rupprecht Rohr: Kleines rumänisches etymologisches Wörterbuch, 1. Band: A–B. Stichwort: „Ardeal“. Haag + Herchen, Frankfurt am Main 1999, S. 82. aus dem Ungarischen entlehnt,Veno Verseck: Rumänien. 3. neu bearbeitete Auflage. C.H. Beck, München 2007, S. 19. oder , aus dem Mittellateinischen übernommen. Der ungarische Landesname ist , älter Erdeuelu () (12. Jahrhundert),Anonymus Gestája, Kiadása: P. magistri, qui Anonymus dicitur, Gesta Hungarorum. Praefatus est texumque recensuit Aemilius Jakubovich. Annotationes exegeticas adiecit Desiderius Pais (kurz Gesta Hungarorum). SRH, Band I, S. 32. wörtlich ‚jenseits des Waldes‘, zusammengesetzt aus ung. .Harald Roth: Kleine Geschichte Siebenbürgens. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2003, S. 14f. Dieser „Wald“ bezieht sich auf das waldreiche Apuseni-Gebirge,Armin Hetzer: Alloglotte Sprechergruppen in den romanischen Sprachräumen: Südostromania. In: Romanische Sprachgeschichte. 2. Teilband. Walter de Gruyter, Berlin / New York 2006, S. 1843. das die große ungarische Tiefebene und das Kreischgebiet vom siebenbürgischen Becken trennt. Die mittellateinischen Benennungen sind erst (1075), (1077), später (12. Jahrhundert), die beide aus lat. zusammengesetzt wurden und den ungarischen Landesnamen übersetzen. Die auf dieser Grundlage eingedeutschte Bezeichnung Transsilvanien bzw. Transsylvanien war in mittelalterlichen Dokumenten gebräuchlich.
Die Herkunft des deutschen Namens Siebenbürgen ist nicht abschließend geklärt. Vermutungen gehen dahin, ihn auf sieben von Siebenbürger Sachsen gegründete Städte zurückzuführen: Hermannstadt, Kronstadt, Bistritz, Schäßburg, Mühlbach, Broos und Klausenburg (in dieser Reihe wird fälschlicherweise oft Mediaș genannt, das aber erst 1534 vom Markt zur Stadt erhoben wurde). Auch die Sieben Stühle, Einheiten der eigenen Gerichtsbarkeit – jeder Stuhl besaß einen Königsrichter, der alleine dem ungarischen König unterstellt war –, sind möglicherweise Teil der Namensgebung. Daneben stehen ältere Herleitungen vom Fluss Zibin (rumänisch Cibin, ungarisch Szeben), nach dem wiederum Hermannstadt (rumänisch Sibiu, lateinisch Cibinium) benannt worden sei, das als traditionelle Hauptstadt seinen Namen dann der Region als ganzes gegeben habe.Zuletzt bspw. Gerhardt Hochstrasser: Siebenbürgen – Siweberjen bedeuten Zibinumschließung – Cibinbërgen. In: Zeitschrift für siebenbürgische Landeskunde 21 (1998), S. 192–195. Walter Schuller dachte mit Verweis auf eine Reihe von Parallelen im deutschen Sprachraum an eine wörtliche Deutung als (bei den) sieben Bürgen, als die „toponymische (Über-) Betonung eines für ihr [d. h. das siebenbürgisch-sächsische] Exemtionsgebiet essentiellen Rechtsverhältnisses“. Die Umdeutung auf sieben Burgen oder auch sieben Berge sei dann schon früh wegen der Lautähnlichkeit der Wörter erfolgt.Walter Schuller: Siebenbürgen – ein Toponym mit rechtshistorischem Hintergrund. In: Zeitschrift für siebenbürgische Landeskunde 22 (1999), H. 1, S. 119–122.
Der Name ist zunächst in deutschen Quellen aus dem 13. Jahrhundert als und ähnlichen Varianten verzeichnet.Thomas Nägler: Der Name ‚Siebenbürgen‘. In: Forschungen 12 (1969) 2, S. 63–71. In deutscher Niederschrift hieß es Ende des 13. Jahrhunderts erstmals Siebenbuergen und bezeichnete damals nur den Bereich der Sieben Stühle als administrative Einheiten oder Gebietskörperschaften der Hermannstädter Provinz. Erst später hat sich der Begriff räumlich erweitert, umfasste schließlich denselben Raum wie und und ersetzte dadurch die frühere Lehnübersetzung von Ultrasilvania Überwald (13. und 14. Jahrhundert).
Lage Siebenbürgen bildet geografisch das Zentrum und den Nordwesten Rumäniens. Von den südlicheren (Walachei) und östlicheren (Westmoldau und Bukowina) Landesteilen wird Siebenbürgen durch die Ostkarpaten und die Transsilvanischen Alpen getrennt, die zusammen den südlichen Karpatenbogen bilden. Nach Westen hin scheidet ein Teil der Westrumänischen Karpaten, das Apuseni-Gebirge, Siebenbürgen vom Kreischgebiet zur Pannonischen Tiefebene hin ab.
Auch Teile des heutigen Rumänien, die bis 1918/1920 zu Ungarn gehörten (das Kreischgebiet, die Region Sathmar, der südliche Teil des ehemaligen Komitats Maramureș sowie der rumänische Teil des Banats), werden manchmal irrtümlicherweise zu Transilvania hinzugerechnet, so dass es oft größer als das historische Gebiet dargestellt wird.
Die Fläche Siebenbürgens beträgt 59.651 km². Nach heutigen Verwaltungseinheiten umfassen alle Gebiete, die bis 1918 zu Ungarn gehörten, etwa 100.293 km². Siebenbürgen ist in die folgenden rumänischen Kreise (, Plural ) unterteilt: mini|Aktuelle administrative Einteilung Rumäniens Alba Bistrița-Năsăud Brașov Cluj Covasna Harghita Hunedoara Mureș Sibiu
sowie Teile der folgenden Kreise:A Magyar Szent Korona Országainak Helységnévtára, 1913, Seite 1183 unter SzépvizErdély etnikai és felekezeti statisztikája 1850-1992 Bacău (die Gemeinde Ghimeș-Făget, das Dorf Coșnea () der Gemeinde Agăș, das Dorf Poiana Sărată (Sósmező) der Gemeinde Oituz, die Dörfer Cădărești (Magyarcsügés), Ciugheș (Csügés) und Pajiștea (Gyepece) der Gemeinde Palanca und ein Berggebiet mit der Station Poiana Soarelui). Buzău (ein dünnbesiedeltes Berggebiet im südöstlichen Karpatenbogen) Caraș-Severin (die Gemeinde Băuțar) Maramureș (die Stadt Târgu Lăpuș und deren Umgebung) Neamț (die Gemeinden Dămuc (), Bicaz-Chei (Almásmező) und Bicazu-Ardelean (Gyergyóbékás)) Sălaj (die östliche Hälfte, östlich der Meseș-Berge) Suceava (die Gemeinde Coșna (), das Dorf Cârlibaba Nouă (Ludwigsdorf) der Gemeinde Cârlibaba und Dornișoara (Dornavölgyitelep) der Gemeinde Poiana Stampei, sowie ein dünnbesiedeltes Berggebiet südwestlich der Goldenen Bistritz im Quellbereich der Dorna, Neagra Șarului und Neagra) Vâlcea (ein kleiner dünnbesiedelter Landstrich nördlich des Lauterbaches) Vrancea (ein dünnbesiedeltes Berggebiet im südöstlichen Karpatenbogen)
Geschichte Antike bis Völkerwanderungszeit mini|Die römische Provinz Dacia
Das Gebiet, auf dem das heutige Siebenbürgen liegt, war in der Antike das politische Zentrum des Dakischen Königreichs. Im Jahr 106 n. Chr. wurde dieses vom Römischen Reich unter Trajan in den Dakerkriegen erobert und als Provinz Dacia dem Römischen Reich einverleibt. Die Hauptstadt war Ulpia Traiana Sarmizegetusa. Nach dem Abzug der römischen Truppen unter Kaiser Aurelian 272 n. Chr. war die Region bis zum 11. Jahrhundert Durchzugs- und auch Siedlungsgebiet verschiedener Ethnien und Stammesverbände. Nacheinander erschienen hier Goten, Hunnen, Gepiden, Awaren, Bulgaren, Slawen und andere. Ein bekanntes Beispiel für die Archäologie der Völkerwanderungszeit sind die gepidischen Gräber aus Apahida.
Landnahme der Magyaren Die Geschichte während des Frühmittelalters bis ca. 900 ist in Siebenbürgen wie fast überall in Europa durch einen Mangel an schriftlichen Quellen und relativ wenige archäologische Funde gekennzeichnet. Ab etwa 895 besiedelten die Ungarn im Zuge ihrer Landnahme das Karpatenbecken und damit auch das Gebiet des heutigen Siebenbürgens (siehe auch: Geschichte Ungarns). Die politische Macht im Karpatenraum fiel den Ungarn im Vergleich zu anderen Landnahmen der Völkerwanderungszeit recht widerstandslos zu, da die dort angetroffenen Bevölkerungsgruppen nur einige schwache Herrschaftsgebilde formten. Vermutlich im Jahre 927 wurden auch die Gebiete südlich des Mieresch von den Ungarn unter der Leitung von Bogát (Stammesverbund Gyula) erobert.
Zur Sicherung der Grenzgebiete wurden Hilfsvölker in diesen angesiedelt. Die wichtigste Gruppe waren die Szekler (Székely; szék = „Stuhl“). Ebenso wurden sog. „Verhauzonen“ angelegt (ungarisch Gyepű). Dieser 10 bis 40 km breite Grenzstreifen wurde absichtlich wüst gelassen und war mit dichtem Gestrüpp bewachsen, um feindlichen Reiterheeren den Zugang zu versperren oder zu erschweren. Die Schwachstellen wurden zusätzlich mit Erdburgen, die Durchgänge durch Tore gesichert.
Die bis zu ihrer Staatsgründung im Jahre 1001 noch in Stammesverbänden lebenden Ungarn praktizierten nicht immer eine einheitliche Politik. Der von den Árpáden geführte Teil der Ungarn orientierte sich nach der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg 955 gen Westen, andere – so zum Beispiel die Gyula im Gebiet östlich der Theiß (auch in Siebenbürgen) – eher in Richtung Byzanz.
Anwerbung deutscher Siedler
mini|Schwarze Kirche in Kronstadt
Unter König Géza II. (1141–1162) verlegte man die Grenze weiter nach Osten, vom Mieresch an den Alt; das Grenzland wurde nutzbar. Die ungarischsprachigen Szekler wurden ins heutige Szeklerland, im Osten Siebenbürgens, umgesiedelt. Ab etwa 1147 begann die Besiedelung mit deutschen Siedlern, die hauptsächlich aus dem Mittelrhein- und Moselgebiet, Flandern und der Wallonie stammten. Die ersten 13 Orte wurden in der Hermannstädter Gegend gegründet. Die Siedler sollten die Gebiete bevölkern, die Grenzen gegen Einfälle aus dem Osten für Ungarn und Europa sichern und die Wirtschaft beleben.
Im Verlaufe des 12. und 13. Jahrhunderts verstärkte sich die Siedlungstätigkeit durch Binnenkolonisation und wohl auch durch weitere Zuzüge aus dem Maas-Mosel-Raum, Flandern und dem Gebiet der damaligen Erzbistümer Köln, Trier und Lüttich. In Binnenkolonisation wurden das Nösnerland in Nordsiebenbürgen, das Gebiet der Zwei Stühle und das Burzenland erschlossen.
Die Bezeichnung „Sachsen“ (Siebenbürger Sachsen) entstammt vermutlich dem lateinischen Stereotyp jener Zeit Saxones für westliche (überwiegend deutsche) Siedler. Sie übernahmen diese rechtliche Eigenbezeichnung danach selbst.
Die deutschen Bauern und Handwerker genossen mehrheitlich die Privilegien einer Rechtsvergabe des ungarischen Königs Andreas II. von 1224 (Goldener Freibrief, lateinisch Andreanum, ungarisch Aranybulla). Dieser Freibrief ist das weitreichendste und am besten ausgearbeitete Statut, welches deutschen Siedlern in Osteuropa je gewährt wurde. Die Sonderrechte galten auf dem sogenannten Königsboden, welchen sie besiedelt hatten, und wurden ihnen in den folgenden Jahrhunderten immer wieder urkundlich bestätigt und erweitert. Die Siedler gründeten die bis heute wichtigsten Städte Siebenbürgens: Hermannstadt, Kronstadt, Klausenburg, Mühlbach, Schäßburg, Mediasch und Bistritz sowie viele Dörfer und Marktflecken in drei geschlossenen, aber nicht zusammenhängenden Gebieten, insgesamt ca. 270 Ortschaften.
mini|Kirchenburg Jakobsdorf (14. Jahrhundert)
Weitere Einwanderungswellen fanden nach der Gegenreformation statt, da zu dieser Zeit in Siebenbürgen Religionsfreiheit galt. Durch die sogenannte Transmigration kamen Protestanten aus verschiedenen Teilen des damaligen Erzherzogtums Österreich nach Siebenbürgen, die dort als Landler angesiedelt wurden (siehe unten: 18. Jahrhundert). Zwischen 1621/22 und 1767 siedelten sich auch größere Gruppen der aus der radikal-reformatorischen Täuferbewegung kommenden Hutterer in Siebenbürgen an. Ein Zentrum der hutterischen Bewegung in Siebenbürgen bildete dabei die Region um Unterwintz.