American Graffiti [] ist ein US-amerikanischer Film des Produzenten, Drehbuchautors und Regisseurs George Lucas aus dem Jahr 1973. Der überraschende kommerzielle Erfolg von American Graffiti ermöglichte die Expansion von George Lucas’ Filmgesellschaft Lucasfilm Ltd. und förderte das Ansehen des Regisseurs, auf dessen Grundlage er vier Jahre später Krieg der Sterne produzierte.
American Graffiti sollte einem autobiografischen Filmschauspiel gleichkommen, das Lucas’ eigene Jugend in seiner Geburtsstadt Modesto teilweise nacherzählt. Die Besonderheit des Films stellte damals die ungewöhnliche Filmmusik dar, bestehend aus über 40 lizenzierten Rock-’n’-Roll-Titeln.
Handlung Anfang September 1962 im kalifornischen Modesto: Auf einem Radio wird ein Rock-’n’-Roll-Sender eingestellt, während die Sonne über dem Schnellrestaurant Mel’s Drive-In untergeht. Terry Fields, genannt Froschauge, Steve Bolander, Curt Henderson und John Milner treffen sich auf dem Parkplatz vor dem Restaurant. Steve und Curt sind im Begriff, die Stadt zu verlassen, um auf ein College an der Ostküste zu gehen. Dies ist die letzte Nacht mit ihren Freunden.
Steve und Curt gehen zum Sock hop der neuen Oberstufenklasse des Junior College, doch John macht sich aus dem Staub, um durch die Straßen zu fahren. Terry fährt in Steves Chevrolet davon. Während Curt in einem anderen Auto mit Steve und Laurie – die seine Schwester und Steves Freundin ist – die 10th Street entlangfährt, erblickt er eine hübsche Blondine in einem weißen Ford Thunderbird. Sie schaut ihn an, ihre Lippen formen die Worte „Ich liebe dich“, dann biegt sie ab und verschwindet. Nachdem er die Tanzveranstaltung verlassen hat, wird Curt von der Halbstarkenbande The Pharaohs zur Mitfahrt in deren Wagen genötigt. Im Radio läuft die beliebte Sendung von Wolfman Jack. Er erfährt von den Gangmitgliedern, dass der Sender nicht in Mexiko, sondern am Stadtrand liegt. Nachdem Curt eine Mutprobe bestanden hat und als Mitglied der Gang aufgenommen werden soll, zieht er weiter durch die Nacht und fährt zu der Radiostation, um vom Wolfman eine Botschaft senden zu lassen. Dort angekommen, begegnet er einem bärtigen Mann, den er für den Wolfman hält, was dieser jedoch verneint. Curt reicht dem Mann die Botschaft für die Blonde im Thunderbird. Beim Rausgehen vernimmt er die Stimme von Wolfman und dreht sich um. Er sieht den Mann von eben ins Mikrofon sprechen.
Die übrigen drei Handlungsstränge enthalten Trennungen und Wiedervereinigungen. Mehr und mehr verbinden sich die einzelnen Geschichten zu einer zusammenhängenden Handlung, bis schließlich Terry und Steve an der Paradise Road stehen und zuschauen, wie sich John und Bob Falfa mit Laurie als Beifahrerin ein Rennen liefern. Aus den Autos dringen die Klänge von Green Onions von Booker T. & the M.G.’s, während sich die Autos und Zuschauer einfinden. Innerhalb von Sekunden ist das Rennen zu Ende, denn Falfa platzt ein Reifen, und er landet im Graben. Steve und John rennen zum Unfallwagen, der explodiert, unmittelbar nachdem Bob und Laurie benommen herausklettern konnten. Verstört klammert sich Laurie an Steve und fleht ihn an, sie nicht zu verlassen.
Das Läuten des Telefons einer Telefonzelle reißt Curt aus dem Schlaf. Er nimmt ab und spricht aufgeregt mit der geheimnisvollen Blondine. Sie sagt ihm, dass sie sich vielleicht abends beim Cruising sehen. Er erwidert, dass das nicht gehe. Auf dem Flugplatz verabschiedet sich Curt von seinen Eltern, seiner Schwester und seinen Freunden. Das Flugzeug hebt ab, und als Curt aus dem Fenster blickt, sieht er die Stadt und mit ihr sein bisheriges Leben entschwinden. Auf der Straße unter ihm rast ein weißer Thunderbird dahin.
Die letzte Einstellung des Films dient zur Einblendung einiger Kurzbiografien, die die Tatsache unterstreichen, dass es sich bei American Graffiti nicht um einen Ausflug ins Reich der Erinnerungen handelt. Während Curts Maschine am blauen Firmament verschwindet, werden zu den Figuren der Handlung Fotos des College-Jahrbuches eingeblendet und kurze Angaben zu ihrem weiteren Lebensweg gemacht.
John Milner wird von einem betrunkenen Autofahrer im Dezember 1964 überfahren. Terry Fields wird seit einem Einsatz bei An Loc im Dezember 1965 als vermisst gemeldet. Steve Bolander ist Versicherungsmakler in Modesto/Kalifornien. Curt Henderson ist Schriftsteller und lebt in Kanada.
Entstehungsgeschichte Noch während der Produktion von THX 1138 (1971) legte Francis Ford Coppola, ein langjähriger Freund von George Lucas und Geschäftsführer von American Zoetrope, Lucas nahe, für das nächste Projekt etwas zu schreiben, das sich warmherzig und menschlicher anfühlte. Schon auf dem College hatte Lucas im Zuge seines Anthropologiestudiums den Gedanken gehabt, dass es sich beim Cruisen eigentlich um ein eindeutig amerikanisches Paarungsritual handelte. Lucas beabsichtigte diese Form des Flirtens, die für seine Generation typisch war, zu dokumentieren.
Lucas konzentrierte sich zudem auf bereits von ihm aufgegriffene Motive. In seinen Themenlinien „Radio“ und „Flucht“ weist American Graffiti Parallelen zu Lucas Studentenfilm The Emperor (1967) und zu seinem ersten Spielfilm THX 1138 auf. Während der Entstehung des Films musste Lucas eine Reihe von Szenen verwerfen oder ändern, die zu viele Gemeinsamkeiten im Sinne dieser thematischen Parallelen aufwiesen.
Der Film sollte die Geschichte von vier Gruppen von Jugendlichen erzählen, die in der Nacht der Handlung die Straßen ihrer Kleinstadt auf und ab fahren, und das in Zeiten eines markanten sozialen Umbruchs. Traditionelle Rock-’n’-Roll-Musik war im Begriff, von den Beat-Gruppen der sogenannten British Invasion abgelöst zu werden, während zugleich die Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit dem Krieg in Vietnam ihre dortige Truppenpräsenz verstärkten.
Produktion Finanzierung THX 1138 war Coppolas Vorzeigeobjekt, um zu beweisen, dass das kleine Studio American Zoetrope funktionierte und dessen Finanzierung durch Warner Bros. keine Fehlinvestition war. Als Ted Ashley, der Vorsitzende und Generaldirektor von Warner Bros., THX 1138 sah, war er enttäuscht und verärgert über den Film. Ashley ließ daraufhin am 19. November 1970 verlauten, dass Warner Bros. nicht weiter an der Zukunft von American Zoetrope teilhaben wollte. Zudem forderte man die Finanzierung in Höhe von 300.000 US-Dollar zurück. American Zoetrope stand kurz vor der Insolvenz, und Lucas war gezwungen, ein anderes Studio für American Graffiti zu suchen.
Der Rechtsanwalt Tom Pollock erkannte, wie mitgenommen Lucas von der Abfuhr war, die THX 1138 durch Warner Bros. erhalten hatte. Pollock wurde Lucas’ Rechtsberater und half ihm, seine eigene Firma zu gründen, Lucasfilm Ltd. Das filmschaffende Ehepaar Willard Huyck und Gloria Katz nahm sich die Zeit, um Lucas beim Abfassen eines fünfzehnseitigen Treatments zu unterstützen, das Finanziers für die Entwicklung des Drehbuches gewinnen sollte.
Lucas fragte den Produzenten Gary Kurtz, ob er ein Budget für American Graffiti planen könne, wobei er hoffte, dass ein Studioauftrag eine Festanstellung bei der Produktion mit sich bringen würde. Kurtz war diesbezüglich bereit, die weitere Produktion von American Graffiti zu begleiten.
Zusammen mit seinem Freund und Schriftstellerkollegen Walter Murch traf Lucas in Cannes im Zuge der Vorführung von THX 1138 auf David Picker, den Präsidenten von United Artists. Picker war so fasziniert von dem Projekt, dass er Lucas die Summe von 10.000 US-Dollar zusagte, um das Filmskript für American Graffiti zu entwickeln.
Drehbuch Lucas hoffte, dass Gloria Katz und William Huyck ein fertiges Drehbuch für American Graffiti schreiben würden. Aber das Ehepaar war gerade im Begriff, mit der Arbeit für den Horrorfilm Messias des Bösen (1973) zu beginnen, so dass Lucas jemand anderes für das Abfassen des Filmskripts finden musste. Nachdem er das Problem mit Gary Kurtz durchgesprochen hatte, beschloss er, Richard Walter zu fragen, einen alten Freund von der University of Southern California.
Walter versuchte, George Lucas ein Drehbuch mit dem Titel Barry and the Persuasions anzubieten, eine Geschichte über Jugendliche an der amerikanischen Ostküste in den späten 1950er Jahren. Lucas hielt jedoch an seiner Geschichte über Teenager an der Westküste Anfang der 1960er fest. Er bot Walter jenen Betrag von 10.000 US-Dollar an, den David Picker ihm zugesagt hatte. Walter machte sich daran, das Treatment in ein Drehbuch für American Graffiti auszubauen. Lucas war entsetzt, als ihm Walter das Ergebnis seiner Arbeit präsentierte, denn auf Lucas wirkte es wie das Buch für einen Exploitationfilm. Obwohl Walter das Drehbuch anschließend umschrieb, deckten sich seine Vorstellungen nicht mit Lucas’ Vorgaben.
Nachdem Walter von Lucas ausbezahlt worden war, fehlte das Budget für die Stoffentwicklung. So war George Lucas gezwungen, das Drehbuch selbst zu verfassen. Seine erste Fassung schrieb er in drei Wochen, wobei er die vier parallelen Handlungsstränge auf den Moment zusteuern ließ, an dem sie sich miteinander verknüpften. Lucas konnte auf seine eigene Sammlung von Original-45er-Singles zurückgreifen und stellte sich für jede Szene einen bestimmten musikalischen Hintergrund vor. American Graffiti sollte der erste Film mit einem derart umfangreichen Soundtrack von Original-Rock’n’Roll-Aufnahmen sein.
Die Kosten der Lizenzgebühren für die 75 Songs, die Lucas verwenden wollte, war einer der entscheidenden Faktoren, warum United Artists das Drehbuch letztendlich ablehnte. Zudem war das Filmstudio der Ansicht, das Projekt sei zu experimentell. Lucas musste schnell einen anderen Abnehmer für das Drehbuch finden. THX 1138 hatte dem Regisseur ungewollt einen Ruf eingebracht, der nun dazu führte, dass man ihm Filmprojekte anbot, die auf dem Erfolgsmusical Hair oder der Rockoper Tommy von The Who basierten.
Vorproduktion Lucas und Kurtz verstärkten ihre Anstrengungen, einen Käufer für American Graffiti zu finden, und stießen bei Universal Studios auf Interesse. Universal war zu dieser Zeit von der zwiespältigen Nachwirkung durch Dennis Hoppers Roadmovie Easy Rider (1969) geprägt worden. Ähnlich wie John Calley von Warner Bros. war Ned Tanen von Universal bereit, unabhängige Talente unter der Bedingung zu fördern, dass ihre Projekte nicht mehr als eine Million US-Dollar kosteten. Das Studio stellte für American Graffiti 775.000 US-Dollar zur Verfügung, also weniger als Lucas von Warner Bros. für THX 1138 bekommen hatte. Zudem sollte Lucas einen namhaften Schauspieler finden, durch den der Film in den Kinoanzeigen aufgewertet werden würde. Alleine wegen der anfallenden Kosten für die Lizenzgebühren für die Rock-’n’-Roll-Songs, die er für unverzichtbar hielt, konnte Lucas keinen großen Star engagieren. Lucas wandte sich an Coppola und fragte, ob er seinen Namen für American Graffiti zur Verfügung stellen würde, um Universal zu beruhigen. Coppola übernahm bereitwillig die Rolle des Produzenten.
In San Rafael wurde ein Produktionsbüro eingerichtet, und Produktionsassistent Jim Bloom wurde mit der Aufgabe betraut, die vielen Autos zu organisieren, die für die Dreharbeiten benötigt wurden. Dazu wurden Inserate für getunte Wagen aus der Zeit um 1962 in der Zeitung von Marin County platziert, und in den lokalen Radiosendern wurden entsprechende Werbespots gesendet. Am Ende standen Bloom mehr als 500 Autos zur Verfügung. Zwischen 40 und 50 Wagen kamen in die engere Auswahl für die sorgfältig choreografierten Cruising-Sequenzen, die Lucas auf den Straßen von San Rafael filmen wollte.