Gödöllő [] ( Getterle) ist eine Stadt im ungarischen Komitat Pest.
Lage Gödöllő liegt ca. 30 km nordöstlich von Budapest, erstreckt sich über 6.198 ha Fläche und hat 34.396 Einwohner (Stand 2011).
Geschichte Zwei Gräberfunde bei Gödöllő belegen eine Besiedelung am Übergang von der Frühlatène (LTB II) zur Mittellatène (LTC I), ungefähr 399 bis 200 v. Chr. Das wichtigste Fundobjekt ist ein Schwert mit dem Oberteil der Schwertscheide, die mit gold-inkrustierten Tierköpfen verziert ist. Der Fund befindet sich heute im Ungarischen Nationalmuseum (Magyar Nemzeti Múzeum).Miklós Szabó/Eva Petres: Decorated Weapons of the La Tene Iron Age in the carpathian Basin. Inventaria Praehist. Hungariae V, Budapest 1992; In: Susanne Sievers/Otto Helmut Urban/Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K; Mitteilungen der prähistorischen Kommission im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 651.
Das Gebiet der Ortschaft war nachweislich seit dem 14. Jahrhundert schwach besiedelt; die ohnehin geringe Bevölkerungszahl verringerte sich während der Türkenherrschaft (seit 1541) noch weiter.
Der Aufstieg Gödöllős begann 1737, als das Dorf von dem bedeutenden ungarischen Großgrundbesitzer Antal Grassalkovich I. erworben wurde, der seit 1741 hier als Stammsitz seiner Familie mit Schloss Gödöllő Ungarns größtes Barockpalais erbauen ließ. Auch das Dorf profitierte von seinem Gestaltungswillen: durch Bauten, die Ansiedlung deutscher Handwerker und das Marktrecht 1763.
Nach dem Niedergang der Familie Grassalkovich erwarb der ungarische Staat das Gut und machte es dem (österreichischen Kaiser und ungarischen) König Franz Joseph I. 1867 zum Geschenk zur Krönungsfeier im Anschluss an den Österreichisch-Ungarischen Ausgleich. Die häufigen Besuche des Herrscherpaares und besonders von Königin Elisabeth führten zu einem Aufschwung Gödöllős als mondäner Sommerfrische für Budapester Adelsfamilien mit aller dazugehörenden Infrastruktur. Diese Funktion behielt das Städtchen in verkleinertem Rahmen auch in der Zwischenkriegszeit als Sommersitz des ungarischen Reichsverwesers Miklós Horthy bei.
Während der kommunistischen Herrschaft wurde, um den „bourgeoisen“ Eindruck des Ortes abzumildern, viel Industrie angesiedelt, aber auch der Hauptsitz der agrarwissenschaftlichen Szent-István-Universität Gödöllő.
Seit dem 1. Januar 1966 hat Gödöllő Stadtrecht.
Nach der Wende von 1989 hatte die Stadt den schwierigen Transformationsprozess hin zur Dienstleistungsgesellschaft zu bewältigen. Nach dem Abzug der letzten im königlichen Schloss einquartierten sowjetischen Truppen 1990 wurde dieses weitestgehend restauriert und zu einem Kulturzentrum umgebaut. Im Schloss können Räumlichkeiten für Festivitäten (z. B. Hochzeiten) angemietet werden.
Sehenswürdigkeiten und Freizeit Schloss Grassalkovich Reformierte Kirche Basilika Mariä Himmelfahrt in Máriabesnyő, erbaut in den 1760er Jahren Mariensäule, errichtet vom österreichischen Bildhauer Martin Vögerl. In Nitra, Kremnica und Hainburg an der Donau stehen weitere seiner Marien- und Dreifaltigkeitssäulen. Gödöllői Kisvasút, Museumsbahn Botanischer Garten der Ungarischen Universität für Landwirtschaft und Biowissenschaften dort steht der riesige Wildbirnbaum Vén VackorfaPorträt des Vén Vackorfa, welcher 2014 als Vertreter Ungarns am Wettbewerb „Europäischer Baum des Jahres“ETOY 2014: The Giant Wild Pear of Gödöllő teilnahm. In der Nähe von Gödöllő wurde der Hungaroring für Formel-1-Rennen samt einem Erlebnispark errichtet. Nächstgelegene Badeorte: Erlebnispark bei Hungaroring und Veresegyház.
Galerie
Städtepartnerschaften Aichach, Deutschland Bad Ischl, Österreich Bogor, Indonesien Gießen, Deutschland Laxenburg, Österreich Turnhout, Belgien Valdemoro, Spanien Wageningen, Niederlande
Persönlichkeiten Csanád Gémesi (* 1986), Säbelfechter Noémi Kiss (* 1974), Schriftstellerin
Literatur Franz Weller: Die kaiserlichen Burgen und Schlösser in Wort und Bild. Hof-Buchdruckerei, Wien 1880. (Online)
Mediale Rezeption Die Verbindung zwischen Schloss Gödöllő und Elisabeth von Österreich wurde vielfach filmisch rezipiert, etwa in den Sissi-Filmen von Ernst Marischka oder im neueren Film Sisi auf Schloss Gödöllö.
Weblinks
Königliches Schloss Agraruniversität Luftaufnahmen von Gödöllő
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Komitat Pest Kategorie:Ungarische Hochschul- oder Universitätsstadt Kategorie:Gräberfeld (Kelten) Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Ungarn Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1966