mini|Historischer Jeep des SAS Der Special Air Service (SAS) ist eine Spezialeinheit der British Army, die 1941 während des Zweiten Weltkriegs vom schottischen Lieutenant Colonel David Stirling aufgestellt wurde. Der SAS operiert weltweit und ist in Credenhill in der Nähe von Hereford stationiert. Er gilt als eine der erfahrensten und ältesten existierenden Spezialeinheiten der Welt.

Auftrag Zu den Aufgaben des SAS zählen das Sammeln von Informationen über den Feind (Militärische Aufklärung), Sabotageoperationen hinter feindlichen Linien, das Markieren von Zielen für den Beschuss und die Befreiung von gefangenen Soldaten oder Zivilisten. Neben Kriegseinsätzen wird der SAS auch als Antiterroreinheit im Inland eingesetzt, vor allem zur Geiselbefreiung, aber auch zur gezielten Tötung von als Staatsfeinden eingestuften Personen (zum Beispiel früher von Mitgliedern der IRA oder heute von anderen von der britischen Regierung als Terroristen eingestuften Personen oder Gruppierungen). Er bildet Spezialeinheiten befreundeter Länder aus und handelt bei Bedarf auch verdeckt, so dass eine Beteiligung der britischen Regierung nicht erkennbar ist. Der zum Militär gehörende SAS übernimmt auch Aufgaben einer polizeilichen Spezialeinheit, dazu gehört unter anderem der Schutz hoher britischer Amtsinhaber. Hier ist er vergleichbar mit der israelischen Sajeret Matkal, mit dem der SAS immer wieder gemeinsame Übungen abhält.

Das Motto des SAS lautet:

Gliederung Heute besteht der SAS aus drei Regimentern: 21 Special Air Service Regiment in den West Midlands (seit 1947) 22 Special Air Service Regiment in Hereford 23 Special Air Service Regiment in Wolverhampton

Die beiden Regimenter 21 und 23 dienen als Reserveeinheiten (TA SAS – Territorial Army). Im Kriegsfall übernehmen sie so genannte Long Range Reconnaissance Patrols (Fernspäh-Aufklärungseinsätze) hinter den feindlichen Linien und sollen Verluste des Regiments 22 ausgleichen. Jedes von ihnen besteht aus drei Squadrons (Kompanieäquivalent).

Der aktive SAS besteht aus dem Regiment 22, aufgeteilt in vier Squadrons mit insgesamt etwa 500 Soldaten. Diese bestehen aus je vier Troops. Jeder Trupp besteht theoretisch aus 16 Soldaten, aufgeteilt in vier Teams zu je vier Mann. Praktisch erreicht der SAS diese Einsatzstärke aber nicht, da er so wie auch andere Spezialeinheiten aufgrund der strengen und höchst anspruchsvollen Auswahl sowie des harten Dienstes mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hat.

Die vier Squadrons tragen die Bezeichnung A, B, D und G (die C Squadron wurde 1980 aufgelöst). Jeder der dazugehörenden vier Troops ist spezialisiert auf eine Fertigkeit der Fortbewegung, beziehungsweise des Eindringens in feindliches Gebiet. So gibt es in jeder Squadron einen Mountain Troop (Gebirgs- und Winterkampf), einen Mobility Troop (Geschützte Fahrzeuge, Landrover, ATV und Motorräder), einen Air Troop (Freifaller) und einen Boat Troop (maritime Einsatzkomponente mit RIB-Sturmbooten).

Zum 22 SAS gehören außerdem noch eine Stabsgruppe, eine Planungs- und Nachrichtenabteilung, eine Abteilung zur Untersuchung von Einsätzen und ein Ausbildungszug.

Im Turnus von sechs bis neun Monaten ist jede dieser vier Squadrons als CRW-Wing (Counter Revolutionary Warfare – Guerillakampf), einer Unterabteilung, die auch verdeckte Militärberater-Funktionen erfüllt, an der Reihe. Der Wing steht in ständiger Bereitschaft und soll bei Bedarf in zwei Etappen innerhalb von 30 Minuten, beziehungsweise zwei Stunden, einsatzbereit sein. Unterteilt ist er in zwei Gruppen, die jeweils aus einer Sturmangriffs- und einer Scharfschützengruppe bestehen: Rot (Luftlande- und Gebirgsjägergruppe) Blau (Kampfschwimmer und Artillerie)

Neben den drei Regimentern, die eng zusammenarbeiten, existieren noch kleinere Einheiten für besondere Aufgaben: die 63rd SAS Signal Squadron in South East England, sowie Eastern Wessex und das L Detachment (früher R-Squadron), gebildet aus ehemaligen SAS-Mitgliedern. Letzteres untersteht dem TA SAS und dient als Reserve des 22. Regiments zum schnellen Ersatz von Verlusten.

Die ursprünglichen Einheiten, das 1st Special Air Service Regiment und das 2nd Special Air Service Regiment, wurden 1945 aufgelöst.

Rekrutierung und Ausbildung Seit 1952 werden die Soldaten des SAS in einem speziellen Verfahren ausgewählt, das der damalige Kommandeur Major John Woodhouse einführte. Bis dahin verdienten sich Interessenten die Aufnahme in ihren jeweiligen Einheiten durch besonderen Einsatz im Kampf.

Das Auswahlverfahren, die Selection, gilt als das anspruchsvollste der britischen Armee. Lediglich zwei bis zehn Prozent der Anwärter bestehen es. Es wird zwei Mal im Jahr in den Bergen der Brecon Beacons von Wales durchgeführt.

Bewerber müssen männlich sein und entweder seit mindestens drei Jahren Mitglied der britischen Streitkräfte oder seit 18 Monaten Angehöriger der Regimenter 21 und 23 (in beide können Zivilisten direkt eintreten). Außerdem akzeptiert der SAS Angehörige der Armeen des Commonwealth als Anwärter. Besteht ein Kandidat eine der Prüfungen nicht, wird er sofort in seine ursprüngliche Einheit zurückversetzt. Ein zweiter Versuch ist möglich, weitere Anläufe jedoch nicht.

Weiblichen Kandidaten für die britischen Spezialkräften steht das Special Reconnaissance Regiment offen, das für die Spezialaufklärung in der Tiefe häufig zusammen mit dem SAS eingesetzt wird.

Einführung (2 Tage) Ein Wochenende lang bekommen die Kandidaten Einblick in das Leben in einer britischen Spezialeinheit und werden über die Anforderungen der Einstellungstests informiert. Außerdem müssen sie ihre Fähigkeiten im Umgang mit Karte und Kompass beweisen, eine Schwimmprüfung absolvieren und einen Fitness- und Erste-Hilfe-Test bestehen.

Fitness und Orientierung (4 Wochen) mini|Blick vom 886 Meter hohen Pen y Fan in den Brecon Beacons, dem bevorzugten Terrain für die Geländeausbildung Dieser Ausbildungsabschnitt findet in den Brecon Beacons, u. a. im Elan-Tal in Wales statt. Der so genannte Battle Fitness Test (BFT) besteht aus einem 2,5-Kilometer-Lauf als Gruppe in unter 13 Minuten, der anschließend noch einmal allein in unter 11,5 Minuten erfüllt werden muss. Es folgen in dieser ersten Woche weitere Geländeläufe über die Berge mit leichtem Gepäck sowie Orientierungsaufgaben bei Tag und Nacht. Im Laufe der Auswahl nimmt das Gewicht des Rucksacks auch mit Gewehr zu.

Die dritte Woche ist bestimmt von Orientierungsübungen im Gelände mit steigendem Schwierigkeitsgrad. In der vierten Woche ist an jedem Tag ein Geländelauf gegen die Uhr zu bewältigen. Die zu erreichende Zeit wird den Soldaten nicht mitgeteilt, da sie bei jedem Lauf ihr Bestes zu geben haben. Das Überschreiten des Zeitlimits führt ebenso zum Ausscheiden wie Verletzungen. Den Abschluss bildet ein Marsch über eine Distanz von 65 Kilometern mit über 7000 Höhenmeter bei 20 Kilogramm Rucksackgewicht und Gewehr. Wer länger als 20 Stunden braucht, ist durchgefallen. Der Rekord liegt bei 14 Stunden. Durch die sehr hohe körperliche Belastung kommt es immer wieder bei diesen Ausdauertests zu Todesfällen.

Aufbautraining (4 Wochen) In dieser Ausbildungsphase werden eine intensive und möglichst realistische Ausbildung an Handfeuerwaffen sowie Sprengstoffen und Übungen in Kleingruppentaktik durchgeführt. Anschließend erfolgt für Anwärter ohne Fallschirmsprungausbildung die automatische Ausbildung am Ausbildungszentrum RAF Brize Norton.

Dschungelausbildung (6 Wochen) Die Ausbildung findet in einem Nationalpark in Belize statt und wird in kleinen Gruppen von je vier Mann absolviert, jede Gruppe wird von einem Ausbilder der Belize Defence Force überwacht. Das Training umfasst Orientieren und Überleben im Dschungel, den Umgang mit Booten und den Aufbau eines Dschungelbiwak sowie den Feuerkampf im Dschungel. Sämtliche Fähigkeiten müssen die Anwärter in einer Abschlussübung beweisen.

Kampfausbildung (4 Wochen) In diesem Abschnitt wird in erster Linie das Überleben unter Kampfbedingungen (Combat Survival) und das Verbergen vor dem Feind mit dem Überstehen von Gefangennahme und Verhör trainiert. Dazu gehört, dass die Soldaten sich nur von den Dingen ernähren, die sie in Wald und Feld finden, und auch Verhöre und Folter (bis zu einem gewissen Grad) erleben. Die Ausbildung beendet eine Übung in E&E-Taktiken (Escape and Evasion – Fliehen und Ausweichen). Dazu bekommen die Soldaten unhandliche Übermäntel, um ihre Beweglichkeit einzuschränken, und werden von Soldaten anderer Verbände, üblicherweise Fallschirmjägern oder Gurkhas, fünf Tage lang gejagt und müssen unentdeckt bleiben, um zu bestehen. Anschließend wird jeder von ihnen 24 Stunden lang verhört und dabei erniedrigt, beschimpft, mit Lärm oder Schlafentzug malträtiert. Wer mehr als nur seinen Namen, seinen Rang, sein Geburtsdatum oder die Kennnummer preisgibt, fällt durch. Einzige erlaubte Antwort ist: „Es tut mir leid, ich kann diese Frage nicht beantworten.“

Jeder Fehler in einem dieser Abschnitte führt dazu, dass der Soldat sofort zu seinem Regiment zurückversetzt wird. Besteht er, verliert er den bisherigen Dienstrang und dient als Trooper im SAS. Die Ränge innerhalb des Regiments müssen von Unteroffizieren und Mannschaften neu erworben werden. Verlässt ein Soldat die Truppe, bekommt er seinen alten Dienstgrad zurück.

Für Offiziere gilt ein abweichendes Verfahren. Ab dem Dienstgrad Captain (Hauptmann) behalten diese ihren Rang, dürfen jedoch maximal drei Jahre im SAS dienen. Wenn sie anschließend den Test erneut bestehen, dürfen sie drei weitere Jahre dabei bleiben.

Spezialausbildung Anschließend beginnt die eigentliche Ausbildung, innerhalb deren sich jeder Soldat auf einem oder mehreren Gebieten zum Experten (Specialist) für bestimmte Bereiche fortbildet, diese sind: Rettungssanitäterausbildung mit dem Schwerpunkt auf Traumamedizin Fernmeldeausbildung HAHO Freifall-Fallschirmspringen im Gleiteinsatz Scharfschütze Sprachen Fahrer Guerillakampf Aufstandsbekämpfung Counterinsurgency – COIN Sprengmeister.

Je nach Rang und Fähigkeiten verdienen die Soldaten 25.000 bis 80.000 Pfund im Jahr. Der Dienst ist so hart, dass viele der Männer mit Mitte 30 aussteigen. Neben Verletzungen im Einsatz sind auch Spätfolgen durch schlechte Ernährung, verseuchtes Wasser, Infektionen oder Gefangenschaft eine Gefahr. Für Heimkehrer können außerdem ihre Konditionierung und ihre Erlebnisse zur Belastung werden. Nur wenigen gelingt es, sich an ein normales Leben zu gewöhnen. Viele leiden unter psychischen Störungen wie dem posttraumatischen Stresssyndrom oder können ihre Aggressionen nicht kontrollieren. Immer wieder gibt es Berichte über Suizide ehemaliger SAS-Mitglieder. Durch den hohen psychischen Druck sowie durch Einsatzdauer und -turnus wird ein geregeltes Familienleben zu einer Herausforderung für alle Angehörigen.

Nachwuchsprobleme Aufgrund dieser Gefahren und der hohen Anforderungen bei der Auswahl hat der SAS schon länger Schwierigkeiten, seine Sollstärke zu halten. Die britische Zeitung Daily Telegraph berichtete 2005, dass sich diese Probleme seit dem Krieg im Irak massiv verstärkt hätten. Immer mehr Soldaten würden den Dienst gegen lukrative Stellen bei privaten Sicherheitsdienstleistern eintauschen. Dies habe das Regiment dazu veranlasst, sämtliche 300 Frontsoldaten des SAS per Brief darauf hinzuweisen, dass es im besten Sinne aller wäre, wenn sie blieben.

Der Anreiz aus der Wirtschaft ist hoch. Laut dem Bericht kann ein Unteroffizier des SAS als Berater eines privaten Sicherheitsunternehmens im Irak oder Afghanistan bis zu 14.000 Pfund im Monat verdienen.

Ausrüstung Bewaffnung Die Informationen über den SAS basieren auf Büchern ehemaliger Mitglieder oder auf Berichten von Journalisten. Ihre Genauigkeit und ihre Aktualität sind daher begrenzt. Es kann als gesichert gelten, dass der SAS so wie andere Spezialeinheiten Zugriff auf praktisch jede Waffe hat und diese auch entsprechend den eigenen Bedürfnissen modifiziert und anpasst.