Der Weltgewerkschaftsbund (Abkürzung WGB, , ) ist ein internationaler Gewerkschaftsdachverband.
Geschichte Der WGB wurde am 3. Oktober 1945 in Paris durch den Zusammenschluss zahlreicher Gewerkschaften gegründet.Waltraud Böhme, Marlene Dehlsen, Andrée Fischer, Herbert Jansen, Gerhard König, Margot Lange, Renate Polit, Gertrud Schütz (Herausgabe und Redaktion): Kleines politisches Wörterbuch. 2. Auflage, Dietz Verlag, Berlin (Ost) 1973, S. 957. Besonders die sowjetische Profintern sollte mit der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale zusammengeführt werden.
Der Kalte Krieg führte 1949 zur Spaltung der internationalen Gewerkschaftsbewegung: in den westlich-demokratischen Internationalen Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) sowie den Weltgewerkschaftsbund (WGB), der die Gewerkschaften der sozialistischen Staaten mit denen vereinte, die in den nichtsozialistischen Staaten den kommunistischen Parteien nahestanden und blieben. Im Ostblock wurde die Spaltung als versuchte „Zerstörung der Gewerkschaftsbewegung“ beschrieben. Der Sitz des WGB war bis zur Spaltung im Jahr 1949 in Paris, anschließend in Prag und seit 1999 in Athen.Daniel Blackburn, Ciaran Cross (s. Literatur), S. 667.
Verhandlungssprachen des WGB waren Französisch, Englisch, Spanisch, Russisch und Deutsch. Heute sind Russisch und Deutsch nicht mehr Verhandlungssprachen.
Bis zum Ende der kommunistischen Diktaturen in Osteuropa nach den Revolutionen im Jahr 1989 war der Weltgewerkschaftsbund laut Wolfgang Rudzio eine kommunistische Frontorganisation.Wolfgang Rudzio: Die Erosion der Abgrenzung. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-322-83787-5, S. 29 ().
Weltgewerkschaftskongresse mini|IV. Weltgewerkschaftskongress 1957 in der Kongreßhalle Leipzig mini|IV. Weltgewerkschaftskongress 1957 in der Kongreßhalle Leipzig I. Weltgewerkschaftskongress 3.–8. Oktober 1945 in Paris Beschluss Satzung und Programm, Wahl des Generalrates, Gründung von Berufssekretariaten (später IVG) Präsident Sir Walter Citrine (Großbritannien) Generalsekretär Louis Saillant (Frankreich)
II. Weltgewerkschaftskongress 29.–9. Juli 1949 in Mailand Beschluss Neuaufstellung nach der Spaltung Präsident Giuseppe Di Vittorio (Italien) Generalsekretär Louis Saillant (Frankreich)
III. Weltgewerkschaftskongress 10.–21. Oktober 1953 in Wien Beschluss Präsident Giuseppe Di Vittorio (Italien) Generalsekretär Louis Saillant (Frankreich)
IV. Weltgewerkschaftskongress 4.–15. Oktober 1957 in Leipzig Beschluss Präsident Giuseppe Di Vittorio (Italien) Generalsekretär Louis Saillant (Frankreich)
V. Weltgewerkschaftskongress 4.–15. Dezember 1961 in Moskau Beschluss Präsident Renato Bitossi (Italien) Generalsekretär Louis Saillant (Frankreich)
VI. Weltgewerkschaftskongress 8.–22. Oktober 1965 in Warschau Beschluss Präsident Renato Bitossi (Italien) Generalsekretär Louis Saillant (Frankreich)
VII. Weltgewerkschaftskongress 17.–26. Oktober 1969 in Budapest Beschluss Präsident Enrique Pastorino (Uruguay) Generalsekretär Pierre Gensous (Frankreich)
VIII. Weltgewerkschaftskongress 11.–16. November 1974 Warschau Beschluss Präsident Enrique Pastorino (Uruguay) Generalsekretär Pierre Gensous (Frankreich)
IX. Weltgewerkschaftskongress 16.–22. April 1978 in Prag Beschluss Präsident Sándor Gáspár (Ungarn) Generalsekretär Enrique Pastorino (Uruguay)
X. Weltgewerkschaftskongress 10.–15. Februar 1982 in Havanna Beschluss Präsident Sándor Gáspár (Ungarn) Generalsekretär Ibrahim Zakaria (Sudan)
XI. Weltgewerkschaftskongress in Berlin 16.–22. September 1986 Beschluss Präsident Generalsekretär
XII. Weltgewerkschaftskongress 13.–19. November 1990 in Moskau Beschluss Präsident Generalsekretär Pierre Gauzou Frankreich
XIII. Weltgewerkschaftskongress 1994 in Damaskus Beschluss war die Neuausrichtung nach den politischen Änderungen der letzten 5 Jahre
XIV. Weltgewerkschaftskongress 25.–28. März 2000 in Neu-Delhi Präsident K.L.Mahendra, General Secretary, AITUC, (Indien) Generalsekretär Alexander Zharikov (Russland)
XV. Weltgewerkschaftskongress Anfang Dezember 2005 in Havanna Präsident: Mohamad Shaban Assouz, GFTU (Syrien) Generalsekretär: Giorgos Mavrikos, PAME (Griechenland)
XVI. Weltgewerkschaftskongress 6.–10. April 2011 in Athen
Berufs- und Fachgewerkschaften Die Berufs- bzw. Fachgewerkschaften sind innerhalb des WBG in Internationale Vereinigungen der Gewerkschaft (französisch: UIS, spanisch: UIS, englisch: TUI, deutsch: IVG) zusammengefasst worden.
IVG der Werktätigen der Bau-, Holz- und Baustoffindustrie Sitz: Helsinki Präsidenten: Walter Tille (1957–1960) Lothar Lindner (1960–1990) Generalsekretäre: Veiko Porkala, Finnland
IVG Bergbau Sitz Prag, von 1956 bis 1990
IVG der Werktätigen der öffentliche Dienste und verwandter Berufe Sitz bis 1992 Berlin, von 1992 bis 1996 Paris, seitdem Neu-Delhi Publikation: vierteljährlich Bulletin
Die IVG, 1949 durch die Gewerkschaften der Post-, Telegrafen- und Radioarbeiter gegründet, erweitert ihr berufliches Spektrum des öffentlichen Dienstes, fast aller Branchen, vor allem seit dem I. Internationalen Berufskongress in Wien 1955. In der IVG sind die Gewerkschaften im Wesentlichen folgender Branchen vereinigt: Staatsarbeiter und Angestellte, sowie der Justiz Kommunale- und Gemeindearbeiter und Angestellte Beschäftigte der Post-, Telegrafen- und Radiodienste Beschäftigte des Gesundheitswesens Beschäftigte der Staatsbanken, Sparkassen, Banken und Versicherungen
Auf den Berufskongressen wurden deshalb fünf Brachenkommissionen gewählt, die während des Kongresses die Arbeit aufnahmen und sie in der Zeit zwischen den Kongressen fortsetzten. Deshalb wurden die Vorsitzenden der Branchenkommissionen zu den Tagungen des Vorstandes eingeladen. Auf diese Weise wurde die Arbeit des Vorstandes mit den spezifischen Problemen der Branchen verbunden. Das war besonders günstig für die Einflussnahme, die Zusammenarbeit und den Dialog zu Aufgaben, beruflichen Rechten und Freiheiten sowie auf die Einflussnahme auf die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und internationale Normenwerke.
1949 Gründungskongress Es fand eine erste Konstituierung der Organisation statt, ein erstes Programm für die Gewerkschaften der Post-, Fernmeldewesen und Radioanstalten wurde erarbeitet, sowie eine innere Satzung der IVG beschlossen. Der Kongress wählte einen Verwaltungsausschuss (Administrativkommission). Ein Manifest richtete an die Teilnehmer einen eindringlichen Aufruf an alle PTTR-Gewerkschaften zur „Zusammenarbeit und Solidarität im Ringen um Frieden, sozialen Fortschritt und gewerkschaftliche Freiheiten“.
Präsident 1949–1955 Jaroslaw Kolar aus der CSSR Vizepräsidenten 1949–1955 René Duhamel aus Frankreich 1949–1955 A.J. Jussupow aus der UdSSR Generalsekretär 1949–1955 Willi Baumgart
I. Internationaler Berufskongress 1955 Erstmals trafen sich internationale Gewerkschaften der verschiedenen Branchen des Öffentlichen Dienstes und verwandter Berufe. Sie konstituierten eine IVG für die Gewerkschaften des Öffentlichen Dienstes aus den industrialisierten Ländern, den aufkommenden sozialistischen Staaten und der Dritten Welt. Dazu wurde ein neues Statut beschlossen. Die IBK-Teilnehmer drückten ihren Willen aus, neue und gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, gewerkschaftliche Rechte und ein demokratisches Dienstrecht durchzusetzen. Dazu wurde ein internationales Aktionskomitee gebildet.
Präsident 1955–1968 René Duhamel aus Frankreich Generalsekretär 1955–1958 Willi Baumgart
II. Internationaler Berufskongress 1959 Hervorzuheben ist der „Beschluss zu einer Deklaration über Rechte und Garantien der Werktätigen des öffentlichen Dienstes“. Die Verteidigung des Friedens, das Ringen um Abrüstung und das Verbot von Kernwaffen wurde immer mehr Bestandteil der sozialen und wirtschaftlichen Forderungsbewegungen.
Präsident 1955–1968 René Duhamel aus Frankreich Vizepräsidenten 1955–1968 Grigori Petelin aus der UdSSR Generalsekretär 1958–1961 Paul Wolf 1961–1964 Willi Albrecht
III. Internationaler Berufskongress 1964 Der IBK orientierte auf verstärkte Arbeit in den Branchenkommissionen, um die spezifischen Probleme und Forderungen der Beamten, Angestellten und Arbeiter wirksamer zu vertreten. Mit einer breiten Welle der Solidarität reagierte der IBK auf aktuelle gewerkschaftliche Kämpfe in Großbritannien, Japan, Belgien, Angola, Zypern und anderen Staaten.
Präsident 1955–1968 René Duhamel aus Frankreich Vizepräsidenten 1955–1968 Grigori Petelin aus der UdSSR Generalsekretär 1964–1977 Dagobert Krause
IV. Internationaler Berufskongress 1968 Präsident 1968–1982 Raymond Barberis aus Frankreich Generalsekretär 1964–1977 Dagobert Krause
IV. Internationaler Berufskongress 1972 Präsident 1968–1982 Raymond Barberis aus Frankreich Generalsekretär 1964–1977 Dagobert Krause
V. Internationaler Berufskongress 1977 Präsident 1968–1982 Raymond Barberis aus Frankreich Generalsekretär 1977–1985 Hans Lorenz
VI. Internationaler Berufskongress 1982 Präsident 1982–1992 Alain Pouchol aus Frankreich Generalsekretär 1977–1985 Hans Lorenz 1986–1992 Jochen Meinel
VII. Internationaler Berufskongress 1982 Präsident 1982–1992 Alain Pouchol aus Frankreich Generalsekretär 1986–1992 Jochen Meinel
IX . Internationaler Berufskongress 1992 Durch den Zusammenbruch der Sowjetunion und den politischen und gesellschaftlichen Änderungen in den Ländern des ehemaligen Ostblocks kam die internationale Arbeit teilweise zum Erliegen und musste neu geordnet werden. Der Schwerpunkt verlagerte sich von Europa nach Asien, Afrika und Lateinamerika. Die bis dahin hauptamtliche Arbeit musste durch ehrenamtliche Arbeit von gewerkschaftlichen Mitarbeitern in den einzelnen Ländergewerkschaften organisiert werden.
X. Internationaler Berufskongress 1998 Aus finanziellen Gründen wurden die Strukturen neu definiert. Die IVGen Gesundheit, Bildung und Arbeiter und Angestellte des Öffentlichen Dienstes schlossen sich zusammen. Die Präsenz in Europa ist sehr schwach geworden.
Präsident 1998–? Lulamile Sotaka (Südafrika) Generalsekretär 1998–? bis Sukomal Sen (Indien)
IVG Transport Sitz Budapest Präsident Generalsekretär Ganguli (Indien)
IVG Metall Sitz Prag bis 1990, ab 1998 nach der Reorganisation Mexiko-Stadt Präsident bis 1990 Reinhard Sommer (Deutschland) Generalsekretär bis 1990 Piere Gensson (Frankreich)
IVG Nahrungs- und Lebensmittelarbeiter Sitz Sofia
FISE–Lehrer und Erzieher Einzige Vorkriegsorganisation, die dem WGB beigetreten ist.
Sitz Paris, Prag und seit 1985 Berlin Präsident bis ? Paul Ruhig (Deutschland) Generalsekretär ...... (Frankreich)
IVG Chemie Sitz Budapest von 1956 bis 1990 ab 1998 nach der Reorganisation Mexiko-Stadt im Zusammenschluss mit IVG Metall
IVG Land–und Forstarbeiter Sitz Prag von 1960 bis 1990 Präsident Generalsekretär Bonari (Italien)
Ständiges Komitee für Gewerkschaften der Druck- und Papierarbeiter Sitz Berlin Präsidenten 1967–1973 Heinz Oehler 1973–1987 Heinz Deckert
Weblinks Weltgewerkschaftsbund (englisch)
Literatur Daniel Blackburn, Ciaran Cross, Trade unions of the world, International Centre for Trade Union Rights 2016, S. 667 f
Einzelnachweise
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