mini|Karl von Holtei, Fotografie von Angerer (1847) mini|Karl von Holtei; Lithographie von Josef Kriehuber 1856 (nach einem Gemälde von C. Riedel) mini|Karl von Holtei, Altersbild

Karl Eduard von Holtei, auch Carl (von) Holtei, eigentlich Karl Eduard von HolteyGetauft wurde er als Karl Eduard von Holtey. Karl Eduard von Holtei. vonholtey.de. Ab spätestens 1817 schrieb er sich Holtei statt Holtey. Vgl. Karl von Holtei: Propertia di Rossi. Von C. Holtei. In: F. W. Gubitz (Hrsg.): Gaben der Milde. Zweites Bändchen. Berlin 1817, S. 204–212. Michael Sachs (2016), S. 250., schlesisch Hultei-KarleErzählende Schriften: Noch ein Jahr in Schlesien, 1864, S. 150 (* 24. Januar 1798Laut: Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden (19. Auflage). Zehnter Band. Mannheim, 1989, S. 196. Deutsche Biographische Enzyklopädie. Band 5. Deutscher Taschenbuch Verlag / K.G. Saur, München 2001, S. 154. sowie: In Werken aus dem 19. Jahrhundert findet man den 24. Januar 1797, so z. B. in: Carl von Holtei: eine Biographie. Expedition des Albums, Prag / Leipzig, S. 7; . Hoffmann von Fallersleben: Unsere volksthümlichen Lieder. 3. Auflage. Verlag W. Engelmann, Leipzig 1860, S. 117; Hier findet sich eine explizite Korrektur von 1797 auf 1798 in Breslau/Provinz Schlesien im Königreich Preußen; † 12. Februar 1880 ebenda), war ein deutscher Schriftsteller (insbesondere Theaterschriftsteller), Schauspieler, Rezitator, Theaterregisseur, Theaterleiter und ein schlesischer Dialektdichter.

Leben Kindheit und Jugend Karl Eduard von Holtey entstammte einer evangelischen Offiziersfamilie von kurländischem Adel. Seine Eltern waren der in der k.k. Armee als Königlich Preußischer Lieutenant im Husarenregiment No. 3 dienende Husarenoffizier Karl von Holtey (1766–1845, gestorben als k.k. Major a. D. 1845 in Saatz/Böhmen) und dessen (seit 1792) erste Ehefrau Wilhelmine Gottliebe, geb. von Kessel (1773–1798), eine Tochter des Königlich Preußischen Stabsrittmeisters (später Majors) Ernst Friedrich von Kessel und Zeutsch (1737–1785) und der Charlotte Erdmuthe von Taubadel-Kertschütz (1750–1809). 1803 heiratete Karls Vater in zweiter Ehe Caroline von Taubadel, mit der er die Tochter Konstanze und einen weiteren Sohn bekam. Da die Mutter drei Tage vor der am 7. Februar durch den Garnisons-Prediger in Breslau stattgefundenen evangelisch-lutherischen Taufe an Kindbettfieber starb, wurde er von seinem Vater an die jüngere Schwester seiner Mutter, Dorothea Marianne Eleonore Baronin von Arnold geb. Freiin von Seidlitz-Golau (1739–1821) gegeben und von dieser erzogen und versorgt. Diese war mit dem Königlich Preußischen Geheimen Kriegsrat Georg Benjamin Baron von Arnold (1737–1806) auf Meesendorf (Kreis Neumarkt) verheiratet. Karl nannte seine aus einer pietistischen Adelsfamilie stammende Tante und Pflegemutter dann auch „Mutter“. (Ihr Onkel mütterlicherseits hatte die pietistische Kolonie Gnadenfrei gegründet).Michael Sachs (2016), S. 279–284 (Tabellarischer Lebenslauf Karl von Holtei [Holtey]). Karl von Holteys Stiefbruder Herbert von Holtey diente in der preußischen Armee und starb 1839 als Rittmeister a. D. in Frankenstein.Michael Sachs (2016), S. 236, Anm. 29. Mit drei Jahren gehörte von Holtey 1801 zu den ersten Patienten, die gegen Kuhpocken geimpft wurden. Karl von Holtey besuchte zuerst das evangelische Friedrichs-Gymnasium (unter seinem Direktor Karl Ludwig Kannegießer), dann bis 1814 das Maria-Magdalenen-Gymnasium (unter dem Direktorat von Johann Kaspar Friedrich Manso) in Breslau und nahm 1815 als Freiwilliger am Feldzug gegen Napoleon teil. Nach der Rückkehr holte er 1817 unter Mithilfe von Peter Friedrich Kanngießer, dem Hausfreund der Familie von Holtey, das Abitur nach und begann anschließend (neben seinen „Studien“ hinter den Theaterkulissen) für ein Semester ein Studium der Rechte an der Universität Breslau. Er wurde 1817 Mitglied der Breslauer Burschenschaft (Raczeks).Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band II: Künstler. Winter, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-8253-6813-5, S. 348–351. 1804 besuchte Karl von Holtey erstmals das Breslauer Theater. Sein weiteres Interesse fürs Theater wird dort auch 1809 bis 1815 geweckt, als etwa der damals bekannte Schauspieler Ludwig Devrient (1784–1832) dort auftrat. Eine beim Gutsbesitzer Karl Wolfgang Schaubert in Obernigk im Sommer von seiner Familie gewünschte Ausbildung (als „Wirtschaftszögling“) in der Landwirtschaft, brachte Karl von Holtey nicht vom Interesse am Theater ab. Um am Feldzug gegen Napoleon teilzunehmen, meldete er sich als Kriegsfreiwilliger bei einem freiwilligen Jägerkorps in Breslau, wo sein Kompaniekamerad Theodor von Sydow (1770–1855) war. Bis zum Kriegsende waren sie jedoch nur bis Quedlinburg gekommen.

Grafenort mini|Louise von Holtei Bereits in seiner Jugend war Holtei als Schauspieler, Dramaturg, Regisseur und Bühnendichter tätig geworden. Sein erstes Theaterstück wurde am 18. Oktober 1817 am Breslauer Theater aufgeführt. Zusammen mit Karl Seydelmann begann er 1816 bis 1824 zunächst eine Schauspielerlaufbahn am Schlosstheater des Grafen Johann Hieronymus von Herberstein (1772–1847) in Grafenort in der Grafschaft Glatz. Erstmals auf der Bühne stand Karl von Holtei in der Rolle des Mortimer (Maria Stuart) am 5. November 1819 in Breslau unter dramaturgischer Leitung von Ferdinand Heinke. Als Schauspieler hatte er jedoch keinen rechten Erfolg beim Publikum und verließ nach acht Monaten das Breslauer Theater wieder. 1820 reiste er als Rezitator zusammen mit seinem Freund, dem Sänger Julius Rochwow, durch Böhmen und Sachsen. Ein Auftritt in der Rolle des Juranits (in Zriny von Theodor Körner) an der Dresdner Hofbühne misslang ihm.Karl von Holtei: Jugend in Breslau. Im Dezember 1820 kehrte er nach Obernigk zu seiner Pflegemutter zurück, da diese sein Leben in Breslau finanziell nicht mehr unterstützen konnte. Seine Schauspielerkarriere beendete er daraufhin zunächst. Von Februar 1821 bis Juni 1823 war Holtei Theatersekretär und Theaterdichter beim Königl. priv. Nationaltheater in Breslau. mini|Mundartgedicht „Alleene“ = Allein In Grafenort lernte er die katholische Sängerin und Schauspielerin Louise Rogée (1800–1825) kennen, die am 4. Februar 1821 in der evangelischen Kirche zu Obernigk seine erste Ehefrau wurde, am 9. Mai 1821 ihren ersten Auftritt am Breslauer Theater hatte und nach nur vier Ehejahren am 28. Januar 1825 in Berlin an einer Herzbeutelentzündung starb. Der Witwer hatte danach eine Tochter (Marie) und einen Sohn (Heinrich Wolfgang Andreas, geboren Ende 1821, Paten: Henrich Steffens und der Gutsbesitzer Karl Wolfgang Schaubert) zu versorgen. Heinrich Holtei (1821–1836) starb 16-jährig in Grafenort, wo er seinen Vater und seine Stiefmutter besuchte, an einem „schleichenden nervösen Fieber“ und wurde katholisch beigesetzt, die evangelische Marie Holtei (1822–1897) heiratete 1842 in Graz den katholischen Advokaten und Sparkassenbeamten Josef Potpeschnigg (1809–1893) und verzog nach dort; ihre Kinder Karl, Wilhelm und Heinrich wurden im katholischen Glauben erzogen.Michael Sachs (2016), S. 229, 247 f. und 283.

Am 6. Mai 1823 wurde Holtei im Zusammenhang mit einer von ihm geplanten, einen Skandal auslösenden Seiltänzerpantomime aus dem Breslauer Theater entlassen. Am 23. Juni traten Karl und seine Ehefrau Louise von Holtei, die er „die kleine Rogée“ nannte, eine „Kunstreise“ (Tournee) mit Auftritten in Prag, Wien, Brünn, Berlin und Hamburg an. In Berlin spielte Louise Holtei im März 1824 am Königlichen Theater. Im selben Jahr veranlasste Karl von Holtei in Berlin die erste Aufführung von Das Käthchen von Heilbronn.

In Grafenort war Holtei in 12 Spielsaisons Leiter des Schlosstheaters. Dort schrieb er auch seine ersten Gedichte in schlesischer Mundart.

Wanderschaft Von März 1825 bis Sommer 1826 war Holtei Direktions-Sekretär und Dramaturg am Königsstädtischen Theater am Alexanderplatz in Berlin, wo viele seiner Stücke aufgeführt wurden. 1826–1827 begleitete er den Grafen Herberstein nach Paris, wo er unter anderem Alexander von Humboldt und Giacomo Meyerbeer kennenlernte. In Paris besuchte er regelmäßig das von Eugène Scribe geleitete Théâtre de Gymnase. Im Sommer 1829 kehrte Holtei wieder nach Berlin ans von Karl Friedrich Cerf geführte Königsstädtische Theater zurück. mini|Julie von Holtei

In Berlin heiratete er 1830 zum zweiten Mal, diesmal die Schauspielerin und Sängerin Julie Holzbecher (1809–1839), die am Königsstädtischen Theater auch in Bühnenwerken Karl von Holteis mitwirkte und mit der er mehrere Gastspielreisen unternahm. So waren Julie von Holtei als Schauspielerin und Karl von Holtei als Regisseur 1830 bis 1. Januar 1831 unter dem Intendanten Küstner am Hoftheater in Darmstadt tätig.

Als Schauspieler in der Rolle des „Heinrich“ und Autor von Lorbeerbaum und Bettelstab oder Drei Winter eines deutschen Dichters … Mit einem Nachspiel: Bettelstab und Lorbeerbaum war er am 16. Februar 1833 in Berlin erfolgreich. 1834 spielte er in Frankfurt an der Oder und in Glogau bei der „Fallerschen Truppe“ und mit seiner Frau trat er von Mai bis August desselben Jahres an 14 Abenden im Breslauer Theater auf.

Nach Auftritten an weiteren Bühnen (unter anderem von November 1834 bis März 1835 am Wiener Theater in der Josefstadt) leitete er vom 30. Mai bis 4. Oktober 1835 das Theater in Baden bei Wien.Karl von Holtei als Badener Theater-Leiter. Badener Zeitung, 2. Oktober 1909anno.onb.ac.at Im März 1836 verließen die Holteis Wien und reisten über Brünn, wo sie einige Male auftraten, nach Grafenort zu Graf Herberstein. In Grafenort machte Karl von Holtei 1836 BekanntschaftKarl von Holtei: Briefe aus und nach Grafenort. 1841, S. 144–150. mit dem originellen, seinen Besitz mit den Armen teilenden, in Neuwaltersdorf und Martinsberg in der Grafschaft Glatz tätigen katholischen Kaplan Georg Seipel (1752–1837; von der Bevölkerung „Pater Jürgel“ genannt), dem er als „Pater Christel“ in dem große religiöse Toleranz zum Ausdruck bringendenMichael Sachs (2016), S. 229 und 248. Roman „Christian Lammfell“ 1853 (entstanden in Graz) ein literarisches Denkmal setzte.S. J.: Das Urbild von Holtei’s „Christian Lammfell“. In: Laibacher Tagblatt. 1870, Nr. 43 (23. Februar), S. 1 f., und Nr. 44 (24. Februar), S. 1 f.Hugo Vogt: Das Urbild von Holtei’s „Christian Lammfell“. In: 17. Jahresbericht nebst Mitglieder-Verzeichnis des Glatzer Gebirgs-Vereins (1897/1898). S. 49–52. Seine Bühnenwerke 33 Minuten in Grünberg, Die Majoratsherren und Der Russe in Deutschland wurden in Grafenort uraufgeführt. Im Herbst 1836 kehrte das Ehepaar Holtei zurück nach Berlin, wo Karl von Holtei Shakespeare vorlas. Von 1837 bis 1839 war er erfolgreicher Direktor des damals deutschsprachigen Theaters in Riga, für das er Richard Wagner als Kapellmeister engagierte. Nachdem seine zweite Frau am 20. Dezember 1838 nach einer Zwillingsgeburt verstorben war, reiste er 1839 ab und kehrte nicht zurück. Marie, seine Tochter, blieb bei dem befreundeten Oberpastor Grave in Riga. Von Juli 1839 bis Mai 1840 war Karl von Holtei wieder in Grafenort, wo er seine Briefe aus und nach Grafenort schrieb, und von Juli bis Oktober 1840 hielten er und seine Tochter sich als Gäste von Herberstein auf Schloss Eggenberg bei Graz auf. Von Ende 1840 bis 1842 spielte Karl von Holtei dann unter Carl Carl am Theater an der Wien. Zudem war er in Wien als Vorleser für den Fürsten Metternich tätig (siehe auch Österreichische Bundeshymne). Von Winter 1842 bis Sommer 1843 lebte Holtei wieder in Berlin sowie im nahegelegenen Lützow und begann mit der Niederschrift seiner Lebenserinnerungen Vierzig Jahre Lorbeerkranz und Wanderstab. Den Winter 1843/44 verbrachte Holtei wiederum in Grafenort und im März 1844 schrieb er bei seiner Stiefmutter und Stiefschwester Konstanze in Oels den dritten Band der Vierzig Jahre. In Oels lernte Holtei zudem den damaligen Domprediger und späteren Breslauer Fürstbischof Heinrich Förster bei einer Jubiläumsveranstaltung am 3. Juni 1844 kennen.