mini|280px|Oblast Kaliningrad Die Oblast Kaliningrad (), auch Kaliningrader Gebiet genannt, ist die westlichste Oblast (Russisch für Gebiet) der Russischen Föderation. Sie ist eines der kleinsten Föderationssubjekte und zugleich die kleinste Oblast Russlands. Die Oblast hat knapp 1.030.000 Einwohner (2021) und ist mit 15.125 km² Fläche etwas kleiner als Schleswig-Holstein. In Russland wird das Gebiet häufig als Bernsteinland (russisch /Jantarny Krai) bezeichnet, was auf seinen Reichtum an Bernstein hinweist.

Die Hauptstadt ist Kaliningrad, das ehemalige Königsberg (Preußen). Das Gebiet der Oblast umfasst etwa das nördliche Drittel des ehemaligen Ostpreußens (d. h. das ehemalige Gebiet der Provinz ohne das litauische Memelland und die polnischen Gebiete Ermland, Masuren und Oberland). Als russische Exklave – von der Erreichbarkeit über die freie internationale Ostsee abgesehen – ist die Oblast von Litauen und Polen umgeben. Zwischen Litauen und dem weiter östlichen Kernland liegen noch Belarus bzw. Lettland, sodass die Landverbindung vom Kernland zur Oblast durch zwei fremde Staaten führt.

Das Gebiet spielt für Russland eine wichtige Rolle für seine Baltische Flotte mit Sitz in Baltijsk.

Geografie Grenzen mini|Karte der Oblast Kaliningrad mini|Karte der Oblast Kaliningrad mit den historischen deutschen Ortsnamen (vor 1938) Die Oblast Kaliningrad wird im Westen von der Ostsee begrenzt, durch die Memel im Norden, die Šešupė, Širvinta und Liepona im Osten von Litauen (der Grenzabschnitt entlang der drei letztgenannten Flüsschen existiert in seinem Verlauf seit dem 13. Jahrhundert und zählt zu den am längsten unverändert bestehenden Grenzen Europas). Im Süden grenzt die Oblast an Ermland-Masuren in Polen. Diese Grenze verläuft fast schnurgerade von der Frischen Nehrung nördlich von Krynica Morska (Kahlberg) nach Osten bis zur Südspitze des Wystiter Sees.

Landschaft mini|Landschaft auf der Kurischen Nehrung Das Landschaftsbild wird von leicht gewelltem Flachland mit Moränenhügeln, größtenteils versteppten Wiesen und Feldern sowie viel Wald bestimmt, der von breiten Flussniederungen und Moorgebieten unterbrochen wird. Größte Flüsse sind der Pregel und die Memel, weitere Flüsse sind die Lawa (Alle), die Angrapa (Angerapp), die Krasnaja (Rominte) und die Dejma (Deime). Im Norden der Oblast befindet sich – angrenzend an das Kurische Haff – die Elchniederung (Losinaja Dolina) und das Große Moosbruch, eine Moorlandschaft, die zum Teil trockengelegt wurde, jedoch nicht mehr genutzt wird und wieder versumpft. Im Südosten liegt die Rominter Heide mit dem Wystiter See und dem Wystiter Hügelland, die mit bis zu 230 m Höhe die höchste Erhebung der Oblast bilden. Im Westen ragt das Samland als Halbinsel in die Ostsee. Im Südwesten liegt das Frische Haff. Die Oblast hat Anteil an der Kurischen Nehrung und an der Frischen Nehrung.

Politik Amtierender Gouverneur der Oblast ist seit Oktober 2016 Anton Alichanow. In der Oblast-Duma (Gebietsparlament) befinden sich die gleichen politischen Kräfte wie in der russischen Duma. Stärkste Kraft ist das präsidententreue Lager. Wichtigste politische Themen sind die hohe Arbeitslosigkeit und die sozialen/gesundheitspolitischen Probleme wie die Ausbreitung von Krankheiten wie AIDS und Tuberkulose. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Probleme, die mit der Exklavensituation verbunden sind. Weitere große Schwierigkeiten ergeben sich durch den hohen Grad an organisierter Kriminalität und Korruption in der Verwaltung. Eine politisch nach wie vor starke Rolle spielt das Militär.

Im Zuge der Finanzkrise ab 2007, die Russland hart traf, entwickelte sich die Oblast zu einer Hochburg der russischen Opposition. Anders als im russischen Kernland, wo oppositionelle Kundgebungen oft im Keim erstickt werden und nur wenige Menschen anziehen, nahmen hier an einzelnen Kundgebungen mehrere Tausend Menschen teil. Die besonders kritische Einstellung vieler Kaliningrader gegenüber der Moskauer Zentralmacht und der von dieser eingesetzten Regionalregierung wird u. a. auf die besondere Lage der Oblast (siehe auch Abschnitt „Exklavenstatus“) zurückgeführt. Viele Bürger haben schon einmal die benachbarten EU-Staaten Polen und Litauen besucht und vergleichen die wirtschaftliche und politische Entwicklung dort mit der Situation in ihrer Heimat.NEWSru.com: Митинг оппозиции в Калининграде, по подсчетам Немцова, собрал три тысячи человек

Gebietsduma-Wahlen

2011 Die Wahlen zur 5. Legislaturperiode der Kaliningrader Gebietsduma fanden am 13. März 2011 statt. Die Wahlbeteiligung lag bei 42 %. Für ungültig wurden 4,22 % der Stimmen erklärt. Die gültigen Stimmen erbrachten folgendes Ergebnis. + Ergebnisse der Gebietsduma-Wahl vom 13. März 2011Königsberger Allgemeine, April 2011. Partei Prozent Mandatedirekt MandateListe Mandategesamt Einiges Russland 42,6 % 15 9 24 KPRF 22,3 % 1 5 6 LDPR 13,1 % – 2 2 Gerechtes Russland 10,5 % – 2 2 Patrioten Russlands 8,9 % – 2 2 Jabloko 2,5 % – – – Unabhängige – 4 – 4 Summe 99,9 % 20 20 40

Zur Vorsitzenden der Gebietsduma wurde Marina Orgejewa (Einiges Russland) gewählt.

In den Russischen Föderationsrat wurde als Vertreter der Gebietsduma der Abgeordnete Nikolai Wlassenko (Einiges Russland) entsandt.

2016 Die Wahlen zur 6. Legislaturperiode der Kaliningrader Gebietsduma fanden am 18. September 2016 statt. Die Wahlbeteiligung lag bei 42,9 %. Für ungültig wurden 3,78 % der Stimmen erklärt. Die gültigen Stimmen erbrachten folgendes Ergebnis. + Ergebnisse der Gebietsduma-Wahlvom 18. September 2016Information auf www.kaliningrad.vybory.izbirkom.ruListe der Mandatsträger auf http://duma39.ru/ Partei Prozent Mandatedirekt MandateListe Mandategesamt Einiges Russland 42,8 % 19 10 29 LDPR 17,3 % – 4 4 KPRF 17,3 % – 4 4 Gerechtes Russland 7,3 % – 1 1 Patrioten Russlands 6,2 % – 1 1 Jabloko 3,5 % – – – RPP 3,4 % – – – Rodina 2,2 % – – – Unabhängige – 1 – 1Igor Petrowitsch Rudnikow Summe 100,0 % 20 20 40

Zur Vorsitzenden der Gebietsduma wurde Marina Orgejewa (Einiges Russland) wiedergewählt.

In den Russischen Föderationsrat wurde als Vertreter der Gebietsduma der Abgeordnete Alexei Korotkow (Einiges Russland) entsandt. Er schied damit aus der Duma aus, die sich somit auf 39 Abgeordnete verkleinerte.

Exklavenstatus Da die Oblast keine Verbindung zum russischen Mutterland hat, ergeben sich spezifische Probleme. Diese betreffen vor allem den Verkehr zwischen der Exklave und dem restlichen Russland (siehe Abschnitt „Verkehr“) und die Wirtschaft. So besteht ein großes Wohlstandsgefälle zu den EU-Nachbarn Polen und Litauen, zu denen restriktive Zoll- und Grenzbeschränkungen bestehen. Der russische Binnenmarkt ist für Produkte aus der Oblast schwer zugänglich, da ein teurer und langwieriger Transit durch andere Länder, u. a. durch Litauen und Belarus, notwendig ist. Hinderlich für eine weitere Entwicklung sind ferner die heruntergekommene Infrastruktur, eine überbordende Bürokratie und der hohe Militarisierungsgrad der Region (siehe Abschnitte „Wirtschaft“ und „Geschichte – 1990er-Jahre bis heute“).

Infolge der von der EU wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 verhängten Sanktionen gegen Russland kam es zu erheblichen Einschränkungen von Warentransporten. Am 14. Juli 2022 erklärte Litauen, den Transit wieder in dem vor dem russischen Überfall üblichen Umfang zuzulassen.

Verwaltungsgliederung und Städte mini|Oblast Kaliningrad mit russisch-deutschen Namen

Die Oblast gliedert sich in 13 Rajons und neun Stadtkreise (Städte bzw. Siedlung städtischen Typs von Oblastbedeutung). Die größte Stadt und einzige Großstadt der Oblast ist deren Verwaltungszentrum Kaliningrad, das frühere Königsberg. Insgesamt gibt es in der Oblast 22 Städte und eine Siedlung städtischen Typs.

+ Größte Städte Name Russisch Einwohner() Kaliningrad (Königsberg) Sowetsk (Tilsit) Tschernjachowsk (Insterburg) Baltijsk (Pillau) Gussew (Gumbinnen) Swetly (Zimmerbude)

Bevölkerung Bei den russischen Volkszählungen gab es bis 2002 eine wachsende Bevölkerungszahl. Die Einwohnerzahl wuchs zwischen 1959 und 2002 um 344.396 Personen oder 56,4 %. Damit hat Kaliningrad eine deutlich günstigere demografische Entwicklung als etwa Litauen und Lettland vorzuweisen, die seit 1989 Bevölkerungsrückgänge im zweistelligen Prozentbereich verzeichneten. Nach offiziellen Angaben wuchs die Bevölkerungszahl des Kaliningrader Gebiets nach einer kleinen Bevölkerungsabnahme zwischen 2002 und 2010 wieder und stieg bis 2021 auf einen historischen Höchstwert von 1.029.966 Personen. Das Wachstum zwischen 2010 und 2021 beschränkt sich allerdings auf die Stadt Kaliningrad und den ihn teilweise umgebenden Rajon Gurjewsk (Kaliningrad). Andere Gebiete in der Oblast hatten teils starke Bevölkerungsrückgänge.Ergebnis der Volkszählung 2021 auf City-Population

Bei den am 30. Dezember 2022 veröffentlichten Resultaten der Volkszählung machten nur 886.706 Personen (86,09 % der Gesamtbevölkerung) genaue Angaben zu ihrer Volksgruppenzugehörigkeit. Rosstat Die Verteilung der verschiedenen Volksgruppen sah folgendermaßen aus:

+ Bevölkerung der Oblast nach Volksgruppen Nationalität VZ 1959 Prozent VZ 1970 Prozent VZ 1979 Prozent VZ 1989 Prozent VZ 2002 Prozent VZ 2010 Prozent VZ 2021 Prozent Russen 473.861 77,57 564.469 77,12 632.717 78,31 683.563 78,47 786.885 83,14 772.534 86,43 809.546 91,30 Ukrainer 35.717 5,85 48.044 6,56 54.656 6,76 62.750 7,20 47.229 4,99 32.771 3,67 12.515 1,41 Belarussen 57.178 9,36 68.808 9,40 72.465 8,97 73.926 8,49 50.748 5,36 32.497 3,64 11.360 1,28 Armenier 524 0,09 740 0,10 953 0,12 1.620 0,19 8.415 0,89 9.226 1,03 8.379 0,94 Litauer 21.262 3,48 23.376 3,19 19.647 2,43 18.116 2,08 13.937 1,47 9.769 1,09 4.279 0,48 Deutsche 648 0,11 1.068 0,15 1.218 0,15 1.307 0,15 8.340 0,88 7.349 0,82 4.118 0,46 Tataren 2.202 0,36 2.752 0,38 3.226 0,40 3.556 0,41 4.729 0,50 4.534 0,51 3.250 0,37 Polen 3.287 0,54 4.028 0,55 4.245 0,53 4.287 0,49 3.918 0,41 2.788 0,30 1.402 0,14 Juden 4.520 0,74 4.517 0,62 3.816 0,47 3.200 0,37 1.599 0,17 1.123 0,12 671 0,07 Einwohner 610.885 100,00 731.936 100,00 807.985 100,00 871.159 100,00 955.281 100,00 941.873 100,00 1.029.966 100,00 Anmerkung: die Anteile beziehen sich auf Gesamtzahl der Personen, die Angaben zu ihrer ethnischen Zugehörigkeit gemacht haben

Bei den Russlanddeutschen handelt es sich fast ausschließlich um relativ neue Zuwanderer aus anderen russischen Regionen und nicht um wohnhaft gebliebene Ostpreußen. Bis 1989 lebten nur wenige Personen mit Nationalitätsangabe Deutsch in der Oblast. Nach dem starken Anstieg bis 2002 hat eine Abwanderungswelle eingesetzt. Bei den übrigen Volksgruppen hat seit 1989 nur die Zahl der Personen aus dem Kaukasus und Transkaukasus zugenommen. Alle anderen Minderheitengruppen verzeichneten eine starke Abwanderung.

Noch heute sind etwa 50 % der Bevölkerung nicht in der Oblast geboren; vor allem nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sind viele Russen aus den ehemaligen Teilrepubliken zugewandert. Einen wichtigen Faktor stellt das Militär dar, es leben 14.500 Armeeangehörige in der Oblast.

Sprachen Die in der Oblast Kaliningrad lebenden Menschen beherrschen die folgenden Sprachen:

+ Beherrschte Sprachen in der Oblast Kaliningrad Sprache VZ 2010 Russisch 95,85 % Englisch 7,53 % Deutsch 3,01 % Ukrainisch 1,86 % Belarussisch 0,88 % Litauisch 0,87 % Polnisch 0,74 % Armenisch 0,62 % Sonstige 2,18 %

0,07 % bzw. 648 Kaliningrader beherrschten zudem die russische Gebärdensprache.

Religion mini|Orthodoxe Christ-Erlöser-Kathedrale in Kaliningrad Wie im größten Teil Russlands ist in der Oblast Kaliningrad der russisch-orthodoxe Glaube am weitesten verbreitet.