( für Kurzmitteilungsdienst, Abk. SMS) ist ein Kommunikationsstandard zur Übertragung von Textnachrichten, die meist Kurzmitteilungen oder ebenfalls SMS genannt werden. Er wurde zuerst für den GSM-Mobilfunk entwickelt und ist in verschiedenen Ländern auch im Festnetz als Festnetz-SMS verfügbar. Über SMS-Gateways können weitere Dienste angebunden werden. Der Nachfolger von SMS und MMS ist der Standard Rich Communication Services (RCS).
mini|SMS auf einem Motorola Razr
Terminus Obgleich die Abkürzung SMS den Dienst (Service) zur Übertragung von Kurzmitteilungen bezeichnet, steht sie heute zumeist für die eigentliche Kurzmitteilung (Short Message) selbst (siehe auch Metonymie). Der Duden führt die Abkürzung SMS als Femininum; in der Schweiz und teilweise auch in Österreich ist das Neutrum üblich.Duden – Deutsches Universalwörterbuch, 6. Auflage, Stichwort SMS
Weiterentwicklungen des SMS existieren unter den Namen Enhanced Message Service (EMS), Multimedia Messaging Service (MMS) sowie Rich Communication Services (RCS).
Geschichte mini|Nutzung der Zifferntasten für Buchstaben an einem Tastentelefon Erste Überlegungen zur Errichtung eines Textnachrichtendienstes entstanden bei den verschiedenen europäischen Telekommunikationsgesellschaften im Zuge der Standardisierungsanstrengungen. So war es 1984 der Finne Matti Makkonen, der den Vorschlag machte, die beim Mobilfunknetz ungenutzten Kapazitäten zur geschützten Kommunikation zu nutzen.Heise: :'-(( SMS-Miterfinder Matti Makkonen gestorben, vom 1. Juli 2015, abgerufen am 30. Juli 2018. Die erste Version des endgültigen Standards wurde Anfang 1989 verabschiedet. Der ursprüngliche Konzeptvorschlag für einen Short Message Service wurde von Friedhelm Hillebrand von der damaligen Deutschen Bundespost mit Beiträgen von Bernard Ghillebaert von der PTT (Vorgänger der Swisscom) 1984 erarbeitet und im Februar 1985 in die GSM-Standardisierung eingebracht. Er legte beispielsweise die Länge auf 160 Zeichen fest, weil er festgestellt hatte, dass die meisten Postkarten und Telexe weniger als 160 Zeichen enthielten.Maia Szalavitz: Three Myths About Cell Phones Time vom 16. August 2012. Finn Trosby von der norwegischen Telenor war von 1987 bis 1990 Leiter der Standardisierungsgruppe GSM4 DGMH (drafting group message handling), die das erste technische Design erarbeitete und standardisierte. Von 1990 bis 2009 wurde der SMS-Standard in dieser Gruppe unter Leitung von Kevin Holley von Cellnet und Ian Harris von Vodafone weiterentwickelt.
Am 3. Dezember 1992 schickte der Ingenieur Neil Papworth die erste Kurzmitteilung des Short Message Service (mit dem Text »Merry Christmas«) von einem PC an ein Mobiltelefon vom Typ Orbitel TPU 901 im britischen Vodafone-Netz. Der Empfänger, ebenfalls Mitarbeiter der Firma Vodafone, befand sich zum Zeitpunkt des Empfangs der Nachricht bei einer Weihnachtsfeier des Unternehmens.Code der ersten SMS der Welt für 107.000 Euro versteigert. In: Die Welt. 21. Dezember 2021. Der Versand dieser SMS erfolgte etwa ein Jahr nach der Einführung des GSM-Standards für Mobiltelefone in Europa.
Einfluss auf Kommunikation und soziale Interaktion Durch die hohe Akzeptanz von SMS nehmen Kurznachrichten einen zunehmenden Einfluss auf soziale Interaktion (z. B. Terminvereinbarungen) und Sprache.
So ist simsen seit den 1990er Jahren im deutschsprachigen Raum auch die umgangssprachliche Bezeichnung für das Versenden von Kurzmitteilungen mit einem Mobiltelefon. Dieser Neologismus ist gerade bei der Jugend beliebt, da er deutlich kürzer ist als „eine Kurzmitteilung senden“. Entwickelt hat er sich aus dem Versuch heraus, smsen auszusprechen und eine angemessene, praktikable Schreibweise zu finden. Der Begriff „texten“ ist ebenfalls gebräuchlich. In Österreich, in der Schweiz und im süddeutschen Raum hat sich der Ausdruck SMSen (ausgesprochen als „es-em-es-en“) eingebürgert.
Um mehr Inhalt in die auf 160 Zeichen beschränkten Nachrichten zu bringen, hat sich eine weitverbreitete Abkürzungskultur entwickelt, die ursprünglich in Chats und E-Mails entstanden war und von dort übernommen wurde, siehe Netzjargon und die Liste der Abkürzungen des Netzjargons. Ebenfalls werden inzwischen Emoticons so oft in Kurznachrichten verwendet, dass viele davon in modernen Mobiltelefonen bereits vorgespeichert sind (und wahlweise auch grafisch angezeigt werden können).
Die Kommunikation per SMS hat sich in der Gesellschaft – im Laufe der Jahrzehnte – so sehr etabliert, dass sie heutzutage sogar zum Informationsaustausch in Liebesbeziehungen benutzt wird. Selbst für private und diskrete Themen wird auf den Short Message Service zurückgegriffen. So kommt es vor, dass Beziehungen nicht persönlich, sondern stattdessen per SMS beendet werden. Das Zurückgewinnen des Ex-Partners mit Hilfe von Textnachrichten wird ebenfalls durchgeführt.Jenny Haroske: Medienregeln für die Kommunikation über Short Message Service (SMS). GRIN Verlag 2003, ISBN 3-638-18837-X, S. 17.
Wirtschaftliche Bedeutung Der Dienst, welcher ursprünglich als Teil des Signalisierungskanals zum Rufaufbau gedacht war, um Informationen über Störungen im GSM-Netz an die Teilnehmer zu senden, ist eigentlich ein Nebenprodukt und wurde daher oftmals kostenlos angeboten, entwickelte sich aber zum größten Ertragsbringer der Netzbetreiber. Verglichen mit einem normalen Telefongespräch haben Kurzmitteilungen einen niedrigen Bandbreitenbedarf. Die Marge pro versandter Kurznachricht ist daher für den Netzbetreiber entsprechend hoch.
Der SMS-Dienst benötigt nur wenig zusätzliche Infrastruktur, hauptsächlich sind dies die Kurzmitteilungszentralen. Die übertragene Datenmenge ist im Vergleich zur Sprachübertragung gering, eine Kurzmitteilung umfasst etwa 1/1000 der Datenmenge einer Gesprächsminute. Bei nutzungsabhängigen Tarifen ist der Preis bezogen auf die Datenmenge erheblich höher als bei der Sprachübertragung. Jedoch sind auch die Kosten für den Aufbau und Betrieb des Netzes nur zum Teil von der zur Verfügung gestellten Datenübertragungsrate abhängig.
Innerhalb Europas schwanken die Preise für SMS sehr stark. Eine Nachricht kostet in Frankreich etwa 9 Cent bis 15 Cent, in Österreich netzintern ab 1 Cent, in Deutschland etwa 3 Cent bis 39 Cent und mehr, in der Schweiz zwischen 10 und 20 Rappen und in Italien etwa 15 Cent; in Dänemark jedoch meist nur 20 Øre, was etwa Cent entspricht.
Im Jahr 2003 wurden in Europa über 115 Milliarden Kurzmitteilungen versendet. In Deutschland wurden davon die meisten, nämlich 25,5 Milliarden Nachrichten versendet. 2010 waren es in Deutschland schon 41,3 Milliarden. Der Erfolg des mit Hilfe von Mobiltelefonen genutzten SMS lag damit deutlich über dem der Vorgänger, also der digitalen Funkmeldeempfänger (Pager).
Seit etwa 2013/2014 ist die Nutzung von Kurznachrichten stark rückläufig. Dies ist auf die zunehmende Verbreitung von internetfähigen Smartphones einerseits und auf kostenlose Instant-Messaging-Dienste (wie z. B. WhatsApp) andererseits zurückzuführen. Zwar erlauben die gängigen Mobilfunktarife nur limitiertes Datenvolumen pro Monat, aber Textnachrichten fallen hier kaum ins Gewicht. Messaging-Dienste erleichtern es zudem, auch Sprachnachrichten, Fotos und Videos zu verschicken und verfügen über Features wie Verschlüsselung und Gruppenchats. Auf der anderen Seite wird die SMS beispielsweise im Online-Banking bevorzugt genutzt, um Transaktionen zu legitimieren ("mobile TAN"). Hierbei wird ignoriert, dass SMS völlig ungesichert sind, vom Netzbetreiber manipuliert werden können, und für sie weder eine Internet-Verbindung noch eine Registrierung bei einem Drittanbieter erforderlich sind.Thiemo Heeg: 25 Jahre SMS: Ach, das gibt es noch? Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Dezember 2017. Auch hier erfolgt ab ca. 2018 zunehmend eine Verlagerung auf internetbasierende Lösungen (pushTAN-Verfahren).
Deutschland
+ Kurzmitteilungen in Deutschland Jahr Anzahl Quelle 1996 0,1 Mrd. 1997 0,4 Mrd. 1998 1,0 Mrd. 1999 3,6 Mrd. Zahl der pro Jahr versandten Kurzmitteilungen in Deutschland in Milliarden 1999 bis 2007, Bundesnetzagentur/Bitkom. 2000 11,4 Mrd. 2001 17,1 Mrd. 2002 18,4 Mrd. 2003 19,0 Mrd. 2004 19,7 Mrd. 2005 22,3 Mrd. 2006 20,1 Mrd. Zahl der pro Jahr versandten Kurzmitteilungen in Deutschland in Milliarden 2006 bis 2011, Bundesnetzagentur/Bitkom. 2007 23,1 Mrd. 2008 27,8 Mrd. 2009 34,4 Mrd. 2010 41,3 Mrd. 2011 55,0 Mrd. 2012 59,0 Mrd. 2013 38,0 Mrd. 2014 22,5 Mrd. bitkom.org 2015 16,6 Mrd. 2016 12,7 Mrd. 2017 10,4 Mrd. 2018 8,9 Mrd. 2019 7,9 Mrd. 2020 7,0 Mrd. 2021 7,8 Mrd. Westfälische Nachrichten: Bundesbürger verschicken mehr SMS, Wirtschaft, Bonn, dpa, 26. März 2022.2022 5,8 Mrd. 2023 5,3 Mrd. 2024 5,2 Mrd. 2025 2,9 Mrd.
Die SMS-Beliebtheit stieg in Deutschland zwischen 1996 und 2012 fast jedes Jahr an. Wurden im Jahr 2000 etwa 11,4 Milliarden Kurzmitteilungen verschickt, waren es 2005 schon über 22 Milliarden. 2010 tippten die Deutschen nach Angaben des Branchenverbands Bitkom (auf Basis von Daten der Bundesnetzagentur) 41 Milliarden Kurzmitteilungen in ihre Handys und Smartphones. Nach dem weiteren starken Anstieg bis 2012 sank die Zahl der versendeten Kurzmitteilungen im Jahr 2013 erstmals um 37 Prozent auf etwa 38 Milliarden. Auch 2014 sank die Zahl der versendeten SMS erneut um 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 22,5 Milliarden. Seither war die Anzahl versendeter Kurzmitteilungen weiterhin rückläufig.
Premium-Dienste Seit dem Frühjahr 2003 sind in Deutschland auch Premium-Dienste möglich. Die Kosten für eine Premium Rate SMS (PR-SMS) beginnen bei 0,29 Euro und steigt dann in 10-Cent-Schritten an, bis zu 4,99 Euro. PR-SMS dient als Abrechnungsmöglichkeit im Micropayment-Bereich (zum Beispiel für gekaufte Klingeltöne, Logos, Televoting und andere, einzeln zu bezahlende Dienstleistungen), wird aber auch zur erotischen Kommunikation (Flirtline) genutzt und steht hier im Wettbewerb zu den 0900-Telefonnummern (früher: 0190).
Der Anbieter eines kostenpflichtigen Service erhält etwa 50 bis 60 % der Einnahmen aus den Premium-Nachrichten, der Rest geht an den Mobilfunkbetreiber (vergleiche 0900-Nummer: etwa 80 bis 90 % für den Serviceanbieter). Trotz dieser erheblich schlechteren Konditionen wird in diversen Servicebereichen, die speziell von jungen Zielgruppen genutzt werden, vermehrt auf die leicht zu kommunizierenden Short Codes gesetzt.
Der Mobilfunkbetreiber ist beim Einzug des Verbindungsentgelts dem Kunden gegenüber zur Auskunft über die Anspruchsgrundlage verpflichtet.
Österreich + Kurzmitteilungen in Österreich Jahr Anzahl 2005 1,659 Mrd. 2006 2,082 Mrd. 2007 3,316 Mrd. 2008 4,728 Mrd. 2009 5,740 Mrd. 2010 6,416 Mrd. 2011 7,282 Mrd. 2012 7,754 Mrd. 2013 5,917 Mrd. 2014 4,445 Mrd.
Im Jahr 2009 wurden in Österreich erstmals über fünf Milliarden Kurzmitteilungen verschickt und eine neue Rekordmarke von 1,5 Milliarden Kurzmitteilungen im vierten Quartal aufgestellt. Insgesamt ergab sich eine Steigerung des SMS-Aufkommens von mehr als 21 % im Vergleich zum Jahr 2008. Die Gründe für dieses Wachstum lagen unter anderem darin, dass die Mobilfunkbetreiber immer häufiger Pauschalpakete anboten, die nicht nur Gesprächsminuten, sondern auch eine definierte Anzahl an Kurzmitteilungen beinhalteten (meist zwischen 100 und 1000). Ein zweiter Grund lag laut RTR-Telekom-Monitor-Jahresbericht 2011 in der zunehmenden Verbreitung von Maschine-zu-Maschine-Anwendungen.
In den Folgejahren nahm die Wachstumsrate wieder stetig ab und erreichte 2012 nur noch 6,5 %. Nach einem Maximum von 7,7 Milliarden Kurzmitteilungen im Jahr 2012 ist auch die absolute Zahl seit 2013 stark rückläufig.
1999 wurde in Graz die Webplattform sms.at gegründet, die allen kostenlos angemeldeten Benutzern das kostenlose Versenden von beliebig vielen SMS per Computer mit Internetzugang via Website sms.at erlaubte.
Schweiz Der SMS-Dienst der Swisscom erreichte im Jahr 2011 mit täglich rund 8,1 Millionen versendeten SMS seinen Höhepunkt.
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