mini|Die Dreifaltigkeit mit der Weltkugel – Gott Vater rechts, Jesus Christus links (Ikone von Elias Moskos oder Michail Damaskinos, 16. Jh.)
Die Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit oder Trinität (; ) ist in der christlichen Theologie die Wesenseinheit Gottes in drei Personen oder Hypostasen, nicht drei Substanzen. Diese werden „Vater“ (Gott der Vater, Gott Vater oder Gottvater), „Sohn“ (Jesus Christus, Sohn Gottes oder Gott Sohn) und „Heiliger Geist“ (Geist Gottes) genannt. Damit wird zugleich ihre Unterscheidung und ihre unauflösbare Einheit ausgedrückt. Im Judentum und im IslamWie hältst du es mit Jesus? Judentum, Islam und Christentum. jmberlin.de, sowie im nichttrinitarischen Christentum wird das Konzept der Trinität strikt abgelehnt.
Geschichte Ausgehend von biblischen Vorgaben und frühchristlicher liturgischer Praxis entwickelte sich die christliche Trinitätslehre zwischen dem 2. und 7. Jahrhundert durch verschiedene Theologen und Synoden. Zentrale Meilensteine waren das Erste Konzil von Nicäa (325), das Erste Konzil von Konstantinopel (381) und das 11. Konzil von Toledo (675).
Die grundlegende theologische Herausforderung bestand in der Frage, wie sich die Einheit Gottes und die Dreiheit göttlicher Personen begrifflich und in ihrem Verhältnis fassen lässt. Im arianischen Streit des 4. Jahrhunderts vertrat der Presbyter Arius aus Alexandria die häretische Position, der Sohn sei ein Geschöpf des Vaters und damit nicht wesensgleich mit ihm (Subordinatianismus). Die alexandrinischen Bischöfe Alexander und sein Nachfolger Athanasius verteidigten dagegen die orthodoxe Position der Wesensgleichheit (Homousie) zwischen Vater und Sohn. Nur als wahrer Gott, so ihre zentrale theologische Begründung, konnte Christus das Erlösungswerk vollbringen.
Die theologischen Kontroversen waren stark geprägt durch unterschiedliche Interpretationen philosophischer Konzepte, insbesondere aus dem Mittelplatonismus (Logos, Emanation), sowie durch die verschiedene Verwendung griechischer bzw. lateinischer Begriffe wie ousia (Wesenheit), substantia oder „Hypostase“. Ein markantes Beispiel war der Hypostasenstreit des 4. Jahrhunderts zwischen östlichen und westlichen Theologen des Römischen Reiches, in dem von einer bzw. drei „Hypostasen“ gesprochen wurde.
Die Kappadokischen Väter – Basilius der Große, Gregor von Nyssa und Gregor von Nazianz – entwickelten eine vermittelnde Lösung: Sie unterschieden präzise zwischen der einen göttlichen Substanz (ousia), wie sie das Erste Konzil von Nicäa (325) bekannt hatte, und den drei Hypostasen, eine Begrifflichkeit, die u. a. auf Origenes zurückging. Diese Unterscheidung wurde grundlegend für die späteren Konzilsformeln von Konstantinopel und Chalcedon.
Die kappadokische Formel „mia ousia, treis hypostaseis“ (eine Wesenheit, drei Hypostasen) wurde zur klassischen Formulierung der Trinitätslehre in der Ostkirche, während im lateinischen Westen die Formel „una substantia, tres personae“ (eine Substanz, drei Personen) durch Augustinus maßgeblich wurde.
Heute befinden sich Antitrinitarier und Unitarier, die die Trinitätslehre ablehnen, in der Minderheit. Die großen christlichen Konfessionen bekennen sich im Nicäno-Konstantinopolitanum gemeinsam zur Dreieinigkeit.
mini|hochkant|„Dreifaltigkeitsikone“ von Andrei Rubljow (etwa 1411) mini|hochkant|Darstellung der Trinität in Form des Gnadenstuhls (Epitaph von 1549) mini|hochkant|Masaccio: Dreifaltigkeit, Fresko in der Kirche Santa Maria Novella
Im Kirchenjahr ist Trinitatis, der erste Sonntag nach Pfingsten, dem Gedenken der Dreieinigkeit Gottes gewidmet. Das Dreifaltigkeitsfest wurde 1334 durch Papst Johannes XXII. für die gesamte Westkirche verbindlich eingeführt.
In anderen Religionen existieren ebenfalls Vorstellungen von göttlichen Dreiheiten (Trias), etwa in der altägyptischen Religion mit Osiris, Isis und HorusHelmuth von Glasenapp: Die fünf Weltreligionen (Diederichs Gelbe Reihe 170). München 2001, S. 232.. Der Hinduismus kennt die Trimurti aus Brahma, Vishnu und Shiva. Inwieweit diese vorchristlichen Konzepte die Entwicklung der Trinitätslehre beeinflussten, ist in der Forschung umstritten. Tertullian grenzte die christliche Lehre bewusst vom Begriff der Trias ab, indem er erstmals den Terminus „Trinität“ (trinitas) verwendete.
Judentum und Islam lehnen das Konzept der Trinität als Gefährdung des monotheistischen Gottesverständnisses ab. Im Koran wird die christliche Trinitätslehre explizit zurückgewiesen (Sure 4:171; 5:73).
Biblische Motive Eine christliche systematisch-theologische Trinitätslehre wird weder im Alten noch im Neuen Testament explizit entfaltet. Jedoch finden sich nach christlicher Interpretation zahlreiche Grundlagen für ihre spätere Entwicklung. Diese biblischen Motive betreffen sowohl die göttliche Dreiheit als auch spezifische Aussagen zur Göttlichkeit von Sohn und Geist.
Göttliche Dreiheit Alttestamentliche Motive Die neutestamentliche Rede vom Heiligen Geist wurzelt in alttestamentlichen Aussagen über den Geist Gottes, wie sie sich etwa in , , und findenNach Thomas Söding, Art. Trinität, I. Biblisch-theologisch, in: LThK3 Bd. 10, S. 239–242, hier S. 241..
Für die frühchristliche Theologie waren besonders jene Textstellen bedeutsam, die von den verschiedenen Erscheinungsweisen und Attributen Gottes sprechen: dem Wort (davar), dem Geist (ruah), der Weisheit (hokhmah) oder der Gegenwart (shekhinah) GottesEine zeitgenössische diesbezügliche methodologische Orientierung bietet zum Beispiel Jürgen Werbick: Trinitätslehre. In: Theodor Schneider (Hrsg.): Handbuch der Dogmatik, Band 2. Patmos, Düsseldorf 2000, S. 481–574, hier S. 484–486..
In der patristischen Exegese wurden mehrere alttestamentliche Stellen als Vorausbilder der Trinität gedeutet: die Pluralformulierungen Gottes bei der Schöpfung und beim Turmbau zu Babel (, ), das dreifache „Heilig!“ der Seraphim (), das später im liturgischen Trisagion aufgegriffen wurdeJaroslav Pelikan: The Emergence of the Catholic Tradition (100–600), Bd. 1: The Christian Tradition. A History of the Development of Doctrine, Kapitel The Mystery of the Trinity, 1971., sowie die für die christliche Ikonographie besonders wichtige Erscheinung der drei Männer bei Abraham (). Auch messianisch interpretierte Psalmverse wie und wurden in die trinitarische Deutung einbezogen sowie die Worte Agurs .
Die jüdische Theologie lehnt diese christologische und trinitarische Interpretation der hebräischen Bibel als nicht schriftgemäß grundsätzlich abFriedrich-Wilhelm Marquardt: Wie verhält sich die christliche Lehre vom dreieinigen Gott zur jüdischen Betonung der Einheit Gottes? In: Frank Crüsemann, Udo Theissmann (Hrsg.): Ich glaube an den Gott Israels. Gütersloh 2001; Moses Maimonides: Ein Querschnitt durch sein Werk. Köln 1966, S. 97..
Neutestamentliche Motive Im Neuen Testament gibt es mehrere Stellen, die zur Entwicklung der Trinitätslehre beitrugen.
„Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott“ (). In dieser ältesten Stelle im Neuen Testament (ca. 53–57 n. Chr.) werden die Gnadengaben „in gezielter Steigerung“Söding, l.c., Sp. 241. auf Geist, Herr und Gott zurückgeführt. „Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ . Diese ebenfalls etwa 53–57 n. Chr. schriftlich festgehaltene Formel ist vermutlich ein Segensgruß der frühen christlichen Liturgie. Er könnte somit schon länger in Gebrauch gewesen sein und daher auch älter sein. „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel“ (). In dieser Formulierung (ca. 80–90 n. Chr.) werden Vater, Sohn und Geist nebeneinander und aufeinander hingeordnet. „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (). Diese Formel (ca. 80–90 n. Chr.) ist wirkungsgeschichtlich einflussreich, wenn sie auch nicht zum „Prototyp der christlichen Taufe“Vgl. Joachim Gnilka: Das Matthäusevangelium, Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament, Bd. 1/1, S. 78 und 1/2, S. 509. wird. „Auf den Namen“ (εἰς τὸ ὄνομα, wörtlich „in den Namen“) bringt laut Hans Bietenhard die enge Verbindung zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist zum Ausdruck, ohne jedoch das Verhältnis dieser drei Größen genauer zu bestimmen. Joachim Gnilka sieht in der Formulierung eine Übereignung des Täuflings an Gott.Vgl. Joachim Gnilka: Das Matthäusevangelium (Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament, Bd. 1/2). S. 509. Als „Pendant“ zur Formel in hat man die Erzählung der Taufe Christi im Jordan durch Johannes den Täufer gesehen, weil dortin (vgl. auch , , ) durch Herabschweben des Geistes und Himmelsstimme des Vaters ebenfalls Vater, Sohn und Geist vereinigt sind.Vgl. Gnilka, l.c. Unvorsichtiger beispielsweise Michael Schmaus: Trinität. In: Heinrich Fries (Hrsg.): Handbuch theologischer Grundbegriffe. Kösel, München 1962, S. 264–282, hier S. 267. Vermutlich ist diese Taufformel die ErweiterungSöding, l.c.; Werbick 2000, l.c., S. 490. einer Taufe „auf den Namen Christi“.Wie in , , , . Auch die nach 100 n. Chr. entstandene Didache (der frühe „Katechismus mit Anweisungen über die liturgischen Vollzüge“)Noch früher, auf etwa 60–65 n. Chr. datiert von Klaus Berger: Das Neue Testament und frühchristliche Schriften. Insel, Frankfurt/M. / Leipzig 1999, S. 302. kennt bereits eine solche erweiterte Taufformel: „Tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“Didache 7.. „Ihr aber, Geliebte, baut weiter auf eurem hochheiligen Glauben auf, betet im Heiligen Geist, bewahrt euch in der Liebe Gottes und wartet auf das Erbarmen Jesu Christi, unseres Herrn, zum ewigen Leben!“ . Auch aus dieser Stelle (ca. 100 n. Chr.) lässt sich erschließen, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist für den Glauben der Gemeinde wichtig sind. „Petrus, Apostel Jesu Christi, … von Gott, dem Vater, von jeher ausersehen und durch den Geist geheiligt, um gehorsam zu sein und besprengt zu werden mit dem Blut Jesu Christi“ (). Diese Stelle ist wohl eines der spätesten Zeugnisse im Neuen Testament (ca. 100–120 n. Chr.).
Göttlichkeit des Vaters Im Neuen Testament bezieht sich die Bezeichnung „Gott“ (theos) primär auf den Vater. Gott und der Sohn Gottes erscheinen als voneinander unterschieden und zugeordnet, wie in relationalen Aussagen deutlich wird: Gott sendet seinen Sohn (), Jesus steht zur Rechten Gottes (), und Gott wird als „Vater unseres Herrn Jesus Christus“ () bezeichnet. Diese Unterscheidung bleibt auch eschatologisch bestehen: Am Ende „wird sich auch der Sohn unterwerfen“ und „Gott alles in allem“ oder „in allen“ sein ()Franz Graf-Stuhlhofer: Jesus Christus – Gottes Sohn. 3. Auflage. Leun 2012, S. 18–20..
Göttlichkeit Jesu Christi Neben den oben angeführten triadischen Formeln sind vor allem neutestamentliche Aussagen über das Verhältnis von Jesus und Gott für die Herausbildung der Trinitätslehre von großer Bedeutung gewesen.
Identifikation mit Gott Am deutlichsten formuliert der Hebräerbrief die Gottheit Jesu Christi, er identifiziert Jesus mit dem Gott des Alten Testaments: „Du, Herr (Jesus), hast vorzeiten der Erde Grund gelegt, die Himmel sind das Werk deiner Hände. Sie werden vergehen, du aber bleibst; sie alle veralten wie ein Gewand; du rollst sie zusammen wie einen Mantel und wie ein Gewand werden sie gewechselt. Du aber bleibst, der du bist, und deine Jahre enden nie“ .
Der Johannesprolog bezeichnet Jesus als das fleischgewordene „Wort“ (logos), das selbst Gott ist ().
Weitere direkte Gottesprädikationen finden sich im Bekenntnis des Thomas: „Mein Herr und mein Gott!“ () und in der Bezeichnung Jesu als „wahrer Gott und ewiges Leben“ ().