Der Leberwurstbaum (Kigelia africana , Syn.IPNI Kigelia pinnata 1845) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Trompetenbaumgewächse (Bignoniaceae). Die Art ist die einzige in der monotypischen Gattung Kigelia, hat aber 2 Unterarten. Der Baum stammt ursprünglich aus Westafrika, er ist heute aber in fast ganz Afrika verbreitet. Das Aussehen der Frucht erinnert an eine Leberwurst, was der Art ihren Namen gab.Leberwurstbaum auf awl.ch.

Beschreibung mini|Blüte mini|Frucht mini|Getrocknete Frucht von Kigelia africana - Querschnitt, Samen im Fruchtkörper und herausgelöste Samen

Leberwurstbäume sind mittelgroße, halbimmergrüne Bäume, mit meist ausladender Krone, die 15–25 Meter hoch werden. Die Borke ist relativ glatt, leicht rau oder leicht rissig bis schuppig und bräunlich bis grau.

Die gestielten Laubblätter sind gegenständig oder wirtelig angeordnet, und – aus 5 bis 11 Teilblättchen bestehend – unpaarig gefiedert. Die eiförmigen bis verkehrt-eiförmigen oder elliptischen, meist ganzrandigen Blättchen sind etwa 5–12 Zentimeter lang, nur das Endblättchen ist etwas gestielt, die anderen sind fast sitzend. Der Blättchenrand ist manchmal gewellt und etwas gezähnt, die Blättchen sind bespitzt bis spitz oder abgerundet bis eingebuchtet, ausgerandet. Pseudonebenblätter, wie sie in anderen Vertretern der Familie vorkommen, fehlen. An den Blättchen können extaflorale Nektarien vorkommen.

Die Blütenstände sind lockere, teils meterlange Rispen oder Trauben, die geißelblütig von den unteren Zweigen hängen. Die stechend duftenden,Plant of the Month. November 2017, The Royal Botanic Garden Sydney, PDF. zwittrigen, großen und lang gestielten, fünfzähligen Blüten öffnen sich nachts und werden von Fledermäusen bestäubt. Der grün-gelbliche bis rötliche, leicht ledrige Kelch ist groß, becherförmig und mit fünf unregelmäßigen Zipfeln besetzt. Die zweilippige Krone ist unten röhren- bis oben becherförmig, mit einem breiten Rachen. Der etwas gebogene, rippige Kronbecher ist gelblich bis rötlich, die zurückgelegten, rötlich bis dunkelrot oder purpurfarben gefärbten, abgerundeten Kronlappen sind rüschig und plissiert. Die Blüten enthalten vier fertile, didynamische Staubblätter und ein kurzes Staminode, die an der Basis drüsenhaarig und meist eingeschlossen sind. Die Staubbeutel sind unbehaart und bestehen aus zwei dicken, hängenden und nicht gegabelten Theken. Der oberständige Fruchtknoten ist länglich und leicht kantig und der lange, hohle Griffel ist leicht konisch, die papillöse Narbe ist zweilappig, -züngig. In der einzigen Kammer des Fruchtknotens stehen die Samenanlagen in vier mehrreihigen Zeilen. Der Fruchtknoten wird von einem ring- und kissenförmigen, lappigen Diskus umschlossen. Aber auch am Fruchtknoten, außen am Kelch und an der Krone wird Nektar abgesondert.Kigelia africana Botany Brisbane (Detailbilder). Auch an sehr jungen Früchten wird Nektar produziert.Madhu Raina, Raman Kumar, Veenu Kaul: Potential seed dispersal mechanism of Kigelia africana (Lam.) Benth. in an urban habitat. In: Botany Letters. 170(1), 2023, S. 89–98, doi:10.1080/23818107.2022.2114544.

Die holzigen, gräulich-braunen und vielsamigen, an langen Stielen herabhängenden, nicht öffnenden Früchte sind Beeren (Panzerbeere) mit warziger, rauer Oberfläche, die 40–100 cm lang sowie 7–12 kg schwer werden. Sie sind wurst- bis birnen- oder eiförmig, mit Griffelresten an der Spitze. Durch die mit Fasern durchzogene, verholzte Struktur sind sie sehr stabil. Sie enthalten getrocknet braune und kahle, etwa 1 Zentimeter lange, ledrige Samen in einer feuchten, stärke- und eiweißhaltigen, weißlichen, faserigen Pulpe. Die Früchte sind bevorzugte Nahrungsquellen für große Säugetiere wie Elefanten und Giraffen, aber auch Paviane können die harten Beeren öffnen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40.

Systematik und Taxonomie Die Gattung Kigelia wurde lange Zeit als Teil der Tribus Crescentieae geführt. 1976 teilte Alwyn Gentry die Tribus Coleeae von den Crescentieae ab und ordnete auch die Kigelia in die Coleeae ein. Frühe molekularbiologische UntersuchungenRussel E. Spangler, Richard G. Olmstead: Phylogenetic Analysis of Bignoniaceae based on the cpDNA Gene Sequences rbcL and ndhF. In: Annals of the Missouri Botanical Garden. Band 86, 1999, S. 33–46. mit nur wenigen untersuchten Vertretern belegten diese Einordnung zunächst. Neuere Untersuchungen, die umfassendere Teile der Familie untersuchten, zeigten jedoch, dass die Coleeae mit den Kigelia nicht monophyletisch wären. Demnach ist die Gattung in der Nähe der Gattungen Stereospermum, Markhamia, Newbouldia und Fernandoa platziert; diese bilden zusammen eine Schwesterklade zu den Coleeae.Michelle L. Zjhra, K. J. Sytsma, Richard G. Olmstead: Delimitation of Malagasy tribe Coleeae and implications for fruit evolution in Bignoniaceae inferred from a chloroplast DNA phylogeny. In: Plant Systematics and Evolution. Band 245, 2004, S. 55–67. doi:10.1007/s00606-003-0025-y.

Der Leberwurstbaum wurde 1785 von Jean-Baptiste de Lamarck in Encyclopédie Méthodique. Botanique ... Band 1 Teil 2 Seite 424 als Bignonia africana erstbeschrieben. Die Art wurde 1849 von George Bentham in William Jackson Hooker: Niger Flora, or, An enumeration of the plants of western tropical Africa... Seite 463 als Kigelia africana in die Gattung Kigelia gestellt.

Die Gattung wird von vielen Autoren als monotypisch mit Kigelia africana als einziger Art geführt. Man kann aber zwei Unterarten unterscheiden: Kigelia africana subsp. africana (Syn.: Kigelia aethiopica , Kigelia abyssinica ): Sie kommt im tropischen und im südlichen Afrika vor. Kigelia africana subsp. moosa (Syn.: Kigelia moosa ): Sie kommt im tropischen Afrika vor.

Verwendung mini|Mokoros am Okavangodelta: Aus dem Stamm des Leberwurstbaums hergestellte Einbaum-Boote Der Inhalt der stabilen Früchte ist für den menschlichen Verzehr prinzipiell nicht geeignet. Nur die gerösteten Samen werden in Notzeiten als Nahrungsmittel verwendet.

Früchte, Rinde und Wurzeln jedoch nutzen Einheimische zur Herstellung von Heilmitteln. Sie werden zur Heilung von Bandwürmern, Geschwüren, der Ruhr, Rheuma und Syphilis eingesetzt.Hans Dieter Neuwinger: Afrikanische Arzneipflanzen und Jagdgifte. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1994, ISBN 3-8047-1314-9. Aus dem Stamm des Leberwurstbaums werden in der Region des Okavangodeltas Mokoro-Einbäume hergestellt, da das Holz für den Bootsbau und seine Haltbarkeit im Wasser einige bevorzugte Eigenschaften besitzt.

Die von der Form der Frucht hervorgerufene Assoziation spielt eine Rolle bei Anwendungen mit dem Ziel der Bruststraffung oder Brustvergrößerung (Senegal) oder Penisvergrößerung (Venda).Hans Dieter Neuwinger: African ethnobotany: poisons and drugs: chemistry, pharmacology, toxicology. translated by the author and Aileen Porter. CRC Press, 1996, ISBN 3-8261-0077-8, S. 254. Keine dieser Zuschreibungen ist bislang wissenschaftlich erwiesen.

Afrikanische Weisheit Eine Redensart besagt, dass der schlechteste Platz zum Übernachten unter einem Leberwurstbaum sei. Wenn man nicht von den kiloschweren Früchten erschlagen werde, dann werde man von den Elefanten vertrieben, die zum Fressen der Früchte kommen..

Legende Einer alten Legende aus Süd-Malawi zufolge beschützt die Frucht des Leberwurstbaums, wenn sie in einer Ecke der Hütte aufgehängt wird, diese vor Wirbelstürmen.

Inhaltsstoffe das Chinon Lapachol,T. R. Govondachari, S. J. Patankar, N. Visananthan: Isolation and structure of two new Dihydroisocoumarins from Kigelia pinnata. In: Phytochem. 10, 1971, S. 1603–1606. isoliert aus den Wurzeln Sterole: Stigmasterol und β-Sitosterol Dihydroisocumarine: 6-Methoxymellein, Kigelin, Desmethylkigelin terpenoide Aldehyde: Norviburtinal und PinnatalK. C. Joshi, P. Singh, S. Taneja, P. J. Cox u. a.: New terpenoid aldehydes from Kigelia pinnata: Crystal structure of Pinnatal. In: Tetrah. 38, 1982, S. 2703–2708. aus der Wurzelrinde Iridoide: Minecosid, Speciosid und Verminosid aus der Wurzelrinde und in der Stammrinde das CatalpolD. N. Akunyili, P. J. Houghton, A. Raman: Iridoids from Kigelia pinnata bark. In: Fitoterapia. 64(5), 1993, S. 473–474. Naphthochinone: Kigelinon,K. Inoue, H. Inoue, C. C. Chen: A naphthoquinone and a lignan from the wood of Kigelia pinnata. In: Phytochem. 20, 1981, S. 2271–2276. Isopinnatal, Kigelinol, Isokigelinol, 2-(1-Hydroxyethyl)-naphtho[2,3-b]furan-4,9-chinonS. V. Moideen, P. J. Houghton, P. Rock, S. L. Croft, F. Aboagye-Nyame: Activity of extracts and naphthoquinones from Kigelia pinnata against Trypanosoma brucei brucei and Trypanosoma brucei rhodesiense. In: Planta Med. 65(6), 1999, S. 536–540. PMID 10483374. und 2-(1-Hydroxyethyl)-naphtho[2,3-b]furan-4,9-dionC. R. Weiss, S. V. Moideen, S. L. Croft, P. J. Houghton: Activity of extracts and isolated naphthoquinones from Kigelia pinnata against Plasmodium falciparum. In: J Nat Prod. 63(9), Sep 2000, S. 1306–1309. PMID 11000047. Kigeliol, ein Lignan Triacontansäure (Synonym = Melissinsäure) Vanillin Flavone: Luteolin und 6-HydroxyluteolinS. M. El-Sayyad: Flavonoids of the leaves and fruits of Kigelia pinnata. In: Fitoterapia. (4), 1981, S. 189–191. Polyphenole: u. a. VerbascosidP. Picerno, G. Autore, S. Marzocco, M. Meloni, R. Sanogo, R. P. Aquino: Anti-inflammatory activity of verminoside from Kigelia africana and evaluation of cutaneous irritation in cell cultures and reconstituted human epidermis. In: J Nat Prod. 68, 2005, S. 1610–1614. PMID 16309308. im Wachs auf den Blättern: n-Alkane (C23-C33) und n-Alkohole (C18-C30) PMID 15540593. 6-p-Cumaroyl-Saccharose, ein Phenylpropanoid und zehn PhenylethanoideY. G. Gouda, A. M. Abdel-Baky, K. M. Mohamed, F. M. Darwish, R. Kasai, K. Yamasaki: Phenylpropanoid and phenylethanoid derivatives from Kigelia pinnata DC. fruits. In: Natural Product Research. 20(10), Aug 2006, S. 935–939. PMID 16854722. Zimtsäure-Derivate: Ferulasäure und KaffeesäureO. A. Binutu, K. E. Adesogan, J. I. Okogun: Antibacterial and antifungal compounds from Kigelia pinnata. In: Planta Med. 62(4), 1996, S. 352–353. PMID 8792668.

Experimentelle Pharmakologie Obwohl Extrakte und Zubereitungen aus Leberwurstbaum-Drogen in der Medizin nicht angewendet werden, gibt es Hinweise auf eine mögliche pharmakologische Wirksamkeit. Allerdings beruhen die meisten biomedizinischen Erkenntnisse über die Wirkungen des Leberwurstbaums bislang auf In-vitro-Versuchen und sind damit nur begrenzt aussagefähig. Die große Zahl an Inhaltsstoffgruppen legt nahe, dass vielfältige Wirkungen von Leberwurstbaumextrakten ausgehen.

Zwar ist in einzelnen In-vitro-Versuchen nachgewiesen worden, dass Zubereitungen unter anderem antioxidativ, entzündungshemmend, gegen bestimmte Bakterien und Pilze, gegen Trypanosomen und gegen den Erreger der Malaria wirken können. Und in Tierstudien konnte auch eine Giftwirkung gegen Weichtiere festgestellt werden, und es ergab sich keine kurzfristige Organtoxizität. Doch es liegen keine langfristigen toxikologischen Daten vor. Da in vitro Hautirritationen und zytotoxische (zellschädigende) Effekte gegen Krebs-Zellkulturen ermittelt wurden, ist ein günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis unwahrscheinlich, zumal oft auch die festgestellten Effekte den Wirkungen von Standard-Substanzen unterlegen waren.

Der derzeitige pharmakologische und biologische Forschungsstand ist: