mini|Johann Gottfried Bischoff mini|Johann Gottfried Bischoff mit Frau Margarete, 1907
Johann Gottfried Bischoff (* 2. Januar 1871 in Unter-Mossau, Odenwald; † 6. Juli 1960 in Karlsruhe) war von 1930 bis 1960 Stammapostel der Neuapostolischen Kirche und bekleidete damit das höchste Amt dieser Religionsgemeinschaft. Während seiner Amtszeit dogmatisierte er die Naherwartung der Wiederkunft Jesu Christi und verkündigte ab 1951, dass die Wiederkunft Christi zu seiner Lebzeit erfolgen würde. Er stürzte damit die Gemeinschaft über Jahrzehnte in eine tiefe Krise und war demzufolge für etliche Abspaltungen und Kirchenausschlüsse mitverantwortlich.
Anfänge Johann Gottfried Bischoff wurde als Sohn eines Maurers geboren und besuchte bis zum 14. Lebensjahr die Volksschule. Zusammen mit seinen elf Geschwistern verlebte er seine Kindheit in großer Armut. Seine Familie gehörte zu den wenigen katholischen Einwohnern von Unter-Mossau. Nach seiner Schulentlassung erlernte er das Schuhmacherhandwerk, arbeitete aber nebenher auch in der Landwirtschaft.
Während seiner Militärzeit in Mainz lernte er 1897 die Apostolische Gemeinde kennen und empfing am 20. Juni desselben Jahres die Geistestaufe (Versiegelung) und damit die Mitgliedschaft in dieser Glaubensgemeinschaft. In seiner Familie stieß dieser Schritt auf Unverständnis. Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst verblieb er in Mainz und bestritt seinen Lebensunterhalt mit einem kleinen Tabakladen.
Am 9. Januar 1898 wurde er zum Diakon ordiniert und bereits am 27. Februar 1898 zum Priester und ersten Vorsteher der Gemeinde Mainz bestellt. Im Auftrag seines Apostels Gustav Ruff bereiste Priester Bischoff schon in damaliger Zeit andere Gemeinden und hielt dort Gottesdienste. Am 9. September 1903 wurde er vom obersten Kirchenleiter, Stammapostel Friedrich Krebs, zum Bischof ordiniert. Von Stammapostel Hermann Niehaus, der seit 1905 dieses Amt innehatte, wurde er 1905 zum Apostelhelfer und am 12. August 1906 zum Apostel ausgesondert. In diesem Amt betreute er die Gemeinden in Mitteldeutschland und Württemberg, zeitweise auch in Baden, Elsass-Lothringen und der Schweiz.
Im September 1907 heiratete er in Dresden die Witwe Margarethe Engel, die aus erster Ehe eine Tochter mitbrachte. Die junge Familie verlegte ihren Wohnsitz nach Frankfurt am Main. Dem Ehepaar wurden die Söhne Friedrich (1909–1987), Ernst und Otto (1910) geboren (letzterer verstarb kurz nach der Geburt). Außerdem nahmen sie noch drei verwaiste Pflegetöchter bei sich auf, darunter die Mutter des späteren Stammapostels Wilhelm Leber. Johann G. Bischoff zog am 1. Oktober 1916 als Sergeant in den Ersten Weltkrieg, der damalige Apostel Carl August Brückner beschrieb das Einrücken Bischoffs so: „… o wehe den Feinden Deutschlands, nun aber war die Bundeslade des Herrn ins deutsche Heerlager gekommen, nun aber war das Schicksal der Feinde besiegelt.“Witlof: Durch Nacht zum Licht Dresden 1921, Seite 91 Am 12. Mai 1917 wurde er aufgrund der Erreichung der Altersgrenze bereits wieder aus dem Heeresdienst entlassen. Ab 1918 wurde Bischoff zunehmend ein enger Vertrauter des Stammapostels Niehaus.
Am 10. Oktober 1920 ordinierte ihn dieser in Anwesenheit aller Apostel zu seinem Helfer und Stellvertreter. Vier Jahre später, am 14. Dezember 1924, bestimmte Niehaus Bischoff zu seinem Nachfolger. Ursprünglich war dazu der sächsische Apostel Carl August Brückner vorgesehen gewesen. Dieser hatte jedoch seit 1917 die zunehmend von Träumen und Visionen geleitete Führung von Niehaus und den Machtanspruch des Stammapostelamtes in Frage gestellt und war am 17. April 1921 aus der Kirche ausgeschlossen worden. Er gründete mit dem sächsischen Apostel Max Ecke, vielen Amtsträgern und etwa 6.000 Mitgliedern den Reformiert-Apostolischen Gemeindebund.
Am 21. September 1930 trat Bischoff das Stammapostelamt in einem Festgottesdienst in Berlin-Südost an, nachdem Niehaus einen Tag zuvor von der Apostelversammlung in den Ruhestand versetzt worden war. Niehaus war gesundheitlich stark angeschlagen, da er sich von einem Sturz, welchen er sich am Tag nach seinem 25. Amtsjubiläum am 25. Januar 1930 in Quelle zugezogen hatte, nicht mehr erholt hatte. Der niederländische Apostel van Oosbree teilte in Berlin mit, dass die Apostelversammlung während ihrer Tagung in Holland bereits am 25. August 1930 die Übernahme des Amtes durch Bischoff beschlossen hatte.Gottesdienstbericht vom 21. September 1930 in Berlin-Südost
Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1934 heiratete er 1936 Pauline Elsässer und verzog mit ihr in ein neu erbautes Haus in der Bernusstraße in Frankfurt am Main. Nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau im Jahr 1944 ging er 1945 mit Elisabeth Hofmann seine dritte Ehe ein.
Amtstätigkeiten Bischoff vertrat ursprünglich in der damaligen Neuapostolischen Gemeinde gemeinsam mit dem Apostel Carl August Brückner recht „freisinnige“ Ideen. 1918 schrieb er an seinen Mitapostel: „Es ist ein Wahn zu glauben, Jesus wohne nur im Fleisch des Apostels … Wie hart war man gegenüber Andersgläubigen! Wie hat man die oft verdammt?! Aber – man hat nicht bedacht, daß in des Vaters Hause viele Wohnungen sind und daß der liebe Gott viele Lehrkörper auf Erden hat … Es kommt leider nur zu oft vor, daß den Gesandten [=den Aposteln] mehr Ehre gezollt wird als dem Sender, und dahin müssen wir kommen, daß der Herr als Grund und Eckstein an den richtigen Platz kommt in seinem Werk“.Kurt Hutten: Seher – Grübler – Enthusiasten; 1982; S. 502 1919/1920 kam es jedoch zu einem Bruch zwischen Bischoff und Brückner, da sich Bischoff von der reformatorischen Linie Brückners wieder entfernte und sich mehr zum Stammapostel Niehaus hielt, während Brückner von dessen Linie eher abrückte.
Es war bei den Kirchenmitgliedern üblich, dass sie dem Stammapostel nicht nur restlos vertrauten, sondern ihn sogar als direkten Stellvertreter Jesu Christi auf Erden ansahen. Diese Tradition rührte noch aus den Zeiten von Stammapostel Friedrich Krebs und seiner später sogenannten „Lehre vom Neuen Licht“, die unter anderem besagte, dass das Haupt Jesu Christi im Stammapostel, bzw. Jesus Christus im Apostelamt Fleisch geworden sei. In der Wächterstimme von 1949, deren Herausgeber J.G. Bischoff war, hieß es:
1932 empfahl Stammapostel Bischoff seinen Bezirksaposteln, den „Gottesdienst für die Entschlafenen [Toten]“ (eine Sonderlehre der Neuapostolischen Kirche) jeweils am 2. Weihnachtsfeiertag abzuhalten, 1950 verlegte er diesen Gottesdienst für alle verbindlich auf den ersten Novembersonntag, zwei Jahre später ordnete er unter dem Eindruck seiner „Botschaft“ an, dass die Totengottesdienste dreimal pro Jahr stattfinden sollten.Günter Knobloch und Walter Drave: Das Entschlafenenwesen, Zürich 1986, Eigenverlag, o. ISBN
Unter der Federführung Bischoffs fand 1946 der erste „Übertragungsgottesdienst“ der Neuapostolischen Kirche in Reutlingen statt, zu welchem die Nachbargemeinde per Postkabel über Ton angeschlossen war. Diese neuen technischen Möglichkeiten gipfelten während seiner Amtszeit unter anderem 1956 in einem Gottesdienst in Frankfurt am Main, zu dem 196.000 Mitglieder in 321 Gemeinden über Postkabel angeschlossen waren. In den späten 1940er Jahren führte Bischoff auch die bezirksübergreifenden Kindergottesdienste in der Neuapostolischen Kirche ein, die bis heute Tradition haben.
1928 und 1956 besuchte er die Gemeinden in Nordamerika, weitere längere Reisen unternahm er nicht. Aus Erzählungen ist bekannt, dass er die schnelle Fahrt mit Kraftfahrzeugen liebte und sich damit auch zu den meisten Gottesdiensten in Deutschland und den umliegenden Gebieten fahren ließ. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren zwischen 1941 und 1946 war seine Reisetätigkeit stark eingeschränkt, so dass er in der Regel in Frankfurt und Umgebung Gottesdienste hielt. Für die Betreuung der Gemeindemitglieder in Afrika, Australien und Asien setzte er 1933 Heinrich Franz Schlaphoff aus Südafrika als Stammapostelhelfer ein, welcher nach unterschiedlicher Darstellung entweder 1954 sein Amt selbst zurückgab oder vom Stammapostel Bischoff des Amtes enthoben wurde.
In Holland kam es nach dem Tode des von Niehaus als Stammapostelhelfer eingesetzten Apostels van Oosbree 1946 zum Eklat. Dieser hatte testamentarisch Lambertus Slok zu seinem Nachfolger bestimmt, was in Frankfurt auf Ablehnung stieß. Bischoff setzte stattdessen Jan Jochems zum niederländischen Apostel und ging somit in Opposition zu den Oosbree-Getreuen. Die Mehrheit der apostolischen Gläubigen trennten sich: Rund 25.000 folgten Slok, der die Apostolisch Genootschap gründete, Bischoff blieben gerade noch 6.000 Mitglieder.
Schon mindestens seit 1948 stand der Bezirksälteste Jakob Bitsch aus Gronau bei Bensheim, dessen Vater mit Bischoff aus der gemeinsamen Soldatenzeit befreundet war, in einem Konflikt mit dem Stammapostel. Er kritisierte „die aufwendige Lebensführung der Familie Bischoff“ und das autoritäre Stammapostel-System und spaltete sich schließlich 1949 mit etwa 21 Gemeinden von der Neuapostolischen Kirche ab. Die etwa 1000 Seelen schlossen sich unter dem Namen „Christen unserer Zeit“ zusammen.Protokoll der Apostelversammlung vom 2. August 1948 in Quelle bei BielefeldKurt Hutten: Seher Grübler Enthusiasten Stuttgart 1958, S. 642
1949 kam es wohl zu einem Annäherungsversuch zwischen einigen 1921 ausgeschlossenen Mitgliedern, welche sich zum Reformiert Apostolischen Gemeindebund zählten, und der Neuapostolischen Kirche. Stammapostel J.G. Bischoff wies dies, schon unter dem Einfluss der nahenden Botschaft, zurück.J. G. Bischoff: Schreiben an die Apostel vom 2. September 1949, S. 4
Während Bischoffs Amtszeit wurden 74 Apostel ordiniert, das waren mehr Aposteleinsetzungen als in der Geschichte der Neuapostolischen Kirche zuvor. Acht dieser eingesetzten Apostel wurden von ihm des Amtes enthoben und diese und weitere aus der Kirche ausgeschlossen.apwiki.de – Apostel der Neuapostolischen Kirche
Verlegertätigkeiten und „Friedrich-Bischoff-Verlag“ Bereits seit 1918 gab Bischoff regelmäßig gedruckte Rundschreiben mit Predigtanleitungen an die Amtsträger seines Arbeitsbereiches heraus, die ab 1922 dann sogar deutschlandweit an alle Amtsträger verschickt wurden. Ab 1926 hießen die Rundschreiben „Amtsblätter“. Im November 1928 verlegte J.G. Bischoff im Auftrag des damaligen Stammapostels Niehaus die Produktion der Schriften des Neuapostolischen Verlages von Leipzig nach Frankfurt. Seinen 19-jährigen Sohn Friedrich Bischoff bestellte er als Geschäftsführer der neu gegründeten „Neuapostolischen Hausdruckerei“ mit einem Gehalt von 400 Reichsmark. Ab Januar 1929 erschienen alle Zeitschriften in Frankfurt. Unter seiner Federführung wurden zwischen 1928 und 1933 auch die Bücher Der Größte unter ihnen, Das Leben nach dem Tode, Die Vollendung und Das Zeugnis der Apostel herausgegeben. Zu den beiden letztgenannten Werken gab es seit der Jahrtausendwende Plagiatsvorwürfe. Zumindest für das Buch Die Vollendung räumte die Kirche 2007 vollumfänglich ein, dass es sich um ein Plagiat handele.nak.org – Stellungnahme zu den Plagiats-Vorwürfen im Internet (PDF; 56 kB)